KreaturenMittel

Imaginäre Freundin – Es ist nur in deinem Kopf

“Willst du nicht auch aufhören zu weinen?”, fragte sie mich Ein ums Andere Mal, wenn ich mal wieder in den kleinen abgetrennten Raum gerannt war, um mich auf mein Strohbett zu werfen, welches fast den ganzen Raum einnahm. Es war nicht gemütlich, aber es reichte, um darauf zu schlafen. Oder zumindest es zu versuchen.
“Wie meinst du das? Du meinst, es gibt eine Lösung für meine Probleme?”, fragte ich zurück.
“Du musst mir aber versprechen, dass du es auch tun wirst, wenn ich es dir erzähle!”
“Verpsrochen. Immerhin bist du die einzige, die mich versteht.”
“Und du musst mir versprechen Niemandem, wirklich Niemandem, davon zu erzählen.”
“Natürlich nicht.”
“Also, bist du bereit, deine Trauer hinter dir zu lassen?”
“Ja, ja und nochmal ja. Nun sag schon, was die Lösung ist und mach es nicht so spannend.”
“Ganz einfach: Du musst deinen Vater umbringen!” Sie kicherte. Doch es war nicht das übliche Kichern, das ich von ihr kannte und so niedlich klang. Es war… irgendwie düsterer. Ernster.
“Was?! Bist du verrückt geworden?” Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte.
“Du weißt es doch auch. Es ist auch gar nicht so schwer. Deine Spitzhacke ist scharf und du weißt, wie man damit umgeht. Du holst einfach aus und tust so, als würdest du einen Stein in der Mitte spalten wollen.” Ihr Kichern wurde nun Lauter und hämmerte in meinem Kopf, bis es schließlich verstummte und es muchsmäuschenstill war.
Man konnte aus dem Nachbarraum meinen Vater hören, wie er sich wieder einmal betrank. Ganz leise dahinter hörte man meine Mutter weinen und nach und nach wurde mir klar, dass Emma richtig lag.
Plötzlich schrie sie mich an: “Tu es!”
Ich fuhr hoch und meine Haare sträubten sich, als ich sie so hörte. Sie klang nun eher verärgert und nicht mehr so lieblich, wie vorher.
Ich wurde nervös und dachte über meine Mutter, meinen Vater und die Nachbarskinder nach.
Nichts hatte ich zu verlieren, stellte ich erschrocken fest. Selbst wenn man mich nach dem Mord auch umbringen würde, würde es immerhin meiner Mutter besser gehen, auch wenn sie bestimmt voller Trauer wäre.

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