Creepypasta

Der Schattenzirkus kommt in die Stadt [German Creepypasta]

Einige Stunden nachdem ich diesen Flyer gefunden hatte, starrte ich noch immer gebannt darauf. Zunächst hatte mich ein kalter Schauer übermannt, doch jetzt war da diese Mischung aus Angst und Neugier. Der Schattenzirkus kommt in die Stadt”, stand dort in blutigen Buchstaben geschrieben. Der Schattenzirkus. Mein großer Bruder stammelte immer wieder etwas von einem Schattenzirkus, den er einmal Nachts im Wald entdeckt hatte und von einem Preis, den er noch zu Bezahlen hätte. Bis mein Bruder eines Tages spurlos verschwunden war. Die Polizei stellte die offizielle Suche nach einigen Monaten ein. Auch ein Zirkus im Wald hatten sie nie gefunden. Immer noch zweifelnd, ob es sich um den gleichen Schattenzirkus handelte, beschloss ich dort hinzugehen. Das war ich meinem Bruder schuldig. Ich schaute ein weiteres Mal auf den Flyer “Erlebt auch den grandiosen Jahrmarkt des Grauens. Nur vom 1. bis zum 7. und ausschließlich von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, auf ihrem Kirmesgelände.” stand dort weiter. Ein makaberes Bild eines höhnisch grinsenden Zirkusdirektors vor einer schaurigen Jahrmarktskulisse zierte den unteren Teil des Zettels und für einen kurzen Bruchteil einer Sekunde schien es, als grinste er mich DIREKT an.
Ich rief meine Freunde Matze und Paul an und bat sie, mich am ersten Abend an dem der Zirkus seine Pforten öffnet, so etwa in einer Woche, zu begleiten. Natürlich hatte ich Angst. Nach der ganzen Sache mit meinem Bruder. Glücklicherweise verstanden sie mich und sie hatten eh vorgehabt dort hinzugehen, so stand dem nichts mehr im Weg. Der Polizei und meinen Eltern sagte ich erst einmal nichts. Ich wollte mir unbedingt erstmal selbst ein Bild machen, bevor ich Panik mache für nichts. Und wenn ich nach meinem Besuch dort, doch noch Bedenken haben sollte, so ist der Zirkus ja noch sechs weiter Tage dort. Genug Zeit für weitere Schritte.
Wie man sich bestimmt vorstellen kann, waren die nächsten Tage bis zur Eröffnung, nicht gerade entspannt für mich gewesen. Immer wieder ging ich in großem Abstand an dem Zirkusgelände vorbei und schaute, wie weit die Vorbereitungen waren. Der grobe Umriss von einem Riesenrad thronte über dem gesamten grotesken Bild, welches keinen allzu vertrauen erweckenden Eindruck machte. Und ein paar Tage später war es dann endlich soweit. Ich und meine Freunde standen bereits kurz vor Sonnenuntergang vor dem Zirkusgelände, wurden aber von Leer dreinschauenden Mitarbeitern am Kartenschalter aufgehalten. Erst als der letzte Strahl der Sonne an der Spitze des Riesenrades verschwand, kam pünktlich ein blasser hochgewachsener Mann und setzte sich an den Schalter. Die anderen Mitarbeiter gaben nun endlich den Weg frei und wir waren eine der ersten, die zum Verkäufer vor konnten. “Wollt ihr ein Normales Schattenzirkusticket oder das VIP Ticket?”, fragte dieser recht emotionslos und noch bevor meine Freunde irgendetwas sagen konnten schoss aus mir heraus “Was ist der Unterschied?” Sein fast schon toter Blick traf mich unerwartet hart, als er mir antwortete “Nun ja, das normale Ticket kostet kein Geld. Das VIP Ticket hingegen schon, gibt dir aber einige, vielleicht wichtiger oder interessanter Informationen, mit auf den Weg” Ungläubig schauten sich Matze und Paul an und Matze entschied blitzschnell für die beiden “Umsonst? Dann nehmen wir die Normalen Tickets!” und grinste freudig über diese schöne Überraschung. Ich hingegen entschied mich für das VIP Ticket und bekam für den Preis von ein paar Euros noch eine dicke Broschüre über den Schattenzirkus mit. Doch bevor ich überhaupt einen Blick hineinwerfen konnte, musste ich schon meinen Freunden hinterherrennen, da diese bereits losgegangen waren. Da hätte ich auch gleich alleine gehen können dachte ich mir und schloss zügig zu ihnen auf, während knisternd aus einem Lautsprecher die Stimme des Zirkusdirektors erklang “Willkommen, willkommen”, sagte die Stimme vergnügt, “Ich bin Jester, der Direktor des Schattenzirkus, und ich wünsche euch allen den Spaß eures Lebens! Nahahahahaha” mit höllischem fast schon schadenfrohem Lachen und einem unangenehmen quietschendem Funkgeräusch endete die Übertragung und nachdem wir diese merkwürdige Begrüßung verdaut hatten, schauten wir uns erst einmal um und gingen eine Runde. Wir sahen Karussells in Bedenklichem zustand die von leblos wirkenden Mitarbeitern bedient wurden, gleich mehrere Spukhäuser, von denen einige zu Fuß begehbar waren und eines wiederum ein Fahrgeschäft zu sein schien. Hin und wieder sahen wir den Zirkusdirektor vergnügt grinsen und auch hier und dort mal gruselig lachend vor seinen Attraktionen herumstolzieren. Elegant und unnahbar. Nachdem wir eine Losbude passiert hatten, die eine Auswahl an verstörenden Gewinnen darbot, wie zum Beispiel die gruseligsten und hässlichsten Stofftiere, die ich je gesehen hatte, oder aber auch täuschend echt wirkende künstliche Organe, die zu horrenden Preisen in zugegebener weise authentisch wirkender Kühlhalte Optik aufgebahrt worden waren, wurden wir abrupt von einem lauten Knall am Himmel gebremst. Gebannt schauten wir nach oben, wo etwas Helles Richtung Boden glitt und auf einer kleinen Bühne landete. Es war eine Art kuriose Engelsgestalt mit brennenden Flügeln. Sein Gesicht war von einer Gasmaske bedeckt, was sein Erscheinungsbild nur noch schauriger machte. Nachdem er sicher gelandet war und seine Flügel fast vollständig abgefackelt waren, machte er eine kleine Verbeugung und begann seine Show. “Das ist Jolly, der Pyromane” hörte ich einige andere schaulustige reden und bemerkte erst jetzt auch das Schild, auf das sie zeigten und auf dem der Name des Artisten stand. Mehrfach setzte er sich und diverse Gegenstände auf der Bühne in Brand und wir alle waren uns sicher, dass jeder normale Mensch bereits mit schwersten Verbrennungen im Krankenhaus liegen würde.
Schüsse zogen uns jedoch wieder aus der feurigen Trance. Unweit von der Bühne hatte ein Schießstand eröffnet. Mit ziemlich echt klingenden Gewehren konnte man dort auf lebensgroße menschliche Puppen schießen, die zu allem ekel auch noch Kunstblut verloren, wenn man sie traf. Trotz dieser makaberen Szenerie gab es schon eine länger werdende Schlange vor dem Geschäft und auch Paul wollte es unbedingt einmal ausprobieren. Ich hatte kein allzu gutes Gefühl dabei, ließ mich aber von seinen quengelndem bitten überreden. Die Puppen schienen schwer zu sein, denn immer, wenn eine zu viele Treffer abbekommen hatte, kamen gleich zwei stark aber trostlos wirkende Mitarbeiter herein und wechselten sie schwerfällig aus. So auch, als Paul endlich dran kam. Ich sah mir die Puppe näher an und erschrak innerlich. Diese Puppe die sie gerade heraustrugen, sah aus wie mein Bruder. Zugegeben wie eine ausgemergelte und heruntergekommene Version von ihm, aber eindeutig er. Panisch deutete ich auf ihn und stieß meine Freunde an, sie wussten aber nicht was ich wollte und ich bekam auch kein einziges Wort heraus. Nachdem der erste Schock überwunden war löste ich mich aus der Schlange und stürmte hinter die Bude, um einen Weg zu finden, mir die Puppen mal genauer anschauen zu können. Paul war an der Reihe und ignorierte in freudiger Erwartung aufs Schießen meinen Aufbruch, jedoch hatte sich Matze kurzerhand entschlossen mir zu Folgen. Hinter dem Schießstand angekommen entdeckten wir ein weiteres Häuschen mit der Aufschrift “Zutritt nur für Mitarbeiter”. Matze versuchte mich kurz aufzuhalten, sah jedoch an meinem Blick, dass jeder Versuch dazu zwecklos wäre. Ich bat ihn hier aufzupassen und öffnete die Tür zu dem Häuschen, aus dem mir ein entsetzlicher Gestank entgegenkam. Es entpuppte sich als ein Kühlhaus, was auch die dicken Kabel außerhalb erklärte, und hier drin lagen sie, die Puppen. Und sie bluteten teilweise immer noch. Ich ging an eine der ersten Puppen heran und sah ihr ins Gesicht. Irgendetwas war komisch. Die Puppe war mit etwas beschmiert worden, was das Gesicht wachsartig glänzen ließ, aber diese Beschichtung begann bereits sich zu lösen. Es waren keine Puppen. Es waren geschminkte Menschen und dem fließendem Blut zu urteilen, lebten sie noch, wenn sie als Ziele aufgehängt wurden. “Das ist Wahnsinn!” sprach ich leise zu mir selbst und hielt mir eine Hand vor dem Mund. Kreidebleich kämpfte ich gegen die aufsteigende Übelkeit an und schlagartig fiel mir wieder ein, weswegen ich hier hereingekommen war. Hastig schaute ich mich in den ersten reihen um und entdeckte ihn. Meinen Bruder. Ich rannte hin und ließ mich auf den Boden neben ihm fallen, musste jedoch bitter feststellen, dass ich ihn Tatsächlich gefunden hatte, aber leider ein paar Minuten zu spät. Wütend schlug ich mit der Faust auf den Boden, während mir die Tränen ins Gesicht schossen. Was passierte hier nur? Wären wir anders herumgegangen, oder hätten wir uns nicht so lange die Pyro-Show von diesem Jolly angeschaut, hätte ich ihn vielleicht noch retten können. Nachdem ich mich ein weiteres Mal davon überzeugt hatte, dass ich nichts mehr für meinen Bruder tun könnte, raffte ich mich auf und ging wieder raus. Matze und ich mussten unbedingt die Polizei holen. Doch als ich herauskam, sah ich ihn, wie er mich mit offener Kehle und ängstlichem Blick ansah und unglaublich stark blutend und gurgelnd zu Boden sank, während sein Mörder, definitiv einer der Träger, mich mit dem Messer in der einen Hand und Matzes Standard Ticket in der anderen wütend anstarrte. Als ich mich panisch umdrehte, um zu fliehen, hatte ich auch schon die Faust des anderen Mitarbeiters im Gesicht, und die Lichter gingen aus.

Mit unglaublichen Schmerzen im Gesicht kam ich langsam wieder zu mir. “Boss, er ist wach” hörte ich jemanden sprechen. Ein dumpfes “Alles klar, ich bin gleich da” welches aus einem Funkgerät zu kommen schien und sich dennoch deutlich wie der werte Herr Zirkusdirektor anhörte, ließ mich endgültig wieder zu mir kommen. Nachdem ich einige Sekunden brauchte um meine Augen an die schwammigen Lichtverhältnisse zu gewöhnen und zudem feststellte, dass ich hier an diesem Stuhl gefesselt war, schaute ich mich um. Ich war scheinbar in einem Nebenraum des Hauptzeltes, zumindest machten die Wände stark den Eindruck, und unweit von mir saß ein weiterer emotionslos dreinblickender Mitarbeiter des Schattenzirkus und starrte mich an. “WAS WOLLT IHR? UND WAS SOLL DER GANZE SCHEIß HIER” blaffte ich ihn an. Doch ein “Halt die Fresse! Der Boss wird gleich hier sein.” war alles was er mir zu sagen hatte.
Ein paar Minuten später öffnete sich der Vorhang und der Direktor kam herein, zog seinen Zylinder und machte einen erfreuten Knicks, bevor er seinen Hut auf dem naheliegenden Tisch ablegte, und seinem Mitarbeiter mit einer Geste das Zeichen gab, sich aus dem Raum zu verpissen. Ich war mir meiner Situation schon wohl bewusst, jedoch übermannte mich die Fülle an Emotionen, als ich wieder an meinen Bruder und an Matze denken musste. Die Angst und die Verzweiflung in seinen Augen, wissend das er gerade stirbt. “DU KRANKER BASTARD!!!”, brüllte ich ihn an “WARUM TUST DU DEN LEUTEN DAS ALLES AN?” fragte ich ihn immer noch entsetzt. “Na na na…” begann er seine Antwort noch immer vergnügt und sprach, sich das Lachen verkneifend, weiter “Kranker Bastard? So wurde ich schon lange nicht mehr genannt. Das letzte Mal glaube ich von meinen Eltern, kurz bevor sie ihre Arbeit hier bei mir… Einstellen mussten.” ein Grinsen, welches so unnatürlich Breit wurde, dass es schmerzen sollte, legte sich auf sein Gesicht, während seine Gedanken scheinbar freudig in Erinnerungen schwelgten. “Die meisten nennen mich einfach nur Jester. Oder Herr Direktor, wenn dir eine förmliche Anrede lieber ist” sprach er schließlich weiter. “Und nun zu dir..” sagte er in nun ernsterem Tonfall, aber immer noch mit diesem grausigen Grinsen im Gesicht “Was wolltest du in meiner Kühlkammer? Ich hoffe mal du hast nichts von meinem Eigentum entwendet, oder?” Ich war fassungslos “Ei..Eigentum?” begann ich stotternd und fing mich wieder “Was heißt hier Eigentum? Da lag ein Haufen toter Menschen! Und meinen Freund habt ihr auch auf dem Gewissen! Also hör auf hier von irgendwelchem Eigentum zu sprechen und sag mir verdammt noch mal was hier eigentlich los ist!” sprach ich aufgebracht und fügte noch eine Erkenntnis an die gerade in mir aufblitzte “Und warum bin ich noch hier?” Nachdem ich es ausgesprochen hatte, befürchtete ich das schlimmste, doch Jester kam langsam aber direkt bis zu mir und tippte mir auf den Schoß. Erst jetzt bemerkte ich, dass dort mein VIP Ticket lag, zusammen mit der Broschüre, die ich am Eingang erhalten und immer noch nicht gelesen hatte. “Du hast dich für ein VIP Ticket entschieden. Das ist der Grund. Als VIP hat man halt ein paar… unschlagbare Vorteile. Alle anderen Bezahlen mit ihrem Leben.” antwortete er mir und kicherte frech vor sich hin. “Aber den anderen wurde doch gesagt, der Eintritt wäre umsonst” begann ich entsetzt “Wieso sollen sie mit ihrem Leben bezahlen?” Der Direktor schaute mich an, als hätte ich gerade etwas unglaublich dummes und witziges gesagt und erklärte “Nein nein nein, ihr müsst besser zuhören. Mein Kartenverkäufer sagte, dass ein Standard Ticket kein GELD kostet, nicht das es umsonst sei. Was es denn kostet hat nie jemand gefragt. Es steht zwar in der VIP Broschüre, aber das VIP Ticket kaufen sich ja heut zutage die wenigsten, nicht war?” und lachte im Anschluss laut los. Der Wahnsinn in seiner Lache schnürte mir die Kehle zu und ich musste stark gegen diesen Kloß im Hals ankämpfen, aber als Jester sich wieder etwas beruhigte, quetschte ich fast schon resigniert die Frage raus “Und was passiert nun mit mir?”
Das übliche Grinsen schob sich über das Gesicht des Zirkusdirektors als er sich mir wieder zuwandte “Du wirst das ganze hier überleben, keine Sorge. Aber ich kann unmöglich zulassen, dass du mir mein Show verdirbst. Deshalb bleibst du den Rest der Woche als unser Gast hier in diesen Räumlichkeiten und darfst auf einem Großbildschirmfernseher die ganzen Shows genießen. Du wirst auch essen und Trinken können und hier und da mal dir ein wenig die Beine vertreten dürfen. Natürlich nur unter Aufsicht” zwinkerte er mir zu “jedoch wirst du wohl kaum dazu kommen. Es sind wirklich sehr viele schöne Dinge noch geplant. Neben harmloseren Attraktionen wie Riesenrad, Karussells und der gleichen, bei denen natürlich auch noch ein wenig Verletzungsgefahr hier und dort durch fehlende schrauben und Bügel entstehen KÖNNTE, hat auch unser Feuer verliebter Jolly, noch heiße Plane mit einigen Standartbesuchern” und wieder lachte Jester kurz auf, bevor er sich wieder fing und weitersprach “Und nicht zu vergessen die eigentliche Zirkusshow alle 3 Stunden. Die ist einfach MÖRDERISCH unterhaltsam! Du wirst aufpassen müssen, dich nicht ausversehen TOT zu lachen” Am Rande eines aufsteigenden Lachanfalls ging er zum Tisch zurück, setzte sich seinen Zylinder wieder auf und verließ den Raum mit den Worten “Ich wünsche dir eine Woche, die du NIE WIEDER vergessen wirst”. Und während ich seine beängstigend Chaotische Lache noch einige Sekunden lang höre bis sie in der ferne verstummt, bringen weitere vermutlich ehemalige Standard Ticket Besitzer, (oder jetzige leer dreinschauende Mitarbeiter) den besagten Fernseher und etwas Proviant herein.

Ich habe die Woche überlebt. Oder das, was von mir übrig ist. Die Shows waren… NOCH verstörender als ich erwartet hätte. Nachdem der Zirkus weg war und ein wahres Meer aus Vermisstenanzeigen die Polizei flutete, wurde auch ich befragt. Ich habe kein Wort herausbekommen. Doch jetzt sind ein paar Tage vergangen, und ich möchte.. Nein ich MUSS euch diesen einen Rat geben. Sollte der Schattenzirkus jemals in eure Stadt kommen, und ihr könnt dem Drang nicht nachgeben, euch dieses abscheuliche Spektakel anzuschauen (und ihr werdet definitiv nicht widerstehen können), so lohnt es sich in jedem Fall, dies als VIP Gast zu tun…

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