KreaturenKurz

Colorado: 4. Monster unter dem Bett

Nach dem tragischen Unfall seiner Frau, der sich vor fast fünf Wochen ereignet hatte, war Brandon in ein neues Haus gezogen. Es gab in ihrem alten Zuhause viel zu viele Erinnerungen, die Brandon an seine geliebte Frau erinnerten.

Diese waren zwar überwiegend positiv, wo aber auch genau das Problem für ihn lag. Er musste einfach von hier fort. In diesem Haus waren einfach viel zu viele schöne Gedanken an seine Frau. Genau dies bereitete ihm am Ende ein schlechtes Gefühl.

Brandon war kurz darauf in eine Selbsthilfegruppe eingetreten. Anfangs hatte er sich äußerst schwer getan, sich in die Gruppe zu integrieren. Die Trauer war noch zu groß, um vor so vielen fremden Menschen darüber zu sprechen.

Also hörte Brandon anfangs nur stillschweigend zu, was die Anderen alles zu sagen hatten. Man hatte ihn irgendwann in Ruhe gelassen, als Brandon kaum oder gar nicht auf Fragen geantwortet hatte. Man wollte ihm daraufhin wohl Zeit lassen und ihn in seinem eigenen Tempo einbringen lassen.

Brandon war sich nicht einmal sicher, ob er noch länger hier her in die Gruppe kommen würde. Jedoch hatte er sich mit dem Mann angefreundet, der diese Gruppe leitete. Mit Larvell Mahoney verstand sich Brandon doch sehr gut.

Bei einem gelegentlichen Bier in einer Bar, konnte er jedoch gut über seine Gefühle reden. Hier war es doch eine privatere Atmosphäre, in der sich Brandon wesentlich wohler fühlte. Für ihn war Larvell mehr wie ein Freund, als ein Therapeut.

Es stand auch irgendwann im Raum, dass Steven zu einem Kinder Psychologen gehen sollte, um das alles richtig zu verarbeiten. Zusätzlich hatte Brandon Therapiestunden, die er jedoch nur sporadisch wahrnahm. Mit vielen der Fragen hatte er ein Problem, da er sie nicht beantworten wollte.

In den Sitzungen sprach er kaum über seine momentanen Gefühle. Oder wie er sich kurz nach dem Tod seiner Frau gefühlt hatte. Die Alpträume über seine tote Frau erwähnte Brandon erst gar nicht. So kam es irgendwann, wie es doch kommen musste. Seine Therapie wurde von seinem Therapeuten abgebrochen.

Auch wenn Brando die Therapie eigenständig gesucht hatte, war er nie mit seinem Therapeuten warm geworden. Nach dem Abbruch hatte er sich auch um keinen neuen Platz mehr bekümmert. Auf diesen Platz hatte er ja schon sehr lange warten müssen.

Dieses Prozedere wollte Brandon nicht noch einmal durchmachen. Er würde sicherlich nie wieder jemanden wie Larvell Mahoney treffen. Er führte seine Praxis doch sehr unkonventionell.

Er hatte die Zeit lieber in die Suche nach einer neuen Wohnung gesteckt. Nach einigen Wochen hatte Brandon schließlich etwas gefunden, das einige hundert Meilen weit entfernt war. So waren Vater und Sohn schließlich umgezogen und hatten alles hinter sich gelassen.

Auf Dauer hätte er das dort nicht ausgehalten, ohne dabei zu Grunde zu gehen. Die Trauerbewältigung hatte ihm ebenfalls dazu geraten. Sie meinten aber auch, dass sein Sohn in einer glücklicheren Umgebung aufwachsen sollte. Beide brauchten Abstand von der geliebten Frau und Mutter.

Es war ein neuer Ort und ein Neuanfang, so hatte er sich das zumindest gedacht. Für seinen Sohn Steve, der gerade erst einmal zehn Jahre alt war, war das alles doch nicht ganz so einfach. Sein Sohn zog sich immer mehr zurück

Er sprach in der Schule viel mit den Lehrern oder seinen Mitschülern. Selbst mit seinem Vater sprach Steve nicht mehr viel. Oder war nur noch einsilbig, wenn Brandon seinen Sohn etwas fragte. Steven wurde seinem Sohn gegenüber auch schon einmal aggressiv, wenn Brandon zu sehr nach bohrte oder die falschen Fragen Fragen stellte.

Zudem war ihm auch noch aufgefallen, dass sein Sohn Steve sich viele imaginäre Freunde einbildete, mit denen er regelmäßig zu sprechen oder spielen schien. Steven schien kaum Interesse daran zu zeigen, sich mit Gleichaltrigen anzufreunden.

Brandon wurde von anderen Eltern immer wieder einmal gefragt, ob ihre Kinder nicht einmal zusammen spielen wollten. Wenn Steven dann darauf ansprach, wurde dieser anschließend immer ungehalten. Was Brandon doch alles ganz komisch vor kam.

Steve hatte seine ganzen Freunde zurücklassen müssen, um dann hier ganz neu anzufangen. Zu allem Überdruss musste er nach den Sommerferien, auch noch auf eine neue Schule wechseln. Das alles nagte ganz schön an seinem Sohn, das ihm deutlich anzusehen war.

Er schien sogar depressiv zu werden, was Brandon für sie beide jedoch nicht hoffte. Allmählich machte es Brandon doch Angst, weil ihm die Situation allmählich zu entgleiten schien. Vielleicht war es keine allzu schlechte Idee, wenn sein Sohn zu einem Therapeuten ging.

Aber wenn sein Sohn im späteren Verlauf auch noch Tabletten nehmen musste. Wie sollte Brandon damit klar kommen, wenn das Seelenheil seines Sohnes darin lag, ihn unter Drogen zu setzen. Damit würde Brandon sicherlich nicht klar kommen.

Für ihn waren Psychopharmaka so etwas wie Gift, die den Verstand benebelten. Solange man seine Probleme mit Therapien bewältigten konnte, war der Rest doch völlig egal. Sein Sohn sollte es gut gehen und das ohne irgendwelche Heilmittel.

Ihm hatte man bereits Antidepressiva verschreiben wollen, die er jedoch dankend abgelehnt hatte. Aber die Schlaftabletten hatte Brandon liebend gerne angenommen. Leider hatte nicht nur sein Sohn Probleme beim Einschlafen, sondern auch er.

Auch Brandon war seit dem Umzug nicht gut weggekommen und hatte Einschlafprobleme entwickelt. Aber er hatte auch ein Problem damit, in der Nacht durchzuschlafen. Er wachte in der Nacht oft genug ohne ersichtlichen Grund auf oder schrak sogar teilweise in seinem Bett auf.

Je mehr Gedanken er sich darüber machte, desto düsterer wurden seine Gedanken. Irgendwann zweifelte Brandon so einige Entscheidungen an, die er bisher so getroffen hatte. Er war sich auch nicht mehr allzu sicher, ob sein Sohn bei einem Therapeuten wirklich gut aufgehoben war.

Am Ende bekam sein Sohn noch irgendwelche Flöhe ins Ohr gesetzt. Bis man soweit war, um Brandon seinen Sohn irgendwann wegnahm, weil er ein schlechter Vater für Steven war. Und genau das war Brandon auf gar keinen Fall.

Er würde auch nicht zulassen, dass man ihm auch noch seinen Sohn wegnahm. Steven war alles, was ihm noch geblieben war. Wenn Brandon seinen Sohn auch noch verlor, war ihm gar nichts mehr geblieben. Dann hatte er keinen Grund mehr weiter zu leben.

Aber schon sehr bald kam alles anderes, als Brandon gehofft und gedacht hatte. Brandon saß eines Abends gemütlich im Wohnzimmer und sah bei einem Bier, irgendeine blödsinnige Laight Night Show. Plötzlich hörte er schnelle Schritte die Treppe herunter trappeln.

Brandon wartete darauf, das sich sein Sohn zu ihm auf das Sofa setzte. Das tat Steve in der letzten Zeit immer öfters, wenn er nicht schlafen konnte. Aber das passierte nun ganz und gar nicht. Also sah Brandon hinter sich, in die Richtung der Treppe.

Sein Sohn Steve schrie wie am Spieß, während er kurz darauf die Treppe herunter gerannt kam. Brandon war alarmiert und in großer Aufruhr. Er wusste nicht, was mit seinem Sohn los war, das er nun so schrie. So hatte sich sein Sohn noch nie verhalten.

„Papa, Papa. Da ist ein Monster unter meinem Bett.“

„Ach Junge. Du weißt doch, dass es gar keine Monster gibt.“

Brandon war aufgestanden und ging nun zu seinem Sohn. Der Ausdruck auf Steves Gesicht sprach jedoch Bände. Brandon konnte seinem Sohn ansehen, dass er tatsächlich Angst hatte. Diese Angst musste Brandon so schnell wie möglich aus der Welt schaffen, damit es nicht ausartete.

Also musste er seinem Sohn Steve zeigen, dass er sich nicht zu fürchten brauchte. Aber auch, dass sein Vater immer für ihn da war. Seit dem Tod seiner Frau, hatte sich Steve sehr verändert, weshalb Brandon seinen Sohn irgendwann zu einer Therapeutin geschickt hatte.

Seid Brandon mit seinem Sohn nach Colorado gezogen war, hatte er seine Meinung geändert. Schon bald hatte er für Steve einen Platz gefunden. Der Therapeut hatte sehr gute Referenzen, weshalb er seinen Sohn dorthin gebracht hatte. Aber auch Brandon hatte sich erneut Hilfe gesucht.

Am Anfang war alles sehr gut gelaufen und zwar für sie Beide. Zum ersten Mal, nach dem Tod von seiner Frau, glühte Steven wieder so richtig auf. Aber auch er hatte nun einen Therapeuten gefunden, dem er sich wirklich anvertrauen konnte und auch wollte.

Jedoch hatte Brandon nicht das Gefühl, das die Therapie Steve groß halt. Er hatte eher das Gefühl, das die Psychosen von Steven nur noch schlimmer wurden. Und heute war wieder einer dieser Tage, an denen sein Sohn einfach nicht schlafen konnte.

„Aber wenn ich es dir doch sage Papa“, beharrte Steve. „Aber ich höre es doch atmen und wie es an meinem Bett kratzt.“

Mit einem leichten Stöhnen kniete sich Brandon vor das Bett seines Sohnes. Dort begann er das all abendliche Ritual und sah zu aller erst unter das Bett. Anschließend sah er auch im Schrank nach, wo wie immer nichts zu sehen war.

„Also Steve, hier ist nichts. Jetzt geh endlich schlafen“, meinte Brandon zu seinem Sohn. „Ich mache dir das Nachtlicht noch an.“

„Gute Nacht mein Sohn.“

Leise schloss Brandon die Tür und ging wieder nach unten. Im Wohnzimmer schaltete er den Fernseher aus, da seine Sendung bereits vorbei war. Also schnappte er sich ein Buch und legte sich ins Bett. Irgendwann musste Brandon eingeschlafen sein.

Plötzlich schreckte er nämlich auf seinem Bett aus und das Buch fiel auf den Boden. Während er noch eine Weile gelesen hatte, musste Brandon eingeschlafen sein und das Buch war auf der Bettdecke liegen geblieben. Als er sich nach dem Buch bückte, um es aufzuheben, fiel ihm etwas auf.

Die Tür zu seinem Zimmer stand offen. Vom Flur her fiel Licht hinein und offenbarte einen Schatten im Türrahmen. Brandon fand es doch ziemlich seltsam und konnte erst glauben, was dort zu sehen war.

„Papa, das Monster ist wieder da.“

Steve stand in der Tür und drückte seinen Teddy ganz fest an sich. Also legte Brandon das Buch zur Seite und stand auf. Resigniert folgte er seinem Sohn. Verängstigt zeigte Steve unter sein Bett. Leise stöhnte Brandon auf, ging zu dem Bett und kniete sich davor.

„Hallo Schatz, ich habe dich so vermisst.“

Die Stimme von Brandons toter Frau klang völlig kratzig und eigenartig. Haut hing stellenweise von ihrem Kopf herab, die völlig gräulich aussah. Sie sah wie ein typischer Zombie aus jedem x beliebigen Horrorfilm aus. Das Grinsen seiner Frau und die rotglühenden Augen war das Letzte, was Brandon in seinem Leben sah.

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