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Folter ABC

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Kapitel 1: Die Anhörung

Es war ein schwüler Mittwoch Vormittag, die Sonne stand fast an ihrem höchsten Punkt und die Sonnenstrahlen drangen schwach durch die getönten Scheiben des Haupthauses der Windeck Burg. Viele Menschen lebten an diesem Ort, bekannt waren sie durch ihren unverkennbaren Wein und es herrschte ein glückliches Miteinander in dieser Zeit, jedoch gab es wie immer ein paar Ausnahmen. Die Burg liegt im südwestlichen Bereich Deutschlands, in dem sogenannten Weinheim-Bezirk, welches seinen Namen nur auf Grund der nahezu unendlichen Weinreben auf den Bergen trug. Das Haupthaus lag oben auf dem Berg und beherbergte nur die Adeligen und Reichen. Etwas unter der Windeck lag die Wachenburg, eine Burg die König Taran der 1. nur für sein Volk errichten ließ, wodurch die Dörfler von dicken Mauern beschützt wurden und im Falle eines Angriffes keine Angst verspüren mussten. Taran der Erste und sein Nachfolger Tralen sind für ihre Freundlichkeit und Gutherzigkeit bekannt und teilten sich einen ähnlich angesehenen Ruf bei den Dorfbewohnern.

Erfreut rannten die Bewohner der Burg in die Richtung des Haupthauses. Niemand wollte die große Anhörung und das folgende Urteil des Angeklagten verpassen. Die Zeit schrieb einen brutalen und makaberen Humor. Der kleine Rikson, ein 16 Jahre alter Knabe mittelstarker Statur, hochgewachsen für sein Alter, rannte weit voraus in das Verhörzimmer des Königs. Es war seine erste Anhörung der er beiwohnte, wodurch er vor Vorfreude und Erwartung nahezu explodierte,  da es den jüngeren Anwesenden im Dorf untersagt war, bei einem solchen Ereignis beizuwohnen. Ebenfalls war es ihm bis dato verboten bei der öffentlichen Hinrichtung anwesend zu sein! Kinder unter seinem Alter wurden zu solchen Veranstaltungen immer in ihren Zimmern eingesperrt und durften unter keinen Umständen erfahren was genau geschah. Der Grund dahinter war, dass der König fürchtete das wenn eine junge Person einem solchen Szenario beiwohnte, dieser eventuell starke psychische Probleme davon tragen konnte, was die Windecker verstanden und unterstützen.

König Tralen war ein ehrlicher, zuvorkommender und gerechter Herrscher, jedoch kam auch er nicht drum herum manchmal manche Menschen bestrafen zu müssen, die nicht rechtens taten und aus der Reihe tanzten. Dies musste er schmerzhaft lernen, als er zusehen musste, wie sein Vater von einem verschonten Verbrecher gemeuchelt wurde. Der Assassine schlich nachts in die Schlafgemächer des damaligen Königs und schnitt ihm im Schlaf die Kehle auf. Seither hatte Tralen jahrelang Alpträume und dies führte wiederum dazu, dass er Verbrecher außerordentlich streng bestrafte. Durch dieses straffe Strafmaß kam es eher selten vor, dass einer der Bewohner aus der Reihe tanzte und die Regeln brach, ganz zum Wohle der anderen Bürger. Nun war es jedoch wieder soweit und er musste wieder einmal eine Strafe verhängen. Ihm machte das alles andere als Spaß, nein, er verabscheute es, er konnte einfach nicht verstehen wie sich jemand nicht an die vorgegeben Regeln halten konnte. Er konnte nicht verstehen, welch eine verdorbene Gier in einem Menschen gehegt werden musste, um etwas Vergleichbares wie einen Mord zu begehen. Unter seinem Regime gab es keine Armen, jedem Anwohner wurden Berufe vermittelt, jeder unterstützte einander bei Problemen und für Essen und Trinken war reichlich gesorgt. 

Rikson war als Erster vor dem Haupthaus und klopfte mehrmals mit einem großen, freudigen Lächeln an die imposante Holztür des Tores, welche mit einigen kunstvollen Schnitzereien verziert war, welche die Heldengeschichten der Könige und Adeligen wiederspiegelte. 

Das Haupthaus stand in der Mitte der Festungsanlage und war umgeben von einigen großen Fachwerkhäusern. Die Stadt war nicht arm, wodurch die Vielzahl der Häuser in der Festung, sowie in der Bauernburg mit Steinschindeln gedeckt war und nur sehr alte Gebäude trugen noch die maroden Decken aus Stroh und Lehm. Diese zu erneuern würde sich nicht lohnen, da die alten, tragenden Dachbalken dem Gewicht nicht sehr lange standhalten würden. 

Ein Wachmann auf der anderen Seite der Tür drückte diese mit sichtlicher Anstrengung auf. Er versuchte zwar sich diese nicht ansehen zu lassen, jedoch konnte man sich sofort denken, was dieser Torflügel wohl wiegen würde. 

Darf ich eintreten?“, fragte Rikson im einem Tonfall, der seine Freude mehr verriet als er es eigentlich wollte. Der Wachmann gab dem Jungen mit einem Lächeln und einer einladenden Handbewegung zu verstehen, dass er eintreten dürfe. Der Knabe lief durch das prachtvoll wirkende Foyer und blickte sich mit großen Augen um. Schon als Kind war er oft hier gewesen und hatte mit den Kindern des Hofes gespielt, jedoch beeindruckte ihn der Anblick dieses Raumes immer wieder. Es war ein groß geschnittener Raum mit hohen Gewölbedecken, an der Decke war ein Bild gezeichnet, auf dem er einen Ausschnitt aus der Bibel wieder erkannte. Die großen Fenster wurden von schwungvoll bearbeiteten Bögen getragen und der Sonneneinfall ließ immer den Eindruck von Magie zurück. Sein Herz schlug in einem unglaublich schnellem Rhythmus und seine Freude stieg nahezu ins Unermessliche, er konnte einfach nicht verstehen, wie Menschen zu solch schönen Sachen imstande waren. Oft hatte er als kleiner Junge versucht mit dem Messer seines Vaters eine Statue wie die auf den Wasserspeiern der Hauptburg herzustellen, jedoch ohne Erfolg. 

Als er den Verhörsaal betrat wurde er von seinen Gefühlen überrannt. Es war ein großer Raum, mit vielen, nahezu unzählbar vielen Holzstühlen. Am Ende des Raumes stand ein großer rotbrauner Eichenschreibtisch an dem, wie Rikson vermutete, der König saß. Gegenüber war ein einfacher Tisch mit zwei Stühlen. Neben dem Platz des Königs war ebenfalls ein weiterer Stuhl, für wen dieser war konnte sich der Junge jedoch nicht denken. Rikson lief durch den großen Raum, an den Wachen die links und rechts standen vorbei und setzte sich in die erste Reihe, immerhin wollte er alles mitbekommen bei seiner ersten Anhörung, der er beiwohnen durfte. Aufgeregt setzte er sich auf den durchaus bequemen Holzstuhl und blickte sich wartend um, bis die anderen Dorfbewohner erschienen. Stück für Stück wurden die Sitzreihen gefüllt, sogar soweit, dass die Besucher teilweise am Rande stehen mussten, da sie zu spät waren um sich einen Sitzplatz zu ergattern. Selber schuld, dachte sich Rikson. Einige weitere Minuten verstrichen, ehe der König den Saal betrat. Der Junge begann bereits ungeduldig mir seinen Fingern zu spielen. König Tralen, ein breitschultriger, großgewachsener und verhältnismäßig gut aussehender Mann, setzte sich schwer auf seinen angehobenen Sitzplatz. Rikson hatte das Gefühl im Gesicht des Königs so etwas wie Leid zu sehen, jedoch verstand er nicht wieso. Er dachte immer diese Anhörung sei eine Art Fest bei dem getrunken, gelacht und gesungen wurde. Was er jedoch hier vorfand war alles andere als ausgelassen und fröhlich. Die Anwesenden waren alle ganz ruhig und blickten bedrückt und angespannt. Nein, was hier vor ging war anders als er es sich vorgestellt hatte und langsam machte sich ein beklommenes und auch ängstliches Gefühl in ihm breit und er wollte am liebsten aufstehen und einfach gehen. Dies war jedoch jedem Bürger der alt genug war um der Anhörung beizuwohnen, strengstens untersagt. 

Die mittlerweile geschlossene Eingangstür öffnete sich und ein Herold rief: „Achtung!“ Alle Anwesenden erhoben sich, so auch Rikson. Er blickte nach hinten und sah einen Mann in zerlumpter und dreckiger Kleidung. An seinen Handgelenken und Füßen waren schwere Ketten angebracht, gerade lang genug um einen Fuß vor den anderen zu setzten und mit jeder Bewegung klimperten die metallenen Glieder aufeinander wodurch ein rhythmisches Geräusch zu hören war. Nun verstand Rikson gar nichts mehr. Was ging hier vor sich und warum lag diese Person in Ketten. 

Der Gefangene wurde nach vorne an den Tisch gegenüber des Königs gebracht und ein Mann in ordentlicher Kleidung setzte sich neben ihn. König Tralen erhob sich. 

„So setzt euch!“ Alle Anwesenden begannen sich hinzusetzten. Dem Jungen fiel auf, dass die dunkle, jedoch weiche Stimme des Königs heute sehr kalt und bedrohlich klang.

„Ruven von Heppen?“, fragte der König. 

„Ja, dies ist Ruven von Heppen!“, antwortete der gut gekleidete, kleine Mann neben dem in Ketten Liegenden. 

„Ruven von Heppen, Euch wird vorgeworfen mehrfachen schweren Diebstahl und Mord an eurer Frau begannen zu haben! Was habt Ihr oder Euer Verteidiger dazu zu sagen?“ Rikson schloss darauf, dass dieser Verteidiger, wie der König ihn nannte wohl der Mann neben Ruven war und das Ruven die Person in Ketten war. 

„Mein Mandant möchte sich seiner Aussage verweigern!“, sprach der Verteidiger. 

„So, nun dann zur Beweislage. Man hat euch vergangene Woche in der Königlichen Küche dabei entdeckt, mehrere Fleisch- und Teigwaren zu klauen. Ebenfalls fand man euch blutverschmiert kniend über den Leichnam eurer Frau, Korelia von Heppen. Ich bitte um eine Aussage oder eine gegenzügliche Beweislage!“ Immer mehr bemerkte Rikson, wie die Stimme des Königs immer hasserfüllter wurde und bedrohlicher. Ihm schien es als sei dieses Treffen nicht mehr als eine Art der Folter zu sein, die durch die Entblößung und Verurteilung der Bewohner geschah. 

„Mein Mandant möchte nun doch aussagen!“, sprach der Verteidiger und Ruven erhob sich. 

„Antrag zur Aussage stattgegeben!“  

Nun begann Ruven zu sprechen:

„Mylord, versteht mich doch, wir sind eine große Familie mit sechs Kindern. Wir brauchten etwas zu essen und meine Frau war todkrank und dazu geweiht dem Sommerfieber zu erliegen! Ich wollte nicht, dass sie leiden muss und so nahm ich ihr das Leben, sie wollte es so!“ 

„Nun, als ritterlich würde ich Euer verhalten nicht bezeichnen da ich am Tage zuvor mit Eurer Frau sprach! Sie sagte mir das sie einen leichten Husten habe, es ihr jedoch besser ginge!“

„Mist!“, hörte man den Verteidiger leise sprechen. 

„Euer Argument zur Ernährung wage ich als profane Unterstellung abzutun, so kann ich mit Sicherheit sagen, dass jeder Bewohner dieses Lehens mehr als genug zum Essen auf dem Tisch hat, insofern Ihr anderer Ansichten seit lasst mir Euch etwas zeigen!“ Der König erhob sich und deutete mit dem Fingen auf Rikson, der Bauernknabe erhob sich und richtete sich in Hab-Acht Stellung auf. 

„Mylord?“, rief der Knabe und salutierte, auch wenn er nicht wusste, ob dies angebracht war. Sein kleines Herz schlug ihm nahezu aus der Brust und aus Nervosität trat er von einem Fuß auf den anderen. 

„Mein Sohn, so sage mir, empfindest du es so als würdet ihr zu wenig zu essen bereit gestellt bekommen?“ 

„Nein, Sir…Mylord!“ 

„Empfindest du, dass andere Personen hier, ob Familie oder Einzelne, zu wenig Essen bekommen?“ 

„Nein, ganz und gar nicht, Mylord!“ Rikson war so aufgeregt, dass er sich beim Reden mehrmals unabsichtlich verhaspelte, jedoch schien den König dies nicht zu stören. 

„Nun, so sagt mir Ruven, seid Ihr immer noch der Meinung unsere Anwohner würden zu wenig zu essen bekommen?“ 

„Ich weiß doch was wir hatten, es würde nie im Leben für uns alle reichen!“, rief Ruven empört, noch bevor sein Verteidiger ihn daran hindern konnte. 

„So, dann werde ich nun drastische Beweise einholen!“ Mit einem Wink deutete der König einer Wache und diese verschwand direkt. Nach einigen Minuten erschien sie wieder mit einem Mann, welcher einen Bündel Papiere mit sich trug. Rikson hatte ihn noch nie gesehen, ihm fiel jedoch direkt auf, dass diese Person ziemlich organisiert und gepflegt aussah, wahrscheinlich ein Arbeiter am Hofe des Königs. 

Mit zügigen und hallenden Schritten ging der Mann vor zum Pult des Königs Tralen. 

„Guten Tag meine Damen und Herren, Mylord!“ Die Stimme das Mannes passte nicht zu seinem Äußeren, sie war tief, durchdringend und sehr ruhig. 

„Sprich Gelehrter Romis!“ Der Gelehrte Romis machte den Ansatz einer Verbeugung und drehte sich zurück zu den Anwesenden. 

„Ich bin hier im Besitz einer vollständigen Liste der Ausgaben und Einkommnisse der Schatzkammer und des Kornspeichers des Königs! Die grundlegende Regel besagt, dass jeder Bewohner des Lehens Weinheim und Bewohner der Burg Windeck, sowie Wachenburg morgens, mittags und abends eine vollständige Mahlzeit in der Größe drei Fleisch-Güter, zwei Teig-Güter, drei Eier, vier Krüge Milch, eine Schale Obst, sowie fünf Eimer Trinken erhalten solle. Im Falle der Familie von Heppen wurden die Rationen, wie auch bei anderen Familien der Größe der Familie sowie dem Alter der Kinder entsprechend bestimmt! So erhielt die achtköpfige Familie tagtäglich zwölf Fleisch-Güter, acht Teig-Güter, zwölf Eier, sechszehn Krüge Milch, vier Schalen Obst, sowie fünfzehn Eimer an Trinken! Dies ist natürlich eine variable Anzahl, je nach Einkommen des Kornspeichers, als auch Restnahrung der Familie wurden die Rationen variiert, die Famlie hatte jedoch immer, und ich betone nochmals, immer genug Nahrung sowie Trinken!“ 

Der Verteidiger Ruvens wurde nun Stück für Stück bleicher und all seine Farbe war aus seinem Gesicht verschwunden. 

„Nun gut, danke Romis!“, sagte der König.“Mylord!“, bedankte sich Romis. 

„Ruven von Heppen, möchtet Ihr oder Euer Verteidiger zu diesem Falle noch etwas vortragen?“ Der Verteidiger Ruvens erhob sich und blickte in die Richtung des Königs.

„Mylord, ich möchte mich nun im höchsten Maße für den Beschuldigten entschuldigen. Seine Taten sind unverzeihlich und eine gewisse Strafe ist durchaus angemessen, doch ich bitte Euch Gnade walten zu lassen.“ Skeptisch schaute der König in das Gesicht des Verteidigers. „Du möchtest mich gerade darum bitten einen Mörder und Dieb mit einer Feder streichelnd zu entschuldigen?“ 

„Nun…“, der Verteidiger wurde vom Tralen in barschen Tonfall unterbrochen. 

„Der Beschuldigte wird zum Tode durch den Scharfrichter verurteilt! Scharfrichter, bitte erhebt Euch!“

Rikson wusste nicht was Scharfrichter bedeutete und dachte das der Beschuldigte Ruven nun bis zu seinem Tode Schafe abrichten müsse, doch dies schien ihm alles andere als schlimm. Er blickte sich im Saal um und sah aus dem Augenwinkel eine Person welche sich aufrichtete, als er seinen Kopf jedoch drehte erkannte er, dass sein Vater Throson sich erhoben hatte. Nun verstand er gar nichts mehr, sein Vater hatte doch nichts mit Schafen zu tun? Ruven begann zu schluchzen und weinte vor sich hin. Der König erhob sich und die Anwesenden taten es ihm gleich, kurz darauf verließ Tralen den Saal und eine hitzige Diskussion begann sich zu auszubreiten und hier und da schnappte Rikson ein paar Wortfetzten auf. „Zum Tode?…“ „Meine Güte, nur wegen etwas Brot?!“ „Wer weiß, was seine Frau wirklich für eine Erkrankung hatte?“ „Mal schauen was sich der Scharfrichter ausdenken wird!“

Scharfrichter, da war es wieder, dieses Wort. Was hatte es zu bedeuten und vor allem was hatte sein Vater damit zu tun? Rikson hatte nie nachgefragt was sein Vater beruflich tat, er tat Dinge, mehr wusste er nicht. Sein Vater war oft bei Zimmermännern oder beim Dorfschmied, jedoch wusste er nicht was er dort zu suchen hatte. Rikson beschloß, seinen Vater bei Gelegenheit einmal auszufragen! „Ruhe!“, rief eine durchdringende Stimme. Der Junge blickte sich still um und entdeckte eine Wache, die nun vor dem Pult des Königs stand. „..Verlasst nun alle den Saal, der Angeklagte und der Scharfrichter bleiben jedoch!“ 

Nach und nach verstummten die Gespräche und die Leute eilten hinaus. Als der Junge draußen auf dem Vorhof war, erblickte er König Tralen, welcher in die Richtung seines Pferdes schritt. Er beschloss, wenn auch ängstlich und widerwillig zum König zu gehen. 

„Entschuldig, Sir…Mylord!“ Er war nun so nervös, dass er kaum einen ganzen Satz mehr zusammen bekam und tippte abwechselnd mit seinen Füßen herum. Tralen, welcher eine starke und selbstbewusste Ausstrahlung besaß, schaute auf den Jungen hinab. Aus seinem Gesicht war nichts außer Hass zu entdecken, was den Jungen noch mehr einschüchterte. 

„Ja mein Kind?“ 

„Dies war meine erste Anhörung und ich wollte Euch fragen ob Ihr mir gegebenenfalls ein paar Fragen beantworten könnten, die sich in mir auftaten?“ Im Blick des Königs breitete sich etwas wie Mitleid aus und er nickte beiläufig. 

„Ich kann dich verstehen, sitz auf und ich werde dir einiges erklären!“ Mit einem schnellen Schwung packte Tralen den Jungen und hievte ihn hoch auf das edle Schlachtross, dass neben ihm Stand. Er nahm die Zügel und führte das Ross vom Hof. 

 

Nachdem sie weiter weg von der Burg waren und an einem riesigen Baum in der Nähe der Bergspitze ankamen, begann der König zu sprechen. „Nun, sag mir was sind deine Fragen?“ 

„Ich verstehe nicht ganz was dort vor sich ging. I-ich meine…“ 

„Du meinst du verstehst nicht, was dort getan wurde?“ 

„Ja, Mylord!“ 

„Lass doch bitte das Mylord wenn wir gerade alleine sind!“ 

„In Ordnung, My…Danke!“ 

„Es ist so, dass trotz jedem Versuch meinerseits jedem ein geordnetes und gutes Leben zu ermöglichen, es immer noch Personen gibt, die ihre Sucht nach mehr nicht stillen können…“ 

„So wie Ruven, richtig?“

„Richtig!“ 

„Nun gibt es natürlich in jedem Dorf andere Regeln und ein anderes Strafmaß. Verstößt man gegen diese Regeln so muss man bestraft werden, da dies ja sonst jeder tun könnte und die Regeln auf einer Burg nicht vonnöten wären, richtig?“, fragte Tralen rhetorisch. 

„Richtig!“, antwortete Rikson der die Rhetorik im Satz des Königs nicht heraus hörte. 

„Nun da ich, und wahrscheinlich du ja auch, nicht möchten das man gegen Regeln verstößt, muss die Strafe angemessen ausfallen. Die Strafe wird meist öffentlich durchgeführt um den Anwohnern zu zeigen, was geschieht, wenn man gegen das Gesetz, also die Regeln, verstößt!“ So langsam machte es in Rikson klick und er begann zu verstehen was der König meinte. 

„Du musst versuchen mich zu verstehen, kleiner Mann. Ich möchte einfach nur das Beste für jeden, deswegen bestrafe ich Verbrecher entsprechend hart um einen weitern Gesetzesbruch zu verhindern.“ 

„Jetzt verstehe ich es glaube ich! Tut man etwas Unrechtes so wird man bestraft, tut man nichts Unrechtes so wird man auch nicht bestraft, richtig?“ 

„Genau! Aktion, Reaktion!“ „Auf jede Aktion folgte eine Reaktion, tat man dies, bekam man das“, murmelte Rikson in sich hinein. 

„Könnt Ihr mir vielleicht sagen was mein Vater damit zu tun hat? Ich wusste nicht, dass mein Vater mit Schafen und deren Abrichtung zu tun hat. Jedoch verstehe ich auch nicht, warum Ruven nun aufgrund von Diebstahl und Mord sein Leben lang Schafe abrichten soll.“ Tralen musste betroffen grinsen. Dieser kleine Junge, so unwissend und unschuldig. 

„Mein Sohn, ein Scharfrichter hat nichts mit Schafen zu tun! Ein Scharfrichter ist derjenige der sich die Strafe für den Schuldigen ausdenkt.“ 

„Ihr meint mein Vater ist eine Art Henker?“ Riksons Augen weiteten sich, nie hätte er sich so etwas denken können! Ein Scharfrichter war also eine Art Mörder im Auftrag des Königs. Wie konnte sein Vater nur so etwas tun?! 

„Ja mein Kind dein Vater ist Scharfrichter oder Henker unter meinem Befehl! Du wirst auch bald in diese Zunft treten müssen, er wird dich alles, was er weiß lehren, um dich voran zu bringen, damit du ein Handwerk ausüben und dich ernähren kannst. 

Rikson blieb die Luft in der Lunge stecken, er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sein Vater Mörder war und er es auch werden sollte. 

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