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Die Spieluhr

Wenn ich euch sage ich hatte keine leichte Kindheit, rede ich nicht von einem Alkoholisierten Vater oder einer Drogenabhängigen Mutter, ich rede von etwas ganz anderem. Etwas, dass man sich so nicht leicht vorstellen kann. Etwas hat mich meine Kindheit lang begleitet, ich verstand nicht was es war, ich verstehe es bis heute nicht so richtig. Das einzige was ich weiß ist das es real war und sehr gefährlich. Ich bin jetzt eine erwachsene Frau und habe selbst Kinder. Ich versuche mein bestes zu geben dass sie es ernst nehmen und sich an die Regeln halten damit sie nicht das durchmachen müssen was ich durchmachen musste.

Ich habe zwei bildhübsche Töchter namens Emily und Sarah, sie sind beide neun Jahre alt. Es sind zwei Engel die sich nie wegen irgendetwas beschweren, ich und mein Mann haben immer sehr viel Wert auf die Erziehung gelegt damit unsere Kinder eine schöne und anständige Kindheit haben. Mein Mann arbeitet bei der Bank und ich in einem Altersheim. Wir führen eigentlich ein sehr friedliches und schönes Familienleben, essen zusammen am Tisch, spielen zusammen, gehen spazieren oder sonntags in die Kirche. Wir versuchen es uns schön zu machen, aber so wie jede Familie, haben wir auch unser kleines Geheimnis. Ein Geheimnis, welches ich schon in meiner eigenen Kindheit bewahren musste.

Ich persönlich hatte auch eine sehr schöne Kindheit und liebte meine Familie, Zusammenhalt war uns sehr wichtig. Doch schon seitdem ich denken kann wurde meine Kindheit von einem Gegenstand begleitet welches eine wichtige Rolle spielte.

Als ich vier Jahre alt war ging ich zusammen mit meiner Mutter in den Keller um ihre alten Spielzeuge aus ihrer Kindheit raus zu holen, sie wollte mir alles geben obwohl ich schon genug Spielsachen in meinem Zimmer hatte. Sie gab mir alte Puppen, Puppenhäuser, naja mädchen Sachen halt. Aber eine Sache weckte meine Interesse, eine Spieluhr welches auf ein Regal stand. Ich fragte meine Mutter ob es auch ein altes Spielzeug von ihr war, sie erzählte mir dass es ein altes Familienerbstück ist welches sehr wichtig sei, sollte dies eines Tages kaputt gehen wäre es sehr schade.
Es war ein weißes Klavier, meine Mutter drehte an der Kurbel und es kam ein Geigenspieler raus. Diese Musik, sie kam mir so bekannt vor, meine Mutter sagte mir es wäre eine alte Angewohnheit von uns die Spieluhr nachts laufen zu lassen. Es würde Harmonie und Frieden ins Haus bringen. Ihr schien dieses “Ritual” sehr wichtig zu sein, jede Nacht ab drei bis vier Uhr ertönte diese Musik durch unser Haus. Anfangs war es schon seltsam mitten in der Nacht ständig diese Musik zu hören, aber mit den Jahren wurde es zur Gewohnheit.

Als ich sechzehn war, während meinen jungen Jahren, schmiss der berühmteste Typ der Schule eine Hausparty auf die ich eingeladen wurde. Anfangs wollte mich meine Mutter nicht hin schicken da sie einen Urlaub mit meinem Vater geplant hatte und jemand daheim sein musste der die Spieluhr laufen lässt. Ehrlich gesagt fand ich das ziemlich übertrieben von ihr dass ich wegen einer Spieluhr daheim bleiben musste, jedoch sah ich in ihren Augen dass sie ziemlich besorgt war, warum auch immer.
Deshalb wollte ich ihr dieses schöne “Familienritual” nicht vermasseln und garantierte ihr bis Mitternacht wieder daheim zu sein.

Die Party war echt der Hammer, das war die erste Party auf die ich gegangen bin. Ich und meine besten Freundinnen saßen auf den Sofa und schwärmten über die hübschen Jungs die auf der Party waren.
Die Stunden vergingen und ich verlor die Uhr aus den Augen, kaum versah ich mich war es schon drei Uhr Nachts. Ich hatte meiner Mutter versprochen um Mitternacht daheim zu sein um dann um Punkt drei Uhr Nachts die Spieluhr laufen zu lassen. Jedoch dachte ich mir nichts dabei, ich meine mein Gott es ist doch bloß eine blöde Spieluhr, was könnte den passieren wenn es mal eine Nacht nicht läuft. Da es aber trotzdem sehr spät wurde ließ ich mich von einer Freundin Heim fahren. Ich wollt dass mich meine Eltern auffinden wenn sie morgens wieder Heim kommen würden.
Als ich Zuhause ankam war alles ganz normal, diese Nacht wäre eine ruhige Nacht gewesen, ohne irgendeine Spieluhrmusik im Hintergrund. Ich gebe zu diese Ruhe war sehr ungewohnt und beängstigend, aber sie tat gut.

Um zehn Uhr morgens kamen meine Eltern Heim, ich schlief bis Mittags durch da ich noch völlig erschöpft von der Party war. Als ich dann schlussendlich aufstand um meine Eltern zu begrüßen, schien weiterhin alles normal zu sein. Meine Eltern hatten einen tollen Urlaubstag, sie waren sehr glücklich und deshalb entschloss ich ihnen nicht zu sagen dass ich vergaß die Spieluhr laufen zu lassen. Warum denn auch es ist doch nicht so eine große Tragödie, heute Nacht wird sie wieder laufen und alles ist dann so wie es davor war.

Ich saß auf dem Sofa in meinen Zimmer und aß einen Erdnussbutter Sandwich. Im Fernseher liefen die Simpsons, einer meiner Lieblingsserien. Gespannt starrte ich auf den Schirm, bis ich aus dem Augenwinkel aus sah wie sich etwas bewegte. Ich sah nicht genau was es war und dachte mir es wäre nur Einbildung, also schaute ich weiter Fern. Bis plötzlich die Kanäle sich von alleine wechselten. Ich suchte die Fernbedienung aber fand sie nirgends, die Kanäle hörten nicht auf sich zu ändern, sie wechselten sich in so einer schnellen Geschwindigkeit dass ich nicht erkennen konnte was auf den jeweiligen Kanal lief. Ich fand die Fernbedienung und versuchte den Fernseher auszuschalten aber es ging nicht. Ich drückte immer fester und fester auf die Taste aber nichts geschah. Das wechseln der Kanäle verwandelte sich in ein lautes, schmerzhaftes schreien, ein entsetzliches kreischen welches immer lauter und lauter wurde. Ich hielt mir die Ohren zu und versuchte weiterhin den Fernseher auszuschalten aber es ging nicht. Ich sprang auf und zog den Stecker raus. Das kreischen hörte auf.
Ich konnte mir nicht erklären was gerade eben passiert ist, ja mein Fernseher spinnt hin und wieder mal aber nie so wie dieses mal. Ich entschloss jegliche Paranoia oder Kopfkino zu vermeiden und ging rüber zu meinen Eltern ins Wohnzimmer. Zusammen schauten wir einige Filme an und beschlossen uns Popcorn zu machen, wir verbrachten einen angenehmen Abend zusammen und hatten Spaß. Von den Vorfall mit dem Fernseher sprach ich nicht, es war bestimmt ein Systemfehler oder sonst etwas, das Ding ist ja immerhin ein paar Jährchen alt. Gegen zweiundzwanzig Uhr beschloss ich mich hinlegen zu gehen, meine Eltern blieben noch ein wenig wach und schauten sich den Film zu ende.

Als ich in meinem Bett lag, konnte ich meinen Blick nicht von dem Fernseher abwenden, auch wenn ich glaubte es wäre nichts paranormales gewesen, war es trotzdem unheimlich. Ich versuchte mich abzulenken und telefonierte noch bis Mitternacht mit meiner besten Freundin, danach legte ich mich hin und versuchte zu schlafen. Ich versuchte es aber ich bekam es nicht hin, ich fühlte mich, wie blöd es auch klingen mag irgendwie beobachtet, als ob jemand neben meinen Bett stand und mich beobachten würde während ich versuchte einzuschlafen. Ich schaute auf die Uhr, es war kurz vor drei Uhr, bald würde die Spieluhr ertönen und Frieden und Harmonie ins Haus bringen, wie meine Mutter es immer sagte.

Es war drei Uhr, aber ich hörte keine Spieluhr. Hat meine Mutter es nun auch vergessen? Das könnte sie nicht immerhin legt sie so viel Wert auf diese Familientradition warum sollte sie. Ich zuckte zusammen als ich sah wie meine Schranktür langsam aufging, aus dem Schrank kam so etwas wie Nebel raus. Ich versuchte mir einzureden ich würde halluzinieren oder hätte so etwas wie eine Schlafparalyse, irgendetwas was das logisch beschreiben könnte, aber ich fand keine Erklärung dafür. In meinem Zimmer wurde es eisig Kalt, so kalt dass ich meinen eigenen Atem sehen konnte. Die zweite Tür meines Schranks ging auf und ein Gemurmel war zu hören, es kam direkt aus dem Schrank. Ein widerlicher Gestank flog durch mein Zimmer, man könnte es mit dem Gestank von verfaulten Fleisch vergleichen. Ich konnte mir nicht erklären was gerade passiert, es war zu viel für mein junges Köpfchen. Auf einmal erschienen Krallen aus dem inneren des Schranks, messerscharf lange krallen. Zwei rot leuchtende Augen strahlten aus der Dunkelheit und starrten mich an. Ich war paralysiert und konnte mich vor Angst nicht bewegen, ich wusste nicht was mich machen soll. Schreien konnte ich auch nicht, ich hatte einfach nur Angst, Angst davor zu sterben, Angst davor dass mich dieses Monster in meinen Schrank mit in die Dunkelheit zerren würde. Plötzlich griff mich von der anderen Seite des Bettes eine klebrige Hand an den Arm und drückte fest zu. In den Moment sammelte jegliche Kraft die ich noch hatte und schrie um meinen Leben. Ich wollte nicht sterben, nicht so.
Meine Mutter rannte ins Zimmer und zog mich weg, weg von diesen Kreaturen die versuchten mich zu umzubringen. Sie rannte mit mir in die Toilette und schloss ab. Weinend saß ich auf den Boden und fragte sie was gerade los sei, sie fragte mich mit einen beängstigenden Gesichtsausdruck ob ich letzte Nacht vergaß die Spieluhr laufen zu lassen. Ich konnte sie nicht mehr anlügen und sagte ihr die Wahrheit. Sie war nicht sauer oder sonst was, sie saß nur hilflos auf den Boden und fing auch an zu weinen.
Ich fragte sie wieder was gerade hier los ist, sie erzählte mir dass die Spieluhr nicht einfach so jede Nacht laufen müsste, es ist eine altes Familienritual um böse Mächte fern zu halten.

Sie erzählte mir dass unsere Vofahrin im Mittelalter einen Pakt mit dem Teufel schloss um Reichtum zu erhalten, als Gegenleistung verlangte der Teufel jedes neugeborene Kind der Frau. Da sie der Überzeugung war nie Kinder zu zeugen stimmte sie den Pakt zu. Sie erhielt ihr Reichtum und wurde zu einer sehr Reichen Frau, jedoch wurde sie zu ihren Pech ein Jahr später unbeabsichtigt Schwanger. Der Teufel erinnerte sie an ihren Pakt und wollte ihr das Kind wegnehmen, aber die Liebe zu ihren Kind war stärker. Deshalb bat sie ihm all ihr Reichtum weg zu nehmen und ihr Kind zu verschonen. Der Teufel lehnte ab, als sie sich weiterhin weigerte das Kind herzugeben wurde er aggressiv und suchte sie jeden Tag aufs neue Heim, solange bis sie verzweifelte. Sie gab ihr Reichtum ab und zog obdachlos von Dorf zu Dorf, aber der Teufel fand sie immer wieder. Sie traf eines Tages eine Zigeunerin die ihr eine Spieluhr gab, eine magische Spieluhr welche sie ab da an immer Nachts von drei bis vier Uhr laufen lassen musste um das Böse abzutreiben. Solange diese Spieluhr lief, hatte das Böse keine Macht. Und so wurde diese Tradition von Generation zu Generation weitergegeben. Ertönt jedoch die Musik in dieser einen Stunde nicht, wird das böse kommen um sich das Kind zu holen. Bis das Kind volljährig ist, muss die Spieluhr jede Nacht laufen.

Es ertönte ein lauter Knall vor der Badezimmertür welches mich aus meiner Trance warf, diese Dinger standen vor der Türe und versuchten rein zukommen. Ich konnte nicht glauben was meine Mutter mir da gerade erzählte, eine alter Familienfluch? Das würde heißen meine Kinder müssten das selbe durchmachen eines Tages. Ich fragte sie ob es eine Möglichkeit gäbe diesen Fluch zu brechen, sie sagte verzweifelt nein. Man könne das böse nur bändigen und nicht verbannen. Sie sagte mir wir müssten die Spieluhr finden und sie wieder laufen lassen, als meine Mutter vorhin runter ging war sie nicht da. Wir müssen sie dringend finden und wieder laufen lassen. Jedoch konnten wir nicht raus da diese Kreaturen direkt vor der Türe standen. Ich hörte meinen Vater schreien “Sucht ihr die Spieluhr ich lenke sie ab!”

Die Kreaturen folgten ihn und ich und meine Mutter schlichen uns raus. Wir suchten den Keller gründlich ab, fanden jedoch nichts. Im Schlafzimmer war auch nichts. Wir suchten weiter während mein Vater versuchte uns soviel Zeit wie möglich zu verschaffen. Wir standen vor meinem Zimmer, diese Kreaturen kamen aus meinen Schrank, also beschloss ich dort nach zuschauen ob die Spieluhr da wäre. Und tatsächlich lag sie da. Ich rannte sofort hin als ich hörte wie mein Vater schmerzhaft in der Küche schrie. Als ich mich mit der Spieluhr in der Hand umdrehte sah ich wie diese Kreatur vor der Türe stand und meine Mutter quer durch das Zimmer schleuderte. Ich drehte so schnell ich konnte mehrmals an der Kurbel, die Kreaturen rannten auf mich zu, bis plötzlich der Geigenspieler aufsprang und die Musik ertönte. Die Kreaturen zerfielen in Asche, der Albtraum war vorbei. Ich ging rüber zu meiner Mutter um zu schauen ob es ihr gut ging, außer einer kleinen Platzwunde hatte sie sich Gottseidank nichts getan. Mein Vater kam ebenfalls ins Zimmer und hatte eine kratzwunde im Gesicht, aber ihm ging es soweit auch gut. Wir brachten die Spieluhr zurück in den Keller und versprachen uns gegenseitig es niemals wieder zu vergessen. Meine Mutter sagte mir ich solle wenn ich eines Tages Kinder habe immer dafür sorgen dass sie von drei bis vier Uhr Nachts laufen würde, solange bis die Kinder volljährig sind. Es ist unsere Bestimmung mit dieser Spieluhr zu leben, solange wir vor hatten Kinder zu machen müssten wir mit diesen Fluch leben.

Ich versuchte nach dieser Nacht in die Normalität zurück zu finden, hatte jedoch ab da an immer wieder Angst vor der Dunkelheit, Angst davor dass diese Kreaturen wieder auftauchen konnten. Aber immer wenn diese Melodie mitten in der Nacht erklang, fühlte ich mich sicher.

Mit achtzehn bekam ich meinen ersten Freund und späterer Ehemann, die Spieluhr spielte keine Rolle mehr für mich, bis ich mit vierundzwanzig Mutter wurde. Es meinen Mann zu erklären war nicht so leicht, aber irgendwie war er verständnisvoll und stellte keine Fragen. Das ist eben die Liebe meines Lebens.

Meine Kinder hatten kein Problem damit die Spieluhr Nachts laufen zu lassen, ganz im Gegenteil sie fanden es sehr beruhigend. Und so ging es jahrelang weiter. Niemals würde ich wollen dass meine Familie das selbe durchmachen müsste wie ich damals, so etwas wünsche ich keinem.

Aber während ich das gerade schreibe, bemerke ich dass es zehn nach drei ist…und die Spieluhr läuft nicht.

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