KreaturenKurz

Der kauzige Tod

:,, Weißt du mein Freund-” Ich sah den jungen Mann neben mir am Tresen aufmerksam an. Er wusste noch nichts davon, das er mich gleich auf meinem Weg begleiten würde. :,, Du hast dein ganzes Leben vergeudet. Seh dich doch nur einmal an, du bist in der Blüte deines Lebens und dennoch gibst du nur dieses traurige Bild ab.” ich deutete auf ihn und taxierte ihn dabei genauestens. Mein Gegenüber sah mich verständnislos ja, gar beleidigt an. :,, Was bildest du dir überhaupt ein? Und wer bist du überhaupt?” Ich lächelte sanft und nahm einen Schluck von meinem Bourbon. Danach sah ich ihn direkt in die Augen und antwortete mit wohl modulierter Stimme :,, Ich? Ich bilde mir überhaupt nichts ein. Wer ich bin?” Ich fasste mir nachdenklich ans Kinn. :,, Die einen nennen mich Unhold, die anderen bezeichnen mich als ewigwährendes gefräßiges Monster.” Der junge Mann strich sich unbewusst eine fettige Strähnen seines schulterlangen Haares aus der Stirn und sah mich verwirrt an. :,, Du bist mir vielleicht ein seltsamer Kauz!” Ich seufzte. Es war doch immer wieder das gleiche mit diesen Menschen. Sie wollten einfach nicht verstehen. Gerade die jungen warfen ihr Leben immer so achtlos weg. Dieser Mann hier bildete da keine Ausnahme. Er war Mitte 20, vom Alkohol und Drogenkonsum aber schon so abgezehrt das er wie Mitte 40 wirkte. Wenn nicht sogar älter. Dabei hatte er wirklich etwas im Kopf, er hatte Jura studiert aber leider nie etwas daraus gemacht. :,, Gut, wenn du es wirklich wissen möchtest, begleite mich ein Stück.” Ich trank aus, bezahlte, stand auf und sah ihn wartend an. Zu meiner Überraschung erhob sich der angesprochene sofort. :,, Wo soll es denn hin gehen?” Ich warf mir mein Jacket über :,, Das wirst du noch sehen.” Alsdann setzte ich mich wie gewohnt in Bewegung. Wir verließen die Bar, gingen ein paar Straßenzüge gen Fluß schweigend nebeneinander her. Am Fluß angekommen, sah er mich schließlich fragend an. :,,Jetzt erzähle schon, wer bist du?” Ich sah ihn

mittleidig an, er hätte ja so viel aus sich machen können, aber was nun einmal sein musste, musste eben sein. Er bemerkte den fremden hinter sich nicht, sondern sah mich fragend blickend weiter an. Es musste jeden Augenblick so weit sein, ein Messer blitzte auf, es durchschnitt die Kehle mit einer schnellen Bewegung. Die Augen, die mich eben noch fragend angesehen hatten, weiteten sich vor Schreck und Schmerz machte sich in ihnen breit. Der Angreifer war direkt wieder verschwunden. So wie ich es geplant hatte. Ich ging zu dem bemittleidenswerten Kind. Denn nichts anderes war er für mich. Ich ging neben ihm in die Hocke. Er versuchte noch etwas zu sagen, wobei ich ihn jedoch unterbrach. :,, Ach! Das macht es nur schlimmer. Die Antwort auf deine Frage lautet, ich bin die Zeit, das Leben und der Tod! Ich war zeitlebens an deiner Seite, und nun werde ich dich mit mir nehmen.” Sein Blick wurde starr vor Angst und brach dann ein letztes mal. Ich holte eine kleine Phiole aus meiner Tasche und fing dort die Essenz seines Seins auf, stand auf  richtete mein Jacket , holte meine Taschenuhr zum Vorschein, sah darauf und ging eine kleine Weise pfeifend davon. Um die nächste unschuldige Seele mit auf meine Reise ins Totenreich zu nehmen.

Als ich so meines Weges ging, gedachte ich mal wieder all derjenigen, die ich schon mit hinfort genommen hatte. Zu zählen wäre zwecklos gewesen…
In solcherlei Gedanken versunken, hätte ich doch bald die nächste arme Seele auf meiner Liste vergessen. Mich bei dem Gedanken ertappend, schüttelte ich leise lächelnd den Kopf. -:,, Auf, auf, der Tod wartet schließlich nicht.”- mit geschwinden Schritten ging ich meinem Ziel entgegen, einer kleinen Tankstelle die ziemlich am äußersten Ende des Dorfes lag in dem ich mich derzeit befand. Es ging um eine Frau, sie war jung an Jahren, hatte eine schwere Vergangenheit. Aber was interessierte mich das schon? Sie hatte alle Chancen dieser Welt gehabt, und war doch den Drogen anheim gefallen. Schließlich öffnete ich die Türe und begab mich zur Kasse, vor mir, eine junge Brünette, mitte Zwanzig. Ich sah es ihr an, das Licht in ihren Augen war erloschen, sie war nur noch eine seelenlose Hülle. Seufzend schüttelte ich den Kopf. :,, Hallo meine Liebe, ist heute nicht eine schöne Nacht?” Ich sah sie offen lächelnd an. Sie wiederum schaute mich überrascht an. :,, Was soll denn daran schön sein? Es gießt wie aus Eimern und stürmt wie verrückt. Noch dazu machen Sie mir hier alles ganz nass!” Sie konnte einem mit ihrem Genörgel wirklich die gute Laune vermiesen. -:,, Menschen! Solange sie sich beschweren können, sind sie glücklich…”- Mich wieder auf sie konzentrierend fragte ich sie leise :,, Soll ich bei der Trockenlegung des Bodens behilflich sein? Dann kannst du auch pünktlich Feierabend machen.” Die einzige Reaktion die von ihr kam, war ein halb ersticktes Lachen. Sie musste mich wohl für einen armen Irren halten. Dabei wollte ich lediglich meine Arbeit verrichten. Also fing sie mich ignorierend an zu putzen. Nach einer Weile sah sie mich fragend an :,, Ich will jetzt dicht machen!” Dieser netten Aufforderung folgend, verließ ich das Gebäude und postierte mich nahe dem Hinterausgang und wartete. Sie müssen wissen, mein Beruf besteht zu 80 Prozent aus Warterei. Aber ich mache ihn dennoch gerne. Nach einer Weile kam Sie heraus, Sie beachtete mich gar nicht, sondern ging einfach die lange dunkle Straße entlang. Irgendwann blieb sie dann doch stehen und drehte sich zu mir um. Ihre Haare hingen ihr nass bis zur Taille herab und man sah durch die nasse Kleidung wie dürr Sie tatsächlich war. :,, Was wollen Sie von mir? Ich bin nicht scharf darauf verfolgt zu werden!” Ich sah sie unter meinem Regenschirm hervor ruhig an :,, Wollen Sie, beziehungsweise, willst du nicht unter den Schirm kommen? Dann lässt es sich doch wesentlich besser plaudern.” Ziemlich verwirtt trat sie dann schließlich doch zu mir. Es herrschte eine Totenstille müssen Sie wissen, bei dem Gedanken schlich sich ein kleines Grinsen in mein Gesicht. Aber direkt wieder ernst werdend, eröffnete ich wie so oft erneut das Gespräch :,, Wenn ich es recht sehe, hast du dein junges Leben jetzt schon ziemlich erfolgreich gegen die Wand gefahren meine Liebe!” Seufzend fuhr ich direkt fort :,, Du hattest so viele Chancen, aber du musstest dich ja unbedingt den Drogen hingeben.” Sie sah mich entsetzt an und ging ein paar Schritte rückwärts :,, Woher zum Teufel wissen Sie das? Wer sind Sie?” Ich hörte den heran nahenden Wagen, Sie jedoch nicht. :,, Wer ich bin fragst du mich mein Kind?” Lächelnd trat ich noch einen Schritt auf Sie zu, was Sie dazu bewegte noch weiter auf die Straße zu treten. Nun hatte ich Sie da wo ich Sie haben wollte. Der Wagen raste heran und erwischte Sie frontal. Sie schrie auf, wurde von der Straße gefegt und landete im Graben. Ich sah dem ganzem seelenruhig zu, wir waren schon etwas über dem Zeitplan, aber das würde ich schon wieder rausbekommen. Ruhigen Schrittes ging ich auf Sie zu, kniete mich neben Sie und sagte leise :,, Ich, ich bin der Tod. Der Tod, das Leben und die Zeit. Ich habe gesehen was du aus dir gemacht hast, und nun ist es zu spät!” Sie erschrak und wollte noch weg kommen. Doch in diesem Moment hauchte Sie das letzte bisschen Leben was Sie noch besaß aus. Ich holte aus meiner Tasche eine Phiole und fing in dieser die Essenz ihres Seins auf. Raffte mich wieder auf die Beine und kam zu dem Unfallwagen in dem du zu finden warst. Du hangst verdreht in deinem Gurt und warst ziemlich mitgenommen. Aber du warst noch halbwegs am Leben. Du wunderst dich nun bestimmt, warum ich dir das alles erzähle nicht wahr? Nun ja, Du mein Lieber, wirst mein Schüler sein.”

Dieser bemitleidenswerte Junge sah mich nur einfach sprachlos an. Ich seufzte, für so etwas hatte ich nun wirklich nicht die Zeit. Ihn mit schnellen Bewegungen meinerseits befreiend, und wieder auf die Füße stellend erwähnte ich schließlich, das wir uns auf den Weg machen mussten. Schließlich hat der Tod nicht das Recht einfach so eine Pause einzulegen. Da mein neuer Schüler es anscheinend vorzog zu schweigen ging ich voran. Nach nunmehr einer halben Stunde des illustren Weges vernahm ich dann doch sein zartes Stimmchen :,, Heißt das etwa, das ich nun tot bin?” Die Panik war heraus zu hören, so dass ich ihn beruhigend ansah und erklärte :,,Du bist nun weder lebendig noch tot. Ich bevorzuge ja den Begriff untot, aber um das aus zu diskutieren, haben wir später noch genügend Zeit. Wir sollten uns nun beeilen.” Flugs zog ich das Tempo etwas an, dabei darauf achtgebend meinen Begleiter nicht zu überfordern. Nach einer Weile waren wir am Ort des Geschehens angekommen. Es handelte sich hierbei um eine verlassene Fabrik, in der sich ein junges Pärchen erbitterlich stritt. Es ging wie immer um diese all zu überflüssige Sache namens Eifersucht. Ich schüttelte dabei nur verständnislos den Kopf. Wenn die beiden sich doch nur wirklich so sehr lieben würden, wie sie es beteuern, wäre diese doch überflüssig. Mit meinem Schüler Stellung beziehend sah ich mir das Spektakel an, diesmal wollte ich nicht eingreifen. Es würde sich von alleine erledigen. Die jungen Leute schrien sich immer heftiger an und das Mädchen begann zu weinen. Neben mir regte sich doch tatsächlich der Junge, er wollte anscheinend eingreifen. Bevor es jedoch dazu kam, zog ich ihn an der Schulter zurück. Seufzend klärte ich ihn auf :,,Wir sind nur hier, um sie hinüber zu geleiten. In diesen Fall dürfen wir nicht eingreifen.” Er sah mich empört an :,,Aber er tut ihr noch was an, wenn es so weiter geht!” Ich nickte lediglich und hielt ihn an Ort und Stelle fest. Sie müssen wissen werter Leser, auch wenn ich ziemlich kraftlos wirken mag, der Tod hat eine ungeheure Kraft.
Die Szenerie vor uns fing endlich an sich zuzuspitzen. Der junge Mann zog ein Messer, mit welchem er auf seine Freundin, einer elfengleichen rothaarigen Schönheit einstach. Das eine ergab daß andere, sie kämpften um das Messer. Er hatte ihr den endgültigen Stich schon verpasst als sie an das Messer gelang und ihm mit letzter Kraft die Kehle durchschnitt. Ich lies den Jungen nun los, nun konnte er eh nichts mehr für die traurigen Gestalten vor uns tun. Mich reckend und streckend sah ich ihm dabei zu, wie er leichenblass auf die beiden zuging. Als er bei ihnen angekommen war, zog ich zwei Phiolen aus meiner Tasche und kam an seine Seite. Ihm eine der beiden reichend sagte ich leise:,,Es musste so geschehen, tue es mir nun gleich.” Ich ging vor dem jungen Mann in die Knie und fing seine Essenz in der Phiole auf und verschloss diese sogleich. Einen Moment verharrend tat mein Schüler es mir bei dem Mädchen gleich. Stolz auf ihn, klopfte ich ihm auf die Schulter und zog ihn mit mir wieder auf die Beine. :,,Nun solltest du mir einmal den Namen mitteilen, den du von nun an tragen willst.” teilte ich ihm leise mit. Er überlegte einen Moment und antwortete :,, Constantine…”

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