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Tanz der Götter

Kehrtwende

Kapitel 9

 

Auf dem Rückweg sprach niemand. Alle starrten in eine andere Richtung. Michail konzentrierte sich auf die Straße. Er fühlte sich unwohl. Die Stille wirkte befremdlich und kalt.

Bei ihrer Ankunft verzog sich Valeria auf ihr Zimmer. Sie setzte sich auf ihr Bett. Michail war direkt im Büro verschwunden. Valeria zog ihren Poncho aus und stand vom Bett auf. Sie wollte duschen. Wortlos verließ sie das gemeinsame Zimmer in der Hoffnung, auf dem Weg niemandem begegnen zu müssen. Ares saß stumm in dem Sessel und sah auf seine noch immer blutigen Arme und Hände. Seine Gedanken kreisten und wiederholten das Geschehene. Er hätte besser aufpassen müssen. Sie hätte nicht verletzt werden dürfen, hätte die damit verbundenen Schmerzen nicht erleiden dürfen. Er hatte versagt. Er schämte sich dafür. Sie sprach nicht mit ihm. Nicht einmal als sie alleine waren. Er beschloss, sich bei ihr zu entschuldigen. Sie um Vergebung zu bitten. Er ertrug den Gedanken nicht, dass sie ihn hasste, dass sie auch nur einen Funken Wut auf ihn verspürte.

Er war zwar übermüdet und hatte Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, doch er musste das Erlebte notieren. Er musste niederschreiben, was an der Ruine geschah. Wie der Abgestoßene Valeria tötete, ihr Blut trank und daraufhin selbst starb. Wenn sie ihnen allen Valerias Blut verabreichen würden, könnten sie sie viel effektiver ausmerzen, dachte er, während er schrieb. Doch war ungewiss, ob diese Methode bei allen Abgestoßenen funktionieren würde. Schließlich gab es solche und solche. Er hätte zu gerne mehr Daten. Mehr Informationen zu Ares, wie die Verwandlung ablief, zu Soma und ob dieser und auch Valeria auf irgendeine Art und Weise sterben könnten. Oder konnte man sie tatsächlich nicht töten? Würden sie sterben, wenn man ihnen das Herz zerquetschen würde?

 

 

Ares hielt es nicht länger aus. In seinem Sessel wurde er immer unruhiger. Er verließ das Zimmer und lief auf der Etage auf und ab. Aus dem Erdgeschoss vernahm er eine Unterhaltung zwischen Kade und James. Die Stimmen kamen näher, die Treppe zum Obergeschoss hinauf. Ares schenkte ihnen keine Beachtung. Sein rechtes Handgelenk reibend lief er unruhig im Raum umher. Er wartete darauf, dass Valeria das Badezimmer verließ. Er vernahm eine Stimme, doch seine eigenen Gedanken übertönten diese.

„Halloooo Arschlooooch?“, rief Kade und winkte mit der rechten Hand, um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen, doch Ares ignorierte ihn. James stieß Kade sachte an, um ihn auf seine blutigen Arme hinzuweisen.

„Was ist passiert? Geht’s Valeria und Michail gut?“, wollte Kade wissen, erhielt jedoch absolut keine Reaktion.

Die Tür zum Badezimmer wurde geöffnet und Valeria trat auf den Gang. Ares‘ Herz schlug schneller. Sofort eilte er zu ihr. Wortlos winkte Valeria ihn ab und lief an ihm vorbei. Zurückgewiesen blieb er regungslos im Gang stehen. Dann betrat er das Badezimmer, um sich das Blut von Armen und Händen zu waschen. Irritiert von der Situation traten die Beiden an Valeria heran.

„Süße, ist alles in Ordnung?“, erkundigte sich Kade.

„Alles in Ordnung. Macht euch keine Sorgen.“

„Bist du sicher? Deine Kleidung ist voller Blut und auch Ares war blutverschmiert“, merkte James an.

„Es kam zu einem Kampf. An der Ruine. Michail ist nichts passiert und uns auch nicht. Keine Sorge“, entgegnete sie und schob sich an den beiden vorbei. Kade hielt sie am Handgelenk fest und zog sie zurück.

„Du wirkst nicht, als wäre alles in Ordnung. Seit wann ignorierst du Arschloch eigentlich so?“

Sie blickte ihn verwirrt an.

„Ich ignoriere ihn nicht. Ich bin nur etwas erschöpft und ich möchte über einige Dinge nachdenken“, äußerte sie mit müdem Lächeln. Kade beugte sich zu ihr runter. Ares trat aus dem Bad und sah die beiden zusammen. Er sah, wie Kade sie festhielt. Sein Gesicht nah an ihres gepresst. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr. Diese Vertrautheit zwischen den beiden machte ihn wütend, verletzte ihn.

„Wenn du Blut brauchst, darfst du ruhig gleich hier und jetzt von mir trinken“, wisperte er ihr ins Ohr. Sie zog ihre Hand aus seinem Griff und entfernte sich von ihm.

„Danke. Es geht schon“, entgegnete sie lächelnd und verschwand in ihren Raum. Die beiden sahen ihr still nach. Ares lief direkt auf Kade zu, stoppte vor ihm und sah ihm in die Augen. Kade wich aufgrund der plötzlichen Nähe etwas zurück und hob beide Augenbrauen.

„Lass sie ihn Ruhe!“, protestierte er bedrohlich.

„Was? Was willst du von mir?“, erwiderte er schulterzuckend.

„Du hast mich schon verstanden“, wisperte er zähneknirschend. Kade verzog einen Mundwinkel zu einem höhnisch aussehenden Grinsen. Ares hatte das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Er spürte, wie sein Geduldsfaden riss. Er tat einen Schritt auf ihn zu, doch James stellte sich, im Versuch zu schlichten, zwischen sie und brachte somit Abstand zwischen den beiden. Bevor James ein Wort sagen konnte, schritt Ares schnellen Schrittes die Treppe hinunter und verschwand durch die Tür zur Veranda.

Seufzend saß er auf der Hollywoodschaukel und lehnte den Kopf in den Nacken. Die Flügeltür wurde laut geöffnet. Er hörte Schritte auf dem Boden, bemühte sich jedoch nicht, die Person anzusehen, auch dann nicht, als sie sich zu ihm setzte. Er spürte den Blick auf sich ruhen.

„Was ist?“, fragte er letztlich genervt.

„Gute Frage. Was ist los mit dir?“, entgegnete Saschas aufgebracht klingende Stimme.

„Ich bin gerade in James reingelaufen und der hat mir geschildert, was vorgefallen ist“, fügte sie nach einer Pause hinzu.

„Und?“, entgegnete er gelangweilt.

„Und? Ich weiß nicht. Ist selten, dass man dich alleine, fernab von Valeria sieht.“

Er seufzte erneut laut. Er hatte absolut kein Interesse an einem Gespräch. Nicht mit ihr und auch sonst mit niemandem.

„Habt ihr euch gestritten?“, wollte sie von ihm wissen und lehnte sich zurück.

„Lass mich in Ruhe. Das geht dich nichts an“, maulte er.

„Du bist wie er.“

„Wie wer?“, fragte er abwertend.

„Wie Kade. Du hast ebenfalls keine Ahnung von den Gefühlen einer Frau“, brachte sie ungeniert hervor. Das reichte ihm. Er wollte nichts mehr von ihr hören. Er erhob sich.

„Ich habe kein Interesse an einer Unterhaltung mit dir, kapiert?“, bellte er. Sascha stand ebenfalls auf und stellte sich ihm in den Weg.

„Jetzt hör mir mal zu, Bursche!“, begann sie fingerzeigend und er bekam sofort das Gefühl, ermahnt zu werden.

„B-Bursche…?“

„Statt hier ein Gesicht zu ziehen und dich abzuschotten, solltest du eher mal Probleme ansprechen, verstanden? Wenn du Stress mit ihr hast, dann mach gefälligst den Mund auf! Das ist Nummer Eins, und Nummer Zwei: Kauf dir verflucht nochmal neue Klamotten! Es ist egal, wie oft du die Ärmel umkrempelst, Ares, das Blut sieht man trotzdem“, klärte sie ihn auf und stemmte dabei die Hände in die Hüfte. Sprachlos sah er sie an. Sie drehte ihm den Rücken zu.

„Ich weiß nicht, was an der Ruine zwischen euch vorgefallen ist, aber du solltest mit ihr reden. Und denk an meine Worte bezüglich der Klamotten. Wir müssen uns sowieso auf den Galaabend vorbereiten, da können wir das gleich verbinden“, äußerte sie und verließ die Veranda wieder.

Ares machte kehrt und setzte sich erneut in die Schaukel. Er sah auf seinen rechten Ärmel. Schmunzelnd krempelte er diesen um.

 

 

Valeria sah aus dem Fenster ihres Raumes. Jetzt war sie sich sicher. Was die Abgestoßenen zu dem machte, was sie waren, war kein künstliches Genesis und auch kein reines Genesis. Doch eines stand fest, was auch immer ihnen verabreicht wurde, beinhaltete Somas Blut. Das zeigte ihr die Reaktion auf der Haut. Die schwarzen Adern, die sich plötzlich eisblau färbten. Sie kannte das. Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihre Gedanken. Sie bat denjenigen herein. Vorsichtig betrat Ares den Raum, den Blick zu Boden gerichtet. Er schloss die Tür hinter sich und fiel reumütig auf sein rechtes Knie.

„Bitte vergib mir“, bat er sie flehend. Irritiert näherte sie sich ihm.

„Dir vergeben? Wofür denn?“, fragte sie und stützte sich dabei auf ihre Oberschenkel. Verwirrt sah er zu ihr auf.

„Wo-Wofür?“„Ja. Wofür denn? Du hast doch nichts getan“, lächelte sie ihn an.

„Ich bin nicht rechtzeitig eingeschritten, als du… Ich konnte nicht… Ich verstehe, dass du sauer auf mich bist. Ich habe versagt“, erklärte er traurig.

„Ach Ares“, stöhnte sie verständnisvoll. Sie kniete sich ebenfalls vor ihm und nahm sein Gesicht in beide Hände. Sie sahen sich in die Augen.

„Es tut mir leid. Ich wollte dir nicht das Gefühl vermitteln, sauer auf dich zu sein. Das bin ich nicht und war es auch nie. Ich brauchte nur Zeit, meine Gedanken zu ordnen. Das ist alles. Du warst dabei und hast gesehen, was passiert ist.“

Sie näherte sich seinem Gesicht. Verlegen versuchte er zurückzuweichen, doch Valeria ließ ihn nicht los. Sie presste ihre Wange gegen seine und wisperte ihm ins Ohr.

„Ich weiß nicht, ob wir das Richtige tun. Michail tötet definitiv jeden Abgestoßenen. Sie hatten sich ergeben. Er war es, der sie dazu getrieben hat.“ Sie umarmte ihn fest, als sie die Worte sprach. Er schloss die Augen. Ihre Nähe fühlte sich so unglaublich gut an. Sie befreite ihn förmlich von allen negativen Empfindungen. Ihr weiches Haar zu spüren, ihre Wärme, die weiche Haut, ihren lieblichen Geruch. Es machte ihn unbeschreiblich glücklich. Doch er spürte auch ihre Zweifel, ihre Ängste und Sorgen.

„Ich bin mir sicher, dass sie Somas Blut in sich haben. Vielleicht nicht alle, Vincent zum Beispiel war definitiv anders. Weißt du, weshalb ich mir so sicher bin?“, fragte sie flüsternd.

„Als wir Kinder waren, da habe ich Soma spielerisch gebissen. Doch ich biss versehentlich zu fest zu. Ich erschrak regelrecht, als ich sein Blut schmeckte. Und dann… passierte dasselbe. Blaue Adern durchzogen meine Hände, mir wurde heiß. Verdammt heiß. Ich dachte, ich verbrenne bei lebendigem Leibe. Danach weiß ich nur noch, dass ich in meinem Bett erwachte. Erschöpft und kraftlos. Eine Woche lag ich im Fieberwahn. Ich sah Dinge, hörte Dinge. Ich glaube, ich halluzinierte. Dann verlor ich das Bewusstsein und erlangte es, laut Lew, nach einigen Tagen zurück. Dabei gelang nur eine geringe Menge Blut in meinen Mund“

Ares glaubte zu verstehen, worauf sie hinaus wollte.

„Ares?“, wisperte sie ihm weiterhin ins Ohr.

„Ja?“

„Bitte hör auf damit! Hör auf, dir immer wieder Vorwürfe zu machen, wenn ich verletzt werde.“

„Ich…“ Er wusste nicht, was er ihr antworten sollte. Er wollte nicht, dass sie jemand verletzte.

„Ares?“, fragte sie erneut, nachdem er nicht antwortete.

„Ich kann nicht“, gestand er bedrückt. Sie festigte ihren Griff um seinen Nacken und schmiegte sich näher an ihn. Zögernd hob er beide Hände. Er wollte die Umarmung erwidern, doch dann erschlafften seine Arme und alles, was er tat, war, die Augen zu schließen.

 

Kade legte sich auf sein Bett. Er zog sein Smartphone hervor und tippte eine Nummer ein. Dann hielt er es sich an sein rechtes Ohr und lauschte.

„Ja? Hallo?“, hörte er Willis Stimme fragen.

„Willi! Hier ist Kade. Ich habe gehört, was in Ginza geschehen ist. Aiden ist danach zu uns gestoßen…“

Kade hielt inne. Er wusste nicht genau, wie er Aidens ‘Zustand‘ beschreiben sollte. Wie er es ihm erklären sollte.

„Äh… Aiden benimmt sich seltsam. Darf ich dich fragen, was dort wirklich vorgefallen ist?“

Willi begann zu sprechen, wurde aber im Hintergrund durch ein lautes Poltern unterbrochen.

„Was machst du denn da?“, hörte Kade Willi fragen. Daraufhin vernahm er eine weitere Stimme im Hintergrund.

„Äh, Willi? Bist du jetzt unter die Väter gegangen?“, fragte Kade verunsichert, nachdem er die Stimme einem Kind zuordnen konnte.

 

Saint-Germain-des-Vaux, Frankreich, nahe der Halbinsel Pointe du Nez Cabot

 

Mühsam öffnete Emil seine Augen. Er musste eingeschlafen sein. Er schmunzelte bei dem Gedanken, geschlafen zu haben. Er wusste nicht einmal mehr, wann er das letzte Mal wirklich eingeschlafen war. Er gähnte und neigte seinen Kopf nach links. Erschrocken wich er zurück und fiel aus dem Bett, als er das friedlich schlummernde Gesicht Somas neben ihm erblickte. Erstaunt hielt er inne. Er hob seinen linken Arm, dann den rechten. Beide Beine konnte er auch bewegen. Die Wirkung dieser verdammten Pille hatte nachgelassen. Er war wieder frei. Nun, so frei, wie er eben sein konnte. Erleichtert atmete er aus.

„Gut geschlafen?“, gähnte Soma. Emil verzog das Gesicht.

„Wie kommst du dazu, dich zu mir zu legen?“, merkte er angeekelt an.

„Hm…Weiß nicht. Vielleicht, weil es mein Bett ist?“, äußerte Soma und streckte sich.

„Du hast mich aber nicht… du weißt schon…“ Emil stand langsam auf und begutachtete seinen Körper.

„Ich fürchte ich weiß nicht“, grinste Soma unverschämt. Er sah ihm sein Unbehagen deutlich an. Emil stotterte leicht.

„D-Du weißt. Mit d-deiner schwulen Art und s-so…“ Soma schmiss sich amüsiert auf den Rücken und begann herzhaft zu lachen. Er hielt sich die Handfläche seiner linken Hand über beide Augen. Dann verstummte er, öffnete seine Finger einen Spalt und sah Emil durch diesen an.

„Ich sagte doch, ich bin nicht schwul“, erklärte er lächelnd. Emil nickte sichtlich irritiert. Soma stand auf und lief um das Bett auf ihn zu.

„Wie fühlst du dich?“, erkundigte er sich.

„Äh, ja. Gut, schätze ich“, erwiderte er und lockerte seine Schultern.

„Was willst du jetzt tun?“, wollte Soma wissen und sah ihn ernst an.

„Was? Was soll denn die Frage?“ Emils Blick wich dem von Soma aus.

„Willst du weiterhin deren Dreckspillen fressen und dich quälen lassen?“

Emil druckste herum. Es war ihm unangenehm. Er räusperte sich mehrmals und vermied jeden Augenkontakt.

„Sieh mich an!“, forderte Soma.

„Emil!“ Seine strenge Stimme ließ ihn zögernd zu ihm aufblicken.

„Weißt du noch, was du in der Shisha Bar zu mir gesagt hast?“ Er antwortete nicht. Sie starrten sich nur beide in die Augen.

 

 

 

„Ja. Ich verstehe, Herr Minister. Natürlich arbeiten wir mit Hochdruck daran. Haben Sie etwas Geduld. Wir sind dabei, die Präparate zu verbessern. Schon bald können Sie übermenschliche Supersoldaten Ihr Eigen nennen. Selbstverständlich. Auf Wiederhören.“

Maxime schmiss sein Smartphone auf den Bürotisch und seufzte genervt. Er sah die rothaarige Dame, die ihm gegenüber saß und an ihrer Tasse nippte, lächelnd an.

„Werden die etwa ungeduldig?“, fragte sie amüsiert.

„Diesen Verteidigungsministerien und Regierungen kann es einfach nicht schnell genug gehen. Wie steht es um deinen Pharmakonzern und die Dachverbände?“

„Alles kein Problem. Zugegeben, die ersten Präparate waren ein Fehlschlag, doch die anderen waren doch deutlich besser, meinst du nicht? Auch wenn wir noch einige Schritte von den perfekten Monstern entfernt sind, denke ich, dass wir schon bald eine perfekte Symbiose zwischen Mensch und dem ‘verunreinigten Genesis‘ erschaffen werden. Zumindest haben einige von ihnen gereicht, um die Pharmaindustrien sowie diverse Verteidigungsministerien zufriedenzustellen, wobei ich gestehen muss, dass dein Versuchskaninchen das bessere ist“, kicherte sie selbstgefällig.

„Wer hätte gedacht, dass sie ein derartiger Wirtschaftsfaktor werden. Nichtsdestotrotz sollten wir aufpassen, Mireille. Ich möchte nicht, dass unsere Kreationen uns eines Tages übertreffen.“ Maxime faltete seine Hände vor dem Mund.

„Deswegen nutzen wir ja auch nicht ausschließlich Somas Blut, sondern vermischen es. Was gedenkst du eigentlich gegen diese Organisation zu unternehmen? Sie könnten gefährlich werden. Wie ich hörte, sind sie gut organisiert und sollen wohl schon einige Erfolge erzielt haben“, erkundigte sie sich neugierig. Maxime zuckte mit den Schultern.

„Lass sie ruhig in dem Glauben, sie würden die Welt säubern und die Menschen retten. Die stellen für uns keine Bedrohung dar. Dafür haben die doch gar nicht die nötigen Mittel und Kontakte.“

„Ich vertraue deinem Urteil. Also, wann darf ich die rote Kapsel testen?“, erkundigte sie sich aufgeregt. Ein lautes Klopfen an der Tür unterbrach das Gespräch. Sie wechselten einen Blick, bevor Maxime den Besuch hereinbat.

Mit einem Lächeln auf den Lippen betrat Soma das Büro, hinter ihm Emil, der seinen Blick gesenkt hatte. Maxime zog eine Augenbraue in die Höhe. Soma und Emil stellten sich an den Tisch. Emil sah noch immer auf den Boden.

„Soma. Was kann ich für dich tun?“, fragte er ihn in einer übertrieben freundlichen Stimmlage.

„Emil möchte dir etwas mitteilen“, erklärte er und sah den Jungen zu seiner Rechten an. Maxime lehnte sich in seinen Stuhl zurück und starrte auf den eingeschüchterten Emil. Es wurde still.

„Emil?“, begann Soma und drängte ihn zu antworten. Mireille seufzte genervt.

„Mach dein Maul auf, Balg! Zeit ist schließlich Geld!“, knurrte Maxime. Emils Handflächen begannen zu schwitzen.

„I-Ich… Ich… I-Ich m-möchte…“, stotterte dieser verunsichert.

„I-i-i-i-ich. Was ist los? Hast du einen Schlaganfall?”, äffte er seinen Sohn verächtlich nach. Emil schluckte.

„Er will, dass ihr mit den Versuchen an ihm aufhört“, platzte Soma dazwischen. Überrascht sah Maxime erst Soma, dann Emil an.

„Ist das so?“, fragte er erstaunt klingend. Mireille begann leise zu kichern.

„Ich habe dich etwas gefragt, Emil. Willst du, dass wir damit aufhören?“ Er lehnte sich wieder neugierig in seinen Stuhl zurück. Erneut war der Junge angesichts seines kaltblütigen Vaters nicht in der Lage zu sprechen. Sein Mund öffnete und schloss sich dann wieder.

„Emil“, begann Soma nachdrücklich.

„Sag es! Sag ihnen, was du mir gesagt hast!“, flüsterte er ihm zu.

„Ihm gesagt? Was genau hast du ihm gesagt, mein Junge?“, wollte er wissen und grinste höhnisch. Emil ballte seine Hände zu Fäusten. Er biss die Zähne zusammen. Jetzt sag es einfach. Sag es einfach, du Idiot, dachte er fortwährend. Maxime seufzte.

„Soma, hör zu, mein Sohn-“

„Ich bin nicht dein Sohn“, unterbrach er ihn kühl.

„Natürlich. Hör zu, Soma. Das ist Zeitverschwendung. Für uns ebenso wie für dich. Du weißt, dass wir seit jeher an ihm getestet haben. Weshalb stört dich das plötzlich? Dir ist doch bewusst, dass wir all das entwickeln, um unsere Feinde niederzustrecken und eine neue Welt zu schaffen“, schilderte Maxime.

„Wie schön. Hast du Valeria eigentlich schon gefunden?“, entgegnete Soma provokant. Maxime seufzte erneut.

„Nein, noch nicht. Aber ich habe dir doch versprochen, sie zu finden. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

„Da du nicht schneller an der Uhr drehst, muss ich die Blutlieferungen wohl stoppen und selbst nach ihr suchen“, äußerte er kühl. Maxime sah ihm einige Sekunden wortlos in die Augen.

„Ist das dein letztes Wort?“, wollte er von Soma wissen, bekam darauf jedoch nur ein kaltes Lächeln. Soma machte kehrt, er war dabei zu gehen, als er sich noch einmal zum Tisch drehte.

„Ach, und die Versuche an Emil haben jetzt ein Ende“, verkündete er und schlug seine Handfläche auf die Tischplatte. Danach ging er und zog Emil am Handgelenk mit sich. Die Tür fiel ins Schloss und ließ die beiden sprachlos zurück.

Maxime kochte innerlich. Was fiel diesem Scheißer ein, so mit ihm zu reden? Dann wandelte sich seine Wut und auf seinen Lippen breitete sich ein boshaftes Lächeln aus. Doch Maxime sah nicht, dass auch Soma lächelte und zwar weitaus unheilvoller als er selbst.

Ja, ihm wurde zunehmend langweiliger. Soma brauchte dringend einen Wandel. Dringend etwas Unterhaltung, etwas Spaßiges, das sein Blut in Wallung brachte. Er musste nicht nach Valeria suchen, er wusste, spürte, dass sie sich bald begegnen würden. Er spielte einfach zu gerne. Maxime vorzumachen, er würde ihn brauchen, nur um dann die Bombe platzen zu lassen und seinen dummen Gesichtsausdruck zu sehen, befriedigte ihn. Grinsend sah er zu Emil. Vielleicht konnte er ihm ja eine Abwechslung bieten. Und wenn nicht? Nun, dann würde er wohl einfach Maxime samt Anwesen dem Erdboden gleichmachen. Die Vorstellung gefiel ihm. Das ewige Stillsitzen und Nichtstun brachte ihn langsam um den Verstand. Egal was, aber bald müsste definitiv etwas geschehen, was seiner grenzenlosen Langeweile ein Ende setzen würde. Selbst wenn er dafür ein klein wenig nachhelfen muss.

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