KurzMord

Eine Gruselgeschichte – Hitzewallung

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Roxanne starrt mit ängstlichem Blick zu ihrem Mann. Ist ‚er‘ es? Hat die Abkopplung funktioniert? Wie hat sie sich ausgewirkt? Vorsichtig nähert sie sich der Glasscheibe. „Bist du es?“ Ihre Stimme klingt unsicher, ihre Miene ist immer noch verängstigt und ihr Arztkittel, der einen verführerischen Einblick gewährt, spannt…

Ihr Mann richtet sich auf. Er dreht sich auf die Seite, sieht ihr durch die riesige Glasscheibe direkt in die Augen. Sie glänzen. Nicht schön, sondern wütend. Funkelnd. Listig.

Erkennst du mich?“ fragt Roxanne unsicher. Ihr Mann legt den Kopf schief, mustert sie. Dann steht er auf. Seine von Schweiß feuchten, nackten Füße erzeugen patschende Geräusche auf dem makellosen, hellen, reinen und glatten Boden. Er nähert sich der Glasscheibe, mustert Roxanne und den Raum, in dem sie sich befindet.

Allerlei technische Geräte befinden sich dort. Computer, anderes… Er sieht zu dem Fenster hinter Roxanne. Geschlossen. Draußen dämmert es bereits. Die Sonne wirft einen roten Schein über die Häuser. Eine Stadt. Er lächelt. Aber kalt. Siegessicher.

Roxanne sieht ihn an. Ängstlich. Immer noch. „Georg? Ich bin es, Roxanne.“ Ihr sonst so reichlich vorhandenes Selbstbewusstsein ist wie weggefegt. „Ihr“ Mann sieht sie an. Durchdringend. Undurchschaubar.

Außer den Lüftern der Computer und dem regelmäßigen Piepen der anderen Geräte ist es still. Es dringen auch keine Geräusche von draußen in das Labor. Eigentlich entspannende Atmosphäre. Würde nicht diese Angst Roxannes und eine undefinierbare andere Emotion in der warmen Raumluft liegen.

Antworte bitte!“ Roxanne versucht ruhig zu bleiben. Einatmen. Ausatmen. Entspannen. Keine Gefahr. Alles in Ordnung.

Lass mich hier raus!“ spricht ihr Mann. Seine Stimme hört sich seltsam an. Irgendwie normal, aber mit einem seltsamen Hall in ihr. Als würden zwei gleiche Tonaufnahmen mit Millisekunden Unterschied zueinander abgespielt werden. Wie eine doppelte Stimme.

Eine Welle der Euphorie durchströmt Roxanne. Sie fängt sich wieder. „Ich kann nicht… Ich…“ – „Was ist?“ fragt ihr Mann. Ihr Mann, der nackt vor ihr steht und auf sie herabsieht. „Georg, ich…“ – „Was hast du, Mäuschen?“ Seine Stimme… sie… sie ist wunderschön!

Roxanne lächelt. Ihre Pupillen weiten sich kaum merklich. Sie ist wie paralysiert, steht vor der Glasscheibe, als der Mann ihr näher kommt. Immer näher. Sie schwitzt. Und er steht vor ihr. Angesicht zu Angesicht. Mit wenigen Zentimetern Raum und einer halbwegs dicken Glasscheibe, die die beiden trennt.

Das kalte, gedimmte Licht spiegelt sich im makellosen Glas. Und in den Augen des Mannes. Fesselnde Augen. Glänzend.

Der Mann, Georg, atmet ruhig. Sein nackter Brustkorb hebt und senkt sich. Er legt den Kopf wieder schief, mustert weiter. Langsam streckt er den Arm aus. Langsam legt er seine Hand auf die Scheibe vor sich, während er Roxanne direkt in die starren Augen blickt. Ihr Atem beschleunigt sich. Ihr ist verdammt heiß.

Im Bann starrt sie in die Augen ihres Mannes, dessen Hand sich immer und immer fester gegen die Scheibe presst. Ein leises Knacken ist zu vernehmen. Kurz Ruhe. Und dann… Klirren.

Die Glasscheibe birst, Roxanne bemerkt nichts. Paralysiert sieht sie in die Augen ihres Geliebten, die Scherben regnen auf die Beiden herab wie glitzernder und funkelnder Schnee. Roxanne verliert sich in den tiefen Meeren, die sich in den Augen ihres Mannes befinden. So schön!

Der Mann tritt einen Schritt vor. Die Scherben knirschen unter seinen nackten Füßen. Er befindet sich fast im Körperkontakt mit Roxanne, blickt ihr immer noch in die großen Augen. Zärtlich streicht er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wunderschön“, sagt er zu ihr.

Eine Gänsehaut überkommt sie. Eine Mischung aus angenehmen Gefühlen und Angst. Ihre Gedanken spielen jedoch verrückt, sie scheinen nicht mehr zu „funktionieren“. Sie schafft es nicht, halbwegs klar zu denken.

Als er ihren Arztkittel aufknöpft, gibt sie sich ihm hin. Sie ist von ihm wie hypnotisiert. Vielleicht mehr…

Er genießt es, lacht. Sie ist nicht mehr Herr ihrer selbst. Ihre Augen sind leer, ihr Blick ist ohne Aussage. Ihm ist es egal. Er will nur vollständig in dieser Welt bleiben können. Er kann es.

Du fragtest, wer ich bin…“, sagt er. „Du sollst wissen… Ich bin Viele, ich bin Varas!“ Das letzte Wort hört sich an, wie mehrere Aussagen übereinandergelegt. Varas ist mehr, mehr als nur einer… Varas ist zu dritt.

In dem Moment, in dem Roxanne wieder zu Bewusstsein kommt, fängt sie an zu schreien. Sie brüllt, wütet, erkennt langsam, wen sie da vor sich hat. Sinnlos.

Von einer Sekunde zur anderen wandelt Varas sein Aussehen. Die Augen glänzen fiebrig, die Zähne werden spitz. Reißzähne. Eben jene Zähne schlägt er in die Halsschlagader Roxannes. Sie zappelt, schreit. Varas bleibt ruhig.

Er beißt fester zu. Fester, fester, fester. Fest genug. Mit einem seltsamen Geräusch reißt er einen Fetzen Fleisch aus Roxannes Hals, sie schreit, und ihre Angst erfüllt den Raum, bis sie leblos zu Boden fällt.

Der nackte, lächelnde Varas erhebt sich von ihr, leckt sich über die Lippen. So schnell, wie er seine Gestalt gewandelt hat, hat er sie auch wieder getauscht. Dann geht er auf das Fenster zu, schlägt es ein. Er springt nach draußen, auf das Dach des gegenüber stehenden Hochhauses, über Balkone, bis er unten auf der Straße steht. Keine Menschenseele unterwegs.

Roxannes Blut läuft über den makellosen Boden, eine Lache bildet sich, und die Glasscherben wirken wie glänzende Inseln zwischen der roten Flüssigkeit. Sie starrt mit offenen, toten Augen in eine Ecke des Raumes, ihr weißer, geöffneter Kittel färbt sich rot, und die Gerätschaften im Raum versinken im Blut, welches sich nun flächendeckend ausgebreitet hat und langsam trocknet.

Varas schlendert seelenruhig die Straße entlang, während jedes noch so kleine Pflänzchen in seiner Nähe augenblicklich zu feinster Asche zerfällt.

Seine Augen glänzen feuerrot. Er weiß es jetzt schon…

Er liebt diese Welt!

Bewertung: 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"