KreaturenMittel

Der Tunnel

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Ich stehe vor der Tür. Ich kenne sie nicht. Ist sie aus lackiertem Holz oder aus Kunststoff? Aus Metall? Knochen? Ich kenne sie nicht… Der glatte, helle Rahmen umfasst eine schmale Scheibe aus Milchglas, einem blinden Auge gleich, starrt sie mich an. Ich befühle die Tür und stelle fest, dass es sich um schweres, kaltes Metall handelt. Ich rüttel versuchsweise an der Klinke. Natürlich ist sie verschlossen. Allerdings schließt sie nicht richtig. Ein kalter Luftzug fährt unter einem Spalt am Boden hindurch und streicht um meine nackten Knöchel. Ich bekomme eine Gänsehaut. Das ergibt alles keinen Sinn. Ich kenne die Tür nicht…

Ich drehe mich um mich selbst. Hinter mir ist nichts als Schwärze. „Hallo! Ist hier jemand?“, rufe ich unsicher in das Nichts. Keine Antwort. Meine Worte fürchten sich vor der Dunkelheit und flüchten zurück in meinen Mund. Wie immer versuche ich, sie wieder auszuspucken, doch die kleinen Biester sind zu flink und entwinden sich meinem Griff. Ich muss würgen als ich spüre wie sich ihre dünnen, krallenbewehrten Beinchen in meine Kehle bohren und in meinen Hals zurückklettern. 

Ich bekomme einen schrecklichen Hustenanfall. Kann nicht mehr atmen! Nach ein paar Minuten habe ich meine nutzlose Lunge ausgehustet und die blasige Masse klatscht zusammen mit meinen Stimmbändern auf den Boden vor meinen Füßen. Mein Brustkorb fühlt sich seltsam ausgehöhlt an. Ich betrachte das schleimige, grauschwarze Organ und die schimmernde Lache aus Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Die Lugenbläschen sind verklebt und teilweise abgestorben, die Bronchien seltsam verquollen. War ich wirklich so starker Raucher? Gut dass ich das sinnlose Ding endlich los bin! Ich will lachen, doch meine Stimme ist verschwunden. Ich werde nie wieder sprechen. 

Hinter mir klickt es. Jemand hat die Tür aufgeschlossen. Als ich herumfahre kann ich nur noch einen unscharfen Umriss erkennen, verzerrt vom Milchglas, der sich rasch entfernt und aus meinem Blickfeld verschwindet. Ich will ihm nachrufen. Dann fällt mir meine Lunge ein. Meine tote, unvorhandene Lunge. Aber wer muss schon atmen? Oder reden? In meinem Kopf lache ich. 

In dem Moment, in dem ich die Klinke hinunterdrücken will, prallt ein Körper auf der anderen Seite dagegen. Ich erkenne ihn nicht. Er schreit mich an. Ich verstehe seine Worte nicht… Er trommelt verzweifelt gegen das Glas. Plötzlich wird er von etwas davon gezerrt. Schreiend verschwindet er in der Finsternis. Das einzige was er zurücklässt ist ein blutiger Handabdruck, feucht und verschmiert, der sich einmal quer über das Fenster zieht. Ich sehe wie das Blut langsam nach unten rinnt und auf den Boden hinter der Tür tropft.

Ich stoße die Tür auf und finde mich in einem langen, gewundenen Tunnel wieder. Die Wände sind strahlend weiß, genau wie der Boden, trotzdem verläuft sich das ganze im Dunkeln. Eine tiefrote, feuchte Spur zieht sich über die Fliesen zu meinen Füßen, als hätte jemand einen stark blutenden Körper durch den Gang geschleift. Die Spur verschwinden in einigen Metern Entfernung hinter einer Tunnelbiegung. 

Ich kann nur den Raum direkt vor meinen Augen erkennen, links und rechts ist alles schwarz und nebelig. Fast so als hätte ich Scheuklappen auf. Wie nennt man dieses Phänomen? Tunnelblick? Ich tappe langsam vorwärts, meine nackten Füße schlurfen durch das kalte Blut und einzelne Spritzer verteilen sich an den Wänden und meinen Beinen. Die Wände sind seltsam schief und verzerrt, werfen hier und da Blasen und biegen sich in schwindelerregende Höhe. Der Boden ist weich und federnd. Ich glaube er atmet … Das Blut ist klebrig und kalt.

Ich laufe durch den verdrehten Tunnel. Immer und immer und immer weiter. Ich folge der Spur. Oder folgt die Spur mir? Sie ist mein einziger Begleiter in dieser verzerrten Welt. Langsam entwickle ich große Zuneigung zu der Spur. Ich lasse mich auf die Knie fallen und küsse sie wild. Der salzige, metallische Geschmack breitet sich auf meiner stummen Zunge aus und erfüllt meinen ganzen Mund. Das kalte, halbgeronnene Blut bedeckt mein Gesicht und tropft von meinen gierigen Lippen. Ich ertrinke in seiner bitteren Köstlichkeit und dem Luxus einen meiner Sinne zu spüren. Alles ist so still…! Wieso kann ich nichts hören?! 

Ich höre nichts, nie wieder… der Tunnel ist erfüllt von brüllender Stille, mein Atem ist für alle Ewigkeit verstummt. Nur mein Herz pumpt und pumpt und pumpt das köstliche Blut durch meine Adern. Mir kommt ein Gedanke. Der Tunnel muss von Schreien erfüllt sein! Ich kann sie nur nicht hören, da mein Herzschlag alles übertönt! Wenn er sich beruhigt werde ich sie hören, die lauten, gequälten Schreie unzähliger Menschen, werde sie hören und dann werde ich sterben! In meiner Erinnerung klingt das Flehen der Gestalt hinter der Tür nach und ich bekomme Panik. 

Plötzlich liegt vor mir am Boden ein Messer. Glücklich reiße ich es an mich und ramme es frohlockend in meinen rechten Gehörgang. Frisches, warmes Blut tropft in meinen Nacken und spritzt über mein Gesicht. Ich wiederhole den Vorgang mit meinem linken Ohr und atme erleichtert auf. In Sicherheit! Ich werde nie wieder hören können.

Ich folge dem Tunnel, ich folge der Spur. Weiter und weiter…

Meine Hände sind eiskalt. Ich sehne mich nach etwas Wärme, ich würde alles dafür geben! Ohne lange nachzudenken füge ich mir selbst tiefe Schnitte in den Handtellern zu und schaudere vor Wohlgefühl, als das heiße Blut herausläuft. Die Wärme hält nur kurz an. Meine Hände werden taub. Wenigstens kann ich nun nicht mehr die Kälte fühlen.

Ich bin taub und stumm und gefühllos. Das ist gut so. Die blasigen Wände pulsieren und verströmen ein beruhigendes, schwarzes Licht. Der Tunnel wird weiter. Dann endet er unerwartet. Vor mir öffnet sich ein großer Raum . Ich sehe mich interessiert um. Von der Decke hängen unzählige Körper! Die nackten Leiber tropfen und faulen vor sich hin. Sie befinden sich in verschiedenen Stadien der Verwesung, sind ausgeweidet und verdreht, einigen zucken sogar noch! Mein Herz fühlt nichts. Ich starre an die Decke und die baumelnden Leichen erinnern mich unwillkürlich an ein Mobilée welches ich früher einmal besessen habe. Das amüsiert mich. Ich will lachen. Doch mir fehlt die Lunge. 

Der Boden ist übersät mit diversen Organen. Sie fallen aus den Leichen wie überreifes Obst. Ich greife nach einer, von Nekrose überzogenen Lunge, schlitze mit dem stumpfen Messer meine eigene Brust auf und stecke das fremde Organ an die passende Stelle. Ich lache. Es kling seltsam, heiser und fremd.

Plötzlich sehe ich am anderen Ende des Raums eine schwarze Gestalt. Sie bewegt sich schnell und geduckt auf mich zu. Furcht lässt mein gefrorenes Herz tauen und Panik macht sich in mir breit. Verschwinde! will ich ihr zurufen, doch aus meiner Kehle dringen nur unartikulierte Laute. Verdammtes, fremdes Organ! Ich drehe mich um und flüchte in den Tunnel.

Doch ich bin nicht schnell genug. Das Wesen holt mich ein, ringt mich nieder und packt mich unsanft bei den Haaren. Es stapft mit fest Schritten durch den Tunnel und zerrt mich hinter sich her. Ich will schreien, doch nichts als Blut dringt zwischen meinen Lippen hervor und strömt zusammen mit dem Blut aus meiner Brust, meinen Händen und meinen Ohren auf den weißen Fußboden. Das Ding schleift mich brutal immer weiter. Auf halber Strecke entgleitet das Messer meinen klebrigen Fingern und fällt klirrend zu Boden. Ich bin kurz davor ohnmächtig zu werden. 

Dann lässt es mich plötzlich los. Keuchend und würgend bleibe ich liegen und und sehe verschwommen, wie es sich an der Tür zu schaffen macht. An der Tür… Ich kenne diese Tür! Das Wesen dreht sich um und geht, ohne mich zu beachten, gemächlich zurück in den Tunnel. Ich raffe mich entkräftet auf und schwanke zur Tür. Ich pralle gegen das kalte Glas und erkenne dahinter einen dunklen Umriss. Ich schreie um Hilfe und flehe ihn an, die Tür zu öffnen, doch mein Mund bringt keine klaren Wörte hervor. Verzweifelt hämmern meine blutigen Hände gegen das Fenster. Doch er hilft mir nicht.

Zu spät erkenne ich, was eigentlich vor sich geht.

Zu spät realisiere ich, dass ich die ganze Zeit meiner eigenen Blutspur gefolgt bin.

Etwas neben mir bewegt sich. Es packt mich mit eisernem Griff und zerrt mich von der Tür weg. Schreiend werde ich von dem Ding in die Dunkelheit gerissen.

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