GeisterKreaturenKurzPlottwitst

Nebula

Schon seit Wochen erwache ich jede Nacht zu leisem Klavierspiel, aber bislang war ich zu müde, um aufzustehen oder mich auch nur umzusehen, aber heute war es anders. Nachdem es mich heute zum zweiten Mal sanft aus dem Schlaf gerissen hatte, schaffte ich es, mich aufzusetzen und dem ganzen meine Aufmerksamkeit zu schenken. Erst nachdem ich mir die Augen gerieben hatte, bemerkte ich, dass mein Zimmer mit Nebel bedeckt war, was ging hier vor? Hatte ich geträumt? Ich begann nachzudenken und beschloss, das Fenster zu überprüfen, möglicherweise kam der Nebel von draußen herein.

Doch als ich am Fenster angelangt war und hinaussah, erschrak ich, als ich dort etwas stehen sah. Zum besseren Verständnis sollte ich erklären, dass ich in der dritten Etage wohne und von meinem Fenster aus nichts als die Landschaft und eine Straße wahrnehmen konnte. Aber jetzt war da etwas, als ich genauer hinsah, erkannte ich, dass es ein Klavier war, das wirklich an dem älteren, adrett gekleideten Herrn saß, neben ihm war eine junge Frau, die ein weißes leicht im Wind wehendes Kleid trug, sie bewegte ihre Lippen, als würde sie singen, aber sie gab keinen Ton von sich. Irgendwann begann sie, nach mir zu rufen und zum ersten Mal ihre Stimme zu vernehmen, die allerdings so klang, als würde sie eher von meinem Kopf als von meinen Ohren aufgenommen werden.

Zuerst war ich unsicher, weil ich immer noch im Hinterkopf hatte, dass ich im dritten Stock wohne, aber schließlich ließ dieser Gedanke nach und ich begann, aus dem Fenster zu klettern. Zu meiner Überraschung war der Nebel unter meinen Füßen solide genug, um auf ihm zu laufen. Ich näherte mich dem Klavier, mit jedem Schritt wurde der Nebel dichter, bis ich nicht mehr weiterkam. Ich stand in der Ungewissheit, wie es jetzt weitergehen würde, bis ich wieder das Klavierspiel vernahm, das mich aus dem Schlaf riss. Ich folgte der Melodie und entdeckte etwas, doch leider war es nicht das, was ich erwartet hatte. Gegenüber von mir stand ein altmodisches Klavier – auf der kleinen Klavierbank, die für den Pianisten bestimmt war, befand sich ein Skelett, das schon halb auf dem Klavier hing.

Während ich meinen Brechreiz unterdrückte, kam etwas hinter dem Klavier hervor. Es war ein weiteres Skelett, das Blut weinte. Es trug weißes Haar und war nicht in ein Kleid, sondern in Nebel gehüllt. Das Skelett hielt sich die Hände vor den Mund und begann etwas zu flüstern, während mehr Nebel aus seinem Mund strömte. Erst nach mehreren Sekunden begann ich zu verstehen, was dieses Wesen flüsterte: “Nebula”, wiederholte es immer wieder. Nach kurzer Zeit kam ich wieder zu mir, wandte mich um und rannte los. Es war mir egal, wohin ich rannte, solange ich diesem Ding entkam.

Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich schweißgebadet auf dem Boden neben meinem Bett aufwachte. An demselben Tag brachte ich ein Schloss am Fenster an, doch die Musik hörte nicht auf, aber der Nebel kam nicht mehr in mein Zimmer, sodass ich nicht auf die dumme Idee kam, wieder hinauszugehen, um zu ihr zu gehen. Ich erzähle dir das, um dich zu warnen: Wenn du jemals mitten in der Nacht Musik hörst, ignoriere sie und geh wieder schlafen.

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