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Rumänisch für Anfänger

-in Ertspersonperpektive eines LKW-Fahrers-

Ich bin ein Ost-Europa LKW-Fahrer und bringe verschiedene Waren in die Balkanregion und manchmal etwas über die Podolische Platte hinaus. Passieren tut dabei nicht viel, aber ich wurde vorsichtiger nachdem was ich hier erzähle.

 

12.12.2006,17 Uhr OEZ , Sibiu, DJ 106 B. km 1.5

Ich war am Warenlager in Hermannstadt und fragte den Direktor wie ich denn weiterfahren müsste.Er erklärte,ich solle die Landstrasse bis nach Margina fahren und dort Pause machen.Als ich fragte warum genau in Margina, antwortete er:

‘Es gab….Unfälle bei den Fahrern die nach Sonnenuntergang hinter Margina fuhren. Zu viele um sie zu ignorieren.Daher empfehle ich dir dort zu halten und dich am besten vom Stadttor bis zum Morgen fern zu halten.’

Das Angebot war verständlich, aber ich lehnte es ab.Ich meine, wenn ich durchfahren würde wäre ich bei Morgen ja schon nahe der Grenze.So fuhr ich los und machte mich auf dem Weg in Richtung Margina.

12.12.2006,23 Uhr OEZ, DJ682

Es war still.

Ich hatte Margina vor einer Viertelstunde verlassen.

Das nächste Dorf wäre aber noch gut 7 Kilometer weg.

Ich schaltete das Radio an um der Stille zu entfliehen.

Dann kam ein Nachrichtenreport.

Ich kann nur wenig Rumänisch und verstand nur wenig.

Aber ich konnte die Wörter tot, Frau, Kinder, Unfälle und Marginischen Grasländer verstehen.Ich zog also den Schluss, dass in einigen Unfällen eine Frau und Kinder starben.

Dann kamen noch einige Sätze.

Ich verstand Vorsicht, Warnung und Gute Fahrt.

Also,sollte ich Acht geben.

Klar, ich meine es ist Schneezeit und Blizzarde kommen und gehen.

Ich sah ein Schild. Nicht groß, nicht klein, leserlich halt.

‘Pajiști Marginale’.

Marginische Grasländer.

Mir war nicht gerade wohl.

 

13.12.2006,0:12 Uhr OEZ, DJ682?

Ich fahre jetzt schon über 70 Minuten auf dieser Straße.

Das ist ganz und gar nicht normal.

Ich habe das Schild vor gut einer Stunde gesehen.

Was ist bloß los?

Ich fahre diese Strecke seit Jahren, aber die nächste Stadt kommt nicht!

Als wäre ich in einer wiederkehrenden Stelle gefangen…

Ich entscheide mich am Straßenrand zu parken und mich etwas auszuruhen, weil vielleicht hilft das ja.

 

13.12.2006, nach 1 Uhr?, ???

Ich wachte auf.

Meine Uhr zeigte 1 Uhr.

Kurzer Schlaf.

Ich schaute mich um.

Die Landstraße war komplett zubenebelt.

Wie?

WIE?

Es war WINTER. Es gab kein Wasser zum Kondensieren!

Zwar muss man dumm – sehr dumm- gewesen sein das Folgende zu tun aber trotzdem.

Ich fuhr weiter.

 

Zeit: unbekannt, Ort: unbekannt

Ich hielt inne.

Durch das ganze Nebelgesäufle fand ich eine Frau und 3 Kinder vor mir auf der Straße liegend.

Schockiert steigte ich aus und maß nach Puls.

Sie atmeten.

Doch sie waren erschütternd kalt.

Es war bereits kalt genug, aber immer noch, sie waren kälter.

Ich konnte keinen Krankenwagen rufen, mein Klapptele war tot.

Also: nur ein Weg heraus.

Ich musste sie mitnehmen, daher trug ich alle 4 in den LKW rein und fuhr weiter.

Es war schrecklich.

Urplötzlich wurde ich erschöpft durch eine unbeschreibliche Last.

Ich wusste sofort, dass ich anhalten und mich wieder ausruhen muss.

Jedoch woher die Last…?

 

13.12.2006,8 Uhr OEZ, Arad, DJ682F

Ich wachte auf.

Ich schaute mich um.

Eine Tankstelle.

Aber…wie?

Wodurch? Woher? Weswegen? Vor allem durch WEN ODER WAS?

Ich bemerkte, dass die Frau und Kinder fehlten.

Wo konnten sie sein?

Nun,selbst wenn ich es wüsste,was sollte ich tun?

Ich stieg aus, um frische Luft zu schnappen.

Die Sonne ging gerade auf.

Es war ein herrlicher Morgen.

In aller Unverständnis tat ich das was ich tun sollte.

Weiterfahren.

So viele Fragen. Aber ich ignorierte sie alle.

Schließlich kam ich am 14.12. in Deutschland wieder an.

Ich nahm mir nach dieser Reise Urlaub für 4 Wochen und besorgte mir ein Sprachbuch.

Hätte ich auf das Radio gehört.

Hätte ich auf den Direktor gehört.

Zwar ist es vorbei, aber…durch welche Opfer?

Manch einer will manch Opfer gar nicht erkennen wollen, scheint mir. Und heute bin ICH das.

 

 

 

 

 

 

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