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Nachtwächter

James hatte wieder eine monotone und äußerst lange Nacht, in einer langweiligen Mall, im langweiligsten Beruf der Welt vor sich. Seit mehreren Jahrzehnten arbeitete er schon als Wachmann in einem Einkaufszentrum einer riesigen Kette.

Es war zwar nicht sein Traumberuf, aber für so einen stinkend langweiligen Job wie diesen, doch sehr gut bezahlt. Er sehnte sich bereits nach dem Tag, an dem James diesen beschissenen Job endlich hinwerfen konnte. Um das zu tun, musste er aber erst noch so einiges erledigen.

James war mit Pauken und Trompeten durch die Prüfungen der Polizei Akademie gekracht. Wenn er ehrlich mit sich selbst war, hatte James nie Polizist werden wollen. Aber es war schon eine Familientradition und da hatte es keine Diskussionen gegeben.

Sein Vater war Polizist, dessen Vater und dessen Vater und so weiter und sofort. Da war es auch nur vorprogrammiert, dass sein Scheitern einem Weltuntergang gleich kam. Das war James aber auch völlig gleichgültig, da er die Ausbildung nur halbherzig angegangen war.

Er hatte nie in die Fußstapfen seines Vaters treten wollen. Polizist zu werden, hatte sich James nie im Leben vorstellen können. Aus irgendeinem Grund konnte er nichts davon abgewinnen, die Aufgaben eines Gesetzeshüters auszuüben.

Seine Interessen lagen seit jeher in der Kunst, was in seiner Familie eher etwas für schlichte Gemüter war. Oder für Proleten, die es sich leisten konnten, überteuerten und hässlichen Nippes zu kaufen. Aus diesem Grund hatte er seiner Familie nichts von den Kunstkursen erzählt, die James bisher auf der Kunsthochschule gemacht hatte.

Seine Bilder, die er bisher so gemalt hatte, durfte er hier hin und wieder ausstellen. Das ein der andere Bild hatte er sogar verkaufen können. Aber das war bisher nur der Anfang seiner künstlerischen Karriere. Und bei seinem Talent war noch jede Menge Luft nach oben.

Zumindest sahen seine Lehrer ein großes Talent bei ihm. Er hatte viel Zuspruch für seine Arbeit bekommen und das nicht nur von den Lehrern. Auch die anderen Schüler auf der Kunsthochschule waren von seinen Bildern begeistert gewesen.

Er war für die Polizei nicht gut genug gewesen und seine künstlerische Ausbildung würde noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Also war ihm nur noch die Ausbildung zum Wachmann geblieben. Nach all den Jahren, die er nun schon als Wachmann in der Mall arbeitete, brauchte James dringend eine Luftveränderung.

Aus diesem Grund hatte er sich in einem der hiesigen Musen beworben. Von dort aus, wollte er dann Kurator oder etwas ähnliches werden. James hatte seine Zukunft schon ganz genau durchgeplant. Und da war der Beruf als Nachtwächter nicht mit inbegriffen.

Bis dahin musste er aber in seinem jetzigen Beruf fest. Aber James musste das Beste aus der Situation machen. Auf diese Art und weiße, konnte er noch etwas Geld verdienen, bis er seinen Hauptberuf angefangen hatte. Am Ende würde dann der Rubel erst so richtig rollen.

Die meiste Zeit über, musste er sich am Tage in der Mall mit Kleinkriminellen und Gelegenheitsdieben herumschlagen. Nachts starrte James nur auf seine Bildschirme und drehte alle zwei bis drei Stunden seine Runde. Ab und zu hörte er seltsame Geräusche, die er aber nie zuordnen konnte.

Es war die letzten sieben Tage immer wieder das selbe gewesen. wenn James durch die Gänge lief, um in der Mall nach dem Rechten zu sehen, waren Schritte zu hören. Sobald man sich aber zu den Schritten herumdrehte, war nichts mehr zu sehen.

Hin und wieder sah er auch Schatten aus dem Augenwinkel. Es war eine konturlose Masse, die im Ansatz etwas mit einem Menschen zu tun hatte. Man konnte auch nur die schwarze Gestalt erkennen, aber nie ein Gesicht oder die Kleidung sehen.

Des öfteren hatte James und seine Kollegen darüber gesprochen. Den anderen erging es nicht anders als James. Sie konnten immer nur Schemen erkennen, aber nie richtige Konturen. Selbst wenn man mit den Kameras näher heran zoomte.

In den vielen Jahren, die James bereits hier arbeitete, war noch nie etwas Schlimmes passiert. Es hatte nachts noch nie einen Einbruch oder zumindest den Versuch gegeben. Hier gab es aber auch nicht wirklich etwas, das sich zu stehlen lohnte.

Deshalb war es äußerst seltsam, das sie alle in den letzten Tagen diese Dinge sahen. Vor allem da dies vorher noch nie passiert war. Es konnte sich auch niemand erklären, was das war. Selbst die Techniker nicht, die das gesamte System überprüft hatten.

Es war noch nicht einmal eine sehr gute Mall, die guten Viertel stand. Dieses Viertel war über die Jahrzehnte zu einem Armenviertel heruntergekommen. Das hatte zur Folge gehabt, dass immer mehr betuchte Händler von hier verschwanden.

Selbst einige Ketten, die für ihren Ramsch bekannt waren, fanden sich kaum noch in diese heruntergekommene Mall ein. Und ihn hatte es natürlich hier her, in dieses Höllenloch verschlagen. James konnte froh sein, wenn er in einem Jahrzehnt von hier weg war.

Aber das war nur reines Wunschdenken von ihm, damit belügte sich James einfach nur selbst. Es gab kaum einen Tag, an dem er nicht über seine Zukunft nachdachte. Er hatte sich zwar so einiges zurecht gelegt. Aber die Umsetzung rückte für ihn von Mal zu Mal, immer weiter Weg. Wenn James nicht bald den Absprung schaffte, war es für ihn dann viel zu spät.

Das schlimmste, was hier passierte, waren eingeschlagene Fensterscheiben. Zudem kamen die verschiedensten Graffity und Schmierereien, überall in der Mall. Was natürlich mit immensen Reinigungs- und Reparaturkosten verbunden waren.

Es war auch mit jeder Menge Zeit verbunden, die Mall in Stand zu halten, was dem Eigentümer nicht gefiel. Dabei hatte der Eigentümer das Geld. Er besaß mehrere unterschiedliche Ketten an Einkaufszentren.

Darunter befanden sich auch einige noble Ketten und sein Vermögen belief sich angeblich auf fast eine Milliarde. Deshalb verstanden sie nicht so recht, weshalb diese Mall so herunter gewirtschaftet wurde. Über ihren Arbeitgeber war nicht sehr viel bekannt.

Da die Mall immer mehr verfiel und nicht mehr viel darin investiert wurde, war ihr Sicherheitssystem nicht mehr das aller beste. Weshalb ihre Arbeit mit den Jahren nur noch schwieriger machte. Dadurch konnten sie die Täter, die all die Taten begannen, nur noch selten stellen.

Entweder waren die Bilder unscharf oder die Kameras fielen immer wieder vereinzelt oder sogar komplett aus. Das Sicherheitssystem war dem Eigentümer wohl nicht wichtig genug. Hier war waren die letzten größeren Renorvierungs- und Modernisierungsarbeiten schon Jahrzehnte her.

Wenn man nach der Einrichtung der Mall ging, hatte man hier schon länger nichts mehr gemacht. Dabei konnte man aus dem schnöden Ort so einiges machen. Auch wenn die Mall in solch einer heruntergekommenen Gegend stand.

Aber hier war die Zeit stehen geblieben und was sollte ihn das bekümmern? Vielleicht war er schon sehr bald von hier verschwunden. Jetzt musste sich James erst einmal wieder auf seine Arbeit konzentrieren. Nicht das sich auf den Monitoren wieder etwas bewegte, das eigentlich gar nicht da war.

Diese Schemen führte bei ihm und seinen Kollegen immer wieder zu Irritationen. Hin und wieder sahen sie irgendwelche Schemen auf den Aufzeichnungen. Jedoch waren diese Schatten immer völlig unscharf oder die Aufnahmen waren völlig verwackelt.

Ab und an ging man davon aus, das es Menschen sein könnten. Denn sie tauchten immer nur in der Nähe von Bekleidungsgeschäften auftauchten. Das alles war völlig unlogisch, da man dort nie jemanden vorfand.

So ungelenk wie sich diese Schemen bewegten, hätte man auf jeden Fall jemanden erwischen müssen. Es war wirklich komisch, das es immer nur in der Nähe von Kleidungsläden passierte. Und nie jemand zu sehen war.

Immer wenn in diesen Bereichen etwas auftauchte, wurde der Bereich sofort überprüft. Es nicht das erste Mal, das so etwas vor gekommen war. Aber bisher hatte weder James, noch irgendjemand sonst etwas seltsames gesehen.

Genauso war es eigentlich auch in dieser Nacht. Seine Schicht hatte völlig normal angefangen, indem James mit seinem Kollegen die Übergabe machte. Die nächste Stunde verbrachte James dann wie immer mit einem dicken Roman.

Ab und an schmökerte er auch in einem Fachbuch herum und machte sich dazu so einige Notizen. Es waren in der Hauptsache Bücher über Kunst. Schließlich musste er ja seine Techniken und Fingerfertigkeiten verbessern.

Nur sehr selten las er ein Fachbuch für Nachtwächter, auch wenn ihm dies nicht mehr all zu viel brachte. Die Bücher lass er auch nur dann, wenn er in der Mall war, wo er von seinen Kollegen beobachtet wurde. Oder wenn ihn seine Familie dabei sah. Er wollte vorerst den Schein wahren, sich für seinen derzeitigen Beruf zu interessieren.

Aber auch seine erste Runde durch die zweistöckige Mall, lief genauso ruhig ab wie immer. Es war dabei doch immer dasselbe. Alle Geschäfte waren geschlossen und nirgendwo brannte noch Licht. Deshalb lief er nur sporadisch seine Runde und sah sich das ein oder andere Geschäft an.

James hatte sich schon früh vorgenommen, bei jeder Runde abwechselnd jedes dritte Geschäft zu begutachten. Bisher hatte dies immer ausgereicht. Wer sollte hier schon wirklich einbrechen und etwas stehlen? Wenn hier wirklich einmal etwas passierte, dann geschah dies nur tagsüber.

In der Mall gab es kein Geschäft, das etwas Wertvolles verkaufte, das sich zu stehlen lohnte. Selbst seine Kollegen gingen ähnlich vor und sie hatten James erst auf diesen Gedanken gebracht. Anfangs hatte er ihnen kein Wort geglaubt und hatte sie auch noch belächelt

Doch schon sehr bald hatte er auf seine Kollegen gehört. James hatte in den ersten drei Wochen, jede Menge Zeit dafür aufgewendet, alles sehr gründlich durchzusehen. Bald hatte er einsehen müssen, das hier wirklich nicht geschah.

Also hatte er seine Routine, an die seiner Kollegen angepasst und fuhr bisher doch ganz gut damit. Insgeheim hatte James zugeben müssen, das er auf diese Art mehr Freizeit hatte. Und es war bisher wirklich nicht as eingetreten, was er befürchtet hatte. Das konnte von ihm aus auch so bleiben.

Er musste erst Lehrgeld bezahlen, bevor James das verstanden hatte. Aber er war schon immer jemand gewesen, der immer etwas langsam war. Aber auch genau diese Tatsache würde ihm heute noch zum Verhängnis werden.

Nach einigen Tagen hatte James festgestellt, dass man sie allein mit ihren Problemen ließ. Was auch die Einstellung seiner Kollegen erklärte. Aber nun war es für ihn erst einmal an der Zeit, seine erste Runde zu drehen. Wie immer war nichts los und alles war so, wie es sein sollte.

Also ließ er sich nach einer halben Stunde, wieder auf seinen Stuhl im Wachraum plumpsen. Dort ruhte er sich kurz aus, bevor sich James eine Tasse Kaffee gönnte. Doch nach einem flüchtigen Blick auf die Monitore, hatte er auf einem der Bildschirme eine Bewegung ausgemacht.

Er brauchte einige Zeit, um ganz sicher zu gehen, dass dort wirklich etwas war. Aber bisher war es nur ein Schatten, der sich seltsam hin und her bewegte. Für James kam es völlig unnormal vor, da die Silhouette des Schattens, wie ein menschlicher Umriss aussah.

Um diese Uhrzeit war er völlig allein. In der Nachtschicht verzichtete man auf mehrere Nachtwächter. Ganz davon abgesehen, hatte kein Geschäft geöffnet, was im Umkehrschluss bedeutete, dass James wirklich völlig allein war.

Also was hatte er da gerade gehört und wo waren dann diese Geräusche hergekommen? Das waren keine Geräusche menschlicher Art. Oder jene, die James je schon einmal gehört hatte.

Na klar konnte er jederzeit bei einem Problem, einen seiner Kollegen anrufen, der ihm dann half. Aber was wenn er sich irrte und es eine Nichtigkeit war? Er würde sich damit zum Gespött des Kollegiums machen. Also musste er erst einmal nachsehen, bevor er Alarm schlug.

Also was konnte das sein, wenn er hier doch völlig allein war? Von Harald wusste er, dass alle Geschäftsinhaber in ihren wohlverdienten Feierabend gegangen waren. Genervt stand James von seinem Stuhl auf und begab sich zu dem Geschäft.

Es war ein Bekleidungsgeschäft für Herrenmode, in dem James die Bewegungen ausgemacht hatte. Hier lief etwas gehörig schief, nur wusste James bis jetzt noch nicht, was hier los war. Hatte er durch seine Nachlässigkeit, doch ein Verbrechen zugelassen?

Waren hier Einbrecher am Werk, die nun dieses Herrengeschäft ausräumten? Das hatte ihm natürlich gerade noch gefehlt. Ein Einbruch konnte sich James auf keinen Fall leisten. Wenn er Pech hatte und es tatsächlich Einbrecher waren, war er seinen Job los.

Zu aller erst leuchtete James die Schaufenster aus, konnte aber nichts in dem Geschäft ausmachen. Es war seltsam, da die Person direkt hinter der Scheibe gestanden hatte. Also öffnete James die Ladentür mit dem Zentralschlüssel und betrat vorsichtig und leise das Geschäft.

Mit gezogener Waffe durchsuchte er den Laden. Nicht ganz sicher, wie er sich nun verhalten sollte, checkte er seine Ausrüstung. Da er nicht genau wusste, was hier auf ihn zukam, sollte nichts schief gehen. Nicht das er das Pfefferspray benötigte und es leer war, oder etwas ähnliches.

Langsam ging James durch die Boutique und orientierte sich dabei nur durch das spärlich einfallende Licht. Doch als er aus der hintersten Ecke des Ladens eine Bewegung ausmachte, strahlte er mit seiner Taschenlampe die Ecke aus. Was er dort sah, erschreckte ihn zutiefst.

Ihm viel daher die Taschenlampe aus der Hand, die klappernd auf dem Boden landete. Die Lampe kam klappernd auf dem Boden auf und flackerte kurz mehrmals auf. Dann ging sie aus und hüllte alles in Dunkelheit, was für James eine Erleichterung war.

Mit zitternden Händen zog er seine Waffe und zielte auf die Gestalt. Der Schatten hatte James nun ins Visier genommen. Er konnte nicht fassen, was James da soeben gesehen hatte, da es unmöglich war sein konnte.

Während seine Taschenlampe auf den Boden gefallen war, hatte James einen kurzen Blick auf die wahre Gestalt des Schemen erhaschen können. James schoss auf die Kreatur die mit ungelenken Schritten, unentwegt auf ihn zukam.

Während James nach hinten auswich, stolperte er über etwas. Mit lautem gepolter, landete er in einigen Schaufensterpuppen. Nun war es für ihn zu spät, aber Kampflos wollte er nicht untergehen. Seine letzten drei Kugeln trafen den Kopf des Mannequin, bevor dieser James zerfleischte.

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