Kurz

Meine Gier

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Menschen gieren nach Vielem. Ob nach etwas wie Essen und Kleidung oder nach etwas wie Macht; Die Facetten der Gier sind vielfältig. Man kann sie als Habgier, Verlangen, Lust oder Sehnsucht bezeichnen. Man kann sie verachten oder als etwas Gutes ansehen, als etwas, das die Menschen antreibt.

Ich giere nach Schönheit.

Ich habe nie etwas Verwerfliches an dieser Form der Gier gesehen. Wenn sich jemand ein neues Handy kauft, das von Kindern unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wurde, dann kann man das sicher verachten. Aber meine Gier schadet doch niemanden, oder? Sie ist einzig und allein eine Bereicherung, nur für mich.

Mein Verlangen danach, immer schöner zu werden, ist erst vor wenigen Jahren aufgekommen. Damals war ich noch … sechzehn. Vorher hatte ich
mich ehrlich gesagt nicht viel um mein Aussehen gekümmert. Doch in diesem Alter begann ich, mehr auf die Mädchen und Frauen um mich herum zu achten.

Sie hatten lange Beine.

Schöne, geschwungene Lippen.

Volles Haar und makellose Gesichter.

Sie waren alle wunderschön. Ob es die perfekten Frauen aus der Werbung waren oder auch nur die Mädchen, die ich beim Shoppen mit meinen Freundinnen sah. Ich konnte mir nicht erklären, wie ich all die Jahre über nicht gemerkt hatte, von welchen Schönheiten ich umgeben war.

Alle in meinem Freundeskreis hatten einen Freund oder einen Verehrer. Ich nicht.

Ich machte mir deshalb viele Gedanken und traute mich nicht mehr, in den Spiegel zu schauen. Jetzt,
wo ich wusste, wie gut jeder aussah, flüsterte eine leise Stimme in meinem Kopf, dass ich da auf keinen Fall mithalten konnte.

Eine Zeit lang verdrängte ich diesen Gedanken, so gut ich konnte, und machte ganz normal weiter. Aber irgendwann musste ich es einfach tun. Ich musste Gewissheit haben.

Meine Entdeckung deprimierte mich. Ich sah in den Spiegel, zum ersten Mal mit klarem Blick, und erschrak. Ich erblickte ein abstoßendes Wesen, ein fettes kleines Mädchen mit unreiner Haut, Pickeln, krausem Haar, einem entstellten Gesicht.

Jetzt klingt es wahrscheinlich übertrieben, aber das habe ich im Spiegel gesehen. Ich betrachtete mich ganz genau und alles an mir widerte mich an. Also suchte ich nach Möglichkeiten, um dies zu ändern.

Als erstes fing ich an mich richtig zu schminken. Das war anfangs meine Rettung. Ich konnte mein hässliches Gesicht unter einer Maske aus Make Up verstecken und fühlte mich gut. Meine Freundinnen sagten mir, das würde mir super gut stehen, und ich glaubte ihnen.

Dennoch, nach kurzer Zeit wurde ich wieder unzufrieden. Mein Gesicht konnte ich vielleicht überdecken, aber ich wusste doch, nur, weil es nicht mehr wirklich zu sehen war, wurde es selbst nicht schöner. Es blieb hässlich. Wie mein ganzer Körper.

Ich begann Sport zu betreiben. Ging dreimal die Woche joggen und ernährte mich gesünder, aß weniger.

Als ich nach zwei Wochen auf die Waage schaute, hatte ich zwei Kilo verloren.

Und das reichte nicht. Ich sah noch immer die widerlichen Hautlappen, die von meinen Armen hinabhingen, die Furchen, die sich durch das Fett zogen, und den unförmigen, aufgedunsenen Bauch. Auf diese Weise hätte es doch noch ewig gedauert, bis dass alles verschwunden war!

Also schlich ich mich von diesem Tag an nach dem Essen auf die Toilette. Meine Eltern bemerkten das nicht; Sie schenkten mir generell nicht viel Aufmerksamkeit. So konnte ich mich also Abend für Abend auf das Klo stürzen und alles, was zu viel war, wieder ausspeien.

Das klappte. Ich nahm ab, so schnell, dass ich es kaum glauben konnte. Mir passten plötzlich Kleider, in die ich mich vorher nicht einmal hätte hineinzwängen können. Das Gewicht, das vorher zu viel war, fiel von meinen Schultern. Ich fühlte mich so leicht und frei wie vorher noch nie in meinem Leben.

Und so ging es im Laufe der Jahre weiter. Als ich achtzehn war, zog ich von zuhause aus und lebte von nun an in einer kleinen Wohnung in Köln. Ich trug enge High Heels, die zwar meine Füße deformierten, mich aber endlich auf Augenhöhe mit meinen Freundinnen brachten. Ich ließ die ersten Schönheitsoperationen durchführen, ließ meine krumme Nase richten und Lippe und Brust mehrfach vergrößern. Ich wurde immer schlanker, bis meine Knochen überall deutlich durch die blasse Haut traten.

Jetzt schaue ich in den Spiegel. Ich betrachte mich, und es kommt das Gefühl auf, das ich lange Zeit nicht kannte. Ich bin glücklich mit meinem perfekten Körper, meinen langen Beinen, meinen sinnlichen Lippen und meinem makellosen Gesicht.

Ich spüre, dass ich gleich hinfallen und nie wieder aufstehen werde. All die Jahre haben mir meine Kraft geraubt. Ich bin nur noch eine leere Hülle, die sich ab und zu auf der Straße anbietet.

Aber das war es mir wert. Denn jetzt kann ich mich betrachten und sagen:

Ich bin wunderschön.

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