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Resignation

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Jeden Abend sitze ich auf dem Dach, von dem aus man ohne Probleme in ihr Schlafzimmer blicken kann, fühle nichts außer der allgegenwärtigen Kälte in meiner Brust, höre nichts außer dem allgegenwärtigem Wind in meinem Kopf und sehe ihr zu.

Natürlich tue ich es nicht, wenn sie sich umzieht, oder ähnlich entblößende Aktivitäten verfolgt, obwohl ich weiß, dass es keinen Unterschied mehr macht. Die Grenze ist schon lange überschritten. Ich kann die Zeit nicht zurückspulen. Ich kann nicht verhindern, dass ich auf diesem Dach lande, und ihre Privatsphäre derartig mit den Füßen trete. Weil ich zusehen muss.

Manchmal bringt sie jemanden mit, und ich werde nicht eifersüchtig.

Wirklich nicht.

Ich werde nicht einmal wütend.

Ich resigniere nur ein wenig.

Denn: Wie oft habe ich mir schon vorgestellt, einfach zu ihr hinzugehen, und mit ihr zu sprechen? Vielleicht würde das ja irgendetwas ändern? Vielleicht hätte alles ein gutes Ende… trotz holprigem Anfang.

Doch ich kann nicht.

Zum Teil, weil ich mir auch andere Dinge vorstelle. Meine Hände um ihren zarten Nacken zu legen. Ein Messer, tief in ihre sich hektisch bäumende Brust zu rammen, und dort zu drehen. Ihr das Leben sanft zu nehmen, oder es ihr zu entreißen, während sie endlich einmal nur Augen für mich hat. Ich stelle mir vor, dass ich anschließend ihre leblose Hülle küssen würde, mehr mit Zähnen als mit Lippen. Ich würde ihren Körper so vergewaltigen, wie sie es mit meinem Geist getan hatte, als ich mich trotz allem in sie verliebte.

Und ich schäme mich so sehr für diese Gedanken.

Etwas derart Schreckliches kann ich nicht tun.

Stattdessen verwende ich meine Zeit, um rauszufinden, was sie aufwühlt, was sie berrührt, oder kalt lässt. Früher bekam ich dabei jede Nacht einen Adrenalinschub und wartete darauf, dass sich ihre damals so wie heute noch bezaubernden, giftgrünen Augen auf mich richten würden. Doch sie ist schon so oft schlafen gegangen, ohne mich vor ihrem Fenster zu entdecken. Mit sanftem Mondlicht, das auf ihre sanfteren Gesichtszüge fällt, weil sie ihre Rolladen gerne oben lässt, um noch ein wenig in den Nachthimmel blicken zu können.
Ich bin zu gut versteckt. Sie wird mich nicht bemerken.

Und ich werde ihr zusehen.

Ich kenne sie mittlerweile gut. Und dennoch war ich überrascht, als ich sah, wie sie vor einigen Nächten die vielen Tabletten zum Mund führen wollte, die sicher zu viele gewesen wären. Ehrlich gesagt wusste ich nicht so recht, was ich fühlen sollte. Meine eigenen Gedanken verwirrten mich. Also wartete ich, und sah zu.

Sah, wie sie mit Tränen in den Augen die verräterischen Kapseln in eine Ecke ihres Zimmers warf, und begann, zu schreien, bis scheinbar ihre Kehle rau wurde. Dann ging sie, und kam kurz darauf mit einer dampfenden Tasse zurück ins Zimmer; ihr kurzzeitiger Moment von Schwäche tief in ihrem Unterbewusstsein vergraben.

Ich weiß, dass sie will.

Ich weiß auch, dass sie nicht kann.

Genau wie ich meinen Blick nicht abwenden werde, weil ich sie auf eine perverse Weise bedauere. Weil ich sie auf eine abgedrehte Weise liebe.

In der nächsten Nacht brachte sie jemanden mit. Sie schliefen miteinander, und ich war nicht eifersüchtig. Derselbe Mann begann – zu meiner Missgunst, die einen bitteren Geschmack in meinem tauben Mund hinterließ – immer öfter zu erscheinen. Erst eher zufällig und ziemlich selten. Dann wöchentlich. Nach einer Weile schließlich täglich.

Schließlich gar nicht mehr.

Ich sah noch immer zu, wartete darauf, dass er irgendwann wieder auftauchten würde.

Ich hatte die Beiden nicht streiten sehen, aber sie kam auch nicht immer Heim, sodass ich manchmal keine Ahnung hatte, was in der Zwischenzeit geschehen war.

Also sah ich zu, und wartete auf ihn, mit diesem grausamen Hoffnungsschimmer tief in meiner Brust, die eigentlich der Kälte gehörte. >Ich werde mit ihr reden.<, nahm ich mir einmal vor, während sie ihr niedliches Nachthemd überstreifte, >Oder es zumindest versuchen.< Doch der Hoffnungsschimmer löste sich auf. Denn er kam wieder, wenngleich nicht so, wie ich es fieberhaft erwartet hatte.
Er kam wieder, und er kommt direkt auf mich zu.

Auf dem Dach.

Er hat seine ganze Aufmerksamkeit auf mich gerichtet, also erwidere ich seinen Blick, den ich nicht deuten kann.

Weder eifersüchtig, noch wütend.

Nur resigniert.

Ich versuche zu lächeln, aber meine Worte klingen erstickt, während sie – ohne uns zu bemerken – anfängt, summend ihre Haare zu kämmen.

„Sie hat dich auch umgebracht, hm?“

Heute Nacht würden wir ihr gemeinsam zusehen.

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