CreepypastaMord

Apokalypse

Die Welt ist nicht mehr die, wie du sie kennst. Sie hat sich verändert. Es hat angefangen, als die Bienen plötzlich immer weniger wurden. Wer hätte gedacht, dass diese kleinen Insekten so wichtig sind? Niemand hat damit gerechnet. Zu sehr waren wir mit anderen Dingen beschäftigt. Mode, Trends, Wirtschaft, Geld. Wer wird der neue Präsident? Gibt es Autos, die durch die Luft fliegen können? Wie machen wir das Internet für unsere Kinder sicher? Wie viele Fidgets Spinner passen auf eine Hand?
Durch das Bienensterben wurden weniger Pflanzen bestäubt, was dazu führte, dass die Wildtiere nicht mehr genug Nahrung finden konnten. Viele Tiere verhungerten. Aber wir konnten uns einigermassen über Wasser halten. Vier Jahre später, als auch Fliegen, Schmetterlinge, Käfer und diverse Vogelarten und Fledermäuse, die ebenfalls für die Bestäubung wichtig sind, dem Aussterben geweiht waren, ist das ganze Ökosystem in sich zusammengefallen. Verzweifelt haben die Menschen versucht, die Pflanzen von Hand zu bestäuben. Zwecklos. Maschinen wurden gebaut, aber auch dort blieb der Erfolg aus. Verzweifelt versuchten wir künstlich Nahrung für unsere Umwelt zu kreieren, aber die Tiere rührten sie nicht an und starben aus und wir wurden krank davon. Zusätzlich zwang uns die globale Erderwärmung in die Knie. Temperaturen jenseits von Gut und Böse prasselten auf die Erde nieder und rafften viele dahin. „Dieser Planet ist nicht mehr lebenswert. Auf diesem Planeten ist die Apokalypse ausgebrochen“, brüllte es durch die Strassen der Städte und die Menschheit verzog sich in den Untergrund. Fortan war ein Leben nur noch im Bunker,  in Kanalisationen und in Tunneln möglich. Geschützt vor der brennenden Sonne, versteckt vor dem Chaos, dass auf der Oberfläche tobte.

Die Erde ist widerlich und stinkt. Moral und Ethik existiert nicht mehr. Kannibalismus ist an der Tagesordnung. Willst du überleben, dann friss, was du kriegen kannst, selbst wenn es der eigene Bruder ist.

Sam lehnt an einer Wand und in seinen Augen kann ich erkennen, wie sehr er sich nach einer Zigarette sehnt. Mir geht es genauso, auch wenn es bereits ein Jahr her ist, seit meine Lippen Tabak oder ähnliches berührt haben. Es gibt keine Zigaretten mehr und wenn es welche gibt, dann sind sie im Besitz von denen, denen wir auf keinen Umständen begegnen wollten. Selbsternannte Götter. Sie sind an der Spitze der Nahrungskette. Ein Imperium, dem man nicht in die Hände fallen will. Wir wissen nicht viel über sie, aber wir haben gesehen, wie bewaffnete Männer mit schwarzen Westen mit der Aufschrift Gott durch die Strassen im Untergrund patrouillieren und Frauen und Kinder gegen ihren Willen in eine Art fahrbaren grünen Container verfrachten. Jeder, der sich wehrt, wird abgeschossen und noch zuckend in einen weiteren Container befördert. Ein roter. Männer werden meistens direkt an Ort und Stelle und oft vor den Augen ihrer Familie hingerichtet und landen dann auch im roten Container. Ein paar nehmen sie lebend mit, aber wir wissen nicht, nach was für Kriterien, die selbsternannten Götter diese aussortieren. Wir wollen es auch nicht herausfinden. Uns bezeichnet man als Aasfresser. Wir ernähren uns notgedrungen von den Kadav… „Ich verhungere…“, stöhnt Sam und ich zucke zusammen. Ja, ich habe auch Hunger. Es ist bereits zwei Tage her, seit wir zuletzt etwas gegessen haben. Wobei man dazu nicht mehr essen sagen kann. Wir fressen. Fressen um zu  überleben. „Ich auch.“, erwidere ich und lasse mich neben meinem Bruder auf den Boden fallen. Er schaut zu mir herunter und lässt sich auf die Knie fallen. Ich bilde mir ein seine Kniescheibe brechen zu hören, aber er stöhnt lediglich kurz auf, lässt sich auf seinen Hintern plumpsen und streicht sich über die schmerzenden Knie. Der Stoff der Jeans ist aufgerissen, aber beide Beine sind unversehrt. „Du bist ein Vollidiot.“, stelle ich fest und ramme ihm meinen Ellbogen in die Seite. Unbeeindruckt bleibt er ruhig sitzen und starrt auf den Haufen Zündhölzchen, Kerzen und Plastiktüten vor uns. Das ist alles, was wir noch haben. Nicht viel, aber es reicht irgendwie. Die Kerzen sind für den Fall, dass die Neonröhre über unseren Köpfen irgendwann aufhört zu funktionieren. Strom ist Mangelware und es grenzt an ein Wunder, dass dieses Ding da oben überhaupt noch leuchtet. Liegt wahrscheinlich daran, dass die U-Bahn immer noch von den selbsternannten Göttern in Betrieb gehalten wird und wir per Zufall, als wir die Gleise abgelaufen sind, diese versteckte Ausbuchtung gefunden haben und mein Bruder es irgendwie geschafft hat, ein paar herumhängende Kabel mit dieser Röhre zu verknüpfen und  das Ding zum Laufen gebracht hat. Praktisch. Die Elektrolehre, die er angefangen hat, bevor die Welt beschlossen hat, sich in einen brennenden Erdball zu verwandeln, zahlt sich doch aus. Er ist im letzten Lehrjahr gewesen, kurz vor dem Abschluss. Ich habe Jura studiert, was mir natürlich in der jetzigen Situation, überhaupt nichts bringt. Es gibt keine Gesetze mehr, also gibt es keine Verbrechen oder Rechtsfragen und die Gefängnisse sind so leer, wie unsere Bäuche. Ich bin also so gut wie nutzlos, auch wenn Sam etwas anderes behauptet, nur um mich zu trösten, wenn ich mal wieder den Drang verspüre, mich vor die U-Bahn zu werfen. Dreimal am Tag rast sie an uns vorbei und keiner weiss wieso und wohin und hätten wir keine funktionstüchtige Uhr, wüssten wir nicht einmal, ob Tag oder Nacht ist. Aber es ist auch nur noch eine Frage der Zeit bis diese auch noch den Geist aufgibt. Irgendwann wird uns sowieso jemand in unserem Versteck finden und dann landen wir beide auf dem roten Container und schlussendlich auf irgendeinem Teller von irgendeinem Kerl, der sich das leisten kann.
„Vielleicht sollten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem machen.“, schlägt Sam vor und mir fröstelt es. Alle Lebensmittel sind aufgebraucht und das einzige was übrig ist, sind Menschen. Anfangs ist es uns schwer gefallen, uns vom Fleisch unserer eigenen Spezies zu ernähren. Aber der Hunger treibt einen dazu. Ob man will oder nicht, man ist wehrlos dagegen, man muss einfach essen oder man wird wahnsinnig. Trotzdem kostet es mich immer wieder Überwindung schon nur auf die Suche zu gehen. Ich nicke und stehe auf. Sam greift nach meiner Hand und zieht sich ebenfalls auf die Beine, dann geht er auf den selbstgebauten Lichtschalter zu und gerade als er den Schalter umlegen will, hält er inne und geht einen Schritt zurück.
„Was ist?“, frage ich und versuche einen Blick über seine Schulter zu erhaschen.
„Ein Mädchen.“
„Was?“
Er steckt seine Hand aus und zeigt auf die andere Seite des Gleises. „Dort steht ein Mädchen.“, flüstert er und weicht zurück. Völlig perplex starre ich in die Richtung und als ich die Umrisse des Mädchens erkenne, bleibt mir das Herz in der Brust für einen kurzen Moment stehen. Tatsächlich. Auf der anderen Seite steht eine kleine Person mit langen zerzausten Haaren und einem Bär in der Hand. Könnte ein Mädchen sein. „Denkst du das ist eine Attrappe um uns aus unserem Versteck zu locken?“
„Ich weiss es nicht.“, erwidert er leise und geht rückwärts auf die Wand zu. Es ist lange her, seit wir ein Mädchen gesehen haben, die meisten wurden vor einem Jahr von den selbsternannten Göttern verschleppt. Ich lege die Stirn in Falten. Es könnte wirklich eine Attrappe sein. „Vielleicht sollten wir…“ „Hallo. Hört mich jemand?“
Okay. Es ist definitiv ein Mädchen. Ich werfe einen Blick zu meinem Bruder, der mit geweiteten Augen zusammengekauert an der Wand lehnt und sichtlich nervös wirkt. „Ich weiss nicht, ob das so eine gute Idee ist.“, mahnt er mich, als hätte er meine Gedanken gelesen, aber ich kann nicht anders und antworte. „Ja, wir sind hier. Wer bist du?“
„Mona“
„Okay Mona, willst du zu uns herüberkommen?“
„Ich halte das für eine gute Idee, Chris.“, appelliert Sam abermals aber ich ignoriere ihn.
„Mona, willst du zu uns rüberkommen? Hier bist du sicher.“
„Ich weiss nicht.“ Die Stimme des Mädchens klingt zurückhaltend, schüchtern, aber aus irgendeinem Grund will ich nicht lockerlassen. Ich will mich vergewissern, dass dort wirklich ein Mädchen steht und das nicht irgendein Hirngespinst ist. Zur Sicherheit kneife ich mir in den Arm und Autsch, ich träume definitiv nicht.
„Wir wollen dir nichts Böses, Mona. Du kannst uns vertrauen.“
„Okay.“, schnieft das Mädchen und ich sehe, wie sie sich langsam auf uns zubewegt. Ich lehne mich kurz über das Gleis und schaue nach links und rechts, in der Hoffnung, dass die U-Bahn gerade nicht herangerollt kommt. Dann hüpfe ich von unserem Versteck herunter und gehe auf das Mädchen zu. Sie bleibt kurz stehen und lässt den Teddy aus ihrer Hand fallen. Wahrscheinlich hat sie Angst, aber ich darf jetzt nicht zögern. Hektisch sprinte ich auf sie zu, obwohl das nicht nötig gewesen wäre, denn sie bleibt wie angewurzelt stehen. Als uns nur noch wenige Schritte trennen, hallt plötzlich eine laute markdurchdringende Autohupe  durch die U-Bahnstation und ich spüre wie mir automatisch das Blut in den Adern gefriert. Verdammt. Verdammt, verdammt! Aus der Ferne erkenne ich wie ein paar Männer die mit Taschenlampen auf uns zu gerannt kommen. Direkt hinter ihnen rollt ein riesiger roter mit Warnlichtern beleuchteter Container über den nassen Asphalt. Das Quietschen von den metallenen Rädern auf den Gleisen zerreisst mir beinahe das Trommelfell, aber obwohl ich weiss, dass ich fliehen muss, bleibe ich an Ort und Stelle stehen und starre in das rot-blau leuchtende Licht der Sirene auf dem Menschentransporter. Bedrohliche Schatten tanzen an den Wänden des Tunnels und die Station verwandelt sich in die Hölle auf Erden. Scheisse.
„Chris!“, höre ich meinen Bruder schreien, aber ich kann mich immer noch nicht rühren, zu sehr bin ich von dem Licht und dem bevorstehenden Ende paralysiert. Es ist, als wäre Blei in meine Blutbahn gegossen worden und mein kompletter Körper fühlt sich viel zu träge und zu schwer zum Weglaufen an. Die Männer kommen immer näher und das Licht ihrer grellen Taschenlampen brennt auf meiner Netzhaut. Das ist mein Ende. Ich spüre, wie etwas an meinem Ellbogen zieht, aber es ist zu spät. Ein Schuss erklingt.

Meine Schulter tut weh. Höllisch weh. Was ist passiert? Benommen öffne ich meine Augenlider und die Kulisse, die sich mir bietet, lässt mir den Mund offenstehen. Wo bin ich? Ist das der Himmel? Vor mir erstreckt sich ein riesiger Garten mit einem saftigen grünen Rasen der links und rechts von farbenprächtigen Blumenbeeten eingerahmt wird. In der Mitte des Rasens ist ein Springbrunnen auf dem ein riesiger steinerner Schwan thront und Wasser aus seinem Schnabel in die Luft spritzt. Das kann doch nicht echt sein. Reflexartig will ich mir mit meinem Handballen über die Augenlider reiben, aber es geht nicht. Meine Handgelenke sind festgemacht. Ich blicke an mir herunter und stelle panisch fest, dass ich auf einer an die Wand fest getackerten aufrecht gestellten Liege festgebunden bin. Meine Hand- sowie Fussgelenke sind mit metallischen Fesseln versehen und ich bin nackt. Zum ersten Mal stelle ich fest, wie ausgemergelt mein Körper ist. Meine Rippen stechen unter der dünnen, bleichgewordenen Haut hervor und mein Bauch wirkt eingefallen. Auch der Rest von mir ist knochig und verschmutzt. Blut tropft von meiner Schulter über meine Brust und bahnt sich seinen Weg über meinem Oberschenkel hinunter zu meinem Knöchel bis es schlussendlich auf den Boden tropft und dort eine kleine Pfütze bildet. Das kann nicht der Himmel sein. Das ist die Hölle.

In dem Moment höre ich die Klinke einer Tür und als ich meinen Kopf in die Richtung des Geräuschs richte, sehe ich den Teufel in den Garten Edens eintreten. Ein grosser Mann mit breiten Schultern und massgeschneiderten Anzug stolziert auf mich zu. Seine grauen Haare sind perfekt frisiert und passen zu dem kleinen grauen Bockbärtchen auf seinem Kinn. Seine eisblauen Augen, von denen das rechte mit einem goldenen Monokel versehen ist, verleihen ihm einen leicht aristokratischen Touch und die dunklen dichten Augenbrauen lassen den Mann autoritär wirken. Ich spüre wie etwas Warmes mein Bein hinunterläuft und ohne hinzusehen, weiss ich, was es ist.
Der Mann mustert mich mit einem abschätzigen Blick und geht vor mir in die Hocke. „Das ist aber widerlich. Ich hoffe, sie schämen sich.“ Seine Stimme ist tief und obwohl sein Gesichtsausdruck zornig wirkt, klingt sein Tonfall leicht amüsiert.
„Wo bin ich?“, frage ich panisch und spüre, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln. „Wo ist Sam?!“
Der Mann richtet sich wieder auf und schenkt mir ein triumphierendes Lächeln. „Wer ist Sam?“
„Mein Bruder!“
„Ah! Ich kenne keinen Sam.“ Sein Grinsen wird breiter. Ich stemme mich gegen meine Fesseln und fange an zu schreien. Die Wunde in meiner Schulter brennt. Der Schmerz frisst sich in mein Fleisch und ich beisse mir auf die Lippen. Verdammt tut das weh. Der Mann beobachtet mich amüsiert und fingert an seinem Monokel herum. Zu gerne hätte ich ihm eine reingehauen. Wer ist er? Und wo zum Teufel bin ich? Wo ist Sam,…
„Sehr schön, ein sehr lebhaftes Exemplar!“ keucht der Mann fröhlich und klatscht in die Hände. „So hab ich sie am liebsten!“
Verwirrt starre ich ihn an und zwinge mich ruhig zu sein. Zwanghaft versuche ich meine Muskeln zu lockern, bis mein Körper wieder leblos in den Fesseln hängt. Automatisch lässt der Schmerz in der Schulter nach und ich bin dankbar. Ich atme langsam ein und aus. „Wo ist Sam?“, wiederhole ich nochmals und wieder fängt der Mann an zu grinsen.
„Sam, Sam, Sam, Sam,…. Sam, Sam,… Sam,… Wo ist Sam?“, äfft er mich nach. Ist das sein Ernst? Für diesen Wichser scheint das Ganze hier unglaublich lustig zu sein. Ehe ich etwas erwidern kann, drückt er seinen Finger blitzschnell wie ein Wiesel in meine Wunde. Ich schreie schmerzhaft auf. Die Schmerzwelle zischt durch meinen Körper bis in meinen kleinen Zeh und wieder muss ich Wasser lassen. Amüsiert bohrt der Kerl weiter in meiner Wunde herum und bewundert mit glänzenden Augen das Spektakel, das sich ihm bietet. Ich muss aufhören. Ich muss aufhören! Ihm gefällt das viel zu sehr. Mit aller Kraft beisse ich mir auf die Unterlippe und versuche den Schmerz hinunterzuschlucken. Nicht schreien. Blut läuft in und aus meinem Mund, tropft von meinem Kinn und der Schmerz von der Schulter wandert hoch in mein Gesicht. Ich ziehe scharf die Luft ein und halte den Atem an.
„Bemerkenswert.“ , japst der Mann fröhlich und zieht den Finger wieder aus meiner Wunde. Dann begutachtet er mich erneut. Ich nutze den Moment, um einmal kräftig auszuatmen, in der Erwartung gleich wieder seinen Finger in mir zu spüren, aber der Mann lächelt nur verschmitzt, dreht sich um und geht auf die Tür, aus der er gekommen ist, zu. „Möchten Sie einen Kakao?“ 
„Was?!“
Ohne ein weiteres Wort, drückt  er die Klinke herunter und verschwindet aus dem Garten. Was zum Teufel soll das? Vielleicht ist das hier doch die Hölle und dieser Kerl ist ein Dämon, der mich bis an mein verdammtes Lebensende foltern wird. Ich schüttle den Kopf. Nein. Das ist doch absurd. So etwas wie ein Himmel und eine Hölle gibt es nicht. Wobei,… ich schaue mich nochmals im Garten um. Das kann einfach nicht sein. Das kann nicht der Garten Eden sein. Die selbsternannten Götter haben mich geholt. Das muss ihr Imperium sein. Aber auf der Erde existieren keine Pflanzen mehr, das ergibt einfach alles keinen Sinn. Ich lecke mir mit der Zunge über meine ramponierte Unterlippe. Sie ist geschwollen und schmeckt blutig, aber es ist nicht so schlimm, wie vermutet. Rede ich mir zumindest ein. Dann zwinge ich mich, die Wunde auf meiner Schulter genauer anzusehen. Ein mittelgrosses Loch. Scheint ein gezielter Schuss gewesen zu sein. Kein lebenswichtiges Organ verletzt, zumindest nicht die Lunge. Der Schuss ist glatt durch mich durch. Wahrscheinlich. Damit kenne ich mich nicht aus, aber es tut höllisch weh und sieht leicht entzündet aus.

Die Tür geht wieder auf und ich höre, wie etwas hineingerollt wird. Und obwohl ich nicht hinsehen will, bringt mich die Neugier dazu, es doch zu tun. Verdammt. Der Mann rollt eine Liege herein auf der ein Mensch gefesselt ist, so wie ich. Ebenfalls nackt. Neben dem Mann erkenne ich das kleine Mädchen mit den zerzausten Haaren und dem Bär. Es hält sich am Hosenbein des Mannes fest und nuckelt an ihrem Finger. Als die beiden vor mir zum Stehen kommen, werfe ich einen Blick auf die Liege und… „Du verdammter Mistkerl“, knurre ich und reisse an den Handfesseln. Dabei ritze ich mir die Haut etwas auf, aber das ist mir egal. Sam liegt ausgebreitet auf der Liege, den Kopf von mir weggedreht. Seine länglichen braunen Haare hängen ihm ins Gesicht und verbergen seine Züge. Verzweifelt kleben meine Augen auf seiner Brust, in der Hoffnung, ihn atmen zu sehen. „Ich habe Sam gefunden.“, verkündet der Mann euphorisch. Beim Anblick meines Bruders auf der Liege und dem selbstgefälligen Grinsen des Mannes wird mir speiübel und am liebsten hätte ich dem Bastard direkt ins Gesicht gekotzt.

„Lebt er noch?“, frage ich, keine vernünftige Antwort erhoffend. Für einen kurzen Moment bilde ich mir ein, eine Regung von Sam gesehen zu haben, aber ich könnte mich auch täuschen. „Wollen wir es herausfinden?“, meint der Mann und ich nicke wie ein hirnloser Wackeldackel, nicht bedacht, was für Konsequenzen mein Nicken haben könnte. Ich wollte einfach nur wissen, ob er noch lebt. Erst als die erste Faust auf das Gesicht meines Bruders einschlägt, merke ich, was für einen fatalen Fehler ich gemacht habe. Eine weitere Faust donnert auf die Schläfe von Sam. Und eine weitere in seinen Bauch. Sam rührt sich nicht. Tränen laufen über mein Gesicht.
„Scheint so, als wäre Sam nicht so lebhaft wie sie. Schade. Er langweilt mich.“ Um seine Aussage zu bekräftigen, gähnt der Mann einmal herzhaft.
„Bist du ein Dämon?!“ Ich brülle den Mann regelrecht an. „Du verdammter Scheisskerl! Was bist du?!“
„Ein Dämon?“ Der Mann lacht amüsiert, hält sich den Bauch und wischt sich eine Träne aus den Augen. „Was bringt sie zur der Annahme, dass ich ein Geschöpf des Teufels bin?“
„Kein normaler Mensch würde so etwas tun.“,
 fauche ich und starre meinen toten Bruder an. „Was hast du mit ihm angestellt?“
„Nichts.“
 Er  zuckt mit den Achseln und schaut zu dem Mädchen, das immer noch an seinem Hosenbein klebt hinunter. „Hast du Hunger, mein Schatz?“
Das Mädchen nickt und befördert ihren Daumen weiter hinein in ihren Mund. „Meine Tochter hat Hunger.“ Der Mann sieht mich an, leckt sich über die Lippen und knöpft sein Hemd auf. Zum Vorschein kommt ein weisses Shirt auf der eine Ananas abgebildet ist. Darauf der Slogan: „Ananas-Entreprise – Zeitreisen, wir erforschen die Zukunft.“
„Papa hat auch Hunger.“
Was zum…Bitte nicht. „Ich will einen Kakao.“, platzt es aus mir heraus. Die linke Augenbraue des Mannes ragt überrascht in die Höhe. „Der Kakao! Wo sind meine Manieren. Da habe ich so verzweifelt nach ihrem Bruder gesucht, dass ich Ihren Kakao ganz vergessen habe. Lämmchen, Papa holt dem Mann kurz einen Kakao, du wartest hier und bist brav, ja?“ Der Mann geht kurz in die Knie und drückt seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn, dann verlässt er kopfschüttelnd und ein paar Mal Kakao vor sich her fluchend den Garten. Ich hätte nicht gedacht, dass das funktionieren würde. „Sam?“, flüstere ich. Als keine Reaktion kommt, wiederhole ich etwas lauter. „Sam!?“ Aber wieder keine Reaktion. Vielleicht ist er wirklich tot. Oder bewusstlos. Es könnte sein, dass der Kerl ihm etwas verabreicht hat. „Sam!!!“ Er regt sich nicht, verharrt immer noch in der gleichen Position, wie er hereingerollt worden ist. Verdammt. Das Mädchen zwängt sich in mein Blickfeld und starrt mich immer noch mit dem Daumen im Mund an. „Verpiss dich du Balg!“, gifte ich sie an. Daraufhin nimmt das Gör ihren Daumen aus dem Mund und zeigt mir ihrem Mittelfinger auf mich. „Was?!“ Leicht gereizt stemme ich mich gegen die Fesseln. „Sam, wach auf! Man, wir müssen hier weg.“ Auch wenn ich keine Ahnung habe wie, ergänze ich in meinen Gedanken. Irgendwie. Hauptsache hier weg. Ich will nicht als das Futter von dem Mistkerl enden. „Du bist nackig!“, stellt das Mädchen lächelnd fest und zeigt mir ihrem Finger direkt auf mein Glied.
„No Shit, Sherlock und jetzt verpiss dich.“
Ihre Mundwinkel fallen nach unten und sie zieht den Zeigefinger wieder ein. Dann schaut sie grimmig zu mir hoch und rollt ihren kleinen Mittelfinger aus. Das Kind zeigt mir jetzt nicht wirklich ihren verdammten Mittelfinger. „Du verdammtes Gör!“
In dem Moment öffnet sich die Tür und der Mann kommt mit einer dampfenden Tasse ausgerüstet wieder herein. „Na Schatz, warst du ganz brav?“, flötet er und tänzelt zu uns herüber. Das Mädchen versteckt ihre Hand hinter ihrem Rücken und nickt unschuldig, als ihr Papa neben sie tretet. „Braves Mädchen.“ Der Mann tätschelt ihren Kopf, stellt sich dann vor mich hin und hebt sie Tasse an meine Lippen. Der Duft von heissem frischem Kakao steigt mir in die Nase. Wo zum Teufel hat er den Kakao her,… und die Milch. Das ist doch nicht möglich. Angewidert drehe ich den Kopf weg. Das kann alles nicht wahr sein.
„Doch keinen Kakao? Schade.“ Er dreht die Tasse über meiner Brust auf den Kopf und die heisse Brühe läuft über meinen Körper. Ich schreie vor Schmerz auf, als der Kakao meine Haut droht zu verbrennen und als die Flüssigkeit über meinen Schritt tropft, hätte ich am liebsten losgeheult wie ein Baby. „Also dann, wollen wir essen. Hast du deine Zahnspange Schatz?“
Das Mädchen schüttelt mit dem Kopf und der Mann zieht die Stirn in Falten. „Nicht? Hmm.. Ohh.. Hier ist sie.“ Er zieht mit Schwung etwas Metallisches aus seiner Hosentasche und reicht es seiner Tochter. Es sieht so aus wie eine Art Hundegebiss. Spitze Zahnaufsätze, zum Reissen von Fleisch. Sowas habe ich noch nie gesehen. Das Mädchen montiert die Zahnspange und der Mann holt eine weitere aus seiner anderen Hosentasche und tut es ihr nach. Zufrieden lächelt er mich an. „Wir essen nicht so gern mit Gabel und Messer, stimmt’s Schatz?“, lispelt er und das Mädchen strahlt und entblösst dabei ihr neues metallisches Gebiss. Sie sieht aus, als hätte sie sich für einen Halloweenkostümball zurecht gemacht. Ohne ein weiteres Wort versammeln sich die beiden um die Liege meines Bruders. Der Mann hebt seine Tochter hoch und platziert sie auf dem Bauch meines Bruders. Ohne irgendein Kommando presst sie ihren Mund gegen die Brust von Sam. Man hört die metallischen Zähne knirschen und das Schmatzgeräusch, das sie von sich gibt, treibt mir die Galle in die Speiseröhre. „NEIIIIINN!!!“, brülle ich und spüre, wie mir die Tränen die Sicht nehmen. „AUFHÖREN!! VERDAMMTE SCHEISSE!!!“ Ich bilde mir ein das Reissen von Haut und Fleisch zu hören und hätte mir am liebsten die Ohren vom Schädel gerissen und sie mit meinen Augen in den Mund gestopft und hinuntergeschluckt. Sam…. Nein!!! Der Mann lehnt sich nun ebenfalls über meinen Bruder und versenkt seine Zähne in seinem Oberschenkel. Ich kann nicht hinsehen. Muss meine Augen schliessen, aber ich kann das Schmatzen immer noch hören. Nein. Bitte. Ich höre, wie sich meine Schreie mit dem Schmatzen vermischen und ein morbides Orchester zusammen bilden. Ich presse meine Lider fester zusammen, versuche auszublenden, was gerade geschieht. Hoffnungslos. „FRESST LIEBER MICH!!“, fordere ich sie auf, aber sie hören nicht auf zu essen. Ich höre sie noch immer, ich höre wie das Blut über die Liege tropft, wie ihre Münder sich an meinem Bruder laben, wie das Mädchen kichert und der Vater vor Erregung stöhnt. Nein. Mit aller Wucht schlage ich meinen Kopf gegen meine Liege. Wieder und wieder, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Plötzlich verliere ich das Bewusstsein.

Wo bin ich? Mein Schädel brummt und tut höllisch weh. Langsam öffne ich die Augen und finde mich gefesselt auf einem Rollstuhl wieder. Habe ich mir das alles nur eingebildet? Hastig suche ich die Umgebung ab. Ich bin in einer Art Bunker. Links und rechts von mir Metallwände. Vor mir eine Tür mit einem Riegel davor. Anders als zuvor sind meine Handgelenke mit Seil zusammen gebunden. Mein Unterkörper ist am Rollstuhl ebenfalls mit Seil befestigt. Die Fussgelenke sind zusammengeschnürt. Mit einem Ruck reisse ich an den Fesseln, aber sie lassen nicht nach. Ich versuche es wieder, keine Chance, das Seil frisst sich nur tiefer in meine Haut hinein. Mit einem Seufzen lasse ich meinen Kopf auf meine Brust fallen. Haben Sie Sam wirklich gefressen? Vor meinen Augen? Bin ich der nächste? Ich höre ein leises Summen hinter meinem Rücken, dann eine warme Hand auf meiner nackten Schulter, ein Finger der sich wieder in meine Wunde bohrt. Ich schreie, reisse die Augen auf und starre direkt in das blutbesudelte grinsende Gesicht des Mannes. „Hallo! Gut geschlafen? Sie haben das Festmahl verpasst. Ich hätte ihnen gerne was abgegeben. Moment. Hier hab ich noch ein Stück.“ Ehe ich reagieren kann, schiebt der Mann ein Stück Fleisch in meinen leicht geöffneten Mund, drückt seine Handfläche gegen meine Lippen und mit der anderen Hand hält er meine Nase zu. Nicht in der Lage das Fleisch auszuspucken und zu atmen, ringe ich nach Luft und versuche meinen Kopf auf seinem Handgriff  zu ziehen. Vergebens. „Schlucken Sie es herunter.“, befiehlt er und verstärkt der Druck seiner Hand an meinem Mund. Ich will nicht. Abermals schiessen mir Tränen in die Augen. Ich will meinen Bruder nicht fressen. Nein. „Es schmeckt so lecker.“ Als ich kurz davor bin zu ersticken, versuche ich in die Hand des Mannes zu beissen, aber er schüttelt den Kopf und bricht mir beinahe das Kinn. Ich will nicht. Ich spüre, wie mein Herz in meiner Brust anfängt zu wie wild zu schlagen. Es fühlt sich an, als würde mein Brustkorb gleich platzen. Ich kann meinen Bruder doch nicht essen. Nicht Sam. Aber ich bin zu schwach, mich zu widersetzen. Mit hektischen Bissen verkleinere ich das Stück und schlucke es hinunter. Zufrieden lässt der Mann mein Gesicht los.
„Yammi, yammi!“
Ich bin mir den Geschmack von Menschenfleisch mittlerweile gewöhnt, aber meinen eigenen Bruder zu essen… mit Wucht dreht es mir den Magen um und ich übergebe mich auf meinen Schoss. Ich traue mich nicht, den Klumpen Fleisch, den ich gerade ausgekotzt habe, anzusehen und zwinge mich den Mann und seine selbstgefällig grinsende Visage anzusehen.
„Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, man nennt mich das Schaf. Ich bin der Kopf der Ananas-Entreprise. Mir gehört das alles hier. Das ist mein Reich und sie sind nun eins meiner Lämmchen. Wollen sie mir ihren Namen verraten?“
„Niemals, du Arschloch!“,
 knurre ich und spucke ihm ins Gesicht. Er wischt sich die Spucke von seiner Wange und schenkt mir ein mitfühlendes Lächeln. „Sie sind so ein widerspenstiges Lämmchen. Vielleicht wollen sie mir ihren Namen verraten, wenn sie sehen, was sie alles hier erwarten wird. Bereit für eine kleine Führung?“ Er zwinkert mir zu, geht einmal um mich rum und fängt an meinen Rollstuhl zu schieben. „Los geht’s.“
Zielstrebig rollt er mich auf die Tür zu und klopft dreimal dagegen und ein Mann mit schwarzer Weste öffnet sie von der anderen Seite. Die beiden begrüssen sich kurz. Als der Mann mit der schwarzen Weste uns den Weg frei macht, offenbart sich mir eine Kulisse, die man sonst nur aus Schlachthöfen kennt. Rechts von uns sind Kadaver von jungen Mädchen und Frauen an einem Haken aufgespiesst. Ihre Glieder hängen leblos vom nackten Korpus und die Gesichter starren schmerzverzerrt mit weit aufgerissenen Augen auf uns hinab. Links von uns sind mehrere Käfige aufeinander gereiht, vollgestopft mit sich noch immer bewegenden, windenden und flehenden Menschen eingequetscht auf engstem Raum. Einer der Käfige ist an der Decke befestigt und undefinierbare Flüssigkeiten tropfen in einen Auffangbehälter unter dem Käfig. Es riecht nach einem Gemisch aus Blut, Schweiss, Exkrementen und Pisse. Der Mann, der sich das Schaf nennt, rollt mich fröhlich vor sich hin summend weiter zu einem Fliessband, wo diverse abgehackte Körperteile maschinell in Folie eingewickelt und beschriftet werden. Ich sacke tiefer in meinem Rollstuhl zusammen und kann nicht glauben, was meine Augen sehen. In meinem Bauch tobt ein Krieg und die Angst vermischt sich mit einem Gefühl, was ich versuche zwanghaft auszublenden. Verzweiflung. Das ist die Menschheit. Das ist die Menschheit in all ihrer Abscheulichkeit. Das ist aus uns geworden und ich kann es nicht fassen. Schon gar nicht will ich Teil von all dem hier sein. Wie haben wir so tief fallen können?
Das Schaf bleibt kurz stehen, schmiegt seine Wangen an meine und flüstert leise. „Faszinierend, nicht wahr?“ Ich schlucke und wage es nicht, irgendetwas zu sagen. Schweigend lasse ich mich weiter durch die Gänge führen. Vorbei an einer Glaswand, hinter denen ich die Männer mit den schwarzen Westen unschuldige Mädchen und Frauen ficken sehe, auf eine Art und Weise, wie man keine Frau ficken sollte. Ich versuche das Wimmern und die Schreie auszublenden, versuche nicht in die hilflosen gebrochenen Gesichter zu sehen, die ins Nichts starren und darauf warten, dass es endlich vorbei ist. „Die jungen Frauen schmecken am besten, viele mögen es, sie zu ficken, bevor sie sie verspeisen. Kostet aber natürlich extra.“ Er kichert leise und  rollt mich in einen weiteren Raum, hier das gleiche Szenario, fickende Männer, schreiende Mädchen. „Diese hier werden nicht gefressen, diese hier werden für die Fortpflanzung  und Züchtung gebraucht. Der nächste Raum ist die Entbindungsstation, da werden die Babys aussortiert. Haben Sie schon mal einen Frischling gefressen? Schmeckt vorzüglich, glauben Sie mir!“
Er fährt an der Entbindungsstation vorbei und stellt meinen Rollstuhl neben einem leeren Käfig ab. „Ich bin gleich wieder da. Nicht wegrollen, ja?“ Grinsend stolziert er zurück zur Entbindungsstation und lässt mich stehen. Als die Luft sicher ist, wird mir eine Tatsache bewusst. Bewusster als je zuvor. Ich muss so schnell wie möglich hier raus. Mit Schwung versuche ich meinen Rollstuhl wegzuschieben, ramme meinen Körper gegen die Fesseln, links, rechts, vor, zurück. Aber der Rollstuhl bewegt sich nicht. Egal, was ich tue. Keinen Millimeter komme ich vom Fleck. Nein. Ein Schleifgeräusch hinter meinem Rücken lässt mich innehalten. Dann ein Wimmern. Ich drehe meinen Kopf in Richtung des Geräusches und erblicke einen Mann mit schwarzer Weste und entblösstem Unterkörper, der ein junges nacktes Mädchen an ihren braunen langen Haaren über den Boden schleift. Sie wehrt sich nicht. Lässt es einfach geschehen. Er nickt mir kurz zu, als er an mir vorbeiläuft und befördert das Mädchen unsanft in den Käfig neben mir. Mit ein paar Handgriffen verschliesst er die Metalltür und verzieht sich dann fröhlich vor sich hin pfeifend in die Richtung aus der er gekommen ist. Ich starre perplex das Mädchen an, beobachte, wie sie sich in eine Ecke kauert und ihre Knie an ihren geschundenen Körper zieht. Ihr ist mein Blick nicht entgangen. Mit traurigen Augen sieht sie mich an. Ihr ganzer Körper zittert wie Espenlaub und es reisst mir beinahe das Herz aus der Brust, so Leid tut sie mir. Das ist unmenschlich. „Alles wird gut.“, versuche ich sie irgendwie zu trösten, auch wenn ich mir selbst nicht glaube und mir dabei unheimlich dumm vorkomme. Ihre Lippen formen ein lautloses „Hilf mir“.  Wie kann man das einem Mädchen nur antun….
Als ich meinen Blick abwende, schäme ich mich, ihr nicht helfen zu können. Ich weiss nicht einmal, was meine Rolle hier ist, ich weiss nicht, warum das Schaf meinen Bruder gefressen hat und ich weiss nicht, warum er mich hier festhält. Ich verstehe absolut rein gar nichts. Aber das Schaf hat mich gebrochen. „Ich will sterben…“ Die leise Stimme des Mädchens erschüttert mich bis ins Mark. „Ich will einfach nur noch sterben. Es tut so weh,… ich fühle mich so schmutzig. Es soll aufhören. Ich will sterben….warum ich… warum passiert mir das? Habe ich etwas falsch gemacht?“
Ihr Kopf ist eingebettet zwischen ihren Knien und ihrer Brust. Am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen und getröstet, auch wenn ich weiss, dass sie das garantiert in dem Moment nicht wollen würde.
Das Schaf taucht wieder neben mir auf und tritt einmal gegen den Käfig. Das Mädchen schreckt überrascht auf und drückt ihren Körper fester gegen die Gitterstäbe. Das Schaf lacht. „Sie jammern immer so viel! Deswegen bevorzuge ich so schöne Männer, wie sie einer sind.“ Schlagartig bleibt mir die Spucke im Hals stecken und muss husten. „Was?“
„Na was denken Sie, wieso ich Sie noch nicht gefressen habe.“ Bevor ich irgendetwas dazu erwidern kann, holt er einen Knebel hinter seinem Rücken hervor und befestigt ihn an meinem Mund. „So und ab geht’s in den nächsten Raum und danach kann unser kleines Abenteuer endlich losgehen. Freuen Sie sich auch so sehr wie ich?“ Er nimmt meinen Kopf zwischen seine Hände und drückt ihn hoch und runter. Dieser Mistkerl, was zum verfluchten Teufel hat er mit mir vor?
„Zappeln sie nicht so sehr, wird Zeit, dass sie etwas ruhiger werden. Bald haben wir es geschafft!“  Er begibt sich wieder hinter meinem Rollstuhl und führt mich in den nächsten Raum. Anders als die anderen Räume strahlt dieser in einem sterilen weiss. In der Mitte des Raumes thront eine riesige Ananas, so gross wie ein U-Boot. Hätte das Schaf meinen Mund nicht mit einem Knebel versehen, würde er jetzt garantiert offen stehen. „Das mein schöner namenloser Freund ist die Ananas-Entreprise. Die erste funktionierende Zeitmaschine der Menschheit. Ich persönlich habe sie erschaffen. Mit dieser Maschine kann man in die Zukunft, in die Gegenwart und in die Vergangenheit reisen. Mit dieser fantastischen Ananas ist man zeitlos und die ganze Welt steht einem offen! Soll ich Ihnen verraten, was ich getan habe?  Ich habe diese Ananas erschaffen, um in ihre Zeit zu reisen. In meiner Zeit ist es verboten Menschen zu verspeisen, dafür kriegt man die Todesstrafe und was soll ich sagen, ich speise gerne exklusiv und ich wollte ungern mein Leben lang auf diesen Luxus verzichten. Also hatte ich den brillianten Plan in ihre Zeit zu reisen und mein eigenes Imperium aufzurichten. Ich habe alles, was hier gebraucht wird Ich kann beliebig Dinge aus anderen Zeiten hier herholen, ich bin Gott….“

„Chris? Wach auf!“
Ich spüre eine warme Hand auf meinem Oberarm, dann ein Stechen. „Hey Autsch! Das tut weh.“ Total verwirrt reisse ich meine Augen auf und schaue in das Gesicht meines Zwillingsbruders. „Sam… was ist passiert?“
„Du hast mal wieder den kompletten Matheunterricht verschlafen.“

„Echt? Alter, ich hatte gerade einen verdammt abgefuckten Traum. Wir waren beide erwachsen und die Apokalypse ist ausgebrochen, Menschen haben Menschen gefressen und du warst tot und da war dieser Kerl, der sich….“
Die Tür vom Klassenzimmer öffnet sich und ein Mann mit grauen Haaren und einem massgeschneiderten Anzug betritt den Raum und steuert zielstrebig auf die Wandtafel zu. „Hallo Kinder, ich bin Herr Schaf, euer neuer Aushilfslehrer.

 

In Zusammenarbeit mit:

Der Stalker

Cronoid

Swen

KaitosCreeps

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