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Beyond Method Acting – Teil 1: Verführung

Inhaltsangabe:

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte, mit alternativen Enden und Handlungssträngen.

Teil 1: Verführung

Als Fortsetzung stehen 2 Optionen zur Verfügung.

Teil 2: Hochgefühl (Heiko wählt den finsteren Weg, nach Teil 1)

Teil 2: Reue (Heiko lehnt den finsteren Weg ab, nach Teil 1)

Warum ist dieser Typ immer besser als ich?Ich gebe mir so viel Mühe, betreibe sogar Method Acting, und dennoch kann ich Adrian nicht das Wasser reichen.

Heiko machte sich mal wieder Gedanken um seinen Rivalen. Beide waren leidenschaftliche Schauspieler. Sie überzeugten im Theater und hatten sogar Rollen im Fernsehen und im Kino ergattert. Aber auch wenn beide gut waren, Adrian war immer der Bessere.

Ursprünglich waren sie mal beste Freunde, bis sich die Freundschaft in eine erbitterte Rivalität verwandelte. Heiko war neidisch auf das gewaltige Talent Adrians. So sehr er sich bemühte, konnte er doch nie Adrians Schauspiel toppen. Er hasste ihn so sehr dafür, was Adrian nie verstand. Adrian betrieb sein Schauspiel einfach immer aus Freude, während Heiko eine Lebensaufgabe darin sah. Daher gab er sich immer mindestens doppelt so viel Mühe wie Adrian, und dennoch war dessen Niveau für ihn unerreichbar.

Jetzt wurde es noch schlimmer. Adrian Brandt hatte das Interesse von Hollywood geweckt. Er wurde gecastet, für ein großes Drama, und zwar in der Hauptrolle. Ein Heiko Zeigler hingegen, musste sich begnügen mit Deutschland. Er spürte, dass er an einem Punkt angekommen war, den er nicht mehr überbieten konnte.

„Könnte ich Adrian doch nur einmal überbieten. Ich würde alles dafür tun, wirklich alles“, brüllte Heiko in seinem Hotelzimmer. Er war gerade beim Dreh eines Tatorts, genau wie Adrian. Nur dass Adrian kurz darauf nach Übersee flog zu seinem Durchbruch, während Heiko neue Rollen suchen durfte. Er hätte es Adrian nicht einmal übelgenommen, wenn dieser dafür hart gearbeitet hätte. Aber Adrian war ein Naturtalent, welches sich nicht anstrengen musste; ihm fielen die Rollen einfach nur so zu.

Heikos Wut steigerte sich mehr und mehr. „Verflucht seist du, Adrian, wenn ich dich doch nur schlagen könnte. Oh, ich würde so gern deine bitteren Tränen der Niederlage sehen. Ich würde jede Sekunde davon auskosten.“ Heiko schaute auf ein Bild seines Idols Klaus Kinski, welches er immer mitnahm und auf einem Nachttisch aufstellte, wenn er beim Dreh war. Kinski war ein großartiger Schauspieler gewesen, auch wenn er eindeutig ein Rad ab hatte.

Heiko waren die privaten Wutausbrüche von Kinski egal, er bewunderte einfach sein Schauspiel. Deswegen wollte er vor Jahren unbedingt dieses umrahmte Bild von Kinski haben. Er zahlte 10.000,- € dafür, denn es gehörte Kinski selbst. Heiko stellte sich gern vor, wie Kinski sein eigenes Bild auf den Nachtschrank stellte und sich immer selbst anfeuerte. Zumindest feuerte sich Heiko immer selbst an, wenn er auf das Bild seines Idols schaute.

Auch jetzt feuerte sich Heiko an, als er auf das Bild starrte. „Komm, Heiko, das lässt du dir nicht bieten, du wirst Adrian in die Schranken weisen, und es das Letzte ist, was du tust. Adrian darf nicht gewinnen, du wirst siegen. Egal was du dafür tun musst, du wirst siegen.“

Heiko starrte konzentriert auf das Foto von Kinski, als er plötzlich eine Präsenz spürte und die Worte hörte: „So du bist bereit alles zu, um zu siegen.“ Die Stimme war unheimlich und Heiko erschrak, er schaute sich um, wo kam die Stimme her? „Hierher, schaue wieder auf das Bild.“ Heiko schaute wieder auf das Foto. Ein Leuchten ging von dem Foto aus. Eine finstere Aura umgab es und ein Wesen formte sich davor, welches wie die Nebelsilhouette eines Menschen erschien.

„Nun Heiko willst du wirklich alles tun, um besser zu sein als Adrian?“, fragte dieses unheimliche Wesen.

„Woher kennst du meinen Namen? Und was bist du überhaupt?“ erwiderte Heiko erschrocken.

„Nun, Heiko, du besitzt dieses Foto schon lange, da bekommt man natürlich mit, wer einen mit sich herumträgt. Und was ich bin oder besser was wir sind? Siehe in uns die Essenz des darstellenden Spiels. Wir sind ein Geist, der sich aus mehreren Darstellern formte. Wir sind Andragul, die Vereinigung der Schauspielerseelen.“

„Andragul?!“

„Ja, das ist unser Name.“

„Was wollt ihr von mir?“

„Ist es nicht offensichtlich? Wir verhelfen dir zu dem Ruhm, der dir zusteht.“

„Zu dem Ruhm, der mir zusteht? Wie das?“

„Wir können dein Schauspiel auf ein ungeahntes Niveau heben. Weit jenseits dessen, was jemand mit Method Acting erreicht.“

Heiko war unsicher, ob er nicht einfach halluzinierte, aber was er hörte, war zu verlockend, um es auszuschlagen. „Aha, und wie soll ich das schaffen?“, fragte er.

„Nun, Heiko, wer Method Acting betreibt, versucht sich über einen langen Zeitraum, in die zu spielende Person zu versetzen. Er lebt teils Monate so, als wäre er diese. Wenn du unser Angebot annimmst, lebst du nicht nur so, du bist die zu spielende Person.“

„Ich bin die zu spielende Person?“, fragte Heiko verblüfft.

„Ja, Heiko, in einer Biographie, können wir dich mit der Seele der Person verbinden, die du spielen sollst. Wenn du einen fiktionalen Charakter spielst, verbinden wir dich mit den Seelen, die am besten zur Rolle passen. Du wirst sehen, wir können dich immer zu der Person machen, die du spielen sollst.“

Heiko war getriggert, er wollte mehr wissen. „Was ist der Preis dafür? Wie kann ich das alles bekommen, und was wollt ihr dafür?“

„Wir wollen, dass du nach deinem Ableben Teil von Andragul wirst, wie so viele vor dir. Du musst nur schwören, dich uns anzuschließen und alles zu tun, um der beste Schauspieler zu sein.“

Konnte das wirklich wahr sein, was Heiko vernahm, war das seine große Chance? Heiko dachte drüber nach, ob er phantasierte, aber dann gab es ja keine Konsequenzen, wenn er so einen blöden Schwur leistete. Er hätte sich nur allein in seinem Zimmer zum Affen gemacht. Also gab er den Schwur ab.

„Ich schwöre, mich Andragul anzuschließen und alles zu tun, der beste Schauspieler der Welt zu sein.“

„So sei es!“, antwortete Andragul und eine Teil seiner Aura ging auf Heiko über. „Nun hast du dich Andragul angeschlossen. Du wirst alle überstrahlen auf der Bühne und vor der Kamera. Du bist nun verpflichtet alles zu tun der Beste zu sein, unter allen Darstellern. Außerdem musst du von jeder Person, die ein spezielles Schauspiel dir wünscht, zumindest einmal diesen Wunsch erfüllen.“

Heiko spürte wie ihn etwas unfassbar Mächtiges durchflutete. Nun würde er Adrian und auch jeden Anderen in den Schatten stellen.

3 Monate waren vergangen. Heiko hatte damals bravourös seine Rolle im Tatort gespielt, und nun hatte er seinen nächsten Dreh. Es war ein Drama, in dem er einen Alkoholiker spielte, der seine Frau und sein Kind schlug. Das Drama zog seine Kraft aus einem Trauma, das der besagte Alkoholiker erlitt und diesen erst zur Flasche hatte greifen lassen.

Andragul gewährte ihm eine passende Seele, welche ihm dieses Schauspiel so gut ermöglichte, dass er praktisch wirklich diese Person war. Allerdings hatte dies seine Schattenseite. Während des Drehs in München lebte er bei seiner jüngeren Schwester, die eine alleinerziehende Mutter war. Sie hatten immer ein tolles Verhältnis zueinander. Julia Zeigler liebte ihren großen Bruder abgöttisch. Aber dank seiner Seelenverbindung begann auch er zu trinken. Er fing an, seine Schwester und seine kleine Nichte zu terrorisieren.

Eines Tages wurde es so schlimm, dass er Julia schlug. Alle waren geschockt, Julia, seine Nichte und am meisten er selbst. Sie verzichtete auf eine Anzeige, aber er musste in ein Hotelzimmer umziehen und ihr versprechen, zu den anonymen Alkoholikern zu gehen. Seit diesem Tag wagte er es nicht mehr, zu seiner Schwester zu gehen. Er schämte sich für seine Taten, auch wenn sie nicht allein sein Werk waren. Die Seele in ihm, war äußerst aggressiv und konnte mit dem Alkohol nicht umgehen. Da sie praktisch ein weiterer Teil von ihm wurde, konnte er nur sehr schwer gegen sie ankämpfen; sie war nun ein Teil von ihm.

So schlimm seine Lage privat wurde, seinem Schauspiel tat es keinen Abbruch. Im Gegenteil, er wurde gerühmt. Er bekam endlich die Aufmerksamkeit, die er immer wollte. Nun kamen weitere große Rollen, die ihn hervorheben, aber auch weiter in die Finsternis ziehen sollten. Er durfte in einer Biographie Rudolf Pleil spielen. Einen deutschen Serienmörder, der als der Totmacher in die Geschichte eingehen sollte.

Auch wenn er Angst hatte, so eine Seele in sich aufzunehmen, konnte er sich nicht dagegen wehren. Sein Freund und Regisseur, Vincent Haarland bat ihn darum, diese besondere Rolle in seinem Film zu spielen und diese mit Bravour zu meistern, sowie es Heiko mit der letzten Rolle tat. Heiko musste jeder Person wenigstens einmal den Wunsch nach einem großartigem Schauspiel gewähren, sobald diese gegenüber Heiko den Wunsch äußerte.

Heiko bekam es nun mit der Seele von Pleil zu tun, einem absolut widerwärtigem Sadisten, dem das Töten Spaß machte. Machte es Heiko bereits was aus, mit einem Alkoholiker infiziert worden zu sein, verängstigte ihn dies noch umso mehr. Pleils sadistische Neigungen waren unfassbar schwer zu unterdrücken. Heiko bekam nun selbst immer häufiger den Wunsch, selbst zu vergewaltigen, zu morden und seine Opfer zu zerstückeln.

Natürlich war er beim Dreh wieder herausragend. Er konnte diese Rolle wahrhaft verkörpern, da dieser Mörder wirklich in ihm steckte. Sein Schauspiel war so gut, dass es sogar die Leute am Set ängstigte, während sie ihn gleichzeitig dafür bewunderten. Die Angst der Anderen war hierbei berechtigt. Er hatte bereits einige als seine potentiellen Opfer ausgemacht. Er wehrte sich innerlich mit Händen und Füßen gegen Pleils dunkle Triebe. Gleichzeitig waren diese übermächtig in ihm. Nachdem der letzte Drehtag abgeschlossen war, folgte er einer Person, die es ihm besonders angetan hatte. Rebeka Jantzen hatte Pleils Ehefrau in der Biographie gespielt und Heiko fand unter Pleils Einfluss, sie wäre das richtige Opfer.

Er war ihr schon mehrfach gefolgt und hatte ihre Routinen ausspioniert. Immer wieder kamen ihm die perversesten Mordfantasien dabei. Er malte sich aus, wie er sie zunächst mit einer Axt bedrohte und danach vergewaltigte. Dann wollte er sie anschließend mit der Schneide seiner Axt nochmal vergewaltigen und sich an ihren Schreien laben. Wenn sie dann verblutet wäre, würde er sie in Stücke hacken.

Rebeka war nun in ihrem Hotelzimmer und es war gerade Mitternacht. Heiko hatte das Zimmer neben ihr und konnte von seinem Balkon aus auf ihren klettern. Durch das Balkonfenster beobachtete er sie, während sie zum Ausklingen Fernsehen guckte. Dabei steigerte sich mental immer mehr und mehr in seine Fantasien. Er wollte warten, bis sie schlafen ging, um dann in ihr Zimmer einzubrechen. Einbruchswerkzeug und eine Axt hatte er sich bereits besorgt. Er war vorbereitet für seine Tat. Ob er Spuren hinterließ, war für ihn zweitrangig. Zwar würde er versuchen nicht geschnappt zu werden, aber der Drang, es heute Nacht zu machen, war ihm definitiv am wichtigsten.

Plötzlich meldete sich wieder Heikos Gewissen und dazu vereint die Angst, lebenslang ins Gefängnis zu kommen. Die unbändige Mordlust von Pleil und Heikos Gewissen stritten nun miteinander. In seinen Gedanken entbrannte ein heißer Kampf.

Was machst du nur Heiko, willst du wirklich sowas schlimmes machen, willst du für immer in den Knast, dass bist du nicht du.

Oh doch Heiko, mit mir bist du genau so geworden. Du willst der beste Schauspieler der Welt sein und das ist deine ultimative Rolle. Du willst das, genauso wie ich das will, gib es endlich zu.

Heiko war im absoluten Zwiespalt. Konnte er dem Drang doch noch widerstehen, oder würde er heute Nacht zum sadistischen Mörder werden

(Achtung! Die Fortsetzung Hochgefühl ist eine NSFW Geschichte.)

Autor: Schatteneremit

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