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Tanz der Götter

Realität

Kapitel 6

Der blonde Mann lachte herzlich.

„Nein. Mein Name ist Michail Zhivka. Artjom war mein Großvater“, erklärte er und sah zu der Frau am Tisch.

„Unser Großvater“, fügte er hinzu. Die Frau winkte Valeria zu.

„Das ist Sascha. Meine Schwester“, stellte er sie mit einer leichten Handbewegung vor.

„Apropos. Solltest du nicht in Frankreich sein?“, fragte James, der sie locker begrüßte.

„Sollte ich, doch als Michail mich darüber informierte, dass sie gefunden wurde, bin ich augenblicklich zurückgekehrt“, benachrichtigte sie ihn.

„Und die Spur?“ James setzte sich neben sie an den Tisch.

„Ich habe zwei Teams, eines in Cherbourg, das andere in Paris damit beauftragt, der Sache weiter nachzugehen. Keine Sorge, ich werde bald wieder zu ihnen stoßen“, sagte sie und trank aus ihrer Tasse.

Michail bat Valeria und Ares, Platz zu nehmen. Kade setzte sich mehrere freie Plätze von seinem Vater entfernt hin, während Valeria und Ares, James und Sasha gegenüber saßen. Michail faltete die Hände, die Fingerspitzen berührten einander.

„James hat euch sicherlich bereits einiges erklärt. Den Rest würde ich gerne übernehmen. Es gibt doch noch Einiges, dass ihr wissen solltet und was ich wissen möchte“, begann er das Gespräch.

Sascha signalisierte dem Bediensteten, an sie heranzutreten. Sie bat ihn, eine Kanne Kaffee aufzubrühen. Der Mann bestätigte die Bitte und verließ das Büro. Kade begann mit seinen Fingern auf den Tisch zu trommeln.

„Kannst du dich nicht mal benehmen?“, fauchte sie. Er ignorierte sie gänzlich und trommelte schneller.

„Ich schmeiße dich raus, wenn du weiterhin nervst“, entgegnete sie energisch seiner Reaktion.

„Nicht nötig. Ich gehe freiwillig“, erklärte er beleidigt und verließ ebenfalls das Büro. James seufzte laut.

„Wie dem auch sei. Es werden einige Informationen folgen, die auch für dich, James, neu sein werden. Ich bitte um Verzeihung, diese nicht eher mit dir geteilt zu haben“, erklärte Michail. James nickte wortlos.

„Also. Mein Vater hatte James darum gebeten, dich ausfindig zu machen. Eigentlich euch beide. Dich und Soma. Ihr müsst wissen, mein Vater und James‘ ehemaliger Chef waren gute Freunde. Seit dem Vorfall in London hatte James eine regelrechte Besessenheit, die Wahrheit über dich aufzudecken, an den Tag gelegt. Das entging seinem Chef nicht und bei einem Routine-Bier in ihrer Lieblingsbar erzählte er meinem Vater davon. Dieser zeigte sich an James‘ Person interessiert und bat diesen, für ihn zu arbeiten. Mein Vater wollte euch nämlich ebenfalls finden und James hatte einige gute Anhaltspunkte zusammengetragen“, schilderte Michail und lehnte sich in seinen Stuhl zurück.

„Eigentlich war es mehr Glück, dass wir euch letztlich auf Toshima fanden. Wie ich bereits sagte, haben wir viele Mitglieder, darunter auch einflussreiche Leute. Einem Kollegen war ein interessanter Anruf einer verstörten Einwohnerin nicht entgangen. Sie sagte, ein Monster habe ihre Nachbarin gefressen. Dass Polizeibeamte ausgesandt wurden, konnten wir zwar nicht mehr verhindern, aber das würde der Kollege klären. Aiden und Kade waren in Ginza stationiert. Sie wurden darüber informiert und gingen der Sache nach. So haben wir dich endlich gefunden“, erklärte James zufrieden.

Valeria schien etwas abwesend zu sein. Sie starrte auf die glänzende Tischplatte.

„Stimmt etwas nicht?“, erkundigte sich Michail fürsorglich. Sie sah vom Tisch auf und ihm in die Augen.

„Sie sagten, Artjom war ihr Großvater. Bedeutet das, dass er tot ist?“

„Ja. Schon sehr lange. Vater wurde 1950 geboren. Da war Großvater erst dreißig Jahre. Mein Vater, Ruben, hat die Organisation 2012 ins Leben gerufen. Ein Jahr darauf verstarb er an einem Herzinfarkt.“

„Das tut mir leid“, antwortete sie traurig.

„So spielt das Leben, werte Freundin“, lächelte Michail aufmunternd.

Michail öffnete eine Schublade an seiner Seite des Tisches und entnahm dieser eine A4-große, rote und ausgebeulte Mappe. Er platzierte sie behutsam auf den Tisch. Er legte beide Hände auf diese und sah zu Ares.

„Bist du Ares?“, fragte er ihn voller Respekt. Ares nickte langsam.

„Faszinierend. In dieser Mappe befinden sich Teile von Lews Aufzeichnungen, die mein Großvater retten konnte. Er hat sie auch um einige Notizen erweitert“, erklärte er voller Stolz.

„Retten konnte?“, fragte Valeria nervös. Michail, der die Mappe halb geöffnet hatte, schloss diese wieder. Er sah sie an.

„Davon wisst ihr nichts?“, entgegnete er erstaunt. Valeria schwieg.

„Das Anwesen ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Ruine steht allerdings noch.“

Es klopfte an der Tür, der Angestellte trat ein und stellte jedem eine Tasse auf den Platz. Er schenkte der Reihe nach jedem Anwesenden Kaffee ein und verzog sich wieder.

„Na, vielleicht sollten wir erst einmal klären, was die Veayobak sind“, begann Sascha, die an ihrer Tasse nippte.

„Ja. Also, die Veayobak sind verwandelte Menschen. Es handelt sich hauptsächlich um vermisste Personen verschiedenen Geschlechts und Alters. Wir von G.o.h sind auf sie aufmerksam geworden, nachdem sich Berichte über Sichtungen häuften, während James seinen Recherchen weiter nachging. Wir konnten einige fangen und untersuchen. Und nachdem, was aus Großvaters und Lew’s Notizen hervorging, war ich mir sicher, dass sie aus einer entweder verunreinigten oder falschen Zusammensetzung von Genesis hervorgehen, vielleicht ist es sogar künstlich hergestelltes Genesis. Es gibt aber auch unter ihnen Unterschiede. Ich kann allerdings nichts mit Sicherheit sagen, ich weiß nicht einmal, was dieses Genesis genau ist. Wir wissen aber, dass diese den Personen zugeführte Zusammensetzung eine Reaktion auslöst, bei der die Menschlichkeit praktisch abgestoßen wird. Sie können eine monströse Gestalt annehmen, bei der sie in keiner Weise einem Menschen auch nur ähnlich sehen. Es muss also jemanden geben, der dafür verantwortlich ist. Jemand, der von Genesis weiß und an Blut gelangt ist. Die Frage ist, wer und wessen Blut?“, er sah Valeria fragend an.

„Nicht meines“, antwortete sie kühl.

„Es kann also nur Soma sein?“, fragte Michail neugierig. Valeria nickte.

„Es würde Sinn ergeben und ich glaube, ich weiß, wer hinter all dem steckt.“ Michail und Sascha tauschten einen interessierten Blick aus.

„Wer?“, wollten beide wissen.

Kade saß auf der modernen Couch im Obergeschoss. Das Feuer im Kamin brannte und das Holz knisterte beruhigend. Sein Smartphone vibrierte in seiner Hosentasche. Er zog es hervor und sah auf das Display. Ein eingehender Anruf von Aiden. Er nahm ihn entgegen und grüßte seinen Bruder. Für einige Sekunden herrschte Stille am anderen Ende, bis Aiden schließlich zu sprechen begann.

„Hey…“, grüßte Aiden still.

„Alles in Ordnung?“, erwiderte sein Bruder hörbar besorgt.

„Äh… Ja. Nein, ich meine nicht wirklich.“

„Alter, was ist los? Du klingst, als wäre gerade jemand gestorben“, sprach Kade teils scherzhaft, teils ernst.

„…Ist Dad zu sprechen? Er geht nicht an sein Handy.“

„Nein, Mann. Der ist in einer Besprechung mit Michail und den anderen.“

„Ach so. Wieso bist du nicht dort?“

„Hab die Anwesenheit einer gewissen Dame nicht ertragen“, zischte Kade verächtlich.

„Egal. Aiden, was ist los?“

„Es… Es ist etwas passiert. Es gab einen Unfall“, begann Aiden, er sprach jedoch für mehrere Sekunden nicht weiter und es herrschte erneut Stille in der Leitung.

„Geht’s dir gut?“, erkundigte sich Kade.

„Ja. Es geht um den Auftrag. Anna und… und Sarah sind tot. Ich habe Sarah erschossen. Ich wollte das nicht, Kade. Es war ein Unfall, das musst du mir glauben“, gestand er und wurde immer leiser.

Kade wollte sagen, dass er sich beruhigen soll. Dass alles wieder in Ordnung kommt und dass er immer zu ihm halten wird, doch er stellte fest, dass sein Bruder angesichts dessen, was geschehen war, bereits ruhig war. Es war eine seltsame, erdrückende Ruhe, die von ihm ausging.

„Ich glaube dir“, entgegnete Kade ruhig und verständnisvoll.

„Komm zu uns, Aiden. Dann können wir persönlich reden, okay?“

„Ja… ja. Ich mache mich auf den Weg“, sagte er und beendete das Telefonat. Kade starrte minutenlang auf das Display.

„Maxime Leroy?!“, entfuhr es Sascha ungläubig. „Unmöglich, der müsste längst tot sein.“

„Nicht unbedingt, Sascha“, erklärte Michail.

„Sieh dir Ares an. Er wird in Lews Aufzeichnungen erwähnt. Wonach sieht er für dich aus?“, fragte er seine Schwester. Sie begann, Ares genau zu mustern. Dieser räusperte sich aufgrund der unangenehmen Situation.

„Er sieht nach einem jungen Erwachsenen aus“, gab sie an.

„Exakt. Das wäre aber genauso unmöglich. Aber wenn man den Unterlagen Glauben schenkt….“

„Du hast ihn verwandelt“, äußerte er und sah Valeria eindringlich an. Es war ihr sichtlich unangenehm.

„Wie?“, fügte er nach einer Pause hinzu.

„Ich möchte wissen, was in den Dokumenten steht“, formulierte Valeria ausdruckslos.

Michail sah sie wortlos an. Nach einer Denkpause öffnete er die Mappe, sortierte einige Schriftstücke und begann, nachdem er alle Anwesenden einmal ansah, laut vorzulesen.

„Maxime und ich studierten den Stein. Wir haben uns den Kopf zerbrochen, haben gerätselt, spekuliert, getestet. Wir, als Gentechniker und Biologen, haben noch nie etwas Vergleichbares in den Händen gehalten. Er ist wunderschön. Sein blau-weißes Licht hüllt uns wie ein Seidentuch ein. Zieht uns in seinen Bann. Der kristallähnliche Stein reagiert auf äußere Einflüsse, Reize. Wir haben es nicht für möglich gehalten, aber es stimmt, so wahr ich hier stehe. Als wir ihn mit bloßen Händen berührten, fing er an zu glühen. Er wurde wortwörtlich heiß, behielt jedoch seine wunderschöne Farbe. Maxime hatte sich bei der Berührung wohl an einer scharfen Kante des Steins geschnitten. Es war kein tiefer Schnitt, doch ein Tropfen seines roten Blutes zierte den Stein. Was darauf folgte, ist beinahe nicht zu beschreiben. Der Stein nahm das Blut in sich auf. Er pulsierte wie ein Herz, er vibrierte. Wir entschieden uns, den Stein nicht länger mit bloßen Händen zu berühren. Morgen schlagen wir einige Splitter ab und versuchen diese in einen flüssigen Aggregatzustand zu versetzen.“

Michail pausierte und sah erneut in die Runde. James war sichtlich fasziniert. Valeria und Ares sahen ausdruckslos auf den Tisch. Michail sog die Luft ein, er wollte etwas sagen, doch das Wort wurde ihm von einer energischen Valeria abgeschnitten.

„Lesen Sie weiter!“ Er hob eine Augenbraue und widmete sich dem nächsten Abschnitt.

„Wir haben vier Probanden finden können. Sie nehmen gegen eine Bezahlung am Experiment teil. Zwei ausgewachsene Männer, zwei ausgewachsene Frauen. Es ist ein Risiko. Von Genesis ist nicht mehr allzu viel übrig, nachdem wir mehrere Versuche an Tieren gestartet haben. Ich muss nicht erwähnen, dass diese alle Fehlschläge waren. Wir begannen mit den Männern. Maxime fixierte sie an den Stühlen. Ich bereitete die Injektion vor. Pures Genesis, direkt in den Blutkreislauf, wie bei den Tierversuchen. Das Ergebnis war…ernüchternd. Die beiden Probanden krampften, bissen sich beinahe die eigene Zunge ab. Es glich einem septischen Schock und führte letztlich zum Tode. Wir wissen nicht, wieso. Dann kamen die Frauen an der Reihe. Derselbe Vorgang, jedoch mit einem anderen Ergebnis. Denn wider Erwarten tat sich nichts. Es ging ihnen gut und auch die Vitalwerte waren unverändert. Wir entschieden uns, die Probanden unter ständiger Beobachtung zu stellen. Wir versprachen ihnen die dreifache Summe.“

Valeria sog scharf die Luft ein. Als hätte er gerade eine schlechte Nachricht überbracht bekommen, schloss Ares die Augen. Valeria zitterte. Jahrzehnte lang hatte sie auf eine erlösende Wahrheit gehofft und jetzt, wo sie sie scheinbar erhielt, konnte sie es nicht ertragen. Dass sie Genesis im Blut hatte, wusste sie. Artjom war derjenige, der es ihr offenbarte, doch der Rest? Der Rest war, als wäre ihre reine Existenz ein einziger Unfall. Und das war es wohl auch. Ein Unfall. Und wenn es keiner war, was war es dann? Hatten sie und Soma überhaupt ein Recht zu existieren, zu leben?

„Valeria?“ Michails Stimme riss sie aus ihren Gedanken und wie aus einer Trance erwachend, sah sie ihn mit geweiteten Augen an.

„Hast du mich nicht gehört?“, fragte er leicht besorgt. Sie verneinte.

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte er sich.

„Ich hätte gerne eine Pause“, gab sie zur Antwort und erhob sich.

„Natürlich. Wäre es in Ordnung wenn wir Ares noch ein paar Fragen stellen?“

Ares sah sie hilfesuchend an. Es widerstrebte ihm, das wusste sie, doch sie wollte jetzt wirklich einen Moment lang alleine sein.

„Ja, ist okay. Bleib bitte hier!“, sagte sie ihm mit einem gezwungenen Lächeln. Er seufzte, blieb jedoch sitzen, als sie das Büro verließ.

Im Flur lehnte sie gegen die Flügeltür und atmete tief aus. Sie sah zu ihrer Rechten und entschied, die Treppe ins Obergeschoss zu nehmen. Jeder Schritt fühlte sich unglaublich schwer an, als hätte sie Blei in den Beinen. Jede Stufe, die sie nahm, ließ ihren Schädel stärker dröhnen. Im Wohnraum angelangt, lehnte sie schwer atmend gegen die Wand. Sie bemerkte Kade nicht. Er setzte sich auf und lugte von der Couch aus zu ihr rüber. Als er ihre schlechte Verfassung realisierte, sprang er auf und eilte zu ihr. Ihre Knie gaben nach und sie rutschte in sich zusammen, doch Kade hatte sie bereits erreicht und fing sie sachte auf. Er half ihr zurück auf die Beine und stützte sie, indem er ihren Arm um seine Schultern legte und sie mit seiner anderen Hand an der Taille festhielt. So konnte sie zumindest nicht zusammenbrechen. Langsam brachte er sie zur Couch, wo er sie behutsam absetzte und ihre Beine hochlegte. Er brachte ihr ein Kissen, welches dekorativ in einem Sessel platziert war, und legte es ihr vorsichtig unter den Kopf. Mit der rechten Handfläche fühlte er ihre Stirn. Kein Fieber, wenn sie überhaupt Fieber bekommen konnte, dachte er. Er kniete sich neben sie vor der braunen Ledercouch und hielt ihre Hand.

„Was hast du denn nur?“, wisperte er besorgt.

„Alles okay“, antwortete sie flüsternd mit geschlossenen Augen.

„Es geht schon wieder. Ich danke dir“, erklärte sie und sah ihm in die Augen. Er erwiderte ihren Blick und sie sahen sich wortlos mehrere Minuten lang an.

„Du lügst“, durchbrach er schließlich die Stille.

„Tue ich nicht. Es geht wirklich wieder“, versicherte sie ihm lächelnd.

„Ich meine, dass alles okay ist. Du lügst“ Er streichelte zärtlich über ihre Hand. Sie zog diese weg und er entfernte auch seine Hand ganz verlegen.

Sie richtete sich auf und setzte sich gerade auf die Sitzfläche. Kade setzte sich neben sie. Valeria presste ihren Rücken gegen die Lehne. Er sah sie schweigend an. Sie atmete tief durch, dann drehte sie ihren Kopf zu ihm und sah ihn grinsend an.

„Also, was ist da zwischen dir und Sascha?“, fragte sie ungeniert mit frechem Grinsen.

„Was?“, lachte er.

„Okay, okay. Vorschlag. Erst du, dann ich, in Ordnung?“, erwiderte er schließlich. Sie überlegte kurz, stimmte dann aber zu.

In einer coolen Bewegung schlug er ein Bein locker hängend über das andere und legte seinen rechten Arm auf der Couchlehne ab. Hätte er gewollt, hätten seine Finger durch ihr Haar gleiten können. Neugierig sah er sie an.

„Die ganze Zeit wollte ich die Wahrheit über mich wissen. Wer bin ich? Wie wurde ich geboren? Habe ich Eltern? Eines Tages kam Artjom in mein Zimmer. Sein Blick war betrübt und er sagte, er müsse mit mir reden. Wir setzten uns auf mein Bett und ich sah in seinen Augen, dass mir das, was er sagen wollte, nicht gefallen würde. Doch es war mir ganz gleich. Artjom gestand mir, was Lew die ganze Zeit verborgen halten wollte. Er sagte mir, dass ich keine Eltern hätte. Keinen Vater und auch nichts, was man als eine richtige Mutter betrachten konnte. Ich entstand aus einer Substanz, die sie Genesis nannten. Es war in mir und es machte mich zu etwas anderem als einem Menschen. Mich und meinen Bruder. Die ganze Wahrheit zu erfahren, war scheinbar zu viel für mich.“ Sie atmete erneut tief durch.

„Tze. Diese Arschlöcher können manchmal echt unsensibel sein“, erklärte er bitter.

„Nein. Ich-Ich wollte das. Ich wollte es wissen. Die ganze Wahrheit über mich, über meine Geburt. Selbst wenn-“

„Selbst wenn sie dich zerstört?“, fragte er angespannt.

„Wieso? Denkst du, sie ist es wert, dass du den Schmerz erleiden musst?“

Ihre Augen wurden glasig. Sie presste die Lippen zusammen.

„Weißt du, dieses Genesis, das in mir ist, in meinem Blut… Manchmal fühlt es sich nach einem Parasiten an, der von mir lebt und ich von ihm. Und manchmal glaube ich, dass wir ohneeinander, als einzelnes nicht überleben würden.“ Sie drehte sich zu ihm und sah ihn ernst an.

„Ich muss das tun, Kade. Ich muss die Wahrheit erfahren. Wenn ich ein Monster bin, habe ich dann überhaupt ein Recht darauf, glücklich zu sein?!“, wollte sie wissen und brach in Tränen aus.

Sie schluchzte laut. Kade griff zärtlich nach ihrem Nacken und zog sie sanft an sich. Er hielt sie fest an seine Brust. Ihre Tränen rannen über die Wangen und dunkle Flecken zierten Kades helles Shirt, doch das war ihm völlig egal. Er hielt sie in einer beschützenden Umarmung, den Kopf auf seiner Brust ruhend. Ihre Schultern wippten mit jedem Schluchzer auf und ab. Er festigte den Griff um sie.

„Also, das zwischen Sascha und mir…“, begann er und spürte, wie sie sich langsam beruhigte. Ihr Weinen hatte aufgehört und ihr Schluchzen wurde immer leiser.

„Das ist so eine Sache.“ Er lockerte seinen Griff nicht.

„Willst du das wirklich wissen?“, fragte er. Sie nickte.

„Wir haben uns kennengelernt, als Ruben, ihr Vater, meinen rekrutiert hatte. Sie gefiel mir, war mein Typ. Helle Haare, guter Körperbau, verdammt tolle Beine“, sagte er scherzhaft klingend. Sie kicherte.

„Na ja, du weiß ja, wie das ist.“

„Nein, weiß ich nicht. Wie ist das?“ erkundigte sie sich neugierig.

„Du hattest noch nie ein Date?“, entgegnete er entsetzt. Sie schüttelte nur mit dem Kopf.

„Kaum zu glauben. Also, wir haben uns gut verstanden und sie schien auch an mir interessiert zu sein, also begannen wir miteinander auszugehen.“ Er seufzte laut.

„Was soll ich sagen? Es hat einfach nicht geklappt. Ständig hat sie versucht, mich zu verbessern, mir ihre Hobbys aufzuzwängen und solche Sachen. Sie meinte, ich bin ihr zu kindisch und ich wäre nicht in der Lage, jemanden aufrichtig zu lieben. Na, vielleicht hatte sie mit letzterem sogar Recht. Auch egal, sie hatte immer etwas an mir auszusetzen und ich hab immer einen Scheiß darauf gegeben. Irgendwie waren wir zu verschieden. Das Furchtbare ist, dass sie dieses Verhalten noch immer an den Tag legt, wie du vielleicht bemerkt hast. Ich meine, ich habe mich auch nicht geändert, aber ich will mich für niemanden ändern müssen. Wenn ich mich für jemanden derart verbiege, bin ich doch nicht mehr ich selbst“, offenbarte Kade säuerlich.

„Du bist wirklich ein Kindskopf“, zwitscherte Valeria spaßend.

„Hä? Sag das nochmal!“, witzelte er und versuchte dabei streng zu klingen. Er begann sie an der Taille zu kitzeln. Sie wand sich in seinen Armen und beide lachten unbeschwert.

„Aber… das mag ich wirklich sehr an dir, Kade. Du bringst mich zwar manchmal zum Kopfschütteln, aber auch ungemein zum Lachen. So wie jetzt“, kicherte sie und sah ihn dabei an. Er räusperte sich verlegen.

„Äh… Danke?“, entgegnete er kichernd.

„Das war ein Kompliment“, rief sie, griff nach dem Kopfkissen und warf es ihm ins Gesicht. Wieder begann sie heiter zu lachen.

„Uff, na warte!“, rief er zurück, nahm das Kopfkissen und jagte sie spielerisch um die Couch.

Die Stille im Konferenzraum war unangenehm. Alle sahen ihn erwartungsvoll an. Er rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her.

„Also, Ares?“, begann Sascha.

„Ja?“, grummelte er.

„Dein rechtes Auge, hatte es schon immer diese Farbe?“, fragte sie und faltete ihre Hände. Es fühlte sich beinahe nach einem Verhör an.

„Nein“, grummelte er erneut, kurz angebunden.

Sascha und Michail wechselten einen flüchtigen Blick.

„Kannst du uns sagen, wodurch es seine Farbe geändert hat? Einfach aus Neugier“, strahlte sie ihn freundlich an.

„Keine Ahnung“, entgegnete er.

Ein leises Seufzen.

„Könnte es mit deiner Verwandlung zusammenhängen?“, fragte Michail.

„Vermutlich.“ Er sah abwechselnd zu den beiden Geschwistern.

„War’s das jetzt?“, erkundigte er sich genervt.

„Ares, wie wurdest du verwandelt?“, entgegnete die attraktive Blondine. Er rollte nur mit den Augen.

„Valeria meinte, es sei in Ordnung“, versuchte Michail ihn zu beschwichtigen. Er stöhnte genervt.

„Sie gab mir ihr Blut zu trinken“, beantwortete er die Frage. Er beobachtete, wie sich die beiden erstaunt ansahen und Michail etwas in ein kleines Notizbuch kritzelte.

„Mal rein theoretisch, kann Soma das auch?“, warf James ein.

„Kann er.“

„Woher weißt du das?“, erkundigte sich Michail interessiert.

„Ich weiß es eben.“

„Nicht gerade der gesprächigste Typ“, murmelte Sascha, kaum hörbar zu sich selbst.

„Wieso lebst du noch, Ares?“, äußerte Michail direkt.

„Wie wir wissen, wurde den männlichen Probanden Genesis injiziert und diese starben. Wo ist der Unterschied zu dir?“ Ares sah ihn angriffslustig an.

„Und ich dachte, Sie sind hier der schlaue Kopf. Ich weiß nicht, vielleicht liegt es daran, dass ich Blut zu trinken bekam. Vielleicht, weil es nicht injiziert wurde. Vielleicht, weil ich eine Menge Blut verloren habe? Vielleicht, weil Valerias Mutter ein Mensch war? Keine Ahnung“, erklärte er gereizt.

Michail hob eine Augenbraue und stützte den Kopf auf seine gefalteten Hände.

„Du konntest dir den Ausgang also denken?“, kicherte er.

„War offensichtlich“, antwortete Ares abgeneigt.

„Oder vielleicht besitzt Genesis auch eine eigene Intelligenz und sucht sich seinen Wirt selbst aus?“, warf Ares ein. Es wurde still.

„Einen Wirt? Wie kommst du darauf?“, erkundigte sich Michail etwas misstrauisch. Ares zuckte mit den Schultern.

„Hab ich nur so dahergesagt“, erwiderte er kühl. Einen Moment lang sagte niemand etwas, bis James das Schweigen brach.

„Kennst du Soma gut?“, wollte James wissen.

„Geht so. Hatte nie wirklich viel mit ihm zu tun gehabt. Er konnte mich nie leiden.“

„Weshalb?“, fragte Sascha. Ares ballte die Hände unter dem Tisch zu Fäusten.

„Weiß ich nicht“, knirschte er.

„Kannst du uns sagen, was Soma für ein Typ ist? Wie sehen seine Charakterzüge aus? Oder Maxime? Weißt du etwas über ihn?“, setzte Sascha nach.

„Da fragen sie echt die falsche Person, Lady“, antwortete er feindlich.

Es klopfte an der Tür an und Valeria betrat den Raum. Erleichtert stöhnte Ares auf.

„Entschuldige“, wisperte sie ihm zu. Sie nahm neben Ares Platz und sah Michail entschlossen an.

„Ich will es wissen. Alles“, äußerte sie neuen Mutes.

Michail lächelte zufrieden.

„Schön, doch ich denke, für heute reicht es. Ihr hattet eine lange Reise und wir haben euch lange genug bedrängt. Wir sollten das Gespräch auf Morgen vertagen, was denkt ihr?“

Niemand stimmte dagegen. Valeria schien ein wenig enttäuscht, schloss sich der Mehrheit aber an. Auch Ares reichte es. Und so löste sich die Sitzung auf. Der Angestellte namens Igor geleitete jeden einzelnen in seinen Raum, bis auf Valeria und Ares bekamen alle ein Einzelzimmer zugewiesen. Für Ares und Valeria war es mittlerweile zur Normalität geworden, sich einen Raum zu teilen. Ares schlief eh nie. Er saß einfach immer an ihrer Seite und bewachte sie wie einen Schatz. So war es seit jenem Tag…

Valeria lag in ihrem Bett. Sie wälzte sich hin und her, sie konnte nicht einschlafen. Ares lag ebenfalls in einem Bett, welches einige wenige Meter neben ihrem stand, er schlief auch nicht. Seufzend erhob sie sich und zog ihren bis zu den Schenkel reichenden Poncho über. Ares richtete sich auf.

„Wohin gehst du?“

„Ich will nur mal eben ein wenig frische Luft schnappen“, entgegnete sie und verschwand durch die Tür aus dem Zimmer, bevor er etwas erwidern konnte. Stöhnend ließ er sich zurück auf das Bett fallen und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

Valeria lief leise die Stufen zum Erdgeschoss hinunter. Die dritte Flügeltür auf der rechten Seite führte zu einer gemütlichen Veranda hinaus. Sie öffnete diese und betrat, einzig in Poncho und Unterwäsche bekleidet, die mit Laminat ausgelegte, überdachte Veranda. In einer Hollywoodschaukel zu ihrer Linken saß Sascha. Sie pustete den Rauch ihrer Zigarette geräuschvoll aus.

„Darf ich mich zu dir setzen?“, fragte Valeria leise. Sascha nickte lediglich zustimmend. Valeria ließ sich neben ihr in die bequeme Schaukel fallen und sah Sascha beim Rauchen zu.

„Sag nichts. Ich weiß, es ist ungesund“, äußerte sie grinsend, ohne Valeria anzusehen.

„Ich sage nichts“, kicherte diese. Sascha musterte sie.

„Wie alt bist du eigentlich? Ich meine, wann hast du aufgehört zu altern?“

„Mit zwanzig“, antwortete sie ehrlich.

„Wie alt bist du?“, erkundigte sie sich neugierig.

„Achtundzwanzig“, erwiderte Sascha und pustete erneut den Zigarettenrauch in die kühle Luft. Der Nachthimmel war klar und wunderschön.

„Ach, genau so alt wie Kade“, platzte es aus Valeria heraus. Erst jetzt realisierte sie das Gewicht ihrer Worte.

„Pah, ja. Wie Kade“, sagte sie abfällig.

„Ihr mögt euch nicht besonders, was?“, hakte sie vorsichtig nach.

„Ach… Kade ist einfach ein Vollidiot. Er weiß nicht mit den Gefühlen einer Frau umzugehen“, erklärte sie. Das fand Valeria allerdings nicht. Sie hatte das Gefühl, dass Kade sie verstand, und er tröstete sie, so gut er konnte, aber das konnte sie Sascha nicht sagen. Sie wollte keinen falschen Eindruck vermitteln.

„Ist das so?“, äußerte sie vorsichtig.

„Ja, ist so. Kade ist nicht fähig zu lieben. Alles worauf er schaut, ist ein gutes Aussehen. Ich wette, er hat auch bei dir erste Annäherungsversuche gestartet, hab ich nicht Recht?“

Valeria verstummte verlegen. Konnte man das so nennen? Sie war sich nicht sicher.

„Ha. Wusste ich es doch“, sagte sie stumpf und zog an ihrer Zigarette.

„I-Ich denke nicht, dass-“, begann sie rechtfertigend.

„Ist schon gut. So ist er eben. Ich hatte nur gehofft, dass… ach, nichts.“

Sascha begann, die Schaukel zu bewegen. Beide schaukelten sanft im warmen Licht des Mondes.

„Du solltest mit ihm reden“, sprach Valeria zum Mond schauend. Sascha sah sie eindringlich an.

„Meinst du?“, wollte sie wissen.

„Ja. Ich denke, ihr solltet reden.“

„Hm. Vielleicht tue ich das. Wenn ich wieder aus Frankreich zurück bin“, antwortete sie schmunzelnd. Sascha sah Valeria an. Ihr weißes, weiches Haar, schwebte sanft im Takt zu den Schwingungen der Schaukel.

„Ich glaube, du bist gar nicht so übel“, gestand Sascha und grinste breit.

„Heh, vielen Dank. Du auch, schätze ich“, entgegnete sie lächelnd.

Sie sahen sich an und prusteten beide laut los.

Valeria schob die erdrückende Bettdecke von sich und streckte sich verschlafen. Ihr weißes Tank Top rutschte dabei ein Stück hoch und entblößte ihren Nabel.

„Guten Morgen“, grüßte sie Ares, der auf seinem Bett saß.

„Morgen“, entgegnete sie gähnend. Er lächelte.

„Ich verstehe wirklich nicht, warum du schläfst“, sprach er sanft.

„Na ja, diese Kleinigkeiten machen doch Menschen aus. Selbst wenn ich keiner bin, möchte ich mich ab und an wie ein Mensch fühlen“, erklärte sie ihm und sah ihn augenreibend an.

„Entschuldige“, entgegnete er beschämt und sah zu Boden.

„Ach was. Statt dich zu entschuldigen, solltest du es mal ausprobieren. Du hast Ewigkeiten nicht mehr geschlafen. Eigentlich seit dem Tag-“, begann sie und verstummte.

Es wurde still zwischen ihnen. Dieser Tag war jener, der Ares verändert hatte. Der ihn geprägt hatte. Eine schmerzvolle Erinnerung, aber ein Teil von ihm.

„Entschuldige“, sagte sie reuevoll.

„Jetzt… hör auf. Wir entschuldigen uns zu viel. Komm, hoch mit dir. Die anderen sind bestimmt schon lange auf“, äußerte er heiter.

„Ja. Ich würde vorher aber gerne duschen, geh doch schon mal vor, okay?“ Er stimmte zu und verließ ihr Zimmer.

Im Obergeschoss lief er am Wohnraum vorbei zum großzügig geschnittenen Esszimmer samt offener Küche. An einem wunderschönen Esstisch, der ähnlich viel Platz wie der Konferenztisch bot, saßen James, Michail, Sascha und Kade. Der Tisch stach durch seine schöne, ausdrucksvolle Farbgebung, markante Farbkontraste und eine ausdrucksvolle Maserung hervor. Er musste aus sehr edlem Holz gefertigt sein. Mit einem „Guten Morgen“ begrüßten sie ihn. Er nickte ihnen entgegen. Michail tippte auf seinem Notebook herum, während Igor den Tisch deckte.

„Wo ist unsere Prinzessin?“, erkundigte sich Kade streckend.

„Duschen“, erwiderte er kühl.

„Ohhhh… Oh“, äußerte Kade und klang dabei wie ein Lüstling. Sascha und Ares stöhnten beide genervt auf.

„Jetzt leg doch mal das Teil beiseite, wir wollen frühstücken“, ermahnte Sascha ihren Bruder.

„Moment, ich prüfe gerade etwas. Außerdem warten wir doch sowieso noch auf Valeria“, erwiderte dieser und trank von seinem Kaffee.

„Ach, übrigens ist Aiden auf dem Weg hierher. Er rief gestern an“, eröffnete Kade und trank ebenfalls aus seiner Tasse.

„Das trifft sich gut“, murmelte Michail.

Valeria ließ voller Genuss das heiße Duschwasser über ihre Haut rinnen. Die Wärme belebte sie. Sie fühlte sich wie an einem gemütlichen Sommertag. Die Tropfen prasselten auf ihr Gesicht, liefen über ihre Lippen ihr Kinn hinab, streichelten ihre Brust. Sie öffnete ihre Augen. Gedankenverloren ließ sie ihre Fingerkuppe über die Fliesen gleiten. Erneut schloss sie ihre Augen und rief sich das Gesicht ihres Bruders ins Gedächtnis. Sein weißes, dichtes und zerzaust aussehendes Haar. Dieselben eisblauen Augen, das charmante, aber gefährlich wirkende Lächeln auf seinen Lippen. Das Geräusch des prasselnden Duschwassers wurde immer leiser, alles verschwamm, bis sich Realität und Erinnerungen vermischten und sie in eine andere Zeit zurückzuversetzen schienen.

„…“ Eine scheinbar weit entfernte Stimme rief ihr etwas zu, doch sie verstand die Worte nicht. Sie war zu weit weg.

„Hey…“ Die Stimme wurde deutlicher, kam näher, doch sie konnte nichts ausmachen. Alles um sie herum war schwarz.

„Hey, bist du eingeschlafen?“

Valeria öffnete benommen die Augen. Sie sah in ein ihr bekanntes Gesicht. Ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Sie setzte sich auf und rieb sich mit dem Handballen über die Augen. Eine sanfte Brise wehte durch ihr Haar. Ein herber Duft lag in der Luft. Sie sah sich um und fand sich auf einer Decke sitzend wieder, umgeben von einem Meer aus farbenprächtigen Tulpen. Kein Wunder, dass sie bei diesem wundervollen Wetter in dieser malerischen Umgebung eingeschlafen war. Eine Hand reichte ihr eine gepflückte blaue Tulpe. Noch leicht benommen, nahm sie diese an und sah in das Gesicht des Schenkenden.

„Soma. Vielen Dank“, sagte sie liebevoll und stand auf.

Eine weitere erfrischende Brise zog vorbei, umschmeichelte ihre Beine und ließ ihr kurzes, weißes Sommerkleid im Wind tanzen. Soma erhob sich ebenfalls, umfasste ihre linke Hand sanft und ihre Finger verschränkten sich ineinander.

„Wollen wir jetzt durch dieses bunte Feld laufen?“, fragte er sie heiter. Sie nickte glücklich.

Die wunderschönen Pflanzen kitzelten ihre Beine, als sie hindurchliefen. Soma knöpfte sich beim Gehen mit der rechten Hand den Kragen seines weißen Hemdes auf.

„Eines Tages, pflücke ich dir die schönsten Blumen der Welt und dann flechte ich aus ihnen einen Kranz. Nur für dich“, sprach er und drückte ihre Hand fester.

„Du kannst doch gar nicht flechten“, kicherte sie.

„Für dich würde ich es aber lernen“, entgegnete er voller Elan.

Sie lachten unbeschwert, als sie tiefer in das Blumenmeer liefen. Gemeinsam. Hand in Hand.

Tränen rannen ihr über die feuchten Wangen und vermischten sich mit dem warmen Duschwasser.

„Warum?“, flüsterte sie heiser.

„Warum musste das alles passieren? Warum konnten wir nicht normal geboren werden? Sag es mir, Soma!“

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