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Siren Heads Origin 2

Peters Geständnis

Hey, mein Name ist Peter und das hier ist mein Geständnis. Ein Geständnis, das ich schon viel früher hätte ablegen sollen, nicht erst jetzt, wo es schon viel zu spät dafür ist. Mein Leben, so wie ich es kannte, endete an einem Abend im Juni vor drei Monaten. Seither bin ich in einer Hölle, die ich, wie ich jetzt einsehe, selbst verschuldet habe. Und wenn ich Hölle sage, meine ich es auch so. Aber lasst mich von Anfang an erzählen.

Ihr Name war Hannah Cole, diesen Namen habe ich erst später aus Zeitungsberichten erfahren. Hannah Cole war das Mädchen, das mein Leben verändert hat. Und das weiß Gott nicht im romantischen Sinne.

Wir, Gerry, Oggy und ich waren damals saublöd gewesen. Jugendlicher Leichtsinn ist noch schwer untertrieben. Fast jedes Wochenende knallten wir uns ohne Rücksicht auf Verluste die Birne zu. Wir fühlten uns unverwundbar und waren doch so sterblich.

An jenem Abend hatten wir uns betrunken ans Steuer gesetzt. Ja, ich weiß was ihr jetzt denkt und ihr habt Recht. Gerry war gefahren, denn es war sein neuer Wagen und er war so verdammt stolz auf die scheiß Karre. Ich hatte den Aufprall zunächst gar nicht gemerkt und noch irgendeinen blöden Witz gerissen. Erst als ich Gerry, der aus dem Auto gestiegen war, gefolgt war, konnte ich sehen, was passiert war.

Sie lag auf der Straße, ihr Körper und ihre Gliedmaßen waren in sich verdreht. Aber schlimmer noch waren ihre Augen. Ihr Gesicht war blutüberströmt und von langen Haaren verklebt. Aber ihre Augen – sie waren grün – spießten einen förmlich auf. Ich konnte das alles sehen, weil die Scheinwerfer des Wagens das Horrorszenario ausleuchteten. Oh diese Augen, ach, ich werde sie wohl nie vergessen. Aber noch etwas anderes werde ich nie vergessen können. Das Mädchen hatte sich bewegt, kaum merklich, aber sie hatte es getan. Und wir hatten sie einfach liegen lassen. Wie als wäre sie irgendein angefahrenes Tier. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich zu Anfang protestiert habe. Aber die Angst vor der Strafe durch die Polizei und dass mein blödes Vorzeigeleben den Bach runter geht, waren schließlich stärker. Jetzt wünsche ich mir so sehr, die Polizei wäre uns damals auf die Schliche gekommen. Denn einfach alles ist besser, als das hier. Wir dachten, niemand hätte uns gesehen und wir wären davongekommen. Aber etwas hat uns gesehen. Und dieses Etwas ist der Grund, dass ich das hier schreibe. Und das ich, Peter Morrow, 20 Jahre alt, an Gott und die Hölle glaube.

Als es das erste Mal kam, tat ich es als eine Psychose, ausgelöst durch Schuldgefühle ab. Aber jetzt weiß ich, es – oder besser er – ist real. Es fing einige Tage nach dem Unfall an und beginnt seither jede Naht von vorn. Es beginnt mit den schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens. Und das sagt jemand, der sozusagen Kater-geprüft ist. Es ist, als würde mir jemand das Gehirn langsam mit einem elektrischen Küchenmesser in Scheiben schneiden. Und es geht über Stunden. Auch die härtesten Schmerzmittel helfen nichts. Na und, Migräne werdet ihr denken. Aber wartet ab. Dann kommen die Lichter. Rot, blau, grell flimmernd, wie die von Rettungs- oder Polizeiwagen. Sie kündigen ihn an. Erst höre ich nur das Knacken, wie wenn Knochen brechen würden. Ich spüre, wie es langsam an mich herankommt. Jede Nacht ein Stückchen näher. Dann steigt mir ein Geruch nach totem Fleisch, Metall und Benzin in die Nase. In einer so üblen Mischung, dass ich mir die Seele aus dem Leib kotzen möchte. Die Schmerzen und der Gestank werden immer stärker. Und dann geht es aber richtig los. Sirenengeheul, so laut, dass ich glaube, dass mir die Trommelfelle zerreißen. In die mechanisch verzerrten Laute von Sirenen mischt sich dann das Schreien eines Kindes. Zunächst klingt es noch menschlich, bis es zu einem schrillen und unmenschlichen Kreischen anschwillt. Kurz bevor ich denke, ich sterbe vor Schmerz und Ekel, scheint die Folter zunächst vorbei zu sein.

Doch dann geht das Flehen los. „Peter, bitte, fahr nicht weg! Es tut so weh. Lass mich nicht allein! Bitte fahr nicht!“, höre ich die Stimme einer jungen Frau und ich weiß genau, wer sie ist, obwohl ich ihre Stimme noch nie gehört habe. „Lass mich nicht allein sterben!“, bettelt Hannah mich an und weint dabei bitterlich. Manchmal spüre ich, wie Hände meine Fußknöchel umfassen, so als würde Hannah vor mir liegen und mich anflehen. Aber es ist nicht Hannah. Es ist das, was Hannahs Tod heraufbeschworen hat, um mich zu quälen. Peter Morrows persönliche Hölle eben. Den Kerkermeister dieser Hölle sehe ich nur schemenhaft. Als riesengroßen, dünnen, schattenhaften Umriss, der nichts Menschliches an sich hat. Jede Nacht während dieser Folter schleicht er langsam auf mich zu. Erstickt mich mit dem Gestank aus Benzin und totem Fleisch. Jede Nacht rückt dieses abscheuliche Etwas ein Stückchen näher. Die Kopfschmerzen werden schlimmer, die Sirenen lauter und Hannahs Flehen eindringlicher.

Ich kann nicht mehr so weitermachen. Ich hoffe, dass dieses Geständnis mir im Jenseits Pluspunkte einbringt. Denn heute werde ich eine Autofahrt machen, die meine letzte sein wird. Verzeih mir Hannah, verzeiht mir alle!!

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