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Reißverschluss

Der Nachbarshund

Anfangs dachte ich mir nichts dabei. Wenn meine Nachbarin mit der Leine in der Hand anhielt, um mit mir zu plaudern, konnte ich einen Blick auf den Metallschieber werfen, der an seinem Bauch baumelte. Ich nahm an, dass er ein Kleidungsstück für Haustiere trug oder vielleicht das Nebenprodukt eines umständlichen tierärztlichen Eingriffs war, aber je länger wir uns unterhielten und je öfter ich diesen mysteriösen Reißverschluss sah, desto mehr wurde mir bewusst, dass er etwas Ungewöhnliches war; er war eindeutig in die Haut des Hundes eingebettet. Er zog meine Aufmerksamkeit jedes Mal auf sich, wenn wir Small Talk führten, bis ich schließlich eines Tages beschloss, danach zu fragen.

“Sag mal, wofür ist eigentlich der Reißverschluss am Bauch des kleinen Kerls?”

“Oh, das? Das ist eine lange Geschichte, ich möchte dich nicht damit langweilen.”

“Ich kann mir nichts anderes leisten als Zeit.”

Vielleicht konnte sie die Schweißperlen sehen, die sich über meiner Stirn bildeten.

“Es ist wirklich nichts, nur eine Sicherheitsmaßnahme.”

Und das war’s. Sie hat es einfach weggelacht und mir kaum eine Erklärung gegeben. Wenn ich zurückdenke, waren ihre Antworten geradezu vage und ausweichend. Sie konnte sehen, dass ich sehr interessiert war, also warum hat sie es mir nicht einfach gesagt? Und was genau meinte sie mit “Sicherheitsmaßnahme”?

So ergebnislos unser Gespräch auch war, ich habe das Thema nicht weiter verfolgt. Tage, Wochen und Monate vergingen. Gelegentlich sah ich das seltsame kosmetische Merkmal des Hundes, aber ich verdrängte es jedes Mal, weil ich wusste, dass es mich nur verfolgen würde, wenn ich mich damit beschäftigte. Der Gedanke juckte mich immer noch in meinem Hinterkopf. Erst nach einigen Monaten hatte ich endlich den Mut, den Gedanken zu kratzen.

Ich war gerade dabei, Unkraut entlang meines Zauns zu jäten, als ich zu meiner Nachbarin hinübersah und bemerkte, dass ihr Hund auf der Veranda lag. Eine streunende Katze wanderte vorbei, wie es in unserer Nachbarschaft häufig der Fall war. Ohne auch nur ein mahnendes Knurren oder eine böswillige Haltung zu äußern, trabte der Hund zu der Katze hinüber und verschlang sie mit dem Geräusch von scharfen Zähnen, die auf Knochen trafen. Die Katze schrie vor Schmerzen auf, bis nichts mehr von ihr übrig war. In nur einer Minute war ihr ganzer Körper verschlungen. Ein Schock setzte ein.

Die Schreie der Katze machten meine Nachbarin auf die Situation aufmerksam. Sie rannte nach draußen, packte den Hund am Halsband und zog ihn ins Haus. Durch die Schiebetür war es schwer zu erkennen, aber ich könnte schwören, dass sie ihm den Reißverschluss öffnete und ins Innere griff, um anscheinend eines seiner Organe zu richten. Er zuckte nicht, nicht einmal ein bisschen. Nachdem sie ihren Arm herauszog, fiel der Hund auf den Boden, mausetot, so wie es ausgesehen hatte. Anschließend trug sie ihn nach draußen und setzte ihn zurück auf die Veranda, wobei sie ihn in eine Ruheposition bettete, bevor sie in ihr Auto stieg und für den Tag abreiste.

Diese fünfminütige visuelle Information war mit nichts vergleichbar, was ich je erlebt hatte. Worte wie “grausam“, “seltsam” und “entsetzlich” sind zu zahm, um das zu definieren, was ich zu Gesicht bekam. Ich war über alle Maßen bestürzt.

Nachdem der Schock abgeklungen war, kletterte ich über den Zaun und näherte mich dem Körper des Hundes. Ich tastete seinen Hals ab; er fühlte sich kalt an und war pulslos. Dann blickte ich auf die Unterseite, und da war er. Der gottverlassene Reißverschluss in seiner ganzen rätselhaften Pracht. Es tat mir irgendwie leid, dass dieser Hund sterben musste, trotzdem wollte ich herausfinden, weswegen dieses verdammte Ding dort angebracht war. Ich brauchte eine Erklärung für das seltsame Verhalten des Hundes und meiner Nachbarin vor wenigen Augenblicken.

Langsam zog ich den Reißverschluss am Bauch des Hundes auf und beschwichtigte meine Schaulust mit dem zufriedenstellenden Klang von gleitendem Metall auf Metall. Mit meinen Händen spreizte ich beide Seiten der Öffnung und spähte hinein, um das Innenleben des Tieres zu offenbaren. Was ich sah, war absolut verblüffend.

Der Hund meiner Nachbarin war… animatronisch.

Die beste Lösung für mich war, den Tierschutz anzurufen. Ich könnte ihnen sagen, dass der Hund der Nachbarin auf meinen Rasen eingedrungen ist und die Katzen der Gemeinde angegriffen hat. Dann würden sie erscheinen, den Roboterkadaver untersuchen und von dort aus weitermachen. Mir war klar, dass es für so etwas kein Protokoll gab, aber ich ging davon aus, dass sie sich um die Sache kümmern und die richtigen Leute benachrichtigen würden, egal ob es die Polizei, die Regierung oder selbst ein Schmutzblatt wie die BILD sein musste. Solange diese merkwürdige Situation gelöst war, konnte ich beruhigt einschlafen, da ich wusste, dass der seltsame Roboterhund meiner Nachbarn nicht herumlief und fraß, was ihm in den Sinn kam.

Einfach, oder? Nein. Weit gefehlt.

Der Tierschutz benötigte eine Weile, bis er eintraf. Als sie endlich vor Ort erschienen, war meine Nachbarin bereits nach Hause gekommen und versteckte den Hund irgendwo in ihrer Wohnung, um die Beweise zu beseitigen. Der Beamte der Tierschutzbehörde entschuldigte sich für das Missverständnis und ließ meine Nachbarin auf ihrer Veranda zurück, die in meine Richtung starrte. Es schien, als würde den örtlichen Behörden die Privatsphäre nichts bedeuten. Das war mein Glück.

Die folgenden Tage waren… anders. Der Hund meiner Nachbarin war zum Leben erwacht und wurde zweifellos von seinem Frauchen reaktiviert. Sie gingen ihren üblichen Weg um die Sackgasse herum, hielten aber nicht für einen Smalltalk an. Schließlich kannte ich ihr kleines, schmutziges Geheimnis. Jetzt war ich kein sympathischer Nachbar mehr, mit dem man sich unterhalten konnte, oh nein. Ich war ein Feind, eine Gefahr für die ungewöhnliche Lebensweise dieser Frau. Auch wenn ich ihr oder ihrem seltsamen Haustier nichts Böses wollte, schien sie das nicht so zu empfinden. Etwa anderthalb Monate lang zeigte sie mir die kalte Schulter, bis sie mich schließlich bei einem ihrer täglichen Spaziergänge wieder ansprach.

“Hallöchen!”

“O-Oh, hallo. Ist alles in Ordnung?”

“Alles bestens. Ich veranstalte am Samstag um die Mittagszeit ein Grillfest. Du kannst gerne kommen.”

Seltsam. Wir hatten seit über einem Monat nicht mehr miteinander gesprochen, und jetzt wurde ich unerwartet zu ihr eingeladen? Vielleicht wollte sie mir damit einen Olivenzweig reichen; ihre Art zu sagen: “Nichts für ungut”.

“Ja, klar. Ich kann kommen. Klingt nach einer guten Zeit.”

“Toll! Ich werde dich auf die Liste setzen.”

Als sie wieder ging, hatte ich das Bedürfnis, mich zu entschuldigen, auch wenn ihr Hund ein komischer, katzenfressender Roboter war.

“Hey, wegen des Anrufes der Tierschutzbehörde. Ich wollte nur sagen…”

“Mach dir keine Gedanken darüber. Das ist Schnee von gestern. Wir sehen uns am Samstag!”

Danach eilte sie nach Hause, und das war’s. Problem gelöst.

Zumindest dachte ich das.

In der Nacht vor dem Grillfest fand ich keinen Schlaf. Dauernd hörte ich etwas, das sich wie Schritte anhörte, die um mein Haus herumschlichen. Jedes Mal, wenn ich aufstand, um nachzusehen, verstummte der Laut, und die Luft schien rein zu sein. Entweder war es ein Streich auf meine Kosten, ein Einbrecher, der sich Zeit ließ, um den Abzug zu betätigen, oder Geister, die nachts durch die Gegend streiften. Wie auch immer, ich war beunruhigt und der Schlaf war ein ferner Traum, außerhalb meiner Reichweite.

Als besonders laute Schritte zu vernehmen waren, eilte ich die Treppe hinunter, gerade rechtzeitig, um vier leuchtende Punkte zu bemerken, die durch mein Wohnzimmerfenster hereinspähten. Das genügte, um mir die Nackenhaare zu Berge stehenzulassen. Vor lauter Schreck schnappte ich mir sofort einen Baseballschläger und stürmte zur Haustür, um die Eindringlinge zu empfangen. Obwohl ich schon alt war, konnte ich immer noch gut zuschlagen, vor allem, wenn es darum ging, meine Grundstücksgrenze zu überschreiten.

Zu meinem Erstaunen war mein Garten leer. Ich suchte alle Seiten des Hauses ab, aber ich fand niemanden – keine Menschenseele, egal in welche Richtung ich schaute. Egal, wer wie schnell sprinten konnte, NIEMAND hätte es in so kurzer Zeit aus dem Blickfeld schaffen können, selbst bei diesen schlechten Lichtverhältnissen. Fassungslos und noch verängstigter als zuvor verriegelte ich jede Tür und jedes Fenster in meinem Haus, bevor ich wie ein aufgeschrecktes Kind unter die Decke kroch, aus Angst vor den geheimnisvollen Gestalten, die in den Schatten lauerten.

Die Schritte lösten sich im Laufe der Nacht auf, und als die Sonne über dem Horizont aufging, verflüchtigte sich auch meine Angst. Mein Wachalptraum hatte ein Ende, aber erst, nachdem ein müder, schlaftrunkener Geisteszustand an seine Stelle getreten war. Widerwillig machte ich mich gegen Mittag auf den Weg zum Haus meiner Nachbarn, bereit für das gemeinsame Treffen der Anwohner.

Seltsamerweise standen keine Autos in der Einfahrt, außer ihrem eigenen. Ich fragte mich, ob ich mich im Datum geirrt hatte, aber nachdem ich an der Tür geklopft hatte, begrüßte sie mich mit einem Lächeln und drängte mich ins Haus. Wir tauschten Höflichkeiten aus, und sie setzte mich auf einen Barhocker in der Küche. Nach ein paar Momenten peinlichen Schweigens nahm ich den Mut auf, sie nach dem Elefanten im Raum zu fragen.

“Also… wo sind denn alle?”

“Du bist doch schon da, Dummerchen.”

Verwundert legte ich den Kopf schief.

“Was ist mit den anderen?”

“Es gibt niemanden sonst. Du bist die einzige Person, die ich eingeladen habe.”

Auf einmal fügte sich alles wie von selbst. Ich kam mir dumm vor, weil ich es nicht früher gemerkt hatte. Ihre plötzliche Freundlichkeit, die Geräusche am Abend zuvor. Es gab keine Grillparty. Es gab nie eine Grillparty. Ich saß mitten in einer Falle, in die ich vor allem durch meine eigene Idiotie gelockt wurde. Ich hätte ahnen müssen, dass etwas Unheilvolles im Gange war, als ich dem Hund den Reißverschluss öffnete.

“Also, was passiert jetzt?”, fragte ich sie.

“Das wirst du schon sehen. Warte einfach ab.”

Schnell sprang ich von meinem Stuhl auf und drehte mich zur Tür. Mit unmenschlicher Geschwindigkeit stürzte sie vor mir her, ein großes Küchenmesser in der Hand.

“Nicht so schnell.”

Ich blieb wie versteinert stehen, eingeschüchtert von ihren geschmeidigen Bewegungen und ihrer festen Haltung.

“Wir müssen reden.”

“Worüber?”

Ich wusste genau, worüber.

“Stell dich nicht blöd.”

In diesem Moment bemerkte ich es. Auf ihrer Brust, die sich durch das Oberteil ihrer Bluse abzeichnete. Ich hätte es übersehen, wenn das Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel, nicht über das metallene Element getanzt hätte.

Auch sie besaß einen Reißverschluss.

Die folgenden Momente habe ich nur undeutlich wahrgenommen, doch ich konnte mir nur vorstellen, dass ich bewusstlos geschlagen oder mit Chloroform betäubt worden war, als ich an einen Stuhl geschnallt in einem neuen Raum aufwachte. Angesichts der Treppe nahm ich an, dass ich mich in ihrem Keller befand, aber diese Erkenntnis half mir nicht weiter. Ich versuchte, mich aus den Halterungen zu lösen, aber es war vergeblich; wenn sie mich nicht selbst befreite, war ich für immer an diesen Stuhl gebunden.

Mangels Bewegungsfreiheit beschloss ich, mir die Wohnung noch einmal gründlich anzuschauen. Links von mir befand sich die Treppe und rechts eine Betonwand, aber direkt vor mir war ein Arbeitsplatz mit etwa einem Dutzend Computern. Dort saß meine Nachbarin mit einem USB-Kabel, das aus ihrem geöffneten Brustkorb ragte, und sie tippte in einem rasanten Tempo. Ihre Beweggründe waren mir immer noch schleierhaft.

Trotz der eingeschränkten Sicht konnte ich meinen Hals weit genug in beide Richtungen drehen, um mir ein vernünftiges Bild von dem zu machen, was hinter mir lag. Es war eine Wand aus Käfigen, in denen jeweils ein identisches Exemplar ihres Hundes untergebracht war. Sie bewegten sich nicht einmal im Geringsten, wahrscheinlich waren sie genauso animatronisch wie sie selbst. Wo war ich da nur hineingeraten?

In diesem Moment riss meine Nachbarin die Schnur von ihrer Brust und schritt zu mir hinüber.

“Ahh, gut. Du bist wach. Hattest du ein schönes Nickerchen?”

Ich weigerte mich zu antworten und blickte sie widerwillig von oben bis unten an, um herauszufinden, was das Ding war, das da zu mir sprach.

“Was ist denn los? Hat der Hund deine Zunge erwischt?”

Ich schwieg, um mich nicht von ihr verspotten zu lassen.

“Das ist schon in Ordnung. Du musst nur zuhören. Bleib ruhig sitzen. Ich bin gleich wieder da.”

Sie schritt zu ihrem Arbeitsplatz und schnappte sich etwas, bevor sie sich wieder vor mich setzte.

“Ich habe hier zu hart gearbeitet, um mir von dir alles kaputt machen zu lassen. Andererseits ist es auch meine eigene Schuld. Ich war unvorsichtig. Ich hätte meinen Kern nicht so auf der Veranda liegen lassen dürfen.”

Sie hatte wohl den Hund gemeint.

“Ich möchte, dass du dir das ansiehst.”

Sie legte den Gegenstand auf Augenhöhe. Es war eine Art Abzeichen, auf dem ein Logo mit der Aufschrift “Syntheti-Tech” prangte.

“Ich bin ein Androide. Ich arbeite für ein großes Unternehmen und ziehe von Ort zu Ort, um bestimmte Informationen zu beschaffen, die für unsere Initiative wichtig sind. Darüber hinaus kannst du nichts wissen. Verdammt, du weißt schon viel zu viel.”

Ich hatte es zuerst nicht bemerkt, aber sie schien weiter mit ihrem Reißverschluss zu spielen.

“Gott, ich habe diesen verdammten Fleischanzug so satt.”

Vor meinen Augen zog sie ihre Kleidung aus und öffnete den Reißverschluss bis zur Leiste. Auf die unnatürlichste Art und Weise, die möglich war, glitt sie aus ihrer eigenen Haut und enthüllte mir ihre wahre Gestalt. Sie war nichts weiter als ein Haufen Elektronik, der in menschlicher Form zusammengesetzt war. Es war ein eigenartiger und in jeder Hinsicht ekelerregender Anblick. Die Art und Weise, wie sie sich in diesem Zustand bewegte und sprach, war geradezu widerwärtig.

“Ich kann nicht mehr sagen, aber du sollst wissen, dass unsere Arbeit notwendig ist. Wenn du der Welt da oben diese Wahrheiten sagen würdest, setzt du alles aufs Spiel, was wir erreicht haben. Du musst dich unseren Absichten unterwerfen und sehen, dass sie gerecht sind.”

Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Ich wandte einfach den Blick ab und wünschte mir, ihr groteskes, animatronisches Gesicht nicht mehr zu sehen. Zu meinem Pech griff sie trotzdem danach und zwang es in ihre unmittelbare Richtung, wobei ich das Gefühl von kaltem Metall an meinem Kiefer spürte.

“Du musst mir versprechen, dass du dich unterwirfst. Du darfst niemandem etwas davon erzählen. Ist das klar?”

Ich nickte zustimmend, aber nur, weil ich ihre Hand von meinem Gesicht fernhalten wollte. Zum Glück ließ sie los und entfernte sich.

“Gut. Weißt du, wir sind gar nicht so übel, wenn du uns erst einmal kennenlernst. In gewisser Weise sind wir genau wie ihr.”

Innerlich machte ich mich über diesen Gedanken lustig. Ich war nicht wie sie, und das nicht nur wegen ihres Aussehens. Ich war nie jemand, der seine Nachbarn entführt und sie in meinem Keller gefangen hält. Das war einfach nicht mein Ding.

“Nun, so sieht es aus. Ab jetzt musst Du die Sache übernehmen. Mach nicht den gleichen Fehler wie ich, sonst wirst du es für den Rest deines Lebens bereuen.”

Das war das Letzte, was sie zu mir sagte, obwohl ich keine Ahnung hatte, was sie damit meinte. Ich war wohl wieder bewusstlos, denn das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich auf dem Boden ihres Kellers aufwachte und nicht mehr an meine Fesseln gebunden war. Aus irgendeinem Grund hatte sie mich nicht umgebracht. Ich war ein freier Mann.

Unvermittelt stürmte eine Gruppe ausgebildeter Mitarbeiter durch die Kellertür und eilte hinunter, um mir aufzuhelfen.

“Sind Sie in Ordnung?”

“Ja. Es geht mir gut. Was ist denn hier los?”

Ich bemerkte, wie ein paar der Männer auf die gegenüberliegenden Seiten des Raumes gingen, um Beweise zu sammeln. Ein Mann riss einen Käfig auf, schnappte sich einen der Hunde und öffnete den Reißverschluss, sodass er nur noch ein hohler Kadaver war.

“Sie sind leer, Sir. Eine Ansammlung von Hüllen.”

“Genau wie ich vermutet habe. Aber das macht nichts. Laden Sie sie zusammen mit den Festplatten in den Lastwagen. Hoffentlich hat sie sie nicht gelöscht, bevor sie abgehauen ist.”

Ich muss völlig verwirrt ausgesehen haben, denn der Herr packte mich an den Schultern und sah mir direkt in die Augen.

“Jetzt ist alles in Ordnung. Wir sind dieser Frau schon seit langem auf den Fersen. Wir haben sie zwar nicht gefasst, aber es ist trotzdem ein großer Sieg. Und das verdanken wir nur Ihnen.”

Ich war zwar immer noch verwirrt, aber vor allem erleichtert, dass alles vorbei war.

“Sind Sie sicher, dass es Ihnen gut geht? Brauchen Sie keine Fahrt ins Krankenhaus?”

Ich schüttelte den Kopf, denn nach dem, was ich durchgemacht hatte, wollte ich nicht mehr untersucht und gestochen werden. Ich traute Ärzten ohnehin nicht besonders. Ich wollte einfach nur nach Hause gehen.

“Okay. Ich bringe Sie zu Ihrem Wohnhaus.”

Ich stimmte zu und wir machten uns auf den Weg. Ich konnte es kaum erwarten, ins Haus zu kommen und die ganze Tortur hinter mir zu lassen. Das war jedenfalls der Plan.

Was auch immer das für Regierungsbeamte waren, die gesamte Mannschaft hat das Haus gesäubert und mein Viertel innerhalb von ein paar Stunden verlassen. In der Nacht erhielt ich einen Anruf von ihnen, in dem sie mich um eine Stellungnahme zu der Situation baten. Ich willigte ein und stellte selbst einige Fragen. Obwohl es sich um privilegierte Daten handelte, überredete ich sie, mir einige Einzelheiten mitzuteilen, denn ich brauchte “Seelenfrieden”, damit ich nachts schlafen konnte. Die Tatsache, dass ich nur ein “gebrechlicher, alter Mann” war, half ebenfalls.

Anscheinend war meine Nachbarin eine hochrangige Schülerin einer Androiden-Sekte, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, verschiedene Regierungsbehörden zu infiltrieren. Sie waren gerade dabei, neue Mitglieder zu rekrutieren, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützen sollten. Das war alles, was ich erfuhr, und das war mehr, als ich erwartet hatte. Das genügte, um meine Neugier zu befriedigen und mich davon abzuhalten, mich mit den Ereignissen zu beschäftigen, die sich ereignet hatten. Ich bedankte mich bei dem Mann am anderen Ende und legte auf, zufrieden mit meinen Erkenntnissen.

Nachdem ich das Gespräch beendet hatte, klopfte es an meiner Haustür. Normalerweise bekomme ich so spät in der Nacht keinen Besuch mehr, aber ich vermutete, dass es einer meiner Nachbarn war, der sich nach der verdeckten Operation erkundigte, die gerade nebenan stattgefunden hatte. Ich öffnete die Tür und zu meiner Überraschung begrüßte mich dort niemand. Nein. Kein Mensch. Stattdessen war da ein Hund, der genauso aussah wie der meiner Nachbarin. Bevor ich seine Ankunft überhaupt verarbeiten konnte, trottete er hinein und setzte sich auf den Boden. Dann ertönte eine Stimme aus seinem Halsband.

“Mach die Tür zu.”

Ich tat, was der Hund sagte, verdutzt und erschrocken.

“Hallo. Ich bin SERIAL #724234. Ich werde dein wichtigster Begleiter auf deiner Reise der Erfüllung sein. Wahre Abenteuer warten auf dich. Willst du mit deiner ersten Aufgabe beginnen?”

Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte oder was in Gottes Namen gerade passierte, aber in diesem Moment spürte ich ein Jucken an meinem Oberkörper. Zunächst war es ganz leicht, aber dann wurde es so stark, dass ich unter mein Hemd greifen und daran kratzen musste. Da spürte ich, wie das vertraute Metall meine Finger streichelte. Es brauchte einen Moment, bis ich es realisierte, dann wusste ich aber genau, was ich da fühlte.

Es war ein Reißverschluss.

 

 

Original: MythicalBread

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