
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Es war ein grauer Winterabend. Der knorrige Ast einer
vertrockneten Buche kratzte gegen das Klinikfenster und erzeugte
einen unangenehmen Klang. Die Scheibe war von Eisblumen bedeckt, was
den Blick nach außen verschleierte. Das kaputte Licht des Zimmers,
welches als einzige Lichtquelle fungierte, begann wieder zu flackern.
Die Glühbirne würde bald den Geist aufgeben. Die Tür öffnete sich
polternd. Eine junge Frau mit langen roten Haaren trat herein.
„Guten Abend, Tom. Hier ist dein Abendessen.“, sagte die
freundliche Psychologin und Pflegerin zu ihm.
Sie war sehr nett und freundlich, dennoch fand er es unnötig,
dass sie ihn alle paar Stunden besuchte.
„Danke das ist nett, aber ich habe doch schon gesagt, dass ich
keine Bemutterung brauche. Außerdem habe hier eigentlich nichts
verloren. Das ist alles nur ein großes Missverständnis!“
Die Psychologin schüttelte sanft den Kopf und lächelte ihn
höflich an.
„Aber nein. Vielleicht musst du wirklich nicht hier sein. Aber
deine Familie war der Ansicht, dass wir dich für eine Weile im Auge
behalten sollten, durch deine Panikanfälle in der Nacht. Wir meinen
es ja nur gut mit dir und deine Familie auch. Es ist besser, wenn du
noch für ein Weilchen hier bleibst. Sobald wir die Ursache für
deine Angstzustände ermittelt und dich kuriert haben, wirst du
wieder entlassen.“
Tom schlug mit seinen Fäusten auf das Krankenbett, in dem er
zurzeit aufrecht saß.
„Wie lange muss ich denn noch auf meine Entlassung warten? Ich
bin gesund und in elf Tagen ist Heiligabend. Sie müssen mich nach
Hause lassen!“
Die Psychologin legte ihre weiche Hand auf die seine. „Keine
Sorge. Über den Feiertagen wirst du heimgeschickt. Zur Sicherheit
wird dich einer von uns begleiten. Aber das Wichtigste ist ja
schließlich das Zusammensein, nicht?“
Tom zog die Hand weg und ließ sich gegen die Rückenlehne des
Bettes fallen.
„Nein, nein, nein! Zum letzten Mal! Ich bin weder krank noch
verrückt!“ Sein gegenüber lächelte ihn sanft an und nickte.
„Versuch nach dem Essen etwas zu schlafen. Solltest du die Schatten
wieder sehen, drückst du auf den roten Knopf an deinem Bett und ich
werde sofort herbeieilen, ja? Gute Nacht, Tom und schlafe schön.“
Mit diesen Worten begab sie sich zur Tür und verschwand. Das
Licht ließ sie an. Zornig schaufelte er sich den warmen Brei in den
Mund.
„Die Schatten gibt es wirklich! Warum will mir nur niemand
glauben! Sie verfolgen mich doch!“
Das Licht flackerte wieder. „Die Standards hier lassen wirklich
zu wünschen übrig. Was ist das nur für ein merkwürdiges
Krankenhaus?“
Tom zuckte zusammen, als ein Poltern die Heizung deaktivierte.
„Wieso schalten sie die ab? Hier drin ist es, wie in einem
Eisschrank!“ Er wusch sich die Reste des Breis mit dem Handrücken
vom Mund und begann an dem heißen Kakao zu trinken. Plötzlich
ertönten schrille Schreie aus dem Nebenzimmer, weshalb er den Inhalt
der Tasse beinahe über seinen Schoß verschüttet hätte. Genervt
schlug er mit der Faust gegen die Wand.
„Ey, Jack! Hör endlich auf mit deinem hysterischen Geschrei!
Davon wird man noch völlig verrückt!“
Die Person nebenan stellte das Geschrei nicht ein. Schließlich
beschloss Tom seiner Pflegerin Bescheid zugeben.
„Hallo? Annika? Der Patient Jack von nebenan schreit wieder und
hindert mich am Schlafen! Würdest du ihn bitte ruhigstellen?“
Annika gab ihm über den Lautsprecher eine Zusage. Tom knurrte ein
letztes Mal, dann ließ er sich in sein Kopfkissen sinken. Das Licht
flackerte.
“Hoffentlich bleibt es diese Nacht wenigstens noch an. Nachher
finden die mich noch. Wer weiß, was sie dann mit mir anstellen… “
Er schüttelte den Kopf und versuchte den Gedanken an die
Schattengestalten zu vertreiben, welche ihm lauerten, sobald es
dunkel war. Doch so lange das Licht schien, konnten sie ihn nicht
erreichen. Das Geschrei von Jack verstummte ruckartig. Das Licht
flackerte. Tom zitterte. Es war ungewohnter Weise eiskalt. Er konnte
seinen Atem sehen. Irgendetwas war merkwürdig. Es war viel zu kalt
hier. Die Heizung musste ausgefallen sein. Das Licht flackerte. Die
dunklen Phasen wurden länger.
Gott im Himmel! Bitte nicht!
Das Ticken der Uhr wurde lauter. Er winkelte seine Beine an, halb
aus Furcht, halb aus Kälte. Die Uhr schlug zwölf. Er schien drei
Stunden Schlaf gefunden zu haben. Das Licht flackerte. Es war ein
erstickendes Zischen zu vernehmen. Tom musste schlucken und
verkrampfte die Muskeln. Das Licht flackerte. Die dunkle Phase hielt
einige Sekunden an, dann erhellte sich der Raum wieder.
Scheiße, nein! Warum gerade jetzt?
Von Angst erfüllt zog er sich die Bettdecke über den Kopf.
Sie dürfen mich nicht kriegen oder ich bin tot! Tot! TOT!
Sein ganzer Körper zitterte. Das Licht erlosch. Der Ast kratzte
an der Fensterscheibe. Das Geräusch klang in der Finsternis noch
unheilvoller. Ein schwaches Mondlicht fiel durch das vereiste Fenster
herein, spendete jedoch nicht genug Licht um etwas zu sehen. Die
Dunkelheit kam näher. Tom spürte die gaffenden Blicke der
Schattenwesen, welche sich langsam und listig an ihn heran schlichen.
Er konnte die bluttriefenden Augen genau vor sich sehen. Sie starrten
ihn an. Hungrig und blutdürstig! Ein eiskalter Schrei entstieg
seiner förmlich zugeschnürten Kehle. Schnell schlug er mit der
Faust gegen den Knopf.
„Annika! Sie sind wieder da! Bitte komm schnell! Sie werden mich
töten, meine Eingeweide herausreißen und mir in den Mund stopfen!
Annika!“
Es kam keine Antwort durch den Lautsprecher, wie sonst, wenn er
nach ihr rief. Irgendetwas stimmte nicht. Die Uhr tickte. Der Ast
kratzte. Er hörte Schritte. Seine Augen füllten sich mit Tränen.
„Annika! Ich flehe dich an! Komm schnell!“
Seine Zähne klapperten, sodass seine Gedanken übertönt wurden.
Schweiß rann über seinen Körper und durchnässte sein Bett.
„Annika!“ Seine Stimme war bloß noch ein Winseln. Die Tür ging
polternd einen Spalt auf. Tom zuckte zusammen. Er traute sich nicht,
die Bettdecke zu entfernen.
„Annika?“ Seine Stimme war dünn und zittrig.
Er hörte Schritte. Sie waren so deutlich und nah, wie noch nie
zuvor. Er traute sich kein zweites Mal, den Namen seiner Pflegerin
auszusprechen. Es konnte sich unmöglich um sie handeln, sonst hätte
sie geantwortet. Er kniff die Augen zusammen. Biss die Zähne
zusammen. Die Schritte wurden lauter. Das Ticken der Uhr verschwand.
Der Ast berührte das Fenster nicht mehr. Alles was er noch zu hören
vermag, war dieses raue Atmen. Der heiße Nebel stieß genau in seine
Ohrmuschel.
“Nein! Das ist nicht echt! Das ist nicht echt! Annika sagt, wenn
ich solche Geräusche höre, bilde ich sie mir ein! “
Tatsächlich verschwand das Atmen. Die Uhr und der Ast
verursachten wieder Geräusche. Er atmete erleichtert aus, doch sein
Körper fror augenblicklich ein, sein Mund formte einen tonlosen
Schrei, als die kalte Schneide seine Kehle durchtrennte.