KreaturenKurzMord

Eine Gruselgeschichte – Aurora

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Die Nacht hatte sich wie ein großes hungriges Tier über die Stadt gelegt und sie Stück für Stück in ihrem gierigen Schlund verschwinden lassen, als er lächelnd jene Einrichtung verließ und sich über die Dächer der unwissenden Menschlinge gen Osten aufmachte. Gebunden an einen fleischlichen Körper war er nun endlich in der Lage, diese physische Welt vollends zu begreifen. Sie war so anders als alles, was er zuvor zu kennen glaubte. Und doch so wundervoll.

Euphorisch über sein Erwachen wandte er sich nach allen Seiten, um jedes Detail genau zu erkennen. Die sonst viel befahrenden Straßen lagen verlassen unter ihm; keine Menschenseele weit und breit. Sie alle schlummerten friedlich in ihren Betten, ohne auch nur zu ahnen, welche Kreatur ihren Schlaf zu stören vermochte. Nichts hatte die Welt auf jenen Teufel im Menschenleib, auf die Tragödie vorbereitet, die seit dem Tod von Roxanne unaufhaltsam über die Menschheit hereingebrochen war.

Nichts hatte sie auf Varas vorbereitet.

Denn sein Dasein hatte nur ein Ziel: Seine Heimat mit der unsrigen zu vereinen und so Heerscharen von Seinesgleichen in die Freiheit zu entlassen, die ihnen schon seit über zwei Äonen zugesprochen wurde. Er, Varas, war der Auserwählte; der Einzige, dem es gelang über den Zwischenschritt der Traumwelt in die Fleischliche zu wechseln. Viele der anderen Reisenden hingen immer noch zwischen den Dimensionen fest, darunter auch seine geliebte Avashira.

Das Geschrei einer Saatkrähe zerriss die Stille der Nacht und kündigte den herannahenden Morgen an. Fast zeitgleich schellte die Glocke des Kirchturms und rief die Menschen mit ihren dumpfen Glängen aus dem Reich der Träume zurück ins Leben. Varas hielt erstaunt von der plötzlichen Geräuschkullisse inne und sah über die grauen Dächer hinweg in die Ferne. Weiße Nebelwehen hüllten wie bleiche Gespenster die Landschaft zart in Schleier ein und verweilten einige Zeit auf den anliegenden Feldern, ehe sie langsam dem blutrotem Feuerball entgegen zogen, welcher drohend aus den morgendlichen Dünsten emporstieg.

Eine Zeit lang beobachtete Varas neugierig das ihm dargebotene Schauspiel, doch dann bemerkte er überrascht, dass die kühle Luft ihn fröstelte. Das Kältegefühl war eine unangenehme und zweifellos lästige Eigenschaft, welche sein neuer Körper leider mit sich brachte.

Varas sprang von seinem hohen Aussichtspunkt hinunter auf die Straße und zog sich sofort in eine dunklere Seitengasse zurück. Er hatte diesen scharfen Geruch in der Nase, ein Stechen, welches ihn vor der Nähe eines Fleischwesens warnte. Trotz seiner Macht zog Varas es dennoch vor, ersteinmal unerkannt zu bleiben. Als Einzelkämpfer in einer fremden Welt durfte er nicht übermütig werden.

Ein dürrer Mann im grauen Trenchcoat bog um die nächste Ecke und steuerte direkt auf Varas Versteck zu, nicht ahnend, dass er dem leibhaftigen Tod ins Auge sah. Hektisch umklammerte er seinen Aktenkoffer und wetzte über den vom Tau getränktem Asphalt, offenbar hatte er es eilig ins Büro zu kommen. Varas ging ein paar Schritte zurück, tiefer in den Schatten des Hochhauses, bis dieser ihn komplett verdeckte. Er bleckte seine scharfen Zähne, angriffslustig glitt er mit seinen Klauen über die rohe Betonwand und erzeuge dabei ein leise Kratzen. Doch der Mann rannte an der Gasse vorbei, ohne sie, und damit Varas, eines Blickes zu würdigen.

Varas entspannte seine nackten Schultern, sein unruhiger Atmen hing wie feine Spinnenweben in der kühlen Luft.

Doch urplötzlich schlug sich der Mann an den Kopf, pfiff einmal und machte eine Kehrtwendung. Varas starrte ihm entgegen, seine Nerven waren bis zum Zerreissen gespannt. Tatsache, der Mann bog in die Gasse ein und ging genau auf ihn zu.

Ein tiefes Knurren drang aus Varas Kehle. Der Mann blieb abrupt stehen. Vor ihm in der Finsternis sah er jene rot glühenden Funken des Höllenfeuers, welche Varas wütende Augen repräsentierten. Sein Aktenkoffer viel mit einem dumpfen Knall zu Boden. Dutzende Papiere wurden vom plötzlich aufkommenden Wind wie verfallene Blätter im Herbst gen Himmel getragen. Der Mann beachtete seine verschwindene Arbeit gar nicht, sondern starrte weiterhin wie paralysiert auf das Wesen Varas, welcher nun langsam einer Echse gleich aus dem Schatten kroch.

Der bedauernswerte Mann schrie nicht, als Varas ihn zerriss. Wie könnte er auch? Vor nicht einmal zwei Stunden war er neben seiner Frau aus einem friedlichen Traum erwacht, hatte geduscht und anschließend mit seiner Familie gefrühstückt. Wie jeden Morgen. Der Kaffee war etwas zu stark gewesen. Die Zeitung klamm vom morgendlichem Tau. Die gute Tischdecke von den Wachsmalstiften seines Jüngsten verschmiert. Alles wie immer. Schließlich hatte er eilig das Haus verlassen, wohl wissend, dass seine Frau und seine Kinder spät am Abend sehnsüchtig auf ihn warten würden. Sie würden dann gemeinsam essen, anschließend vielleicht Karten spielen. Dann würde er seine Kinder ins Bett bringen und ihnen eine Gutenachtgeschichte vorlesen, ehe er wieder neben seiner Frau einschlafen würde. Ein normaler Tag im Leben eines normalen Menschens. Doch er endete auf eine Art und Weise, die er nicht erwartet hatte. Aber er schrie nicht. Wehrte sich nicht. Er schloss einfach nur die Augen, um jenes unausweichliche Ende nicht kommen zu sehen. Seine Frau würde bestimmt zornig werden, wenn er wieder zu spät zum Essen erschien…

Varas leckte sich seine blutverschmierten Lippen und schaute auf den undefinierbaren Fleischberg hinab, den er sein Frühstück schimpfte. Wahrlich kein Festmahl, aber es erfüllte seinen Zweck. Die dunkle Hose und den Trenchcoat des Mannes hatte er an sich genommen, um seine Blösse zu verbergen und seinen empfindlichen Körper vor den unangenehmen Temperaturen zu schützen. Dann sah Varas auf…

…und blickte genau in die großen Augen eines kleinen, rot-blonden Mädchens, welches plötzlich in der Gasse stand und ihn anstarrte.

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