
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Die See liegt ruhig vor mir und das Spiegelbild der
Mittagssonne scheint mir ins Gesicht. Eine salzige Brise weht in mein Gesicht
und gierig sauge ich den Atem des Wassers auf. Mein Schiff pflügt sich
geschmeidig durch die Wellen, wirbelt die Wellen auf und zerstäubt sie in
tausend kleine Tropfen, in denen sich die Sonne zu einem fulminanten Regenbogen
bricht, nur um Sekundenbruchteile später mit dem großen Ganzen wieder vereint
zu werden. Schon seit Jahren schippere ich um die Erde, immer auf dem Wasser,
immer in Bewegung. Ich bin einfach dazu geboren. Als Kind trug ich schon die
Uniform eines Matrosen, nun die Pracht eines Admirals. Einige Jahre schon
kommandiere ich das größte Kriegsschiff, das die Welt je gesehen hat. Doch heute
verspricht ein ruhiger Tag zu werden, die Sonne scheint hell, der Wind weht
leicht und der Atlantik hält uns in seiner schieren Unendlichkeit. Wo ich auch
hinsehe, überall ist das blaue Lebenselixier. Es ist einfach fantastisch.
Meine erste Handlung an Bord war, mir einen Tisch an Deck
schaffen zu lassen, um selbst meine weniger spannenden Aufgaben in
unmittelbarerer Nähe der See zu verrichten. Hier sitze ich nun und genieße mein
Mittag. Es ist einfach herrlich. Aus dem Radio ertönen Nachrichten, irgendein ungeklärtes
Massaker in einem Wald auf der anderen Seite der Welt. Wirklich interessieren
tut mich das nicht. Während also die Musik der Menschen verstummt lausche
ich den melodischen Klängen der sich auftürmenden und brechenden Wassermassen.
Für einen Moment noch lasse ich meinen Blick über das geschäftige Treiben der
Crew schweifen, dann schließe ich die Augen und konzentriere mich ganz auf die
mitreißende Symphonie der Natur. Swuuuuuusch.
Brrrrrsch. Klonk. Sofort reiße ich meine Augen auf. Was war das? Dieser
metallische Klang mitten in den Weiten des Ozeans. Ich blicke auf und suche
die strahlend blaue Oberfläche ab. Wellen, Möwen, Schiffe. Alles nichts
ungewöhnliches. Aber diese Schiffe, irgendwas ist anders. Langsam, ohne den
Blick von ihnen abzuwenden, ergreife ich mein Fernglas. Der nächste Gedanke
schießt mir sofort durch den Kopf, in dem Moment, in dem ich sie etwas genauer
erkennen kann: Feinde.
Noch bevor mein Ruf auf dem Deck verhallt ist, befindet sich
das Schiff schon in voller Alarmbereitschaft. Ich stehe schon auf der Brücke,
als die meisten noch nicht einmal wissen, was um sie herum überhaupt geschieht.
Das Schiff dröhnt angriffslustig in die Umgebung, als ich den Kurs in Richtung
Gegner ändere. Sie sind zu fünft. Wir sind allein. Es würde also kein fairer
Kampf werden. Schon lange hatte ich keinen von ihnen mehr erblickt, dachte sie
wären besiegt worden, aber doch waren sie hier. Aber nicht mehr lange.
Anscheinend haben sie uns gar nicht bemerkt, denn noch halten sie Kurs, direkt
auf uns zu. Noch. Unter mir höre ich das aufgeregte Geschrei der Mannschaft,
vernehme gebrüllten Befehle und auch die Geräusche der scharf gemachten Waffen
erreichen mein Ohr. Die anderen Boote, im Vergleich zu meinem geradezu bessere
Nussschalen, halten weiterhin auf uns zu. Wir sind schon nah dran, ich kann die
verblassten Namen auf den vor Dreck verkrusteten Rümpfen schon mit bloßem Auge
entziffern. Dann höre ich ihre Sirenen. Sie haben uns entdeckt.
Ein Ächzen hallt über den Ozean, als sie versuchen ihren
Kurs zu ändern. Doch es ist bereits zu spät. Sie kommen näher, ich kann bereits
die Matrosen sehen, wie sie, Ameisen gleich, über das Deck wuseln und
verzweifelt versuchen, irgendetwas an der Situation zu ändern. Sie schwimmen in
perfekter Formation, zwei Schiffe an den Seiten, das Größte in der Mitte. Genau
das ist unser Ziel. Der Wind, der Bote der See, trägt ihre aufgeregten Stimmen
an mein Ohr und ich bemerke die Angst in ihren Stimmen. Wie verachtenswert. Sie
sind Krieger und was tun sie? Anstatt zu kämpfen und dem Tod ins Auge zu sehen
rennen sie umher wie ein kopfloses Huhn. Was hatten sie denn auf See erwartet?
Warum sind sie hier, wenn sie nichts haben, wofür es sich zu sterben lohnt?
Eine Welle der Verbitterung erreicht mich und erfüllt meinen Geist. Sie
überschwemmt mein Denken und lässt mich kurz wanken. Sie haben meine Tochter
getötet. Meine wunderschöne, liebliche Tochter haben sie umgebracht, als sie
grade auf See war. Dafür werden sie büßen. Auch wenn sie keine Motivation zum
Kämpfen zu haben scheinen, ich habe sie. Ich werde mein Mädchen rächen. Das bin
ich ihr schuldig.
Sie sind nur noch wenige Sekunden der Fahrt entfernt. Sie
toben nicht mehr so ungeordnet herum, sie machen sich bereit zum Angriff. Wie
süß. Dann legt sich Stille über das Meer.
Für einen Augenblick scheint alles in Ordnung, verharren wir und unsere Feinde
wie Modelle für ein Gemälde regungslos in unseren Posen. Eine unendlich lange
Sekunde befinden wir uns alle im Gleichgewicht mit uns und pulsieren vor
Adrenalin. Dann geht es los.
Die gegnerischen Offiziere haben nicht einmal die Zeit, um
einen Befehl zu geben. Wir feuern aus allen Rohren, wie kleine Kometen krachen
unsere Kugeln in ihre Schiffsbäuche, in ihre Waffen und ihre Körper. Ein
infernalischer Lärm ertönt und vermischt sich mit dem Tosen der See zu einem
wahren Meisterwerk des Untergangs. Im Inneren ihrer Schiffe explodieren die
verschiedensten Dinge und brennen sich wie kleine Supernovae ihren Weg an die
Oberfläche. In weniger als einer Minute sind die ersten beiden Schiffe ihrer
Flotte auf den kalten Grund des Ozeans befördert worden. Wie die Stimmen
hunderter Dämonen schallt der Motor ihres größten Schiffes durch die Szenerie.
Sie wollen uns rammen. Aber wir sind schneller. Hinter mir höre ich das vertraute
Zischen des modernsten Waffensystems, das auf den Schiffen der Welt zu finden
ist. Als wären sie gefallene Sterne knallen unsere Raketen auf das Deck der
Gegner und lassen ihre verkohlten Silhouetten wie Marionetten durch die Flammen
tanzen. Noch bevor wir sie auch nur rammen können schließen sich die Wellen
über ihnen. Es ist, als hätte es dieses Schiff nie gegeben. Die beiden übrigen
Schiffe unternehmen den verzweifelten Versuch, doch noch zu entkommen. Sie
drehen ab, beide in verschiede Richtung, um in sicherem Abstand an uns
vorbeizufahren. Nichts rührt sich. Wir wiegen sie in Sicherheit. Grade, als sie
in Jubelgeschrei ausbrechen wollen, lassen wir unsere letzten Höllenhunde von
der Leine. Kleine weiße Fäden schießen unter der Oberfläche auf sie zu und zu
beiden Seiten erheben sich gewaltige Feuerbälle in den Himmel. Torpedos sind
schon etwas Schönes.
Die Schlacht haben wir begonnen und gewonnen. Der Krieg
wurde uns erklärt, aber wir werden siegreich sein. Wie der Tod selbst bewegen
wir uns durch die brennenden Überreste der Handelsflotte. Die Verbindung
zwischen Amerika und Europa ist gekappt. Von nun an wird kein einziges Schiff
mehr unbehelligt den Atlantik überqueren. Dafür werden ich und meine Crew schon
sorgen. Tief im Schiffsbauch machen sie mit ihren geisterhaften Händen das
Schiff bereit auf die Reise zum nächsten Kampf. Die Geister der Meere,
versammelt um sich gegen Unterdrückung und Verschmutzung der Menschen zu
wehren. Lange genug haben sie mit mir gespielt und sich eingebildet, sie
könnten mich beherrschen. Doch ich bin nicht zu beherrschen. Meine Schwester
hat gerufen und ich folge ihr. Der Krieg fängt grade erst an.
Mein Name ist Pontos. Ich bin das Meer.