GeisteskrankheitMittel

Eine Welt ohne Internet

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Geben wir es einfach mal zu – Wir sind doch alle abhängig. In der heutigen Zeit kommen wir auf die Welt und sind ihm direkt schutzlos ausgeliefert. Kaum haben die Kinder von heute gelernt ihre Hände richtig einzusetzen, werden sie davon eingenommen, starren mit vor Freude glitzernden Augen auf den Bildschirm, der ihnen in kürzester Zeit mehr bedeuten wird, als ihre Familie rings um sie herum.
Wenn wir morgens wach werden, ist es das Erste wonach wir greifen und uns verschlafen vor das Gesicht halten, wenn wir nachts im Bett liegen, ist es das Letzte was wir auf unseren Nachttisch legen, bevor wir friedlich in die Dunkelheit des Schlafes abdriften.
Wir sitzen im Wartezimmer beim Arzt und tickern darauf herum, wir warten an der Haltestelle auf den Bus, mit dem Blick eines Untoten, stets gerichtet auf das kleine viereckige Gerät in unseren Händen.

Sogar wenn wir etwas unternehmen, ist es unser ständiger Begleiter – Ein Foto vom Essen im Restaurant (Hashtag #foodporn), eine süße Nachricht auf WhatsApp von unserem Partner (rotes Herz, rosa Herz das von Pfeil durchstochen wird, Smiley mit Herzaugen), ein Like bei Instagram auf das neue Urlaubsbild der Kollegin („You‘re so hot Babe!“, Flammenemoji), schnell nochmal googeln, wo es die besten Cocktails in der Stadt gibt…

Wann seid ihr zuletzt ohne Handy aus dem Haus gegangen?
Ihr müsst sicherlich sehr lange darüber nachdenken und nicht einmal dann, findet ihr eine Antwort auf diese Frage. Schon mal in einen anderen Passanten reingelaufen weil ihr in einen Chat vertieft wart?
Schon mal ein Rezept von Facebook nachgekocht?
Schon mal ein Date über Tinder gehabt?
Schon mal Online Banking verwendet?
Schon mal Freunde von Freunden über Instagram gestalkt?
Stundenlang durch Jodel gescrollt?
Snapchat verflucht weil die Bilder mal wieder nicht laden wollen?
Memes gefeiert und gescreenshotet, um sie mit Freunden zu teilen?
Spotify… Facebook Messenger… Netflix… YouTube… Minigames…

Diese Geschichte hier, die du gerade liest – Du liest sie auf dem Handy oder deinem Computer… Im Internet, richtig?

Oh ja, ich könnte ewig so weitermachen, denn es gibt einfach kein Limit, keine Grenze die man festlegen könnte, um zu sagen: „Bis hier hin und nicht weiter!“
Denn das Internet ist grenzenlos und zu unserem ständigen Begleiter geworden.
Wir sind online. Immer und überall.
Ja, wir Menschen sind abhängig von unserem geliebten Internet, daran gibt es keinen Zweifel.

Habt ihr euch schon mal gefragt wie es wäre, wenn es plötzlich nicht mehr existiert?

„Wieso lädt die Scheiße nicht?“
Mary rollte genervt mit den Augen und klopfte mit dem Knöchel ihres rechten Zeigefingers ungeduldig auf den Bildschirm ihres neuen iPhone X. Das neuste Modell auf dem Markt und sie war unglaublich stolz darauf es zu besitzen. Sogar mit Panzerglasfolie, damit ihrem Baby bloß nicht zustoßen konnte.
„Keine Ahnung, ich hab auch ein paar Verbindungsprobleme und das bockt ja mal so gar nicht. Haben wir die Telekomrechnung für diesen Monat schon bezahlt?“, Marys Mitbewohnerin Evelyn starrte ebenfalls unablässig auf ihr iPhone 8 (eine ältere Version, die sie schleunigst ersetzen musste, um nicht zurück zu fallen) und lud den Instagramfeed schon zum 10. mal neu.
„Ich hab ein neues Bild das ich hochladen muss, verdammt! Influencer sein ist nicht einfach, dafür muss ich mich schon auf gutes WLAN verlassen können.“
Evelyn begann damit, geistesabwesend auf ihren Fingernägeln zu knabbern. Als sie es bemerkte, zog sie die Hand schnell wieder runter, schließlich war morgen ein Fotoshooting mit einem neuen Proteinriegel, den sie vermarkten sollte.
„Die Rechnung habe ich Anfang des Monats bezahlt“, beantwortete Mary die Frage ihrer Freundin. „Aber daran liegt es nicht, auch über die mobilen Daten kommt ja nichts rein.“

Die beiden Studentinnen lebten nun bereits seit zwei Jahren zusammen in einer drei Zimmer Wohnung in Hannovers Innenstadt und hatten sich über ein WG-Gesuch im Internet gefunden.
Mary machte nebenbei mäßig erfolgreiche Make-Up Tutorials auf YouTube und Instagram, während Evelyn einfach nur eine Naturschönheit mit Spiegelreflexkamera und einem professionellen Fotobearbeitungstool war, die es durch die Themen „Fitness und Gesundheit“ (wie gefühlt jeder 2. User auf jeglichen Plattformen), mit viel Glück zu einer erfolgreichen Influencerin (über 45.000 Follower) gebracht hatte.

„Das geht jetzt schon den ganzen Vormittag so…“, seufzte Mary und legte ihr Handy resigniert auf den Küchentisch. „Ich werf’ mal den Laptop an, dann können wir wenigstens checken, ob wir bei Instagram neue Nachrichten bekommen haben.“
Evelyns Miene hellte sich augenblicklich wieder auf. „Was für gute Ideen du doch immer hast!“
Nachdem sie den alten, kaum noch genutzten Laptop hochgefahren hatten, runzelte Mary verwirrt die Stirn. „Kein Internet… Ich hab doch so einen blöden USB-Stick, der Internet hergeben sollte! Was ist denn hier los, verfluchte Scheiße?“

So allmählich wurde Mary nervös. Ihr Freund Leon war bestimmt schon in Sorge weil sie sich heute morgen nach dem aufwachen nicht gemeldet hatte. Er war immer sehr fürsorglich und schrieb ihr den ganzen Tag über viele süße Nachrichten. Leider sahen sie sich wenn’s hochkam nur ein mal die Woche aber na ja, so war das halt, wenn man viel zutun hatte. Über Instagram konnte trotzdem jeder sehen, was für ein traumhaftes Paar sie waren (Hashtag #couplegoals)!

Plötzlich klingelte es an der Tür.
Evelyn erhob sich ächzend vom Sofa und öffnete sie. Sarah stand vor der Tür, ihre Nachbarin, ebenfalls Studentin und eine absolute Partymaus, die jedes Wochenende einen neuen Kerl mit nachhause brachte (die Wände waren dünn und Mary und Evelyn nunmal leider nicht taub).
Heute jedoch, sah sie nicht nach Spaß aus. Ihr Blick verriet sofort, dass etwas nicht stimmte. „Was gibts?“, rief Mary aus dem Wohnzimmer, während sie, wild auf der Tastatur ihres Laptops tippend, versuchte herauszufinden, was mit dem portablen Internet nicht stimmte.
„Habt ihr die Nachrichten gesehen?“, Sarah trat aufgewühlt an Evelyn vorbei in die Wohnung und lies sich neben Mary auf das Sofa fallen. Als sie bemerkte wie Mary konzentriert ihren Laptop bearbeitete, schüttelte sie traurig den Kopf und griff nach der Fernbedienung.
„Was ist denn los?“, Evelyn gesellte sich zu den beiden auf das Sofa und gemeinsam starrten sie gebannt auf den Fernseher, der nun lauthals die Nachrichten verkündete.

Stumm drückte Sarah wieder auf den Powerbutton und der Bildschirm wurde augenblicklich schwarz. Wie festgefrorene Skulpturen, saßen die drei Frauen nebeneinander auf dem Sofa und brachten nicht ein Wort heraus.

Eine organisierte Gruppe von hochgebildeten Informatikern und Technikern…
Jahrelange intensive Planung und Vorbereitung mit hochkomplexen Technologien…

Gelöscht… Alles wurde gelöscht…

Bestechungen und Erpressungen…
Es war nur eine Frage der Zeit…
Terroristischer Angriff auf das Internet…
Internationale Auswirkungen…

Gelöscht… Alles wurde gelöscht…

Ein Wiederaufbau wurde unmöglich gemacht…
Die Botschaften: „Geht raus und lebt wieder!“ und „Es ist nur zu eurem Besten“…

Gelöscht… Alles wurde gelöscht…

Terroristische Akteure begehen Selbstmord…
Mit ihnen starb das Internet…
Hunderte Wissenschaftler arbeiten an einer Lösung, doch… es ist unmöglich.
Die Botschaft: „Das Zeitalter der Digitalisierung ist vorbei!“

Gelöscht… Alles gelöscht…

Marys Unterlippe zitterte. Sie konnte nicht fassen, was sie gerade gehört hatte. Es war so unwirklich, als würde sie gerade träumen. Ein Alptraum. Ein furchtbarer Alptraum war es, der sie heimgesucht hatte und mit der Realität verschmolz.
Sie hörte wie von der Seite ein Schluchzen ertönte und drehte ihren Kopf zu Evelyn, die ihr Gesicht in den Händen vergraben hatte und anfing zu weinen. „Wie konnte das nur passieren??“, krächzte sie mit gebrochener Stimme. „Wie ist es möglich, dass ein paar kranke Menschen das Internet löschen??? Das kann doch gar nicht sein! Sie finden doch einen Weg es zurück zu holen, oder?“, hoffnungsvoll sah sie ihre Freundinnen an, während ihr die drei Schichten Make-Up das Gesicht runterliefen.
Sarah blickte nur betroffen auf den Boden und auch Mary war nicht in der Lage, eine positive Antwort hervor zu bringen.
Der Nachrichtensprecher hatte es klar und deutlich gesagt: Das Internet war tot. Und es würde höchstwahrscheinlich nicht wieder zum Leben erwachen.

Vier Wochen später:

Evelyn tippte begierig mit ihren Fingern auf dem schwarzen Bildschirm herum. „Wischhh, wischhh, wischhh“, murmelte sie dabei fröhlich und ein Grinsen, welches fast schon manisch wirkte, zog sich über ihr eingefallenes Gesicht.
Sie hatte zehn Kilo verloren und von ihrer einstigen sportlichen Figur, war nicht mehr viel übrig geblieben. Mit den hervorstehenden Rippen, hätte ihr sicherlich niemand mehr den Proteinriegel abgekauft.
„Wischhh… WISCH! Oh, ein süßes Katzenvideo“, sie stockte kurz und starrte für ein paar Sekunden gebannt auf den Bildschirm. Dann warf sie urplötzlich den Kopf in den Nacken und fing lauthals an zu lachen, bevor sie sich eine Lachträne aus dem Auge wischte und weiter wild vor sich hin kicherte: „Das muss ich Mary schicken!“
Eine Frau kam in das Zimmer, mit einem Tablet in den Händen. „Heute gibt es Hähnchenschenkel mit Reis“, sagte sie zögerlich und legte das Tablet auf einem kleinen Tisch in der Mitte des Raumes ab. „Ich wünsche dir einen guten Appetit, Evelyn.“
Evelyn sprang auf, immer noch das Handy in den Händen haltend und rannte auf ihr Mittagessen zu. „Oh, das sieht toll aus Merle, danke!“, rief sie entzückt und positionierte das Handy so, dass es perfekt auf den Teller gerichtet war. „Schnell noch ein Foto machen und in die Story packen…“, hauchte sie aufgeregt und machte dabei Knipsgeräusche mit den Lippen.

Merle schüttelte mitleidig den Kopf, während sie langsamen Schrittes Evelyns Zimmer verließ und seufzend die Tür hinter sich schloss. Gedankenverloren schob sie den, nun leeren Essenswaggon, den Flur hinunter.
Sie war bereits seit mehreren Jahren in der Klinik tätig, doch was sie seit einem Monat, seit dem weltweiten Absturz des Internets, hier erlebte, war fast schon unheimlich.
Immer mehr Menschen wurden eingeliefert, die meisten noch blutjung, und jeden Tag verdoppelte und verdreifachte sich ihre Anzahl. Psychisch eigentlich vollkommen gesunde Jugendliche lebten hier und wurden versorgt weil sie es alleine nicht mehr konnten, gefangen in ihrer eigenen Traumwelt waren, in der sie weiterhin auf ihr Handy zählen konnten. Einigen hier, wie zum Beispiel Evelyn, drückten sie ein ausgeschaltetes Handy ohne Akku in die Hand, sodass diese sich weiterhin ihrer Illusion hingeben konnten. Andere Methoden hatten nicht anschlagen wollen, ein Leben ohne Internet war für diese Leute einfach nicht mehr möglich. Und das nutzlose Stück Plastik, das nur einen schwarzen Bildschirm zeigte, hielt sie irgendwie lebendig.
Merle war schon über 50 Jahre alt und hatte sich noch nie groß was aus Handys gemacht. Ihr war die Natur viel lieber, ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht hatte sie stets bevorzugt. Und dort wo sie wohnte, in einem kleinen Haus in einem Dorf bei Hannover, war das Netz sowieso noch nie besonders gut gewesen.

Mittlerweile waren alle Nervenheilanstalten auf der ganzen Welt fast nur noch für die Verrückten da, die ihre Verhaltensweisen, ja sogar ihre Persönlichkeiten, wegen des fehlenden Internets geänderten hatten. Manche wurden depressiv, andere gewalttätig, bei Einigen kam jede Hilfe zuspät und sie begangen Suizid. Oh, wie viele Suizidfälle es in den letzten Wochen gegeben hatte… Nicht einmal mehr die Nachrichten berichteten mehr darüber, so gewöhnlich war es geworden.
Viele Existenzen beruhten auf dem Internet, wie zum Beispiel Onlineshops oder diese… Wie hießen sie noch gleich, diese Menschen die nichts können aber dennoch Geld mit ihren Accounts verdienten? Influencer, genau! Evelyn war wohl auch einer von ihnen gewesen. Von denen gab es hier allgemein sehr viele, auf der Station…

Merle machte gegen 17 Uhr Feierabend und begegnete auf dem Weg nach draußen Mary. „Hey Merle, wie gehts Evelyn heute?“ fragte sie, mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen.
Merle schüttelte missmutig den Kopf „Alles wie gehabt, keine großartige Veränderung. Ich drücke die Daumen, dass sie bei deinem Besuch nicht wieder denkt, dass ihr gerade beim facetimen seid.“
„Ja, das hoffe ich auch…“, Mary ließ den Kopf hängen, richtete sich dann aber wieder auf und verabschiedete Merle freundlich.
Mary hatte Evelyn vor etwa einer Woche einliefern lassen weil diese ihr Handy aufgeschraubt und die Einzelteile hinuntergeschlungen hatte, wie ein wildes Tier. Mary hatte Merle erzählt dass sie dabei „Google mal, ob Metallschrott im Magen gefährlich ist!“, geschrien hatte.
Merle erschauderte bei dem Gedanken und schloss ihr Auto auf.
Sie startete den Motor und fuhr langsam nachhause, in ihr kleines gemütliches Häuschen mit dem wärmenden Kamin, während das Radio einen alten Song aus den 90’ern spielte.

Hach ja, die guten alten Zeiten…

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