KreaturenKurz

Einsame Witwe

Brandon packte gerade seine Sachen für das College und nutzte dabei die Gelegenheit, alte Sachen auszumisten. Dabei war ihm ein altes Bild aus Kindheitstagen in die Hände gefallen. Er konnte sich noch ganz gut daran erinnern, wie das Bild entstanden war.

Damals hatten seine Eltern, seine kleine Schwester Emma und er nicht gewusst, was auf sie wartete. Auf dem Foto hatten sie trotz der dunklen Aura der Umgebung, glücklich ausgesehen. Brandon dachte nicht allzu gerne an diese durchaus schreckliche Zeit zurück.

Seine Familie hatte zwar nicht lange dort gelebt. Aber die kurze Zeit war dennoch die reinste Qual gewesen. Er legte das Bild vorsichtig zurück in den Karton. Gleich neben die vergilbte Zeitung, die er vor einiger Zeit gefunden hatte.

Über den darin enthaltenen Artikel hatte Brandon nur durch Zufall entdeckt. Dadurch war ihm alles wie Schuppen von den Augen gefallen. Es hatte alles aufgeklärt, was ihm und seiner Familie damals alles passiert war. Er hatte kaum glauben können, was dort alles geschrieben worden war.

Er konnte gut nachvollziehen, weshalb der Makler ihnen die Vorgeschichte dieses Hauses verschwiegen hatte. Wer wollte schon in einem Haus leben, in dem solch eine tragische Geschichte passiert war. Und in der es womöglich auch noch spuckte.

Erst als Brandon zwanzig Jahre alt war, hatte er mit dieser Recherche begonnen. bis zu diesem Zeitpunkt, hatte er an diese Geschichte nicht mehr gedacht. Es war ein seltsames Gefühl, wieder zurück in diesem Haus zu sein.

Selbst nach all der langen Zeit, hatte er hier noch immer ein äußerst ungutes Gefühl in der Magengegend. Er konnte dieses Gefühl jedoch nicht richtig benennen. Ob es nun an der Vergangenheit lag und was ihm hier so alles passiert war. Oder daran, das die Präsenz noch immer in diesem Haus verweilte und nicht weiter ziehen konnte.

Dies war die schlimmste und verrückteste Zeit, die Brandon in seinem bisherigen Leben erlebt hatte. Er hätte gut und gerne auf diese Erfahrung gut und gerne verzichten können. Brandon musste solch etwas auch nie wieder in seinem Leben durchmachen.

Damals waren Brandon und seine Familie Hals über Kopf ausgezogen. Dabei hatten sie nicht all ihre Sachen mitgenommen. Zudem hatte Brandon mitbekommen, das ihr Haus nach all den Jahren immer noch nicht verkauft worden war.

Also hatte er sich die Erlaubnis eingeholt, die Sachen von ihnen abzuholen die noch zu gebrauchen waren. Dafür hatte er sich extra einen Lieferwagen gemietet. Alles war auf den Müll konnte, musste Brandon mit dem jetzigen Besitze des Hauses besprechen.

 

Das Auto fuhr gerade die Auffahrt hinauf und blieb kurz vor der Garage an. Brandon war als erstes ausgestiegen und blickte sich auf dem Grundstück um. Von außen war es ein wunderschönes Haus und sicherlich von innen sehr geräumig.

Mittlerweile waren auch seine Eltern und seine kleine Schwester Olivia aus dem Auto ausgestiegen und hatten sich neben ihn gestellt. Für ein paar Minuten standen sie nur so da und betrachteten das Haus. Jeder hatte die Hand des Nebenmannes ergriffen.

Es war ihr neues Zuhause, das nun ganz alleine ihnen gehörte. Vorher hatten sie in einem Mehrfamilienhaus gelebt, in dem es sehr laut gewesen war. Es hatte viele Ausländer gegeben, die zwar an sich nett waren.

Aber sie hatten oft untereinander lautstark gestritten und miteinander gesprochen. Oder aber auch sehr viele Party im ganzen Haus gefeiert.Womit sie Brandon und seine Familie oft bis spät in die Nacht wach gehalten hatten. Deshalb waren seine Eltern auch mit ihnen in dieses Haus umgezogen.

„Ist das nicht ein Traum von einem Haus? Jetzt macht es zwar nicht allzu viel her, aber wartet es nur ab“, sprach sein Vater kurzerhand. „Aber wir sollten zu aller erst einmal die Sachen reinbringen.“

„Wenn wir damit fertig sind, gibt es heute Abend noch eine Pizza“, fügte ihre Mutter hinzu. „Aber das auch nur, wenn ihr beiden brav bleicht und euch nicht balgt.“

Das freute Brandon und Emma natürlich und so flitzten sie überschwänglich zu dem Umzugswagen. Dieser war hinter ihnen hergefahren und parkte nun am Seitenstreifen. Schnell wurden die Sachen in ihr neues Heim, von denen manche schon in die entsprechenden Räume gebracht.

Am späten Nachmittag waren dann alle Umzugswagen ausgeräumt. Das Erdgeschoss war mit allerhand Kartons und den verschiedensten Möbeln zugestellt. Die Möbelpacker hatten einfach alles irgendwo hingestellt, wo eben der nötige Platz gewesen war.

So hatten sie die Aufgabe, die ganzen Möbel und die Kartons an ihren Platz zu stellen. Für so manches benötigten sie jedoch die Hilfe von ihrer Familie und ihren Freunden. Brandon wusste zu diesem Zeitpunkt nur nicht, wie das überhaupt gehen sollte. Da sie sehr weit weg von allen waren, die sie kannten und liebten.

Als seine Eltern gesagt hatten, das sie umziehen würden, waren Brandon und Olivia nicht gerade begeistert davon gewesen. Er bekam einen Trotzanfall und drohte damit, bei Oma und Opa zu bleiben. Oivia musste tagelang beruhigt werden, da sie die ganze Zeit nur am weinen war und sich in ihrem Zimmer verkroch.

Während Brandon uns seine Schwester ihre Zimmer einräumten, waren ihre Eltern unten im Erdgeschoss zugange. Ihre Mutter war gerade am Telefonieren, so wie es sich anhörte. Ihr Vater schien hingegen noch ein paar Kartons und Möbel zu rücken, den Geräuschen nach zu urteilen.

Den Abend ließen sie dann alle in der Küche ausklingen. Um Abendessen gab es eine riesige Familienpizza, anschließend spielten sie noch Karten. Kurz nach acht Uhr waren sie alle relativ müde, gingen Brandon und Emma schon einmal ins Bett.

Da das Haus aber bereits einige Jahrzehnte alt war und vor ihrem Kauf schon lange leer stand, musste es aufwendig renoviert werden. Weshalb sie mehr auf einer Baustelle lebten. Aber das führte nach einigen Tagen, nachdem die Bauarbeiten begonnen hatten, zu den späteren Problemen.

Im Nachhinein war klar, was diese Probleme ausgelöst hatte. Der Geist hatte wohl ein Problem damit gehabt, das sie hier eingezogen waren. Die ganzen Veränderungen waren nicht gewollt und das ließ die Präsenz seine Eltern spüren.

Zwei oder drei Wochen nach ihrem Einzug, begannen die seltsamen Geräusche. Was alles zwar noch relativ harmlos war, aber doch immer sehr penetrant. Immer um dieselbe Uhrzeit waren auf dem Flur irgendwelche Schritte zu vernehmen und klopfen an Wänden und Türen.

Was dazu führte, dass Brandons Eltern kaum Schlaf bekamen und sich fragten, was diese Geräusche verursachte. Brandon wusste noch ganz genau, wie seine Eltern viel Zeit darauf verwendeten, das komplette Haus abzusuchen.

Wie er mitbekommen hatte, wollten sie die Quelle dieser Geräusche ausfindig machen. Brandon verstand alles überhaupt nicht. Nur das er und seine Schwester von etwas beschützt wurden. Oder zumindest von etwas übernatürlichem behütet und betütelt.

Aber bis dahin war das alles noch harmlos. Schlimm wurde es erst nach knapp vier Wochen, als Brandons Mutter den Schaukelstuhl auf dem Dachboden fand. Dieser fand seinen Platz in dem neu renovierten Wohnzimmer, in einer Ecke des Raumes, gleich neben dem riesigen Bücherregal.

Wenn Brandon und seine Schwester Olivia, im Wohnzimmer spielten, fühlten sie sich immer beobachtet. Da ihre Eltern jedoch aber immer auf Arbeit waren und sonst niemand anderes da war. Es war als ob irgendeine Präsenz bei ihnen war, die ihnen aber nichts Böses wollte.

Sie fühlten sich zunächst mit der Präsenz zunächst sogar wohl und beschützt. Zu diesem Zeitpunkt hatten Brandon und Olivia die Präsenz nur gespürt. Dazu gab es gewisse Anzeichen dafür, dass jemand unsichtbares mit ihnen in den verschiedensten Räumen waren.

So jung wie sie damals waren, hatten sie über die Möglichkeit nachgedacht, dass es ein Geist sein könnte. So jung wie sie damals gewesen waren, kannten sie diese Bedeutung nicht. Es war Brandon und Olivia auch vollkommen egal, denn sie hatten jemanden zum spielen.

Das seltsame an der ganzen Sache war jedoch, dass sich der Schaukelstuhl irgendwann jeden Tag an eine ganz bestimmte Stelle im Raum gerückt wurde. Und das passierte ohne dass irgendjemand etwas tat. Die Geschwister wussten nicht, was das zu bedeuten hatte.

Aber Brandon und Olivia wussten, dass es die Präsenz war, die wohl einfach mit ihnen spielen wollte. Um aber keinen Ärger zu bekommen, schoben die Geschwister den Stuhl immer wieder zurück, bevor ihre Eltern von ihrer Arbeit zurückkamen.

Wenn ihr Vater auf der Arbeit war und ihre Mutter vom Einkaufen, hatten sie jemanden zum Spielen. Ganz besonders Olivia hatte ihren Spaß, mit der mittlerweile physischen Präsenz. Sie spielte und sprach am meisten mit der Frau und war immer sehr froh darüber.

Brandon hingegen konnte sich jedoch die meiste Zeit alleine beschäftigen. Seine Eltern hatten im vor einigen Wochen, eine Konsole geschenkt bekommen. Heute dachte er sich, das seine Eltern ihn von der Tatsache ablenke wollten, das er hier noch keine Freunde hatte.

Auch so hatte Brandon einiges an Spielzeug, mit dem er sich ohne Freunde beschäftigen konnte. Seine kleine Schwester war da nicht so, immerhin war sie immer nur mit ihren Freundinnen zusammen gewesen. Gemeinsam konnten sie gut miteinander spielen, aber alleine wusste Olivia nicht viel mit sich anfangen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war für Brandon und Olivia alles in Ordnung. Sie hatten keinen Grund, aus irgendeinem Grund Angst zu haben. Auch die Kekse und Milch, sprachen eher für die Präsenz, auch wenn keine der Beiden diese anrührten.

Während sich Brandon und Olivia in den nächsten Wochen sicher und wohl fühlten, vor allem wenn sie alleine waren, wurde es für ihre Eltern immer Schimmer. Nachts wurden sie weiterhin von den Geräuschen terrorisiert. Doch irgendwann wurde es immer schlimmer, vor allem körperlich.

Brandon erfuhr erst Jahre später, was seinen Eltern passiert war. Das diese Präsenz, die ihnen gegenüber wohlgesonnen war, seinen Eltern blaue Flecken und Kratzwunden zugefügt hatte. Aus Fürsorge hatten sie Brandon und Olivia nichts davon gesagt.

Die Blessuren seiner Eltern waren etwas, das er ebenfalls erst später erfahren hatte. Sie waren der Meinung gewesen, das Brandon und Olivia das nicht erfahren mussten. Was er voll und ganz nachvollziehen konnte. Es hätte die beiden Geschwister am ende nur verstört.

Die In einer Nacht kam eins aufs andere und es passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Brandon war aus irgendeinem Grund aufgewacht uns wusste im Moment nicht, was ihn aufgeweckt hatte. Ein Blick auf seinen Wecker zeigte ihm, dass es erst 3 Uhr in der Nacht war.

Dabei viel ihm ein Glas Milch und ein Teller voll mit Keksen. Bandon fand es sehr ungewöhnlich, das die Sachen mit einem Mal dort standen. Zum einen war er geneigt, die Milch und Kekse zu essen. Auf der anderen Seite fand er es aber auch sehr seltsam, weshalb Brandon die Finger davon ließ.

Als er das sah, hatte Brandon zumindest das Bedürfnis, seinen Durst zu stillen. Er wollte gerade nach dem Gals greifen, als ihn ein Schrei seiner Mutter zurückschrecken ließ. Dabei stieß Brandon das Glas Milch um, welches sich über den Boden entleerte und das Gals auf dem Parkettboden zerschellte.

Brandon sprang aus seinem Bett auf und eilte zum Zimmer seiner Eltern. Seine Mutter stand neben dem Bett, das Nachthemd leicht an der Schulter aufgeschlitzt. Sie blickte rüber zu seinem Vater, der auf seiner Seite des Bettes, nun auf dem Boden lag.

AUf der rechten Wange seines Vaters waren vier oberflächliche Kratzer zu sehen. Bei m Aufstehen machte er ein schmerzverzerrtes Gesicht. Was Brandon ganz und gar nicht gefiel. Zudem rief Olivia weinend nach ihnen aus ihrem Kinderzimmer.

„Schnappe dir sofort deine Schwester und einige Sachen“, war Brandons Vater leicht panisch. „Wir verschwinden von hier.“

Keine Stunde später saßen die Vier im Auto, nur mit dem Nötigsten im Gepäck und fuhren eine Zeit lang ziellos umher. Nach einiger Zeit kamen sie in einem Motel vorbei, in dem sie sich einquartierten. Zwischenzeitlich kamen Brandon und seine Familie bei Verwandten unter.

Es dauerte einige Monate, bis seine Eltern etwas Neues gefunden hatten. Die Sachen aus ihrem alten Haus, wurden von einer Firma ausgeräumt und in einem Lager zwischengelagert. Erst einige Jahre später erfuhr Brandon durch einen puren Zufall, was mit dem Haus eigentlich war.

Durch eine Recherche für ein Uniprojekt, war Brandon über einen Jahrzehnte alten Zeitungsartikel gestolpert. Dort ging es um eine einsame Witwe mit ihren beiden Kindern. Was daran interessant oder genauer gesagt schockierend war, war der Inhalt des Zeitungsartikels.

Die Witwe hatte irgendwann zu aller erst einmal ihre Kinder umgebracht und dann sich selbst. Ihre Kinder hatte sie mit einer vergifteten Milch und Keksen, die mit einer hohen Dosis Arsen versetzt waren. Sich selbst hatte die Frau mit dem Strick umgebracht.

Im Wohnzimmer hatte sie den Schaukelstuhl, der sich damals öfters wie von selbst bewegt hatte, unter einen Balken bewegt. Dort hatte sie ein Seil über den Balken geworfen und sich anschließend erhängt. Die Leichen wurden erst Tage später gefunden.

Das Motiv dieser grausamen Tat konnte nie geklärt werden. Weiterhin konnte Brandon aus dem Artikel entnehmen, dass die Kinder zum Zeitpunkt ihres Todes, fast im selben Alter gewesen waren, wie Brandon und Olivia damals.

Das erklärte für Brandon doch so einiges. Durch den Einzug seiner Familie, mussten sie den ruhelosen Geist geweckt haben. Dieser Geist musste Brandon und Olivia für ihre eigenen Kinder gehalten haben. Weshalb sie Brandons Eltern angegriffen und verletzt hatte.

Aber auch, warum sich der Schaukelstuhl immer wieder bewegt hatte. Es klärte jedoch auch den Umstand, weshalb fast immer Milch und Kekse an den Nachtschränkchen von ihm und seiner Schwester gestanden hatten.

Zum Glück von Brandon und Olivia, hatten sie die Sachen jedoch nie angerührt. Nicht auszumalen, was alles hätte passieren können. Aber die ganze Familie war relativ Heil aus der ganzen Sache heraus gekommen. Sie alle Lebten nun ihr ganz eigenes Leben und waren glücklich und Gesund.

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