KurzOrtschaften

Der Gestank

New York ist eine beeindruckende Stadt. Die vielen Menschen und die Gebäude die bis in den Himmel zu ragen scheinen. Laut, voll und bunt. Ja die Stadt auch ihre dunklen Flecken, aber die hat fast jede große Stadt.

Wenn Menschen eine Wohnung in New York suchen, dann bin ich eine der vielen Makler, an die sich Suchende wenden. Aber ich bin einer von den Guten. Ich bin keiner dieser Makler ohne Moral, die auch das letzte Drecksloch als Palast eines Prinzen anpreisen. Ehrlichkeit hilft auch gute Objekte zu verkaufen. Man hat danach ein gutes Gewissen und Geld auf dem Konto. Also eine Win-win Situation für mich.

Es gab momentan eine Wohnung die unter Maklern als absoluter Problemfall galt. Kein anderer von meinen Konkurrenten hat sich an das Objekt getraut. Sie stand schon eine ganze Weile leer. Mich wunderte es. Sie war nicht in einer der Problem Gegenden. Ich beschloss sie mir wenigstens einmal anzusehen.

In der Straße angekommen machte ich mich auf in den dritten Stock der Wohnanlage. Ich öffnete die Wohnungstür und fand eine ordentliche Wohnung vor.

Doch schnell bohrte sich ein fürchterlicher Gestank in meine Nase. Es stank nach verbranntem Fleisch. So etwas widerwärtiges hatte ich noch nie gerochen. Mir schnürte sich der Hals zu und ich spürte eine Säure in mir aufsteigen. Schnell rannte ich in das Bad um mich zu übergeben.

Doch ich war verwundert. Mir war von einem Brand oder ähnliches nichts bekannt. Was sollte ich nun mit der Wohnung anfangen? Kein Mensch würde diese Wohnung kaufen. Dann kam mir plötzlich eine gerissene Idee, die mir etwas Angst machte, denn sie hätte auch vom skrupellosesten Makler von ganz New York kommen können.

Zwei Tage später warb man in den Zeitungen für die Wohnung. Als symbolischer Preis hatte ich einen Dollar angesetzt. Ich bewarb es speziell für Obdachlose.

Kurz darauf fand sich auch ein Interessent. Selbst für die meisten Obdachlosen war das Angebot suspekt. Ich machte mit ihm ein Termin aus um die Wohnung zu besichtigen. Ich hatte mir diesmal ein Tuch um meinen Mund gebunden um diesen Gestank auszuhalten. Der Obdachlose kam und wir gingen in die Wohnung. Ich rechnete damit, das ihm schlecht wird, doch dem war nicht so.

Der Mann lief ganz normal in der Wohnung. Hatte er kein Geruchssinn? Verwundert zeigte ich ihm alle Räume und als wir mit der Besichtigung fertig waren, drehte der Obdachlose sich zu mir. “Ich nehme die Wohnung, aber mit einer Bedingung. Ich gebe ihnen das hier und sie müssen heute hier übernachten, dann ziehe ich morgen ein.”, der Mann zog eine Schachtel aus seiner Jackentasche und gab sie mir. Ich öffnete sie etwas verdutzt über die Situation. Es war ein wunderschöner Ring. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Der Ring wirkte sehr wertvoll. Ich verlangte doch nur einen Dollar. Warum gab mir der Mann diesen Ring? In diesem Moment vergaß ich den Gestank und ich willigte ein. Der Mann lächelte und verschwand.

Nun sitze ich spät in der Nacht in der Wohnung. Der Gestank wird jede Sekunde schlimmer. Die Flammen steigen schon aus dem Boden empor und beginnen mich aufzufressen. Es ist zu spät, ich kann ihnen nicht mehr entkommen. Der Gestank, endlich habe ich ihn verstanden. Ich habe meinen eigenen Tod gerochen.

Bewertung: 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 1

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Ähnliche Artikel

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Überprüfen Sie auch
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"