GeisteskrankheitKurz

Kranke Liebe

 Seit Melissa Müller ihre Spätschicht im Supermarkt beendet hatte, fühlte sie sich schon beobachtet. Dieses Gefühl verstärkte, als sie durch den dunklen verlassenen Park lief. Es war zwar nie eine gute Idee, ganz alleine und bei Nacht durch den Park zu gehen.

Aber dies war der schnellste Weg zu ihrer Wohnung. Sie wohnte noch nicht all zu lange Dort und kannte in dem Haus kaum jemanden. Aus dem Studentenwohnheim hatte sie leider Gottes ausziehen müssen. Es hatte einige Beschwerden gegeben, die in ihren Augen völlig ungerechtfertigt waren.

Melissa hatte dort bereits seit drei Jahren gewohnt und bisher hatte es noch nie Probleme gegeben. Doch irgendwann hatte es angefangen und war immer schlimmer geworden. Um einem Rauswurf entgegen zu wirken und um nicht auf der Straße zu sitzen, hatte sie sich diese Wohnung gesucht.

Irgendwann hatte Melissa den Grund herausgefunden. Es hatte jede Menge Beschwerden darüber gegeben, das sich ein Fremder immer wieder nach ihr erkundigt hatte. Den vielen Beschreibungen zufolge, konnte sich Melissa schon vorstellen, wer dieser Mann war.

Und genau aus diesem Grund, hatte sie die Uni gewechselt. Melissa hatte sogar den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, um ihren Standpunkt klar zu machen. Ihre Eltern hatten sie ignoriert und ihre Bedenken nur belächelt. Und nun sollte der ganze Spuck hier nun von neuem Beginnen?

Eigentlich hatte Melissa gehofft, das sie durch die räumliche Trennung ihre Ruhe von der ganzen Sache hätte. Zumindest war sie nicht davon ausgegangen, das sie ganze Sache wieder anfangen würde. Erst recht nicht so schnell, aber anscheinend hatte sie sich in diesem Mann gründlich getäuscht.

Sie hatte keine Ahnung, was sie jetzt noch tun sollte. Melissa wollte schließlich nicht, das die ganze Sache noch ausartete. Immerhin konnte sie nicht auf ewig die Stadt und die Uni wechseln. Irgendwann wollte Melissa ihr Studium auch einmal beenden und eine Arbeit beginnen.

Nervös und mit schnellen Schritten, lief Melissa durch den Park. Bei jedem Rascheln und Knacken im Unterholz, zuckte sie zusammen. Nach ungefähr zehn Minuten Fußweg, war Melissa endlich bei ihrer Wohnung angekommen.

Mit leicht zittriger Hand fingerte sie ihren Haustürschlüssel aus ihrer Handtasche und schloss die Haustür auf. Das Gefühl, beobachtet zu werden, hatte sich irgendwann gelegt. Sie hatte auch keine Geräusche mehr gehört, wie schwere Schritte oder knackende Äste.

Was Melissa aber jedoch nicht gerade beruhigte. Wie oft hörte man schließlich im Fernsehen, wie schnell eine Frau doch vergewaltigt werden konnte. Oder las in der Zeitung, das wieder einmal ein Raub auf offener Straße begannen wurde.

Aus diesem Grund hatte sich Melissa in einem Selbstverteidigungskurs angemeldet. Aber das brachte ihr in diesem Moment auch nicht viel, wenn sie bisher noch keine einzige Stunde gehabt hatte. Und das Pfefferspray in ihrer Tasche, brachte ihr auch nur so ein mittelgutes Gefühl der Sicherheit.

Also beeilte sich Melissa, um nach Hause zu kommen. Wäre Stefan heute nicht plötzlich krank geworden, hätte sie nun eine Begleitung nach hause gehabt. Aber auch Tamara war noch mit dem Kassensturz beschäftigt.

Mit den Beiden war sie immer in der Spätschicht immer eingeteilt. Da sie alle drei nahe beieinander wohnten, liefen sie daher immer gemeinsam nach Hause. Und genau diese Sicherheit fehlte ihr nun, die sie durch die Beiden verspürte.

Sie wohnte in einem sehr ruhigen Mehrfamilienhaus, mitten in der Stadt. Aber an diesem Abend, hörte man laute Musik im ganzen Flur. Ihr Herz schlug schneller, da es anscheinend aus ihrer Wohnung zu kommen schien, was doch völlig unmöglich schien.

Mit zitternden Knien und klopfendem Herzen, trat Melissa die Treppen hoch zu ihrer Wohnung. Auf halbem Wege blieb Melissa jedoch stehen. So stand sie mehrere Herzschläge lang auf der Treppe. Sie war sich unschlüssig darüber, ob sie wirklich weiter gehen sollte.

„Was ist denn bei ihnen in der Wohnung los? Feiern sie heute noch eine Party und ein Freund von ihnen bereitet schon alles vor?“, wurde sie von der alten Frau Müller abgefangen. „Seit einigen Minuten kommt von dort laute Musik und ab und zu auch lautes gepolter.“

Sie war abrupt stehengeblieben und schaute die alte Frau Müller an. Melissa war über das was sie da gerade gehört hatte, erschrocken und ängstlich zugleich. Schließlich hatte sie weder einen Freund noch irgendwelche Mitbewohner.

Außer dem Hausmeister, ihrer Mutter und der alten Frau Müller, hatte niemand einen Schlüssel für ihre Wohnung. In diesem Moment schossen ihr tausend Gedanken durch den Kopf. Doch keiner dieser Gedanken war für sie wirklich zu greifen.

Zudem fing ihr Herz an zu rasen und Melissa bekam ganz schwitzige Hände. Ihr ganzes Denken kam ins trudeln. Melissa war angespannt und konnte gerade keinen klaren Gedanke fassen. Also traf sie spontan die eindeutig falsche Entscheidung.

Ganz vorsichtig und so leise wie möglich, begab sich Melli die Treppe hinauf. Dabei versuchte sie so leise zu sein, wie nur irgendwie möglich. Ihre Tür stand einen Spalt breit offen und aus ihrer Wohnung kam definitiv diese schreckliche Musik.

 

Seit die Geräusche und diese Musik aus der Wohnung über ihr kam, machte sich Ingeborg Sorgen. Die junge Dame Melissa Müller war normalerweise eine ruhige, zurückhaltende Person. Seit sie hier wohnte, war die junge Dame noch nie negativ aufgefallen.

Aber am heutigen Abend war in der Wohnung dieser Frau, ein ziemlicher Aufruhr. Während die junge Frau noch auf der Arbeit gewesen war, hatte sich ein älterer Herr die Treppe hinaus begeben. Ingeborg hatte die Situation äußerst seltsam gefunden, da sie jeden Bewohner des Hauses kannte.

Ein Besucher konnte der Mann zudem auch nicht sein, da sie diesen Mann noch nie zuvor gesehen hatte. Außerdem trug der Mann noch einige Papiertüten von einem Billigladen bei sich, von denen er gleich zwei Stück pro Hand festhielt.

Es schien bis zum Rand mit billigem Kitsch vollgestopft zu sein. Aus einer der Tüten blitzte etwas rotes und herzförmiges heraus. Wenn sie sich nicht verschaut hatte, waren das Tüten aus einem dieser 1€ Ramschläden.

Leicht irritiert blickte Ingeborg dem Mann hinterher, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. Jedoch blieb sie noch eine Weile hinter der Tür stehen und blickte weiterhin leise durch den Türspion.

Danach hatten die Geräusche angefangen, was für die alte Frau immer befremdlicher wurde. Sie war hin und her gerissen, was sie nun tun sollte. Sie war keinesfalls eine der Personen, die bei der kleinsten Ruhestörung die Polizei rief. Aber das war wohl eine außergewöhnliche Situation.

Wenn Ingeborg nun die Polizei rief und alles nur ein Missverständnis war. Wenn der Mann der Vater der jungen Frau war und nur Besorgungen für seine Tochter erledigt hatte, die er nun vorbei brachte. Aber auf der anderen Seite konnte der Mann sonst wer sein.

Wer konnte schon sagen, was er vor hatte und was alles passieren mochte. Der Mann sah nach jede Menge Ärger aus. Für Ingebork war dieser Typ völlig suspekt und hatte sicher nichts gutes im Sinne. Ingeborg hatte über die Jahre so einige Menschen kennen gelernt.

Doch dann bekam Ingeborg eher zufällig mit, wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Die junge Frau kam wohl gerade von ihrer Arbeit nach Hause. Also ging Ingeborg an die Tür, um ihre Nachbarin abzufangen. Sie sorgte sich um die Dame, was sich am Ende doch auch bewahrheiten sollte.

Sie hatte sich in die Tür gestellt und wartete im Türrahmen. Nachdem Ingeborg mit dem Fräulein Melissa gesprochen hatte war diese nervös zu ihrer Wohnung hinauf gegangen. Ingeborg hatte zwar ihre Tür anschließend wieder geschlossen, stand aber nun dahinter und sah durch den Spion.

Kaum waren die Schritte im Treppenhaus verstummt, hörte Ingeborg von oben einen Schrei. So schnell sie konnte, lief Ingeborg zum Telefon, um die Polizei zu rufen. Neugierig wie sie war, stand sie kurz darauf wieder an ihrer Tür und sah durch den Spion, um auch bloß nichts zu verpassen.

 

Als die Polizei fünf Minuten nach Eingang des Notrufes eintraf, ging sie äußerst vorsichtig vor. An der Leitstelle waren nur sehr vage Informationen eingegangen. Es konnte am Ende nur ein Fehlalarm sein und es war nur ein ganz normaler Besuch.

Sie hatten von einer älteren Dame Bescheid bekommen, die völlig aufgeregt die Polizei angerufen hatte. Es lagen nur Informationen vor, das sich ein fremder Mann Zugang zum Haus verschafft hatte. Er musste einen Schlüssel zum Haus und zu einer der Wohnungen haben.

Mit einer Hand an dem Holster, begaben sich die beiden Polizisten zu der angegebenen Wohnung. Auf dem Weg dorthin, begegneten sie einer älteren Dame, hinter einer halb aufgezogenen Tür. Diese deutete nach oben, bevor sie mit einer Handbewegung zurück in ihre Wohnung geschickt wurde.

Bei der Wohnung angekommen, stürmten beide Polizisten in die Wohnung. Von Draußen war ein Schrei einer Frau zu hören und kurz darauf, wie etwas umfiel. Das war ein Zeichen dafür, das Gefahr im Verzug war, was sich am Ende doch als Wahrheit herausstellen sollte.

Auf dem Boden des Wohnzimmers lag eine an einen Stuhl gefesselte und geknebelte, junge Frau. Über ihr gebeugt, stand ein älterer Mann, der gut und gerne ihr Vater hätte sein können. Er schrie schon fast auf die verängstigte Frau ein, die sich wand und versuchte, aus der Situation heraus zu kommen.

„Gehen sie von der Frau weg“, schrie einer der Polizisten. „Und das zwar plötzlich. Sie werden sonst noch größere Probleme bekommen.“

„Was wollt ihr hier? Das hier geht euch scheiß Bullen doch gar nichts an“, schrie der Mann. „Das ist eine Familienangelegenheit und niemand hat euch gerufen.“

Dabei fuchtelte er wie irre mit einem Messer vor sich her. Die beiden Polizisten Hubert Anders und Matthias Fröhlich hielten die Pistolen vor sich. Jedoch machte der Mann keinerlei Anstalten, das Messer auf den Boden fallen zu lassen.

„Legen sie die Waffe auf den Boden und gehen sie von der Frau weg“, wiederholte Hubert Anders seine Aufforderung nun etwas ruppiger. „Legen sie sich ganz langsam auf den Boden und verschränken sie die Arme hinter dem Kopf.“

Dann ging alles sehr schnell, da der Mann der Aufforderung immer noch nicht nach kam. Matthias Anders hatte seine Waffe gegen ein Pfefferspray eingetauscht, das er nun auch gegen den Mann eingesetzt hatte. Nachdem der Mann schreiend am Boden lag, bekam er Handschellen angelegt.

Während Hubert Anders den Mann in das Auto brachte, kümmerte sich Matthias Fröhlich um die junge Frau. Die Frau war schnell von ihren Fesseln und ihrem Knebel befreit worden. Nachdem der Krankenwagen angefordert worden war, berichtete die Frau von den Geschehnissen.

Das dieser Mann ihr Onkel war, der ihr heute seine Liebe gestanden hatte. Zumindest war dies heute sein Plan gewesen. Jedoch war er völlig ausgerastet, weil sie diese Liebe nicht erwidert hatte. Zu allem Überdruss war ihr eigener Onkel in die Wohnung eingebrochen.

Aber nun war es vorbei und und er wurde seiner gerechten Strafe zugeführt. Melissa war erneut umgezogen, um dieses Trauma zu überwinden. Dazu lernte sie endlich, sich richtig zu verteidigen und machte zusätzlich eine Therapie.

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