GeisteskrankheitKrankheitenLang

Chickenwings, Sex und Drogen.

„Ich kann nicht mehr.“

Ophelias Hand sucht die meine. Ein leises Seufzen verlässt die zarten Lippen des Mädchens, das auf mir liegt.

“Scheisse, ich kann einfach nicht mehr”, wiederhole ich mit krächziger Stimme und drücke Ophelias Hand. Zu oft hat das Mädchen diese Worte aus meinem Mund gehört, so oft, dass sie ihnen keinen Glauben mehr schenken kann, das ist mir bewusst. Ihre Fingerkuppen streicheln über meinen Handrücken. Ich spüre, wie ich nervös werde und löse meine Hand von ihrer. Ich brauche Abstand, aber irgendwie auch nicht. Ich kann mich nie entscheiden. Ophelia weiss das. Sie weiss, wie ich ticke. Ihre Wangen streichen über meine Haut, als sie von mir herunter rollt und sich in die Kissenburg neben uns fallen lässt. Sie dreht sich von mir weg und dann wenig später auf den Rücken. Ihre Augen sind auf die Decke gerichtet. Sie kaut auf ihrer Unterlippe herum. Das tut sie immer, wenn sie nachdenkt. Ich kenne das Mädchen in und auswendig, so wie sie mich. Wir treffen uns bereits seit sechs Monaten. Sporadisch. Immer dann, wenn einer von uns beiden den anderen gerade braucht. Wir führen eine Art Zweckbeziehung. Sozusagen ein masochistisches Ping-Pong. Wir sind die Schläger und der Ball, der über den Tisch hüpft, ist Kummer. Ophelia ist genauso kaputt wie ich. Zwei Spiegel zu Scherben zerbrochen. Irreparabel geschädigt. Für immer.

„Soll ich nach Hause gehen?“, fragt sie und dreht sich zu mir um. Unsere Blicke treffen sich und je länger ich das Mädchen ansehe, desto mehr verschwimmen ihre Züge und verstecken sich hinter einem Schleier aus Tränen. „Vielleicht wäre das gut.“

Wieder ein Seufzen ihrerseits. Ihr Daumen zwängt sich in mein Sichtfeld und wischt die eine Träne, die droht über meine Wange zu laufen, einfach weg. „Als ob ich dich jetzt so zurücklassen könnte“, sagt sie und küsst mich.

„Angst, dass ich weg bin, sobald du durch die Tür gehst?“, scherze ich und bin mir nicht einmal sicher, ob das wirklich als Scherz meine. Ophelias Augen mustern mich kritisch, dann inspiziert sie das Bett und findet den Revolver, der sich zwischen zwei Kissen versteckt hat. Das Mädchen greift nach meinem letzten Ausweg. Ihre Brüste berühren dabei meinen Bauch und ich halte automatisch die Luft an. „Du willst dir nicht wirklich in den Kopf schießen oder? Ich meine… das gibt eine Riesenschweinerei. Dein Hirn wäre hier überall verteilt.“ Sie streckt ihren Arm aus und zeichnet mit ihren freien Hand einen imaginären Kreis. Ein Lächeln schleicht sich auf meine Mundwinkel. „Du darfst die Schweinerei später wegwischen, wenn es dich stört.“

„Wow, was für eine Ehre! Ich glaube, mir gefällt, wo dein Hirn jetzt gerade ist.“ Ein Kichern verlässt ihre Kehle und wenige Augenblicke später sitzt das Mädchen rittlings auf mir und drückt den Lauf der Pistole gegen meine Stirn. Das Metall fühlt sich kühl an und bringt gleichzeitig meine Lende zum Kochen. Ophelias Finger gleitet über den Abzug. Neckt ihn, spielt mit ihm und verführt ihn. Völlig fasziniert beobachte ich, wie sie mit Leben und Tod spielt. Das hat mich schon immer an den Mädchen gereizt. Ihr Hang zur Dramatik. „Peng,“, haucht sie leise und presst die Mündung der Pistole fester gegen meinen Kopf. Ein sehnsüchtiges „Bitte, tu es“ löst sich von meinen Lippen und zaubert dem Mädchen ein Grinsen ins Gesicht.

„Ich will dich nicht erschießen“, erwidert sie und lacht.

„Warum nicht?“, frage ich, obwohl ich die Antwort bereits kenne.

„Ich wäre ganz schön einsam ohne dich. Schätze mal, ich bin zu egoistisch, um dich abzuknallen”, antwortet sie und bugsiert eine Augenbraue in die Höhe.

„Sobald du dieses Zimmer verlässt, werde ich es sowieso tun.“

„Dann verlasse ich eben dieses Zimmer nicht mehr.“ Der Trotz in ihrer Stimme ist deutlich raus zu hören. Sie kann sich nicht von mir lösen, obwohl sie versprochen hat loszulassen, sobald ich gehen will. Das ist der Deal gewesen. Damals vor sechs Monaten. Wir spenden uns gegenseitig Trost, bis ich bereit bin, zu gehen.

„Du wirst irgendwann dieses Zimmer verlassen“, sage ich rau und lege meine Hände auf ihre Oberschenkel.

„Erst wenn du versprichst, dich nicht umzubringen, sobald ich durch diese Tür dort gehe.“ Sie zeigt mit der freien Hand zur Tür, als würde ich nicht wissen, wo sie sich befindet.

„Ich würde lügen, wenn ich es dir verspreche“, gestehe ich und fange an, ihre Beine zu streicheln, in der bizarren Hoffnung den Kummer einfach von ihrem Körper wegwischen zu können.

Sie schürzt ihre Lippen und nimmt den Revolver aus meinem Gesicht. Missbilligend betrachtet sie die Waffe. „Ich hasse dich, du blödes verdammtes Scheissding”, flucht sie und wirft dem Ding einen finsteren Blick zu.

„Die Waffe kann doch nichts dafür.“

„Sie wird uns trennen, wenn ich dich nicht aufhalten kann.“ Nun schleichen sich auch Tränen in ihre Augen. Es wären nicht die ersten, die heute vergossen werden. Aber das macht nichts, Ophelias Make-Up ist sowieso bereits völlig ruiniert. Dunkle Schatten ziehen sich über ihre geröteten Wangen und der rote Lippenstift ist verschmiert.

„Wir sind nicht zusammen“, erinnere ich das Mädchen und weiss, dass ich sie damit verletze. Vielleicht muss ich ihr weh tun, um zu bekommen, was ich will. Und im Moment will ich nichts lieber, als einen perfekt platzierten Kopfschuss.

„Nicht zusammen.“, wiederholt sie spöttisch und schmunzelt. „Trotzdem spüre ich gerade etwas Hartes gegen meinen Po drücken.“

Meine Lippen bilden eine schmale Linie. „Ich kann meinen Körper nicht kontrollieren.”

„Ausreden.“

Sie umklammert die Waffe fester, bis ihre Fingerknöchel sich weiss färben. Wut. Blanke Wut spiegelt sich in ihrer Mimik wider. 

„Es gibt keinen Grund sauer zu sein. Das zwischen uns war nie für die Ewigkeit und ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt“, sage ich in einem ruhigen Tonfall und blicke sehnsüchtig in den Lauf der Pistole. Kann ich Ophelia genug provozieren, abzudrücken? Wäre es unfair, ihr diese Last aufzuerlegen?

„Doch, den gibt es. Es gibt einen Grund“, mault sie und verengt die Augen zu Schlitzen.

„Nein.“

„Doch, du hast gerade behauptet, ich würde dir nichts bedeuten.“

„Das stimmt doch gar nicht, ich habe lediglich gesagt, dass wir nicht zusammen sind.“

„Das ist dasselbe. Verdammt. Es tut genauso sehr weh.“

„Es ist wirklich am besten, wenn du jetzt gehst. Dort draußen warten so viele auf dich.“

„Ach ja, tun sie das? Hör doch auf zu lügen. Du weisst, dass ich genauso kaputt bin wie du. Ich habe niemanden dort draußen. Absolut niemanden. Ich bin allein. Allein ohne dich. Du kannst mich nicht einfach hier zurücklassen und abhauen. Das ist feige. Hast du gehört? Feige, verdammt…“

Die Tränen lassen sich nicht mehr zurückhalten und prasseln ihr in Strömen über das Gesicht.

Ich schweige. Irgendwie hat das Mädchen recht. Aber irgendwie auch nicht. Schließlich ist es mein Leben und ich bin niemandem Rechenschaft schuldig, wenn ich beschließe es wegzuwerfen. Ob es feige ist oder nicht, das spielt keine Rolle. Das Ergebnis zählt.

„Hast du nichts dazu zu sagen?! Na gut. Vielleicht sollte ich mich auch erschiessen.“ Langsam führt sie die Waffe zu ihrem Mund und als ihre Lippen den Lauf berühren, erfasst mich die blanke Panik. Es ist nur ein einziger Schuss im Magazin. 

„Tu das nicht”, bitte ich sie und will schon nach der Waffe greifen, aber dann passiert etwas, das mich innehalten lässt. Ihre Zunge leckt über die Mündung. Stück für Stück verschwindet die Knarre in ihrem Mund. Sie spielt nur mit mir. Ich spüre, wie mein Körper darauf reagiert und verfluche die Hitze, die in mir aufsteigt. Nicht jetzt. Kontrolliere dich. Nicht jetzt. Nein. Wie ein dunkler Passagier in mir selbst gefangen, beobachte ich, wie meine Hand nach der Waffe greift und sie zurückerobert, obwohl ich das Schauspiel gerne länger verfolgt hätte. Ohne Protest lässt Ophelia sich die Pistole abnehmen.  

„So schmeckt also der Tod“, kichert sie und streicht sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Das ist nicht lustig“, knurre ich, immer noch erregt, obwohl ich es nicht sein möchte.

„Na dann weisst du, wie ich mich fühle.“

Unsere Augen treffen sich. Ich mochte das Grün in ihren von Anfang an. Grün. Grün, wie die Farbe der Natur und die Natur ist eine der wenigen Schönheiten, die diese Welt zu bieten hat. Aber alles, was schön ist, wird von Menschen irgendwann zerstört und selbst etwas so Gewaltiges wie die Erde ist vor unsereins nicht sicher. Ich selbst war auch einmal schön. Damals vor drei Jahren. Ein durchtrainierter, intelligenter Student mit vollem Haar und markanten Gesichtszügen, der hin und wieder gemodelt hat, um sich etwas dazu zu verdienen. Mir standen alle Wege offen. Karriere, Reichtum und Frauen. Oh ja, viele Frauen begehrten mich, wollten die eine an meiner Seite sein. Aber ich, ich hatte nur Augen für Eine. Bis sie mir genommen wurde.

Ein sonniger Frühlingstag, so schön, schöner hätte er nicht sein können. Die ersten Blumen ragten aus der vom Regen noch immer feuchten Erde und die Bäume erwachten langsam aus ihrem Winterschlaf. Paula und ich … wir waren glücklich, wollten endlich nach zwei Jahren Beziehung zusammenziehen und an dem Tag war es endlich soweit. Die Umzugskarton waren gepackt und mussten nur noch in den Wagen befördert werden. Paula ging mit einem Karton auf den Wagen zu, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite geparkt war, weil unsere Einfahrt wegen einer Baustelle blockiert war. Der Karton war viel zu schwer für sie, aber sie wollte unbedingt helfen, zur Hand gehen, nicht wie ein Püppchen neben dran stehen und zusehen, wie ich mich allein abrackerte. Sie sei schließlich keine Prinzessin, hatte sie gesagt. Ich war damals schon sehr stur und startete einen letzten Versuch sie zu überreden, die schweren Sachen mir zu überlassen und sich um den Kleinkram zu kümmern, denn sie hatte sichtlich mühe, den Karton zu halten. Aber sie liess sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen, betitelte mich als „Macho“. Ich maulte sie an, sie solle nicht so zickig sein und ausnahmsweise einmal auf mich hören. Und dann drehte sich mitten auf der Strasse zu mir um und öffnete den Mund, um irgendetwas darauf zu erwidern, doch bevor sie etwas sagen konnte, war da dieses Auto. Es kam um die Ecke geschossen, raste auf sie zu. Es ging so schnell, ich konnte nicht einmal realisieren, was gerade passierte.

„Du denkst an sie, oder?“ Ophelias Worte reißen mich aus der Vergangenheit zurück in die verhasste Gegenwart. Eine Gegenwart ohne Paula. Eine schreckliche Gegenwart in der ich nicht sein will.

“Woran merkst du das?“, frage ich und schüttle das letzte bisschen Vergangenheit aus meinem Kopf. Zumindest für den Moment.

„An deinem Gesichtsausdruck.“

„Wie sieht der aus?“

„Verloren.“

Sie rutscht von mir runter und steht auf. Ich bleibe liegen und starre die Waffe in meiner Hand an. Illegal erworben. Mein letztes Vermögen dafür ausgegeben. Ein dumpfer Knall lässt mich aufschrecken. Kein Schuss, der sich gelöst hat. Nein. Es sind Ophelias Fäuste, die gegen die Wand meines Schlafzimmers hauen.

„Können wir uns nicht einfach Stoff besorgen und ficken, so wie wir es immer tun?“, schlägt sie vor, während ihre Fäuste abermals gegen die Wand schlagen.

„Ich habe kein Geld mehr und das ist auch keine Lösung“, erwidere ich und liebäugle mit der Lösung in der meiner Hand. Ein Schuss und alle Probleme sind gelöst.

„Aber sich abknallen ist eine Lösung“, faucht sie und hört kurz auf, die Wand mit Faustschlägen zu traktieren, um mir einen Mittelfinger zu präsentieren. Dabei bemerke ich, wie wund ihre Knöchel bereits sind.

„Es ist ein Ende.“

„Warum muss es unbedingt ein Ende haben? Warum?!“ Ihre Fäuste hämmern wieder gegen die Wand. Eigentlich sollte ich aufstehen, das Mädchen in den Arm nehmen und trösten, aber nicht heute. Heute bleibe ich einfach liegen.

„Du kannst nach Hause gehen. Du musst nicht hier bleiben“, empfehle ich Ophelia und male mir aus, wie es sein wird, in die endlose Leere abzutauchen und vom Nichts verschlungen zu werden. Wird es weh tun? Wird es schnell gehen? Werde ich das Licht sehen, von dem alle sprechen?

„Ich will aber nicht. Ich will nicht, dass du dir das antust. Du bist der einzige Mensch auf diesem gottverdammten Planeten, der mich sieht. Der mich versteht und mich so nimmt wie ich bin. Verstehst du? Keiner hat sich bisher die Mühe gemacht, hinter die Fassade zu blicken… Valentin. Bitte. Ich verlange nicht von dir, dass du mich liebst, nein. Tue ich nicht. Wirklich nicht. Ich verlange nur von dir, dass du mich nicht fallen lässt. Du kannst nicht einfach gehen und mich fallen lassen. So wie es bisher alle getan haben. Sie haben alle immer nur genommen und als es nichts mehr zu holen gab, sind sie gegangen. Abgehauen. Sei keiner von ihnen, bitte. Sei besser.“

Das Mädchen dreht sich zu mir um. Die Ringe unter ihren Augen sind tief , aber die offenen Wunden in ihrem Herzen sind noch tiefer. Davon bin ich überzeugt. Überall auf ihrem Körper sieht man die Narben, die jeder Einzelne, der gegangen ist, auf ihrer Haut hinterlassen hat. Ophelia hat zwar die Klinge geführt aber Schuld, Schuld an den Narben und dem Schmerz tragen die Anderen.

„Phee, ….“, flüstere ich und verspüre einen plötzlichen Anflug von Mitleid. Ich klopfe mit der freien Hand auf die Matratze. „Komm zu mir.“.

Das lässt sie sich nicht zweimal sagen. Als sie wieder bei mir im Bett liegt, lege ich die Pistole neben mir aufs Kissen und ziehe das Mädchen in meine Arme. Sanft streichle ich ihr über ihr welliges Haar und lege mein Kinn auf ihren Schultern ab. Es geht nicht lange und sie schmiegt sich enger an mich und drückt ihr Hinterteil gegen meinen Schritt. So wie sie es immer tut, wenn wir so daliegen.

„Ich will nicht mit dir schlafen, Phee“, sage ich vorsichtshalber, um ihr keine Hoffnungen zu machen.

„Warum nicht? Du wirst dich danach besser fühlen. So wie immer.“

„Sex wird es nicht besser machen.“

„Nicht besser machen”, keucht sie erbost und presst ihren Po provokativ fester gegen meine Lende, als würde sie ein ‘ich will nicht’  nicht akzeptieren wollen. “Ich habe damals auch nicht aufgegeben, als diese Hure in meiner Klasse das Buch, dass ich extra für meinen im Sterben liegenden Opa geschrieben habe, vor meinen Augen zerrissen hat. Nein. Ich habe nicht aufgegeben. Ich habe gekämpft.“

„Ich weiss, du bist stärker als ich. Du bist ein starkes Mädchen. Du brauchst mich gar nicht”, tröste ich sie und streichle über ihren Oberarm. Meine Fingerspitzen wandern über ihren Ellbogen hinab zu ihrer Hand. Gierig schlingen sich ihre Finger um meine. Halten mich fest.

„Ich habe auch nicht aufgegeben, als ihre Freunde mich von ihr runtergerissen und sich auf mich geworfen haben. Nein. Ich habe mich gewehrt. Selbst dann als ihre Schläge mich fast umgebracht hätten.“

Ophelia kichert hysterisch. „Es hat so weh getan, Val! So unendlich weh!“ Sie lässt meine Hand los und schlägt mit ihren Fäusten auf die Matratze ein. Das Kichern verwandelt sich zu Lachen. Lachen mit Schnappatmung. Das ist der Moment, in dem ich realisiere, dass Ophelias zweite Persönlichkeit das Ruder übernommen hat. Ophelias starkes Ich. Das Ich, das weiss, was es will und sich nimmt, was es will. Die gefährliche Seite von ihr. Das Mädchen ist gespalten, als Kind musste sie zu viel Leid ertragen. Mehr als eine einzige Person ertragen kann und nun sind da zwei Menschen, die sich einen Körper teilen.

„Aber ich habe mir das nicht gefallen lassen, Val. Ich habe die Hure zur Sau gemacht. Ich habe ihr gegeben, was die verdient hat. Sie hat geschrien, aber keiner hat sie gehört. Keiner!“ Ophelias Lachen wird schlimmer. Grausamer und hat eine ganz andere Klangfarbe als sonst. Schroffer, tiefer und dunkler, aber ich lasse mich davon nicht einschüchtern und drücke mich einfach fester an das Mädchen. Alles, was sie jetzt braucht, ist Halt. Jemand, der sie festhält. Am Boden hält. Zurückhält. Und dieser jemand bin ich. Dieser jemand war ich sechs Monate lang und wer es danach sein wird, ist mir egal.

„Du kannst uns nicht allein lassen, Val“, wispert sie nach einer Weile, müde vom Lachen und vom um sich schlagen. Ihr Körper erschlafft in meiner Umarmung und sie wird ganz ruhig. Täuschend ruhig. Ophelias zweites Ich ist unberechenbar und taucht für gewöhnlich nur auf, wenn sie sich in grossen Stresssituationen befindet. Ab und zu auch beim Sex oder bei Trauer. Oder in Momenten, in denen man sie absolut nicht brauchen kann. Das zweite Ich ist wie ein Schutzschild, das ausgefahren wird, sobald die geschundene Hülle droht zu zerbrechen. Manchmal ist es so schlimm, dass selbst ich das Mädchen nicht mehr beruhigen kann. Ich werfe einen Blick über meine Schulter zu der Pistole. Wer weiss, zu was Ophelias zweites Ich in der Lage wäre, wenn heute einer dieser Tage ist, an dem ich sie nicht zügeln kann. Ich muss das Mädchen loswerden. Sofort. Sonst kommt sie mir und meinem Plan in die Quere. Mein Blut soll an der Wand kleben, nicht ihres.

„Du hast recht, vielleicht sollten wir uns doch die Birne wegkoksen und ficken“, schlage ich vor und gebe ihr einen Kuss in den Nacken. „Darauf hätte ich jetzt Bock.“

„Wirklich?“, erwidert das Mädchen fröhlich und wackelt mit ihrem Hinterteil herum. Es erzielt den gewünschten Effekt. Aber sie soll ruhig glauben, dass ich wirklich Lust habe, einen unserer üblichen Nachmittage mit ihr zu verbringen.

„Ja, ich glaube ich habe noch ein bisschen Stoff in der Küche. Würdest du ihn bitte holen?“, frage ich und schnurre die letzten Worte in ihr Ohr.

„Wo genau in der Küche?“

„Kühlschrank, denke ich.“

Hastig dreht sich das Mädchen zu mir um und strahlt mich an. Ihre Lippen pressen sich auf meine und ich erwidere den Kuss. Dann steht Ophelia auf und steuert auf die Tür zu. Als sie die Klinke herunter drückt, spüre ich die Erleichterung. Endlich. Jetzt kann ich es endlich tun…

Gerade als ich die Waffe in meinen Mund stecken will, dreht sich das Mädchen im Absatz um und erwischt mich bei meinem Vorhaben. 

„Du verdammter Scheisskerl!“

Sie wirft sich auf mich und ehe ich die Waffe entsichern und den Abzug drücken kann, reisst sie mir die Knarre bereits aus der Hand und schleudert sie gegen die Wand.

„Wie kannst du mich nur so verarschen“, bellt sie und pfeffert mir ihre flache Hand gegen die Wange. Der Schmerz brennt wie Feuer in meinem Gesicht. Tränen strömen aus Augen und tropfen wie Regen auf uns herab. Ich hätte es damals eigentlich besser wissen sollen. Damals, als ich Ophelia in diesem Selbstmordforum angeschrieben habe, habe ich nur was fürs Bett gesucht, Dampf ablassen bis ich meinem Leben ein Ende setze und sie meinte, das wäre für sie in Ordnung. Das sei genau das, worauf sie auch gerade aus ist. Nichts Ernstes. Nur Ficken und alles um sich herum vergessen. Sie hat nicht mal nachgefragt, warum ich genau sie angeschrieben habe. Vielleicht ist es auch besser so. Wie hätte ich ihr erklären sollen, dass ich sie ausgewählt habe, weil ich überzeugt davon war, dass ich mich niemals in sie verlieben könnte.

Das Mädchen ragt noch immer über mir auf und zittert am ganzen Körper. Aber ihr zweites Ich scheint weg zu sein. Immerhin. Oder es ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Wer weiss das schon. Mühsam richte ich mich auf, schubse sie etwas zur Seite und suche nach der Waffe auf dem Boden. Ich entdecke sie in der linken Ecke des fensterlosen Zimmers. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Ophelia wird nicht freiwillig gehen und solange sie hier ist, wird sie es nicht zulassen, dass ich es beende. Also muss ich mit ihr mein Zimmer verlassen.

„Na gut, besorgen wir uns Stoff“, schlage ich widerwillig vor und bemühe mich um ein Lächeln, das vermutlich niemanden überzeugen wird.

„Du lügst mich doch sowieso wieder an“, zischt sie und packt mich grob am Arm.

„Nein ich meine es ernst, du hast recht, es ist eine blöde Idee. Ich bringe mich nicht um. Versprochen. Aber ich brauche dringend was, um die Welt um mich herum zu vergessen.“ Ich befreie mich aus ihrem Griff und greife nach der Hose neben dem Bett, dann ziehe ich sie wortlos an. Das Mädchen beobachtet mich und verfolgt jede Bewegung. Sie ist misstrauisch und ich kann es ihr nicht mal verübeln. Unter dem Bett finde ich einen Kapuzenpullover und streife mir den ebenfalls über. Die Socken haben Löcher, aber das ist egal. Ich ziehe sie trotzdem an. Angezogen schlurfe ich auf die linke Seite des Zimmers zu und bücke mich nach der Waffe. Im gleichen Moment schlingt Phee von hinten ihre Arme um meine Hüfte und drückt ihr Gesicht gegen meinen Rücken. Ich erstarre in ihrer Umklammerung.

Kleine Phee… willst du die Pistole? Ich meine… passt du für mich darauf auf?“, frage ich sie und schaue hinab auf die Waffe in meiner Hand. Sie würde mir ohnehin keine andere Wahl lassen und irgendwie muss ich ihr Vertrauen gewinnen.

„Das musst du mir nicht zweimal sagen!“, johlt sie hinter mir. Ich drehe mich um und reiche ihr mein Ticket ins Reich der Toten.  

“Danke.“ Sie nimmt die Waffe an sich und lächelt. Anders als mein Lächeln sieht ihres aufrichtig aus. 

„Danke wofür?“

„Dass du mich nicht verlässt so wie die anderen.“

„Du lässt mir keine Wahl“, witzle ich und kassiere prompt einen bösen Blick. „Ich mache doch nur Spass. Los, lass uns Stoff kaufen. Hast du noch Kohle?“

„Nicht viel, aber wir können die Knarre verkaufen“, schlägt sie vor und bringt mein ohnehin erzwungenes Lächeln in Schieflage. 

«Können wir.»

Sie grinst und schlüpft in ihren lilafarbenen, knielangen Plüschmantel. Ihre Füße verstaut sie in schwarzen Springerstiefel.

«Willst du darunter nichts anziehen?», erkundige ich mich, obwohl ich die Antwort bereits erahnen kann. 

 «Stört es dich etwa?», fragt sie neckisch und sieht mich herausfordernd an. Ich schüttele den Kopf und schlüpfe ebenfalls in meinen Mantel. Schwarz, langweilig, nichts Besonderes. Hält warm. Neben Phee wirke ich wie ein Schatten, der zwar da ist, dem man aber keine Beachtung schenkt. Das stört mich nicht, ich begrüsse es sogar. Ophelia genießt ohnehin die Aufmerksamkeit mehr als ich. Zumindest behauptet sie das. Aber ich bekomme oft mit, wie sie die Blicke der anderen Menschen stören, die sie durch ihr provokatives Auftreten automatisch auf sich zieht. 

Nur einmal habe ich es gewagt nachzufragen, warum sie sich so auffällig kleidet, wenn sie die Blicke nicht verkraftet und habe von ihr dafür einen finsteren Blick kassiert und den Vorwurf ich würde mich für sie schämen. Was natürlich nicht stimmt. Phee ist ein hübsches Mädchen, auch wenn sie konsequent das Gegenteil behauptet. So wie es Frauen gerne tun. Paula hat sich selbst auch nie als schön empfunden, ich sie dafür umso mehr. Jeder einzelne Makel machte sie für mich nur noch liebenswerter.

«Du ziehst schon wieder so ein Gesicht, Val.» Phee zieht an meinem Mantel und holt mich zurück ins hier und jetzt.

«Es tut mir leid, ich ..»

«Ich weiss schon”, unterbricht das Mädchen mich und klopft mir auf den Rücken. “Du hast an sie gedacht. Du tust das viel zu oft. Weisst du? Leb mal mehr in der Gegenwart. Im Jetzt.»

«Ich komme mit dem Jetzt irgendwie nicht so ganz zurecht.»

«Bald geht’s dir wieder besser, Val.»

 

Es ist bereits spät draussen. Die Strassenlaternen beleuchten die vom Regen nassen Strassen, auf der sich links und rechts der Müll sammelt. Das Viertel ist schäbig, keiner hier lebt hier, weil er hier leben will. Aber die Wohnungen sind billig und keiner kümmert sich um den anderen. Man ist auf sich alleine gestellt. Das ist gut so. Niemand braucht hier jemanden, der sich in seine Angelegenheiten einmischt. Einfach nur leben und leben lassen, bis das Leben einen überholt und man in den Sog des Abgrunds hineingezogen wird und davon driftet.

Phee hüpft neben mir her und bei jedem noch so kleinen Sprung schmiegt sich ihr Mantel um ihren schlanken Körper und gewährt einen Blick auf das, was für gewöhnlich bedeckt sein sollte. «Ist dir nicht kalt?», stichle ich und grinse.

«Ich mag es luftig», erwidert sie gelassen und schmiegt sich an mich.

«Du könntest dich erkälten oder schlimmeres.»

«Hoffentlich. Dann musst du mich gesund pflegen.»

Ihr Handy klingelt. Ich spüre, wie sie an meiner Seite zusammenzuckt. Wir beide wissen, wer gerade anruft. Zögerlich blickt sie auf den Bildschirm ihres Handys und nimmt den Anruf entgegen.

«Mom? Nein, ich bin bei einer Freundin.», lügt sie, schaut zu mir hoch und legt einen Finger auf ihre Lippen, um mir zu signalisieren, die Klappe zu halten.

«Nein Mom, bei einer Freundin! Ich bin nicht bei Val. Nein ich komme heute nicht mehr nach Hause. Ja ich weiss, dass ich morgen ein Vorstellungsgespräch habe. Ist gut, Mom. Moooom…. Ja bei Manuela. Nein, ich gebe dir nicht ihre Eltern. Mom, du bist peinlich!» Genervt legt das Mädchen auf und schleudert ihr Telefon zurück in die Tasche ihres Mantels.

«Du lügst deine Mutter schon wieder an», mahne ich sie und schüttle enttäuscht mit dem Kopf.

«Die übliche Leier. Sie will nicht, dass ich mich mit dir treffe. Sie findet du bist kein guter Umgang für mich.»

«Sie hat recht.»

«Val! Rede doch keinen Unsinn!»

«Ich hätte dich niemals anschreiben sollen.»

«Jetzt fängst du wieder damit an! Ich glaube es ja nicht!»

«Es war ein Riesenfehler, du musst wegen mir deine Mutter anlügen, das will ich nicht.»

«Stimmt doch gar nicht! Würde die sich nicht so dumm anstellen, müsste ich sie gar nicht anlügen!»

«Phee…»

«Nichts Phee. Lass uns den Stoff besorgen und einen Fick auf alles geben. Ok?», knurrt sie und beendet sie das Gespräch, das wir gefühlt jede Woche mindestens einmal führen. Ich gehe wortlos weiter. Wir holen den Stoff immer beim selben Dealer. Er ist der beste Dealer der Stadt, hat den aussergewöhnlichsten Stoff der Welt, ist mein Freund und verkauft das Zeug direkt hinter dem Chicken Wings Heaven an der Elmstreet. Stoff kaufen, Chicken Wings essen, nach Hause gehen, sich zu ballern und ficken. Ein Ritual und Rituale haben sich bisher immer bewährt. Aber halt eben nur bisher. Ich stecke in einer Endlosschleife fest. Eine Endlosschleife bestehend aus Sex, Hühnchen und Drogen. Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich in dieser Schleife einmal festsitzen würde, hätte ich ihm lachend ins Gesicht gespuckt und ihn als einen Lügner beschimpft.

Bereits von Weitem erspähe ich unseren Dealer, der wie immer hinter den Containern vom Wings sitzt und wie so häufig Sudokus löst. Wieso er das tut, ist mir schleierhaft. Sudokus seien halt sein Ding, meinte er einmal und an der frischen Luft würden sie sich besser lösen.

Phee lässt meinen Arm los und rennt auf James zu. Der Mantel flattert hinter ihr her und ab und zu blitzt eine nackte Pobacke auf, aber das scheint sie nicht sonderlich zu stören.  „Jaaaaaaaaaaaaaaaaaames!“, kreischt sie und als er aufblickt, sitzt sie schon auf seinem Schoss und schlingt ihre Arme um ihn. Total überrumpelt lässt er das Sudoku in die Pfütze neben sich fallen und flucht laut auf. „Was zur Hölle…“

„Wir brauchen Stoff!“, säuselt das Mädchen und denkt nicht einmal daran, dem Mann ein bisschen Freiraum zu gönnen.

Hey Val, pfeif mal dein Weib zurück!“, ruft James mir entgegen und drückt Phee etwas von sich weg. Mein Weib. Es hört sich immer wieder falsch an. Phee und ich, wir sind nur Freunde und trotzdem hält uns jeder für ein Paar. Eine Illusion, die ich nicht aufrechterhalten will, sie aber schon. Sie findet das lustig und irgendwie tröstend.

„Hi James“, begrüsse ich den Dealer und werde direkt von ihm gemustert. Er zieht die Stirn in Falten und bugsiert skeptisch eine Augenbraue in die Höhe. „Wie siehst du denn aus? Was ist mit deinen Haaren passiert?“

„Phee hat sie mir gefärbt.“

„Platinblond“, kichert das Mädchen und klettert von James herunter. Dieser ist kurz abgelenkt von Phees aufregenden Mantel-Innenleben, richtet seine Aufmerksamkeit aber nach einmal ausgiebig gaffen wieder auf mich. „Das sieht echt scheisse aus.“

Ich zucke lediglich mit den Schultern. Die Frisur hätte sowieso keine Rolle mehr gespielt, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, meinem Kopf eine Kugel zu verpassen. Die platinblonden Haare wären mit den klebrigen und blutigen Überresten meines Gehirns zu einer Einheit verschmolzen. Keiner hätte sich daran gestört. Da bin ich mir sicher.

„Ich finde es sieht gut aus.“ Ophelia zieht einen Schmollmund und zupft ihren Mantel enger um sich. Um die Diskussion voran zu treiben, komme ich direkt zum Punkt, kein wie geht’s, kein was machst du so. „Hast du was für uns, James?“

„Im Prinzip schon, ehrlich gesagt habe ich heute nicht mehr mit euch gerechnet. Ihr seid später dran, als üblich”, erwidert James.

„Val wollte sich das Hirn wegpusten.“, mischt sich Ophelia ein und zeigt anklagend mit ihrem Finger auf mich.

„Im Ernst?“ James Augen weiten sich. Die Überraschung ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Überrascht und das obwohl ich die ganze Zeit nur davon rede, dem ganzen ein Ende zu setzen. Niemand nimmt einen ernst, bis man es wirklich tut. Oder bis man es zumindest versucht. Todessehnsucht wird immer abgestempelt als Phase oder Depression, geht vorüber, es wird schon wieder. Es gäbe immer eine Lösung für jedes Problem. Kopf nicht hängen lassen. Ja. Nicht hängen lassen. Kopf wegballern. Niemand versteht die Sehnsucht nach dem Nichts, nach dem Nicht mehr sein, nicht mehr da sein, nicht mehr fühlen, nicht mehr taub sein. Mir ist alles egal geworden. Absolut alles. 

Da Lügen ohnehin zwecklos ist, nicke ich und bestätige Ophelias Aussage, was die Sache mit dem Hirn wegpusten betrifft. Phee und James glotzen mich beide an. Ich spüre, wie James etwas sagen will, aber sich dazu entschließt, es doch lieber bleiben zu lassen.

„Hast du Stoff, James?“, hake ich ungeduldig nach, immer noch mit dem Wunsch, die Sache zu beschleunigen und endlich hinter mich zu bringen.

„Deine Freundin sagt mir gerade, dass du dich umlegen wolltest und du streitest es nicht mal ab und erwartest, dass ich dir Stoff gebe? Ich bin zwar ein Dealer, aber ich bin immer noch dein Freund.“

„Mir geht es gut. Phee hat mir die Augen geöffnet.“, lüge ich und auf Phees Gesicht breitet sich ein zufriedenes Lächeln aus.

„Aha…“ James Augen ruhen misstrauisch auf mir.

„Wirklich. Mir geht es gut“, versichere ich ihm und manövriere meine Mundwinkel so weit hoch, wie es geht. Phee hüpft auf Zehenspitzen zu mir herüber und schlingt ihre Arme nun um meine Taille. Ich drücke ihr einen Kuss auf die Stirn und tue so, als wäre ich superduper glücklich. Das scheint James als Bestätigung zu reichen, denn er hievt sein Hinterteil vom Boden hoch und schwingt seinen Rucksack über die Schulter.

„Na gut, los gehen wir rein, ich sterbe vor Hunger.“

 

Im Restaurant setzen wir uns an unseren Stammtisch, hinterste Ecke gleich bei den Toiletten. James holt die Chicken Wings direkt bei der Theke ab und platziert sie vor uns auf dem Tisch. Kaum abgestellt, verschwindet Phees Hand in der Chickenbox.

„Ich habe nicht viel dabei heute“, beginnt James und kramt in seinem Rucksack nach einem Beutel. Dieser landet neben den Wings auf dem Tisch.

„Das macht nichts, wir haben nicht viel Geld dabei“, sage ich und nehme den Beutel ins Visier.

„Aber wir haben eine Knarre!“, mischt sich Phee ein und kaut dabei auf einem Stück Fleisch herum. Ich hätte sie am liebsten von der Bank geschubst, aber reiße mich vorerst am Riemen, um nicht unnötig viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

„Eine Knarre?“ James Augenbrauen verabschieden sich wieder nach oben.

„Ja, die, mit der sich Val umlegen wollte“, klärt Phee James auf und klimpert mit den Wimpern.

Woher hast du die Knarre?“ James Augen haften abermals auf mir und verschlingen mich regelrecht. Wenn eine Sache sicher ist, wie das Amen in der Kirche, dann ist es die, dass ich Phee die Knarre nicht hätte geben sollen. Nun steht das Ding wieder ungewollt im Mittelpunkt.

„Internet“, erwidere ich kleinlaut und fische ebenfalls ein Stück Chicken aus der Chicken Wings Box, um mich irgendwie mit irgendwas zu beschäftigen, sonst drehe ich durch.

„Lasst mal sehen“, fordert James uns auf. Das lässt sich Ophelia nicht zweimal sagen und greift in ihren Mantel. Sie deutet mit ihren Augen unter den Tisch, um James zu signalisieren, dass der Tausch unter der Tischplatte stattfinden wird und reicht sie heimlich, als dieser den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hat. Als die Knarre den Besitzer unauffällig wechselt, schlucke ich und wäre am liebsten über den Tisch gesprungen, um James die frisch erlangte Waffe abzuluchsen. 

James Blick wandert nach unten. Er begutachtet die Pistole ein paar Sekunden, dann hebt er den Kopf und schaut mich an.

„Krass, Val… wirklich.“

„Es war eine blöde Idee. Ich gebe es ja zu“, sage ich widerwillig und bemühe mich, dabei aufrichtig zu klingen.

James signalisiert Phee mit seiner freien Hand, den Tausch rückgängig zu machen und die Waffe wieder an sich zu nehmen.

„Willst du sie nicht?“, fragt das Mädchen verwundert und streckt ihre Hand unter dem Tisch aus. Wieder wird der Besitzer gewechselt und wieder werde ich Zeuge davon, wie das, was ich am Sehnlichsten will, so nah und doch so fern ist.

„Ich kann damit nichts anfangen.“

Die Pistole verschwindet wieder in Phee’s Manteltasche. Meine Finger zucken. Ich müsste nur rübergreifen. Es könnte alles so einfach sein. So verdammt einfach.

„Also kommen wir zum Geschäft. Darf ich präsentieren.“ James schüttelt den Beutel auf dem Tisch aus. Das Praktische an James Drogen ist, dass die Drogen nicht wie Drogen aussehen. Klar, er vertickt auch das übliche Zeug, aber meistens trägt er Stoff mit sich rum, den man nicht einmal auf dem Schwarzmarkt findet. Ein Beutelchen mit Pfefferminzbonbons fliegt auf den Tisch, gleich daneben eine Art Kaugummi Rolle in grün und zu der Rolle gesellt sich ein Kugelschreiber mit blauer Flüssigkeit.

„Also, wir haben hier einmal die Bonbons, helfen gegen Depressionen, lösen Glücksgefühle aus. Ziemlich harmlos, aber ich denke, das könnte dir helfen, Val. Beruhigt dich innerhalb weniger Sekunden, aber du bleibst trotzdem bei klarem Verstand. Dann haben wir hier noch den Kaugummi. Kaust du ihn, hat es den gleichen Effekt wie LSD,  nur ein bisschen schwächer. Und das Beste zum Schluss. H19.“

Phee’s Augen leuchten, als James uns den Kugelschreiber präsentiert. Er balanciert das Ding zwischen seinen Fingern, als wäre es das nonplusultra. Flüssiges Gold in Kugelschreiberform. „Das Zeug ist neu, kaum getestet. Und der Kuli hier, ist kein gewöhnlicher Kuli.“

James lässt verschwörerisch seine Augenbrauen tanzen, dreht am Verschluss des Kugelschreibers herum und als der Verschluss ab ist, blitzt aus der Miene eine Nadel hervor. „Eine Spritze mit purem H19. Ist das Zeug erst mal in der Vene, empfindet man Schmerz als Lust. Und ich lüge nicht, ich habe es ausprobiert.“

„Schmerz als Lust?“ Phee quietscht vergnügt und klatscht in die Hände. „Wir wollen H19!“

James zwinkert ihr zu, dann wandern seine Augen in meine Richtung. Ich nicke und er grinst. „Wie teuer?“, frage ich und hoffe, dass wir genug Kohle dabei haben.

„Ach… da ihr nicht viel Geld mit euch trägt, wie wäre es mit ein bisschen Unterhaltung?“ James Grinsen verdoppelt sich.

„Unterhaltung?“, hake ich unsicher nach und ahne bereits Schlimmes.

James lehnt sich auf der Bank zurück, dann lässt er seinen Blick durch das Lokal schweifen. „Wie wäre es, wenn du…“, er reckt das Kinn zu Phee. „…unter den Tisch kletterst und es mir …“ Der Mann lässt seine Zunge aufblitzen und macht keinen Hehl daraus, auf was für eine Sorte Unterhaltung er aus.

„Denkt nicht mal dran.“, mische ich mich ein.

„Du teilst einfach nicht gerne“, lacht James und spielt mit dem Kugelschreiber in seiner Hand herum.

„Sie ist keine Hure.“

„Ey Jungs, nicht streiten. Ich kann immer noch selbst entscheiden“, drängelt sich Phee dazwischen.

„Du hast die Dame gehört.“ James selbstgefällige Grinsen in seinem Gesicht unterstreicht seinen missratenen Charakter. Ich mag James. Aber es gibt Seiten an ihm, mit denen ich absolut nicht klar komme und diese Seite kommt gerade zum Vorschein.

Phee kichert wie eine Hexe. Offenbar hat ihr zweites Ich das Ruder übernommen. Ihr zweites Ich würde alles tun, um an den Stoff zu kommen. Alles und ich verabscheue es, weil ich weiss, dass sie sein Angebot annehmen und auch, dass sie es danach bereuen wird.

„Komm Phee, wir gehen. Lass uns einfach gehen. Wir brauchen das Zeug nicht. Wir tun es einfach ohne“, bitte ich das Mädchen. Für einen kurzen Augenblick sehe ich in ihren Augen die zerbrechliche Phee aufblitzen, die sogleich verschwindet, als James den Kugelschreiber vor dem Gesicht des Mädchens von links nach rechts gleiten lässt. Und es erzielt den gewünschten Effekt. Das Mädchen bricht in Gelächter aus. 

„Phee,.. komm… mir geht’s gut, wir brauchen den Stoff nicht“, sage ich beinahe schon flehentlich.

Phee sieht mich an, dann wandert ihr Blick wieder auf den Kugelschreiber, der immer noch vor ihrem Gesicht hin und her tanzt. „Phee“, versuche ich es erneut. Aber James lässt nicht locker. „Ich schwör dir, das Zeug ist richtig geil. Einem Freund von mir hat es geholfen, als es ihm so richtig mies ging.“

Jetzt hat er sie. Ihre Mundwinkel verziehen sich zu einem abstrakten Lächeln und ohne ein weiteres Wort verschwindet das Mädchen unter dem Tisch und der Reißverschluss einer Hose ist zu hören.

„Aber die Dosis reicht nur für einen von euch beiden. Oh ja… ja braves Mädchen“, stöhnt James zufrieden und macht es sich gemütlich, während Phee ihm gibt, was er von ihr will.

„Komm schon, muss das sein?“, knurre ich geschlagen.

„Ich habe sie nicht gezwungen. Oh Shit man… Ist das gut.“

Ich versuche die Geräusche auszublenden. Könnte eingreifen, das Mädchen unterm Tisch hochziehen und mit ihr aus dem Lokal verschwinden, aber ich sitze nur da und starre auf die Bonbons und den Kaugummi. Belanglosigkeit ergreift mich. Sie will es so und ich bin nicht verantwortlich für das, was sie tut. Hätte sie mich gehen lassen, wäre es nicht so weit gekommen. Es ist egal, was unter diesem Tisch passiert. Absolut egal. 

Als Phees Kopf nach einer Weile wieder neben mir auftaucht, sind ihre Haare zerzaust und ihr Mund wund. Jetzt sieht sie noch kaputter aus, als ich mich fühle. Am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen. Getröstet. Ihr über den Kopf gestreichelt, aber James Reißverschluss und das damit verbundene Ekelgefühl halten mich davon ab. „Danke Phee. Ich denke, der Kugelschreiber gehört jetzt euch“, schnurrt James zufrieden.

Phee schüttelt sich, als sie sich über die Lippen leckt, um den letzten Rest von James aus ihrem Gesicht zu putzen. Sie angelt den Kugelschreiber aus seiner Hand und begutachtet die Ware, dann sieht sie mich an und lächelt. Schneller als ich reagieren kann, sticht die Spitze des Kugelschreibers durch die zerrissene Stelle meiner Hose direkt in mein Bein hinein. Ich stöhne schmerzhaft auf und will Phee’s Hand mitsamt Kugelschreiber wegschlagen, aber die blaue Flüssigkeit bahnt sich bereits ihren Weg in meine Blutbahn und entfaltet ihre Wirkung. Meine Hand bleibt für eine Millisekunde wie festgefroren in der Luft hängen, ehe sie versehentlich und mit Wucht auf die Tischkante knallt. Ich wappne mich innerlich auf den Schmerz, werde aber stattdessen überrascht. Ein Gefühl ähnlich wie ein Höhepunkt erfasst meinen Körper und bringt ihn zum Kribbeln. Ich schaudere und halte die Luft an.

„Und?“ James grinst über beide Backen. „Gut, das Zeug, nicht wahr?“

Ich nicke träge und glotze mit offenem Mund auf meine Hand hinab, die weh tun sollte und es nicht tut. Nein, es fühlt sich an, als würden tausend Schmetterlinge durch sie hindurch fliegen und sie von innen aus mit ihren Flügeln kitzeln. Phee strahlt mich an. „Willst du mehr?“ Ihre Frage wirkt so surreal. Natürlich will ich mehr.

“Ja”, hauche ich leise und beobachte, wie das Mädchen neben mir die Gabel auf dem Tisch in die Hand nimmt. Die Gabel landet in meinem Handrücken. Die silbernen Spitzen bohren sich in mein Fleisch. Eine weitere Welle aus Lust fegt über mich hinweg und lässt mich zusammen zucken. Ich kann nicht anders und muss stöhnen. Es tut so gut. So unfassbar gut.

„Sag mal spinnst du?“, keift James Phee an. Allmählich ziehen wir die Aufmerksamkeit der übrigen Gäste auf uns. Aber das ist egal. Alles, was zählt, ist dieses prickelnde Gefühl unter meiner Haut. Berauschend. Es macht absolut süchtig. Mehr. Mehr, verdammt, ich will alles um mich herum ausblenden und mich vollends diesem allesverzehrenden Verlangen hingeben. Ich greife nach Phees Hand und drücke zusammen mit ihr die Gabel fester in meinen Handrücken. Blut quillt aus der Wunde und jeder einzelne Tropfen, der auf den Tisch tropf, lässt mich beben. Probleme? Alle vergessen. Depressionen? Vergessen. Wer ich bin und wie ich heisse? Vergessen. Spielt keine Rolle mehr.

„Ich will mehr“, fordere ich und drücke fester zu. “Du tust mir weh”, fiept Ophelia und will ihre Hand aus meiner Umklammerung lösen. Ihre Worte prallen an mir ab. Ich lasse nicht locker. Ich brauche das. Ich brauche mehr.

«Immer langsam, wir sind hier immer noch in einem Restaurant», mahnt mich James und will Phee helfen. Wir rangeln und stossen dabei die Gabel immer weiter in mein Fleisch hinein.

Ich starre wie gebannt die Hand hinunter, fasziniert von der roten Flüssigkeit, die aus ihr entweicht und gefesselt von der sinnlichen Hitze, die die Wunde in mir auslöst. Dass sich Schmerz so gut anfühlen kann, überwältigt mich. Dass er erlösend ist, wusste ich bereits, aber das… was er nun in meinem Körper auslöst, ist der pure Garten Eden. Alle negativen Gefühle ausradiert, die Menschen um mich herum inexistent, es gibt nur noch mich und dieser alles verschlingende, heilende Schmerz.

James steht auf und versucht mit vollem Körpereinsatz meinen Griff von Gabel und Phee’s Hand zu lösen, dabei zerrt er die Wunde noch mehr auf. Ekstase übernimmt meinen Körper. Ich lasse los und schreie. Schreie alles aus mir heraus. Fuck. Ist das gut. So gut. So verflucht beschissen gut.

«Entschuldigen Sie bitte,… das hier ist ein Restaurant und die anderen Gäste fühlen sich von ihnen… Was machen sie da?? Sind sie nicht bei Sinnen????? Verlassen sie unverzüglich das Lokal!», meldet sich eine aufgebrachte Stimme zu Wort. Bevor ich überhaupt realisiere, was los ist und wer plötzlich vor unserem Tisch steht, zieht James die Gabel aus meiner Hand und schleudert sie auf den Boden direkt vor die Füße des Mitarbeiters vom Chicken Wings Heaven. Phee macht sich neben mir ganz klein, als der Mitarbeiter daraufhin aufschreit und angewidert ein paar Schritte von uns weg hechtet.

«Sorry wir gehen gleich… Ehh… eh… ja… sorry…», versichert James dem Mitarbeiter, um die Situation irgendwie noch zu retten. Alle Augen im Lokal sind auf uns gerichtet. Entsetzte Gesichter, Kopfschütteln, ein paar Handys, die alles filmen.

«Wir müssen hier weg.» James greift nach meinem Arm und sieht mich eindringlich an. Aber ich will nicht weg. Die Ekstase ist verschwunden. Mein ganzer Körper fühlt sich taub an. Unausgeglichen. Mein einziger Wunsch, diesen Status wieder erreichen – ich muss mir weh tun. Sofort. Ich springe von meinem Platz auf und lasse mich einfach auf die Knie fallen. Der Aufprall fühlt sich an wie hemmungsloser Sex, scheisse, ist das geil. Etwas glitzert neben mir. Die Gabel. Ich brauche diese Gabel. Meine Hand schnellt an dem Fuss des Mitarbeiters vorbei und klammert sich um die Gabel, als wäre sie ein Rettungsseil und ich kurz vor dem Ertrinken. Ertrinken in einem Meer aus Scheisse. Ich hole aus und ramme mir die Zacken abermals in meinen ramponierten Handrücken. Oh ja,… oh ja…. Mehr. Mit zitternden Finger ziehe ich die Gabel über meine Haut bis zu meinem Ellbogen hoch, bis ich abrutsche und das Besteck auf den Boden fällt. Es fühlt sich so unglaublich gut an. Weit entfernt, wie durch ein Vakuum, höre ich Phee Rumbrüllen. Aber es interessiert mich nicht. Ich muss weitermachen. Tränen sammeln sich in meinen Augen und trüben meine Sicht, scheiss drauf. Wo ist die Gabel? Nervös kratze ich über den Boden und suche sie. Sie ist doch gerade noch da gewesen, wo ist sie hin? James packt mich an der Schulter. Ein «Nein» verlässt meinen Mund. Lasst mich in Ruhe, ich habe endlich gefunden, wonach ich gesucht habe. Eine Lösung zu leben ohne zu sterben. Niemand darf mir das nehmen. Niemand! Niemand! James Arme schlingen sich um meinen Rumpf und er stöhnt auf, als er mich vom Boden hochzuzieht. Ich wehre mich mit Händen und Füssen, schlage wild um mich.

«Ich verständige die Polizei!», droht eine Stimme. Andere stimmen mischen sich dazu.

«Ich kümmere mich darum», verspricht James gestresst, während er mich über den Boden schleift, weg von der Gabel, weg von den Schuhen des Mitarbeiters und raus aus dem Laden. Ich versuche mich irgendwo festzuhalten, bekomme einen Stuhl zu greifen, verliere ihn wieder. Nein. Ich will nicht weg. Ich will nicht weg! Ich strample mit den Füssen und flenne. Überall ist Boden. Nichts mehr zum festhalten. Verschwommen nehme ich Phee neben mir wahr, die auf ihren Nägeln herum kaut. Meine kleine Phee. Ich wünschte, ich hätte dich lieben können. Ich versuche die Worte mit meinen Lippen zu formen, bringe jedoch keinen Ton raus. James beschleunigt seinen Gang und als wir den Laden verlassen haben, lache ich laut auf. 

«Ist mit ihm alles in Ordnung?», fragt Phee weinerlich, die ihren Mantel enger um ihren Körper gezogen hat.

«Er hat komplett den Verstand verloren, wenn du mich fragst. Was soll das Val?» James bückt sich zu mir herunter und verpasst mir eine Ohrfeige. Ich muss stöhnen. “Fuck, ja! Mehr. Schlag mich noch einmal”, keuche ich und schlage mir stattdessen selbst mit der flachen Hand ins Gesicht. Wieder und wieder.

«Was hast du uns für eine Droge angedreht!?», keift Phee James an und zupft dabei verzweifelt an seiner Jacke herum. Ihre Verzweiflung mischt sich mit Zorn und ich bin mir sicher, es ist jeden Moment so weit. Sie würde auf ihn losgehen und ihm die Augen auskratzen, wenn sie niemand davon abhalten würde. Ich könnte ihn warnen. Ich sollte ihn warnen. Wobei… Es ist mir egal.

«Das war nur eine kleine Dosis H19… ich wusste nicht, dass er so reagieren würde.» rechtfertigt sich James und bäumt sich vor dem Mädchen auf.

Neben mir nehme ich eine Strasse wahr und höre prompt auf damit mich selbst zu schlagen. Autos mit gaffenden Fahrern, die vorüberziehen. Sie achten nicht mehr auf den Verkehr, sehen nicht, wo sie hinfahren, haben vergessen, dass sie in einem Auto sitzen, hören nicht das Heulen des Motors, ignorieren die Kilometerzahl, beobachten nur das Geschehen am Straßenrand, können nicht reagieren, wenn jemand auf die Straße rennt und,… Paula… wieder sehe ich sie vor mir, in ihrem hübschen Kleid, ihre schönen langen Haare wehen im Wind, sie dreht sich zu mir um, ihr Mund öffnet sich und dann die Scheinwerfer, die ihren Schatten ein letztes Mal auf die Straße werfen,… das Geräusch von quietschenden Bremsen, der Aufprall. Ich vermisse dich, Paula… so sehr… es tut so weh, ohne dich hier zu sein. Meine Paula.

Heisse Tränen tropfen von meinem Kinn. Sie brennen wie Feuer. Keine Ekstase mehr, nur Schmerz. Allesverschlingender Schmerz.

«Du hast es nicht gewusst?! Nicht gewusst!? Ist das dein Ernst?», faucht Phee.

«Fahr mich nicht so an!», kläfft James zurück. Sie streiten sich wegen mir, sind total abgelenkt, merken nicht, dass die Lösung zum Greifen nah ist.

«Sieh dir an, was du mit ihm gemacht hast!»  Phee’s Stimme ist schrill und laut, aber die Straße ist lauter. Die Straße ruft nach mir, lockt mich. Es sind nur wenige Schritte, die uns trennen. Ich habe keine Angst. Ich weiss, es wird sich gut anfühlen. Befreiend. Ich kann zurück zu meiner Paula, einfach loslassen. Hier und jetzt. Mich ins Licht der Scheinwerfer werfen und mich völlig und für immer dem Schmerz hingeben…Showtime.

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