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Beyond Method Acting – Teil 2: Reue

Teil 2: Reue

Inhaltsangabe:

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte, mit alternativen Enden und Handlungssträngen.

Teil 2: Reue

Als Fortsetzung stehen 2 Optionen zur Verfügung.

Teil 3: Zahltag (Heiko geht seinen finsteren Gedanken nach.)

Teil 3: Konfrontation (Heiko stellt sich seiner Situation und will der Finsternis entkommen.)

Heiko kämpfte gegen den Drang an, Rebeka zu vergewaltigen und zu ermorden. Er konnte es einfach nicht tun. Er zwang sich, wieder auf seinen Balkon zu steigen und in sein Zimmer zu gehen. Pleil schrie in ihm, es endlich zu tun, sein Gewissen zu vergessen. Aber Heiko wollte unbedingt widerstehen. Er nahm die Axt, welche er für Tat gekauft hatte und schlug sie seitlich in sein rechtes Wadenbein. Ein lauter Schrei entfuhr ihm, es war ein unfassbarer Schmerz. Aber zum Glück reinigte der Schmerz auch seine Sinne. Er lag da und und wand sich, als es auf einmal klopfte. Jemand hatte seinen Schrei gehört.

„Heiko, bist du in Ordnung? Ich habe einen Schrei gehört“, vernahm er auf einmal Rebekas Stimme.

„Mache dir keine Sorgen, Rebeka, es ist nichts. Ich bin nur gestolpert und habe mir etwas weh getan.“

„Bist du sicher, Heiko? Der Schrei war schon ziemlich heftig, ich mache mir echt Sorgen.“

„Ich sage dir doch, es ist nichts, gehe wieder in dein Zimmer. Ich habe mir einfach dabei erschreckt. Glaub mir, es geht mir gut.“

„Ich würde lieber ins Zimmer kommen und mich selbst davon überzeugen.“

„Nein, Rebeka, ich will jetzt meine Ruhe haben.“

„Gut, wie du meinst, Heiko, aber gib Bescheid, falls du doch Hilfe Brauchst“, antwortete Rebeka gedämpft durch die Tür. Dann hörte er, wie sie sich wieder in ihr Zimmer begab.

Da hatte er nun den Schlamassel. Das war schon eine böse Verletzung. Es musste erstmal seine Wunde versorgen. Zum Glück gab es im Badezimmer einen Verbandskasten. Er zog die Axt aus seinem Bein und humpelte dorthin, dann desinfizierte und verband er die Wunde. Dann humpelte er zu seinem Bett. Zum war die Wunde nicht so tief wie erst gedacht, aber er brauchte eine Erklärung für das Hotel. Zu Heikos Glück war er jemand, der gern schnitzte und entsprechend auch immer ein Messer dafür dabei hatte. Damit konnte seinen Unfall erklären, ohne die Axt zu erwähnen.

Heiko nahm sein Schnitzmesser und streifte es an der blutigen Axtschneide, damit auch daran etwas Blut haftete. Dann versteckte er seine Axt und die Einbrecher-Utensilien in einer Reisetasche, die er dabei hatte, und wollte gerade schlafen gehen, als Andragul plötzlich auftauchte.

„Heiko, Heiko, du enttäuschst mich. Ich dachte du würdest komplett in deiner Rolle aufgehen.“

Heiko sah Andragul verängstigt an und antwortete ihm zitternd: „Das war so nicht ausgemacht. Ich sollte ein großartiger Schauspieler sein, kein Mörder.“

„Um ein großartiger Schauspieler zu sein, musst du zu dem werden, was du spielst.“

„Aber ich habe ein großartiges Schauspiel geliefert bei den Dreharbeiten. Ich habe meinen Teil erfüllt.“

„Bist du wirklich so naiv, Heiko? Das Schauspiel endet nie. Aber gut, wollen wir mal nicht so sein. Du hast wirklich eine tolle Darbietung abgeliefert. Erstmal begnügen wir uns damit. Du erhältst eine kleine Schonfrist. Aber irgendwann wollen wir, dass du den nächsten Schritt gehst.“

„Soll ich verdammt noch mal wirklich dafür zum Mörder werden?“

„Wenn es die Darbietung erfordert, natürlich Heiko. Du sollst die wahrhaftige Darbietung deines Spiels werden. Dafür muss man manchmal über Leichen gehen.“

Heiko sah Andragul einfach nur entgeistert an. Hatte er richtig gehört. Saß er dermaßen in der Falle? Er hatte innerlich schon so etwas Schlimmes geahnt, doch gehofft, dass es Grenzen gab, die er nicht überschreiten musste. Nun wurde er eines Besseren belehrt.

„Wie mir scheint, müssen wir dich daran erinnern, wofür du unsere Hilfe wolltest. Du wirst bald Besuch von jemand Bekanntem bekommen. Wir hoffen, dann weißt du wieder, was dein Ziel ist.“

Daraufhin verschwand Andragul und ließ Heiko allein im Zimmer zurück. Heiko saß noch ein paar Minuten nachdenklich auf seinem Bett. Dann legte er sich doch schlafen, er war einfach geschafft und hundemüde.

Am nächsten Morgen erwachte Heiko und gab dem Zimmerservice Bescheid bezüglich der Blutflecken. Er tischte dem jungen Mann, der vor ihm stand, eine Geschichte auf, wonach er stolperte und unglücklich auf seinem Messer landete. Dabei zeigte er kurz sein verbundenes Bein. Der junge Mann sah ihn kurz verwundert an. Es war schon eine komische Story, aber andererseits hatte keinen Grund, diese anzuzweifeln. Er gab Heiko mit, dass sich die Reinigung darum kümmern würde und fragte, ob noch medizinische Hilfe nötig war. Heiko verneinte das und verabschiedete sich vom Zimmerservice, um sich bereit für die Abreise zu machen.

Es waren mittlerweile 3 Monate vergangen. Heiko hatte seine Wunde auskuriert. Sie war wirklich nicht so schlimm gewesen, wie erst gedacht, aber eine hässliche Narbe blieb. Er bereitete sich vor, zu seinem nächsten Dreh zu gehen. Er hatte eine Rolle in Krimi bekommen. Es war wieder nur eine nationale Produktion. Als es zum Casting zu einem Hollywoodfilm gehen sollte, war er noch verletzt und wollte sich erst auskurieren.

Er freute sich dennoch darauf, auch wenn er mal größere Träume hatte. Jetzt erschienen ihm diese vermessen. Er wollte sich auch eigentlich nur auf sein eigenes Schauspiel verlassen, aber Andragul ließ ihm keine Wahl und gab ihm eine passende Seele. Was Heiko Sorgen bereitete, denn er spielte einen Kinderschänder und Mörder. Diesmal konnte Heiko aber bisher ziemlich gut, die dunklen Triebe beherrschen. Nur würde irgendwann auch Andragul seinen Blutzoll einfordern, Heiko fürchtete sich davor.

Als er dann etwas später beim Dreh war, wurde er überrascht von einer kurzfristigen Änderung, der Hauptrolle. Adrian Brandt spielte nun den Ermittler, der ihn jagte. Was sollte das, war ihm Deutschland denn noch gut genug? Adrian hatte doch den Durchbruch in Hollywood geschafft.

Adrian grinste Heiko an. „So sieht man sich wieder, Heiko. Ich dachte, ich nehme der alten Zeiten willen, mal wieder eine Rolle in Deutschland an.“

„Du und sentimental, Adrian, dass ich nicht lache. Du hast doch schon früh durchblicken lassen, dass Deutschland nicht mehr gut genug für dich ist. Was willst du wirklich?“

„Du hast Recht, Heiko. Aber noch werde ich dir den Grund nicht nennen, den erfährst du noch früh genug.“Adrian lächelte vielsagend und wandte sich ab. Er ging zum Regisseur und ließ einen leicht verdutzten Heiko zurück.

Nun war Heikos Ehrgeiz wieder geweckt. Er wollte es diesem Wichtigtuer unbedingt zeigen. In den nächsten Wochen entwickelte sich ein regelrechter Wettbewerb der Beiden beim Dreh. Von Szene zu Szene wurde eine grandiose Darbietung, von der nächsten, noch besseren abgelöst. Sie wollten unbedingt besser sein, als der jeweils andere. Die Filmcrew war einfach nur baff. So ein großartiges Schauspiel hatten sie noch nicht gesehen.

Am Ende zeigte allerdings Adrian das bessere Schauspiel. Heiko war etwas geknickt, aber so sehr wie früher, hatte es ihn doch nicht mehr beschäftigt. Heiko hatte seinen übertriebenen Ehrgeiz besiegt, dass wurde ihm nun bewusst. Er war glücklich darüber; er hätte zwar gern Adrian einmal geschlagen, aber er erkannte, dass seine Ambitionen in einen Wahn gedriftet waren, der das ganze nicht wert war. Jetzt bereute er seinen Eifer, welcher ihm nur Schmerz zugefügt hatte. Sollte doch Adrian der bessere Schauspieler sein, Heiko war trotzdem gut darin und er war zufrieden.

Heiko ging nach dem letzten Drehtag wie üblich zu seinem Zimmer, er wollte sich schick machen und Ausgehen, ihm war einfach zum Feiern zumute. Vor seiner Tür stand Adrian, der ihn geringschätzig anblickte.

„Glückwunsch zu deinem grandiosem Schauspiel, Adrian“, lobte ihn Heiko.

Adrian sah ihn verwundert an und fragte: „Wer bist du, wer hat Heiko Zeigler ausgetauscht? Er hätte mir nie Glückwünsche für mein Schauspiel gegeben.“

„Das war der alte Heiko Zeigler. Ich bin erwachsen geworden“, entgegnete ihm Heiko.

Nun sah ihn Adrian mitleidig an und sagte: „So, so, ich hatte schon gehört, dass du dein Ziel aus den Augen verlieren könntest. Auch wenn es mich das jetzt etwas verwundert, dass du so ein Schlappschwanz bist, der aufgibt, scheint es ja doch in deiner Natur zu liegen. Da wird jemand ganz schön enttäuscht sein.“

„Verdammt, Adrian, kannst du nicht mal ein Kompliment annehmen? Du bist auch einfach nur ein großes Kind. Willst immer und überall triumphieren, auch wenn es nichts zu gewinnen gibt. Was willst du überhaupt von mir, Adrian? Du hast erneut das beste Schauspiel geliefert, sollte dich das nicht glücklich machen?“

„Es gibt immer etwas zu gewinnen, Heiko. Ich dachte, du hättest die Lektion gelernt, aber anscheinend ist dem nicht so. Glaubst du echt, ich habe diese jämmerliche Rolle angenommen, wenn ich nicht einen guten Grund dafür hätte. Andragul schickt mich. Er ist sehr unzufrieden mit dir.“

Heiko erstarrte. Andragul schickte ihn? Das kann nicht sein, er hatte doch einen Deal mit ihm. Wieso wusste jetzt auch Adrian von ihm?

„Was guckst du belämmert aus der Wäsche Heiko. Glaubst du allen Ernstes Andragul fördert nur einen Darsteller. Ich war selber verwundert, als er mir mitteilte ich soll zurück nach Deutschland, um einen anderen Schützling wieder auf den Weg zu bringen. Zugegeben, dass er einen anderen Schützling hat, verwunderte mich jetzt weniger, aber ausgerechnet dich du Waschlappen, was hat ihn bloß da geritten.“

Heiko war noch immer perplex. Aber nun klärte sich sein Geist langsam. Jetzt ergab Adrians müheloses, überragendes Spiel auf einmal Sinn. Andragul hatte immer ein falsches Spiel mit ihm getrieben, jetzt war Heiko wütend.

„Sag Andragul, ich bin fertig mit ihm! Ich will nichts mehr von seinem großen, grandiosen Schauspiel wissen.“

„Sag es ihm doch selbst, Heiko! Ich befürchte nur, er ist noch nicht fertig mit dir. Deal ist Deal. Ich glaube, sowas macht ihn wütend.“

„Deal ist Deal, er hat mich beschissen, nicht umgekehrt, das Ziel sollte sein, dass ich dich übertrumpfe. Aber dann erfahre ich, du warst auch schon längst unter seinen Fittichen.“

„Ich glaube, Andragul sieht das differenzierter als du. Jedenfalls will er, dass ich mir ein Schauspiel für dich überlege, das dich endlich von deiner Moral und deinem Gewissen befreit. Im Gegensatz zu dir, will ich Andragul nicht verärgern, das wäre ungesund. Daher habe ich mir schon was für dich überlegt.“

„Sag Andragul, ich kläre das selbst mit ihm. Er braucht nicht seinen kleinen Laufburschen vorschicken.“

„Sorry, aber Befehl ist Befehl. Ich fordere von dir ein grandioses Schauspiel. Du liebst doch deine Schwester so sehr, sicher wird sie dir bei der Rolle helfen. Spiel den Ehrenmord an Hatun Sürücü durch ihren Bruder Ayhan Sürücü nach. Du erinnerst dich sicher noch an das Verbrechen aus dem Jahr 2005. Du bist Ayhan; und denke daran, Andragul beobachtet dich!“

Heiko war geschockt. Er musste jedem, der es verlangte, zumindest einmal ein gewünschtes Schauspiel liefern. Außerdem würde Andragul persönlich ihn beobachten. Adrian lächelte triumphierend, als er Heikos verzweifelten Blick sah, und ging wieder. Heiko stand nun allein da, völlig verzweifelt. Was sollte er nur tun. Dann kam auf einmal Andragul wieder.

„Nun Heiko, die Schonfrist ist vorbei. Du weißt was wir verlangen.“

„Das kann nicht dein Ernst sein Andragul, du kannst doch nicht verlangen, dass ich meine Schwester ermorde.“

„Doch wir können und wir tun es auch. Du wurdest vorgewarnt. Glaube ja nicht das du dich raus winden kannst aus unserem Vertrag.“

„Verdammt, was soll das, warum bist du nur so ein Sadist und warum hast du mir einen Vertrag angeboten, wenn du bereits einen mit Adrian hattest.“

„Nun, wir leben von großartigem Schauspiel; es gibt uns Kraft, und Konkurrenz belebt das Geschäft. Auch der beste Schauspieler, kann noch besser werden, wenn er einen Rivalen hat, mit dem er sich misst. Wir wollten euer beider Schauspiel verbessern und uns daran laben.“

„Das ist alles?“ fragte Heiko ungläubig.

„Das ist alles, Heiko, und wir empfehlen dir, dass du den Vertrag einhältst, sonst wirst du es bereuen. Außerdem, wenn du dich aus Rache an Adrian vergreifst, halte es im Rahmen. Es ist OK wenn du ihm wehtust, aber wenn du ihn tötest, wirst du es ebenfalls bereuen. Wir mögen es gar nicht, wenn man uns einen Schauspieler nimmt. Und bevor ich es vergesse, da es eine Biographie ist, kann ich dir nur die Originalseele des Täters geben, keine Vergleichsseele. Da er aber noch lebt, kann ich dir nur den kleinen Teil geben, der starb bei seiner Tat.“

Nach seinen Worten verschwand Andragul wieder. Heiko war in der Zwickmühle, was sollte er nur tun? Plötzlich war das angekündigte Stück Seele in ihm. Aber diesmal war der Drang für die Tat geringer. Er hatte nicht die komplette Seele erhalten. Ein Teil hatte den Wunsch nach dem Mord, um die Familienehre wiederherzustellen, aber ein anderer, winziger Teil schien so etwas wie ein Gewissen zu sein. Heiko erkannte: wahrscheinlich stirbt ein Teil der eigenen Seele bei einem Mord, weil man sein Gewissen opfert.

Heiko war unsicher, ob er sein Gewissen opfern wollte. Seine Schwester wollte er nicht töten und diesmal war der Drang nicht so stark, er konnte definitiv dem Schauspiel widerstehen. Aber würde er Adrian zur Rechenschaft ziehen dafür? Er hatte seine Familie da mit reingezogen, dass verzieh er ihm nie. Er wünschte definitiv Adrians Tod, aber er wusste nicht, ob er sich in diese Finsternis begeben wollte. Heiko fragte sich, was konnte und was würde er jetzt tun.

Autor: Schatteneremit

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