DämonenGeisteskrankheitLangePsychologischer HorrorSchockierendes Ende

Aus den Wolken

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Ein schöner Spätsommertag ging vorbei. Die Temperaturen brachen erneut alle Rekorde. 45° Celsius waren hier in Deutschland schon lange keine Seltenheit mehr. Doch nicht nur die Hitze wurde von Jahr zu Jahr extremer. Gewitter und andere Naturgewalten blieben nicht verschont. Was du noch nicht wissen konntest, das Gewitter, mit dem ich kam, sollte dein gesamtes Leben verändern.  

Der Sommertag verging allmählich, der Sonnenuntergang war so schön wie schon lange nicht mehr. Der Wetterdienst berichtete, dass bereits die dreizehnte tropische Nacht vor uns läge. Regen oder Gewitter waren noch lange nicht in Aussicht, zumindest in der Welt der Sterblichen. Du konntest natürlich nicht ahnen, was, in dieser Nacht auf dich zukommen sollte.  

Die Nacht brach an, das Thermometer zeigte immer noch 25 °C, an Einschlafen war nicht zu denken. Schweißgebadet standest du auf. Vorsichtig und ohne mit der Wimper zu zucken, schlichst du durch die Wohnung. Du wolltest niemanden aufwecken, der es bereits geschafft hatte, ins Traumland einzutauchen. Du holtest dir ein eiskaltes Wasser aus dem Kühlschrank. Dabei kam dir die Idee, die Nacht draußen auf der Dachterrasse, welche von deinem Zimmer aus zugänglich war, zu verbringen. Der Blick in die Sterne katapultierte dich beinahe ins Traumland. Der Sternenhimmel war atemberaubend schön, so fern und doch so nah. Eine Sternschnuppe kreuzte dein Sichtfeld und in Anbetracht der Hitze hattest du nur einen Wunsch: „Gewitter“. 

Niemals hättest du gedacht, dass eine Sternschnuppe Wünsche erfüllen kann, doch heute war wohl dein Glückstag. Aus dem Nichts hörtest du ein leises Grummeln. Du nahmst es erst nicht wirklich ernst, schließlich war kein Gewitter vorausgesagt und auch keine Wolke am Himmel.  

Von deiner Dachterrasse hattest du einen Blick über die gesamte Stadt. Am Horizont türmten sich gewaltige, riesengroße, dunkle, gefährlich aussehende Wolken. Es blitzte im Sekundentakt. Erstarrt bliebst du stehen, so etwas hattest du noch nie gesehen. 

Das Gewitter kam näher und näher. Langsam begannst du zu realisieren, was dort auf dich zukam. Schnell flüchtetest du in dein Zimmer und verschlossest die Terrassentür. Der Regen wurde stärker und wuchs an Intensität. Zusammen mit dem Wind und dem Donner entstand ein ungeheuerlicher Lärm. Dir kamen die Tränen und so verzweifelt, wie du warst, verkrochst du dich unter deiner Bettdecke wie ein kleines Kind. 

Es rumpelte und krachte, was das Zeug hält. Man hätte denken können, dass Zeus persönlich bei dir vorbeischaute. Doch eigentlich war es nur ich. 

Ich, ja, genau ich, die Entität. Erinnerst du dich nicht an mich? Hast du mich nicht gesehen, wie ich auf deinem Schrank saß? Du öffnetest mir doch die Terrassentür. Aber keine Sorge, du warst nicht der erste Mensch, der mich übersah, der mich beim ersten Mal übersah. 

Ich weiß genau, dass du dich beobachtet fühltest. Es war süß, wie du dich unter deiner Bettdecke verstecktest, doch wir beide wussten genau, dass du dies nicht ewig aushalten würdest. Ein Tag wollte ich dir noch geben, bis ich dir zeige, was es bedeutet, wirklich frei zu sein.  

Das Gewitter entfernte sich allmählich und verschwand so plötzlich, wie es aufgetaucht war. Erschöpft schliefst du ein, bis deine Familie dich am nächsten Morgen weckte. Sie bemerkten sofort, dass irgendetwas mit dir nicht stimmte. Sie wirkten besorgt.

Völlig desorientiert fragtest du: „Habt ihr das Gewitter letzte Nacht auch gehört?“ Sie schauten dich verwirrt an und sagten, dass es nicht gewittert habe. Es seien beinahe zwei Wochen ohne einen Regentropfen vergangen.

Enttäuscht entgegnetest du ein „Okay“ und deine Familie verließ den Raum, ohne sich mehr dabei zu denken.  

Sofort öffnetest du deinen Kleiderschrank, zogst dich an und schaltetest den Computer an. Du konntest einfach nicht glauben, dass es nicht gewitterte. Du musstest eigene Nachforschungen anstellen. Vom Schrank aus konnte ich leider nicht alles erkennen, was auf deinem Computer stand, dein Gesichtsausdruck verriet allerdings alles. Anscheinend hat es wirklich nicht gewittert und du hattest dir alles nur eingebildet. Oder etwa nicht? 

Du zweifeltest an dir selbst. Vielleicht war es einfach diese unerträgliche Hitze. Vielleicht war es nur ein Albtraum. Das hattest du dir zumindest gewünscht, schließlich würde alles andere bedeuten, dass du verrückt bist, und das kommt in eurer Gesellschaft nicht so gut an. Letztendlich steckt ihr primitiven Menschen euch gerne gegenseitig in Schubladen, ich weiß es genau, denn du warst nicht mein erstes Opfer. 

Dein letzter selbstbestimmter Tag neigte sich dem Ende zu. Die Nacht verschlang den Tag und alles war ruhig. Auch du wolltest nun endlich zu Bett gehen. Doch heute ließ ich dich nicht davonkommen. Eure digitalisierte Welt ist ein Spielplatz für Entitäten wie mich. Die Interaktion zwischen eurer Welt und der meinen ist einfach geworden. Auch du warst vollends digitalisiert. Fernseher, Handy und Radio hattest du in deinem Zimmer. Was, wenn das Radio plötzlich anginge? Du hättest dein Gesicht sehen sollen, als es begann zu rauschen.  

Ich wartete zehn Minuten, bis ich erneut zuschlug. Und nein, nicht wieder mit derselben Masche, das Radio ist einfach langweilig. Ich hatte dein Handy aus dem lautlosen Modus befreit. Du wolltest eigentlich zur Ruhe kommen und schlafen, doch ich wollte das noch nicht.

Ach, welch ein Zufall, eine unbekannte Nummer sendete dir eine Nachricht. Das Handy ertönte und du wurdest aus dem Einschlafen gerissen.

Leise fluchtest du: „Habe ich dieses blöde Ding nicht stummgeschaltet?“. Unweigerlich war dein Blick nun auf den Bildschirm gerichtet und in dir kam ein unwohles Gefühl auf.

Eine unbekannte Nummer schickte dir ein Bild, es war 1:11 Uhr, mitten in der Nacht. Eine zweite Nachricht erschien: „Komm, schau es dir an :)“.

Auch wenn du den Chat eigentlich nicht öffnen wolltest, du konntest nicht anders, doch was du dort sahst, ließ dich erstarren. Ein Bild von dir, wie du das Radio erschrocken anstarrst.

Deine Finger entkamen dem Bann und tippten: „Wer … oder was sind Sie?“. Die Antwort ließ nicht lang auf sich warten: „Wir sind uns gestern begegnet, hast du es vergessen? Nicht einmal Hallo hast du gesagt“.

Deine Reaktion darauf war wie folgt: „Ich bin gestern niemanden außer meiner Familie begegnet, was wollen Sie von mir, lassen Sie mich in Ruhe“.  

Du schaltetest dein Handy vollständig aus und legtest es weg. Vollkommen verstört versuchtest du, endlich einzuschlafen. Doch, doch, das ausgeschaltete Handy begann zu klingeln, die unbekannte Nummer rief an. Der Anruf wurde automatisch entgegengenommen und über die Lautsprecher ausgegeben. Dir lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. 

Bei unserem ersten Kontakt sprach ich; „Es freut mich, dich kennenzulernen. Schade, dass du mich gestern nicht begrüßt hast, doch ich verzeihe dir. Du fragst dich, wer ich bin, gleich wirst du es wissen. Schau, schau zu mir nach oben.“ Entgegen deinem Willen richtete sich dein Blick in Richtung des Schrankes. Dunkle Umrisse mit roten Augen kamen zum Vorschein.

Du wolltest schreien, du wolltest flehen: „Hilfeee!“. Doch du konntest nicht. Die Entität näherte sich immer mehr. Du, fixiert im Bett gelegen, warst wehrlos, die Entität zerfiel in Staub.

Dein Mund war sperrangelweit offen, als wolltest du fassungslos sagen „Wow, was war das denn bitte“. Dies solltest du bereuen. Der Staub formte plötzlich eine Art Sturm, welcher sich den Weg in dich hinein bahnte. Jetzt war ich in dir drin und dein Leben sollte sich schlagartig verändern. 

Am nächsten Morgen hattest du keinerlei Erinnerungen an die letzte Nacht. Du hattest keinen Schimmer, dass du von mir besessen warst. Es war Wochenende und du wusstest, dass heute eine todlangweilige Familienfeier anstünde. Wenn es nach deinem Bauch ginge, würdest du alles tun, um diese Familienfeier zu verweigern und dich davor zu drücken. Doch dein Verstand hat für gewöhnlich die Kontrolle über dein Handeln, weshalb du am Nachmittag zusammen mit deiner Familie gefahren bist. Aufgrund der Tatsache, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes in dir drin war, habe ich realisiert, dass du deine Freiheit aus irgendeinem Grund selbst einschränkst. Warum tut ihr Menschen so etwas? Muss man euch denn immer zu eurem eigenen Glück zwingen? Wie dem auch sei, auf der wirklich grauenvollen Familienfeier half ich ein wenig nach. Ich schaltete deinen Verstand sozusagen ab und ersetzte ihn. 

Du hättest sehen sollen, wie sie alle geschaut haben, als du vor ihnen ausgerastet bist. Alle waren verstört von dir, wie man denn so unhöflich und unerzogen sein kann. Deine Eltern haben sich offensichtlich für dich geschämt. Ihr seid direkt nach deinem Ausraster wieder heimgefahren. Auf der Fahrt habt ihr kein Wort miteinander gesprochen, es war Totenstille. Deine Eltern wussten nicht, wie sie mit dir umgehen sollten. Aber immerhin, die Familienfeier war damit für dich vorbei. Das wolltest du doch, oder etwa nicht? 

Am nächsten Morgen stellte dich dein Vater zur Rede. Er wollte wissen, was das alles sollte. Du hattest eine Grenze überschritten. So etwas sagt man einfach nicht. Doch du wusstest nicht, wovon er sprach. Das lag vielleicht daran, dass ich deinen Verstand übernahm, aber das musst du ja noch nicht wissen. Dein Vater wusste nicht, wie ihm geschieht. Er war wohl überfordert mit der Situation und verbot dir die Nutzung deiner elektronischen Geräte für die nächsten zwei Tagen. Du verstandest die Welt nicht mehr, schließlich hattest du auch keine Erinnerung an deine gestrige Schandtat.  

Zwei Tage ohne dein Handy, ohne deinen Computer, ohne alles. Eigentlich wolltest du heute Abend gemeinsam mit deinen Freunden Videospiele spielen, doch daraus wird wohl nichts, oder? Ich war doch in dir drin und sorgte mich natürlich um dein Wohlergehen. Ich hatte eine Idee. Ich sorgte dafür, dass du dir deinen Computer, den dir dein Vater wegnahm, heimlich zurückholtest. Endlich konntest du gemeinsam mit deinen Freunden loslegen. Dein Vater war wohl etwas verwundert, warum es nun wieder aus deinem Zimmer schalte. Du, isoliert durch dein Headset bekamst nichts von deiner Umwelt mit. Dein Vater kam in dein Zimmer hinein und sah, wie du dich dem Verbot widersetztest. Er wollte gerade auf dich zugehen und wer weiß was mit dir machen. Doch Teufel sei Dank, ich war doch für dich da. Dein Vater blieb auf einmal entsetzt vor dir stehen. Aber du bekamst davon ohnehin nichts mit, viel zu vertieft warst du in dein Spiel. Ich denke, mein Gesicht gefiel ihm nicht.  

Am nächsten Morgen musstest du früh raus. Heute ging es wieder in die Schule. Doch irgendetwas war anders. Dein Vater ging dir stets aus dem Weg und schaute dich mit verurteilendem Blick an. Er sprach an diesem Morgen kein einziges Wort mit dir. Du dachtest dir zunächst nicht viel dabei, vielleicht hatte er schlecht geschlafen oder heute einen nervenaufreibenden Termin. Wie dem auch sei, du begabst dich zum Schulbus. Montags war der Bus immer besonders voll, aber du hattest keine Wahl, zu Fuß wäre es einfach zu weit gewesen. Du stiegst also in den vollen Bus ein. Du bekamst keinen Sitzplatz mehr und musstest die gesamte Fahrt stehen. Eigentlich wollte ich ein wenig nachhelfen, doch die Sache mit deinem Vater gestern kostete mich einiges an Kraft. Ich beschloss dich für den restlichen Tag bis auf Weiteres in Ruhe zu lassen. Du hattest also einen langweiligen, ganz normalen Schultag. Als die Sonne fast schon wieder untergegangen war, kamst du zu Hause an. Leise öffnetest du die Tür. Es bekam wohl keiner mit, dass du wieder zu Hause warst, was vielleicht daran lag, dass die Stimmung alles andere als heiter war. Du hörtest, wie deine Eltern sich stritten. Es ging anscheinend um dich und dein Verhalten in den vergangenen Tagen. Deine Mutter war recht aufgebracht. Ob dein Vater ihr erzählt hatte, dass du ein zweites Gesicht hast? 

Für den restlichen Abend verkrochst du dich in deinem Zimmer. Du konntest offensichtlich nicht gut damit umgehen, dass sich deine Eltern stritten. Dies führte dazu, dass du in der Nacht kaum ein Auge zubekamst. Am nächsten Morgen machtest du dich völlig übermüdet auf in Richtung Schule. Der Bus war wie immer randvoll und alle Sitzplätze besetzt. Doch nicht nur die Sitzplätze waren besetzt, auch du warst besessen, und zwar von mir. Ich verhalf dir einen Platz zu bekommen. Alle um dich herum waren zwar wieder verstört, aber immerhin, du hattest, was du dir gewünscht hast – einen Sitzplatz.  In der Schule hielten sich alle von dir fern. Du bekamst dies nicht wirklich mit, schließlich warst du vollkommen übermüdet. Im Unterricht war es dann so weit, du schliefst einfach ein, du warst einfach zu müde. Als du aufwachtest, standen die Schulleitung und dein Vater vor dir. Du wusstest, jetzt würde es Ärger geben und es war kein Albtraum, es war die bittere Realität. Nachdem du von allen Parteien belehrt wurdest und sich alle über dich ausgelassen hatten, fuhr dich dein Vater nach Hause. Er traute sich anscheinend nicht, mit dir zu sprechen und du warst einfach nur sauer. Zu Hause angekommen begabst du dich in dein Zimmer und ohne mit der Wimper zu zucken, schlossest du die Türe ab. Am nächsten Tag begann die Schule regulär später. Alle waren bereits außer Haus, als du aufstandest. Nach dem gestrigen Tag hattest du jedoch beschlossen, dass dich diese Woche nichts und niemand mehr in die Schule bringen würde. Da dir klar war, dass es Probleme geben würde, wenn du nicht in der Schule auftauchst, meldetest du dich über ein Onlineformular als krank. Du machtest dir einen schönen Tag zu Hause und bereitetest das Abendessen für deine Familie vor. Am Esstisch unterhieltet ihr euch nahezu, als wäre nichts gewesen. Ich muss sagen, deine Lügen über deinen Schultag hätte ich nicht besser hinbekommen. 

Am nächsten Tag warst du wieder nicht in der Schule, allerdings vergaßt du dich abzumelden. Gegen Mittag bekamst du eine Nachricht von deinem Vater, ob es dir gut ginge und weshalb du nicht in der Schule warst. Du realisiertest, dass du aufgeflogen warst. Aus Verzweiflung packtest du ein paar Sachen zusammen und ranntest von zu Hause weg. Du begabst dich zu deinem Lieblingsort, draußen im Wald an einem kleinen Wasserfall. Hier gab es eine kleine Höhle, in der du die Nacht verbrachtest. Es waren es reichlich 20 °C. Wieder einmal zeigte sich der Himmel sternenklar. Ruhig und friedlich fielen deine Augen zu und du schliefst allmählich ein. Was du nicht wusstest, ein großer Suchtrupp der Polizei war dir auf den Versen. Deine Eltern alarmierten die Polizei, weil sie dich nirgendwo finden konnten.  

In der Nacht wurdest du wach, weil man deinen Namen rief. Wenig später fand man dich auch und brachte dich zurück in dein Elternhaus. Deine Eltern wussten einfach nicht mehr weiter. Sie wussten wirklich nicht, was sie falsch gemacht haben. Deine Mutter versuchte unter Tränen ein Gespräch mit dir anzufangen. Sie wollte von dir einfach nur wissen, warum. Du, mal wieder völlig durch den Wind, warst nicht in der Lage diese Frage zu beantworten. Deine Mutter sagte nur noch, dass sie dich für mehr als ein Jahr weggeben müssten, nahm dich kurz in den Arm und die Beamten nahmen dich mit. 

Warum ich dir heute nicht verhalf, frei zu sein? Ich hatte einfach keine Lust und abgesehen davon war es auch mal lustig, dich leiden zu sehen.  

Wie dem auch sei, die Beamten nahmen dich also mit aufs Revier. Sie beschlossen, dass sie dich in ein Naturcamp zur Rehabilitierung unterbringen. Das Naturcamp hatte den Namen „Garten des heiligen Irrsinns“. Ich fand es belustigend, wo sie dich hinbrachten. Nun warst du mitten im Nirgendwo in einem Camp für Irre. Sieh es mal so, besser als die Klapse. Die ersten zwei Wochen im Camp vielen dir schwierig. Du kamst nicht damit zu Recht, dass deine Eltern dich für mehr als ein Jahr in dieses „Gefängnis“ steckten.  Wie du deine Betreuer anfangs beleidigtest, einfach nur süß. Es war wirklich amüsant, dir dabei zuzusehen. Das ein oder andere Mal übernahm auch ich für dich, schließlich warst du entgegen deinem Willen hier, richtig? Ich hätte auch härter durchgegriffen, als nur zu beleidigen, allerdings war es dafür noch zu früh.  

Nach 14 Tagen hattest du dich im Camp eingelebt. Du entschuldigtest dich bei deinen Betreuern für die anfänglichen Schwierigkeiten. Du fandest Gefallen am Camp und vor allem Friede in und mit der Natur, welche dich fortan mehr als ein Jahr begleiten sollte. Die Tage, Wochen und Monate vergingen allmählich. Da ich klare Vorschriften zu befolgen hatte, durfte ich erst 600 Tage nach unserer ersten Begegnung so wirklich durchgreifen. Die Besessenheit erreichte dichter und näher, bis es endlich so weit war. Luzifer gab mir den Befehl, dir in deinen Träumen gegenüberzutreten. Endlich konnten wir uns genauer kennenlernen. In den ersten zwei Tagen stempeltest du unsere Begegnungen im Traum als grauenvolle Albträume ab, jedoch ließ ich auch am dritten Tag nicht locker. Immer wieder versuchte ich dir zu erklären, dass du keine Angst vor mir haben musst, schließlich bin ich ja in dir. Doch in der Traumwelt ranntest du immer nur davon, bis ich es beendete.  

Du warst eine wirklich harte Nuss, um dich zu knacken, musste ich härter durchgreifen. Ich terrorisierte dich fortan mit Visionen, wie du deinen lieb gewonnenen Betreuer John, voller Freude in der Mensa folterst. Doch selbst das trieb deinen Verstand nicht wieder in den Wahnsinn. Eins muss man dem Camp einfach lassen, es verhalf dir deinen Verstand wiederherzustellen. Du warst wirklich etwas Besonderes, noch nie hatte jemand die von mir ausgelösten Visionen verkraftet. Was ich aber überhaupt nicht verstand, war, dass du dich in diesem Camp frei fühltest. Du empfandest dich als frei in Gefangenschaft. Dies schränkte meine Kräfte maßgeblich ein, denn ich konnte dir nur helfen, wenn du dich nicht frei fühltest.  

Glücklicherweise war die letzte Woche im Camp angebrochen. Du realisiertest, dass du diesen Ort zeitnah verlassen müsstest. Der Gedanke, das Camp zu verlassen, quälte dich mehr als alles, was ich dir bisher antat. Doch genau das konnte ich für mich nutzen. Du wolltest unbedingt in diesem Camp bleiben, dies war jedoch nicht möglich. Der Zorn und die Wut in dir speisten meine Kräfte. Endlich konnte ich wieder richtig zuschlagen. Die Visionen und die Träume waren das eine, dies benötigte nicht viel Kraft, was aber folgen sollte, darauf hatte ich lange warten müssen. 

Erinnerst du dich noch an die Vision mit deinem Betreuer? Genau richtig, die Vision, wo du deinen Betreuer folterst. Nicht mehr lang und du würdest dies wirklich tun. Da ich nun meine vollen Kräfte zurück hatte, trieb ich dich mithilfe von inneren Stimmen in den Wahnsinn. Du begannst zu schreien, niemand verstand warum. Immer sagtest du, dass es in dir drin sei, doch niemand außer John nahm dich ernst. Er hörte dir zu und versuchte dich zu trösten, indem er dir vermittelte, was du in den letzten anderthalb Jahren für Fortschritte machtest. Doch heute sollte sich deine Vision endlich bewahrheiten. Im Vergleich zur Familienfeier damals ließ ich dich unter vollem Bewusstsein, währenddessen ich tat, was ich tun musste. Beim Abendessen hattest du dir besonders viel Zeit gelassen, du warst der Letzte im Raum. John hatte damals, ein Samstag, Aufsicht und setzte sich zu dir, um mit dir zu reden, wie es für dich weitergehen wird. 

Was er nicht wusste, ist, dass du ein scharfes Messer in deiner Hand unter der Bank hattest. Gut, die Wahrheit ist, dass ich ein wenig nachgeholfen hatte mit dem Messer, aber wie dem auch sei, endlich konnte ich beginnen. Du warst absolut wehrlos und hattest keine Kontrolle über das, was ich tat. Genauso sollte es sein. Mit einem kräftigen Schlag ins Gesicht setzte ich John außer Gefecht. Du wolltest dagegen ankämpfen, doch es ging einfach nicht. Bereits letzte Nacht ließ ich dich schlafwandeln und du legtest, gut sind wir ehrlich, eigentlich war ich es, du hattest keine Kontrolle über dich, ein Seil in der Mensa bereit.  Mit diesem Seil fesselte ich John. Ich nahm das Messer und folterte John voller Genuss. Ich zeigte ihm mein wahres Gesicht mit einem breiten Grinsen und lachte und lachte so laut, dass die Betreuer mitbekamen, dass irgendetwas falsch ist. Durch die große Glasfassade sahen sie, wie ich John langsam und voller Genuss aufschlitze. Sie dachten natürlich, dass du es bist, der John gerade mit einem Messer bearbeitet. Zwei der Betreuer rannten in die Mensa und überwältigten dich. Polizei und Rettungsdienst wurden sofort alarmiert.  

Es dauerte nicht lang, bis Polizei und Rettungsdienst ankamen. Sofort nahm man dich in Gewahrsam und steckte dich auf dem Polizeirevier in eine Zelle. Man informierte deine Eltern, welche sich eigentlich gefreut hatten, dass du in zwei Tagen wieder nach Hause kämst. Sie machten sich unmittelbar auf den Weg zu dir. Deine Mutter kam ächzend unter Tränen zu deiner Zelle. Genau wie vor anderthalb Jahren fragte sie nur: „Warum?“. Dieses Mal bekam sie eine Antwort von dir, die sie nur noch mehr verstörte. Du sagtest nur: „Es ist in mir“. Sie brach zusammen, fiel auf ihre Knie und begann bitterlich und schrecklich laut zu weinen. Dein Vater stand am Eingang des Zellenblocks und hörte alles. Innerlich wusste er, dass du recht hattest, schließlich sah er mein Gesicht, als du dich seinem Verbot widersetztest. Dein Vater verließ den Raum. Wenig später auch deine Mutter. Wahrscheinlich beschlossen sie zusammen mit den Beamten, dass es keinen anderen Weg mehr gab. Du kamst in die psychiatrische Klinik von Owinska. Sie wurde neulich wiedereröffnet, nachdem sie 1993 eigentlich verlassen wurde. Man sagte der Klinik nach, dass es dort spuke, dennoch eröffnete man sie nahe Posen wieder. Man verfrachtete dich also nach Owinska, da die Klinik auf Fälle wie deinen spezialisiert sei. Dort befasste man sich mit übernatürlichen Wahnvorstellungen. 

Nach einer langen Fahrt nach Polen übergaben dich die Beamten dem Klinikpersonal. In den kommenden Tagen führte man Untersuchungen an dir und mit dir durch. Das Einzige, was du den Ärzten jedoch entgegnen konntest, war: „Es ist in mir“. Immer wieder und wieder entgegnetest du den Ärzten: „Es ist in mir“. 660 Tage waren nun vergangen, seitdem wir uns begegnet sind. Ich beschloss, dass ich dir heute Abend endlich gegenübertreten würde. 

Gesagt, getan. In der Nacht weckte ich dich mit dem Song „Wake Up Little Susie“ auf. Natürlich bekam niemand etwas davon mit, schließlich fand all das in deinem Kopf statt. Ich saß dir nun gegenüber und sagte dir etwas, was dich vollends verstummen ließ. 

Am nächsten Morgen wollte der leitende Arzt mit dir sprechen. Aus dir kam jedoch kein einziges Wort heraus. Du versuchtest dem Arzt zu signalisieren, dass du gerne einen Stift und Papier hättest. Er sagte, dies sei kein Problem, doch währenddessen du schreibst, würde dich jemand beaufsichtigen. Du begannst also mit dem Schreiben und schriebst diese Geschichte hier auf. Gut, eigentlich diktierte ich dir, was du schreiben solltest, doch das ist irrelevant? Am Tag konntest du nur etwas mehr als eine Seite schreiben, da das Personal nicht viel Zeit für dich übrighatte. Der 666. Tag kam näher, näher und näher, bis er endlich da war. Heute solltest du den Schluss der Geschichte schreiben und in die absolute Freiheit entlassen werden. Das wolltest du doch, oder? Wollt ihr das nicht alle, die absolute Freiheit?  

Wie dem auch sei, heute bekamst du abermals einen Zettel und Stift. Heute blieb der Stift jedoch im Raum. Nicht zuletzt, weil ich meine Finger im Spiel hatte, doch du wirst sehen, der Stift wird noch hilfreich sein. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, durch dein kleines Fenster konntest du beobachten, wie sich am Horizont gewaltige, riesengroße, dunkle, gefährlich aussehende Wolken bildeten. Sie nährten sich, es blitze im Sekundentakt und draußen setzte ein sintflutartiger Regen ein. Die Entität war beinahe fertig mit dir, nur eins fehlte noch, du solltest in die absolute Freiheit entlassen werden. Die Entität übernahm erneut die Kontrolle über deinen Körper. Mithilfe des Stiftes stach sie dir die Augen aus, ritzte dir die Arme auf und ließ dich bitterlich krächzend verbluten. Niemand konnte dich hören, die Zellen der Klinik waren zu gut isoliert. Die Entität verließ dich nun und verschwand in den Wolken. 

Du, völlig blutüberströmt, richtetest dich auf. Du kanntest dein Zimmer auch blind und fandest dich zurecht. Mit letzter Kraft schriebst du „aus den Wolken“ mit deinem Blut an die Wand. 

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2 Kommentare

  1. Eine starke Geschichte mit einem sehr guten Ende. Den Klinik Teil fand ich persönlich am besten.
    Einzig stört mich, dass du etwas zu viel erklärst. Oft waren Setze zu Tode erläutert.
    Bsp.
    „Doch du wusstest nicht, wovon er sprach. Das lag vielleicht daran, dass ich deinen Verstand übernahm, aber das musst du ja noch nicht wissen“. Der Leser weis, dass das Wesen dies getan hat, dass muss nicht nochmal erklärt werden. Das stört den Lesefluss leider extrem und ich als Leser komme mir für dumm gehalten vor, wenn mir alles dreimal erklärt wird. Ist natürlich Geschmackssache und wenn du das als Still beibehalten möchtest gerne. Ich persönlich finde aber bedauerlicherweise nicht so gut.

    Ich hoffe das du mit meiner Kritik was anfangen kannst und das du zukünftig auch weiter hier schreibst.

    3/5

    1. Ich danke Dir vielmals für dein Feedback.
      „Aus den Wolken“ ist meine erste CreepyPasta die ich jemals geschrieben habe.
      Ich kann deinen Kritikpunkt im Nachhinein sehr gut nachvollziehen und nehme entsprechende Erkenntnis für zukünftige Geschichten mit.

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