KurzNSFWSchockierendes Ende

Eine Frau aus dem Katalog zu Weihnachten

Ganz ehrlich? Eigentlich bin ich ein Weihnachtsmuffel. Ich konnte mit Weihnachten und Co. noch nie viel anfangen. Ich bin auch kein Familienmensch, so ganz und gar nicht, doch Jochen aus der Buchhaltung hat da letztens am Mittagstisch mit seiner Aussage etwas in mir in Gang gebracht. Es ist nicht so, dass ich viel auf das geben würde, was so ein Fuzzie wie Jochen aus der Buchhaltung so von sich gibt, wenn der Tag lang ist. Jochen ist eine ziemliche Pfeife, aber mit einer Sache hat die Weichwurst irgendwie recht. Es ist eine traurige Bilanz, dass ich mir als Einziger aus der Firma noch nie Weihnachten frei genommen habe. Was von Jochen lediglich als ein kleiner Buchhalter-Scherz gemeint war, hat mich zum Nachdenken gebracht. Besonders die Aussage eines Arbeitskollegen darauf, dass ich mir auch mal etwas gönnen soll und das Leben nicht nur aus Arbeit bestehe. Ich solle freimachen und die Zeit mit meiner Familie genießen. Tja, die Sache mit meiner Familie ist, dass wir uns wohl gegenseitig eher die Köpfe einschlagen, statt eine besinnliche Zeit miteinander verbringen würden, aber ich habe seinen Rat beherzigt und Urlaub eingetragen.
Und da ich Weihnachten nicht alleine vor der Glotze verbringen und das Fest der Liebe ausnahmsweise einmal mit jemandem gemeinsam zelebrieren will, muss so ein Einzelgänger wie ich halt ein bisschen kreativ werden. Ich habe keine Partnerin oder Freundin, was nicht schlimm ist, es gibt Mittel und Wege, sich anders Abhilfe zu schaffen. Und zwar mittels Katalog. Ja, Katalog – und ich schäme mich nicht einmal dafür, eine Frau aus dem Katalog zu bestellen. Es ist einfach, unkompliziert und man bekommt genau das vorgesetzt, was man sich ausgesucht hat. Ich bin nicht single, weil ich keine gute Partie bin, nein, ich bin ziemlich wählerisch und habe gewisse Ansprüche, die die meisten Frauen hierzulande einfach nicht erfüllen. Außerdem hatte ich schon immer eine Schwäche für Russinnen – weshalb mein Weihnachtsgeschenk an mich selbst aus Russland kommt, blonde Haare und blaue Augen hat und dieses typische und puppenhafte Mondgesicht, was ich an Frauen durchaus attraktiv finde und mag.

Ich bin dafür bekannt, dass wenn ich mir mal etwas in den Kopf gesetzt habe, ich vollends darin aufgehe und alles gebe. Das heisst, wenn ich schon einmal Weihnachten feiere, dann so richtig. Mit allem drum und dran. Ich habe mir sogar extra einen Weihnachtsbaum besorgt und mir die Mühe gemacht, ihn mit bunten Kugeln und einer Lichterkette zu bestücken. Der Küchentisch ist mit einem klassischen Adventskranz versehen, im Kamin brennt ein Feuerchen, über der Tür hängt ein Mistelzweig, die Krippe ist im Flur aufgestellt und generell ist das ganze Haus winterlich weihnachtlich geschmückt. Es ist so viel Kitsch um mich herum, dass einem beinahe schlecht davon werden könnte. Auch für Weihnachtsgeschenke ist gesorgt. Die ruhen hübsch verschnürt und verpackt unter der Tanne und warten nur darauf, endlich geöffnet zu werden.

Die letzten Tage habe ich auch damit verbracht, mich durch Rezepte zu wühlen, dabei habe ich mich von Enten- oder Gänsebraten- bis hin zu diversen Fischgerichten beflügeln und inspirieren lassen. Jedes Land hat so seine eigenen Weihnachts-Klassiker und ich bin Feinschmecker durch und durch. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass Kochen mein Handwerk ist, aber ich weiß, was sich gut kombinieren lässt und was schmeckt, außerdem esse ich gerne exklusiv, weshalb ich nur das Feinste vom Feinsten für mein Gericht besorgt habe.

Was sich auch am Weihnachtsabend in Anastacias Mondgesicht und ihren blauen Augen widerspiegelt. Die glitzern nämlich, als ich mit meinem Messer hantiere und das frische Gemüse verkleinere. Anastacia ist übrigens die Frau aus dem Katalog, die gerade noch rechtzeitig bei mir abgeliefert worden ist. Die Jungs haben die Lady in einem LKW heran getuckert und weil um die Weihnachtszeit rum die Straßen immer so voll sind, hat es wohl etwas länger gedauert als beabsichtigt und vereinbart. Wurde mir zumindest so gesagt, als ich den Jungs und meiner neuen Frau die Tür geöffnet habe. Ist aber auch zweitrangig, denn Anastacia ist jetzt da und genauso wunderschön wie auf den Bildchen im Katalog. Das blonde Haar ist geflochten. Die kleine Stupsnase gepudert und ihr zierlicher und schlanker Körper ist ein Gedicht. Natürlich versteht sie kein Wort von dem, was ich sage, was nicht schlimm ist. Mein Dad meinte immer „was nicht ist, kann ja noch werden“, aber sind wir einmal ehrlich: sind es nicht genau die Gespräche, die Liebende irgendwann auseinander reißen? Tja, ich sehe es so: Wenn Anastacia mich nicht versteht, gibt es auch keinen Disput zwischen uns oder Widerworte von ihr bezüglich meiner Wahl zum Festmahl, das ich für heute Abend ausgesucht habe. Das wäre nämlich ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand gewesen ist, an alle Zutaten zu kommen und ich dafür auch tief in den Geldbeutel greifen musste.

Ich lasse einfach mein Messer für mich sprechen und witzigerweise ist das eine Sprache, die ich gut spreche und die Anastacia versteht, obwohl sie kein Wort Deutsch spricht. Zwiebeln lösen halt weltweit Tränen aus und weil ich ein Gentleman bin, trockne ich ihre, nett wie ich bin, mit einem Taschentuch. Na gut, ich tue es auch, damit mir die schöne Frau nicht in die Sauce hinein heult und die womöglich nachher deswegen versalzen ist. Das wäre schade, schließlich gebe ich mir so viel Mühe mit dem Kochen wie schon lange nicht mehr. Dieses Weihnachtsfest soll für Anastacia und mich unvergesslich werden, weshalb ich auch für die passende Musik gesorgt habe. Die tüdelt fröhlich aus der Boombox, während ich Tomaten, Paprika, Thymian und andere Dinge zerhacke. Wie immer kann ich es nicht lassen, mitzusingen und muss lachen, als auch Anastacia schiefe Töne von sich gibt, die zwar so gar nicht zum Song passen, aber mich dennoch erheitern. Wie gut, dass ich die Küche Schall isoliert habe, sonst müssten sich die Nachbarn unser Gejaule antun und ich will niemanden seinen Weihnachtsabend versauen.

Als ich mit dem Gemüse fertig bin, prüfe ich die Temperatur im Ofen. Perfekt! Nun fehlen eigentlich nur noch die Kartoffeln und das Fleisch. Ich schiele rüber zu Anastacia, die sich unruhig auf ihrem Stuhl hin und her windet und kann nachempfinden, wie sie sich fühlt. Ich habe auch Hunger und das Wasser läuft mir bereits im Mund zusammen, wenn ich daran denke, was heute auf den Tisch kommt. Außerdem duftet es herrlich in der Küche nach orientalischen Gewürzen, bei denen jeder Inder automatisch einen Ständer bekommen würde.

Genug vom Ständer, Besinnlichkeit muss warten. Wird Zeit, sich endlich um das Fleisch zu kümmern. Für dieses Unterfangen habe ich extra dem Baumarkt einen Besuch abgestattet. Knochen lassen sich nicht gut schneiden mit den herkömmlichen Messern. Da braucht man schon was mit mehr Power dahinter. Oder man bestellt sich das erlesene Zeug dafür aus dem Internet oder macht es wie ich und lässt es bei der Arbeit mitgehen. Ich habe nun beides Zuhause. Knochen- und Kettensäge. Ich weiß nicht, heute bin ich irgendwie experimentierfreudig und ich will Anastacia auch eine gute Show bieten. Weshalb ich mit dem durchgeknallten Metzger anfange und dann erst meine ruhigen Finger spielen lasse. Mann. Die wird Augen machen, meine Anastacia.

Als die Planen ausgelegt sind und meine Frau ausgepackt und entblättert vor mir liegt, lege ich los. Und wie ich loslege und ich höre erst auf, als es ruhig um mich herum und in der guten Stube geworden ist.

Im Kamin lodert ein Feuerchen. In der Küche riecht es nach Essen. Draußen schneit es und ich sitze mit meiner Frau am Tisch. Naja. Nicht ganz. Ein Teil von ihr ist auf dem Tisch und ein anderer liegt vor ihr auf dem Teller. Arme und Beine sind sowieso total überflüssig, wenn Anastacia nun mich an ihrer Seite hat. Wie bereits gesagt. Ich habe gewisse Ansprüche an eine Frau. Einer davon ist, dass sie mir hörig sein muss. Dafür habe ich gesorgt und ich bin mir sicher, sie wird sich schnell ein- und an ihr neues Leben gewöhnen. Und was kann sich eine Frau mehr wünschen, als von ihrem Mann gefüttert, umsorgt und verwöhnt zu werden? Weihnachten ist das Fest der Liebe und ich bin jetzt schon total verliebt in mein kleines, süßes Fucknugget mit dem ach so hübschen Mondgesicht.

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