GeisteskrankheitKurz

Schlaf Paralyse

Seit ich sehr jung war, kämpfte ich mit sehr deutlichen Albträumen. Sogar in meinem Kinderbettchen hatte ich Albträume, an die ich mich bis heute erinnere. Ich schlief immer mit einem Nachtlicht und meine Tür stand immer weit offen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mehr Kontrolle hatte, wenn ich sehen konnte, was draußen vor meinem Zimmer war. Ich fühlte mich auf diese Weise besser vorbereitet. Dann erlebte ich eine Schlaflähmung. Seitdem neige ich dazu, meine Tür abzuschließen, bevor ich schlafe.

Wenn du noch nie etwas von einer Schlaflähmung gehört hast, kannst du dich glücklich schätzen. Sehr glücklich.

Wenn wir einschlafen, treten wir in den so genannten REM-Schlaf ein. Während dieser Phase wird der physische Körper an Ort und Stelle gehalten, um zu verhindern, dass wir im Schlaf wandern oder während eines Traums herumfuchteln. Schlaflähmung tritt auf, wenn der REM-Schlaf unterbrochen wird.

Du bist in einem halb bewussten Zustand, unfähig zu erkennen, ob du wach bist oder nicht. Du fühlst dich, als ob du dich zwischen zwei verschiedenen Existenzebenen befindest. Deine Sicht ist verschwommen, du kannst deine Augen nicht schließen und gleichzeitig kämpfst du darum, sie offen zu halten. Du bist verängstigt und verwirrt. Dann bemerkst du, dass du dich nicht bewegen kannst.

Lähmung.

Es ist, als ob eine Abrissbirne deinen ganzen Körper gegen deine Matratze drückt. Je mehr du versuchst, dich zu bewegen und dich zu befreien, desto schrecklicher wird es.

Die Geräusche fangen an zu wirken. Kratzen, Tropfen, Atmen, Stöhnen… Es ist unmöglich zu sagen, woher die Geräusche kommen, denn sie umgeben dich. Du kämpfst weiter und sie werden immer lauter; näher. Schließlich gewinnst du mehr Kontrolle über deine Sicht. Du kannst jetzt ein bisschen mehr sehen; du spürst Erleichterung.

Aber nur für einen kurzen Moment.

Plötzlich wünschst du dir, du könntest komplett erblinden, als du ein dunkles Wesen vor deiner Tür stehen siehst, das sich krümmt, als wäre seine Wirbelsäule in vier verschiedene Richtungen geknickt worden. Seine unnatürliche Form und Größe schafft es irgendwie, sich in dein Zimmer zu quetschen. Es streichelt sanft die Wand, als wolle es dir zeigen, dass es nur dich verletzen will. Seine ekelhaft langen, scharfen Fingerspitzen strecken sich aus, um die Tapete wie die Spitze einer Infusion zu durchstechen und die Wände mit Schwarz zu injizieren. Dein Herzschlag ist wie eine Trommel in beiden Ohren. Du kannst dein eigenes Blut schwappen hören; Adrenalin schießt deine Wirbelsäule hinauf. Jeder Zentimeter deines Körpers kribbelt und schreit dich an, zu kämpfen oder zu fliehen, aber du bist durch die Präsenz dieses schrecklichen Wesens gefesselt.

Es steht und starrt, atmet heiser, als ob seine Lungen tausendmal durchstochen worden wären.

Seine Haut, wenn man sie überhaupt so nennen kann, ist ein totes Grau, zerrissen und schlaff, als ob die Schwerkraft seinen Körper überwältigt hätte.

Seine Augen: zwei schwarze Löcher ohne Leben und Seele.

Sein Mund; kein Unterkiefer. Nur eine schlaffe obere Reihe von scharfen Zähnen, die von Blut und Schleim triefen und zu seinem entblößten Hals hinunterführen. Man kann sehen, wie die Sehnen und zerrissenen Muskeln darum kämpfen, die Kreatur aufrecht zu halten.

Der Raum riecht nach etwas, das ich nur als blutigen, verschwitzten Lappen beschreiben kann, der in der Sonne verrottet. Der Gestank ist ekelerregend, aber du kämpfst darum, ihn zu unterdrücken. Du würdest ersticken und in deinem eigenen Erbrochenen ertrinken, wenn du deinen Magen das Beste aus dir herausholen lässt.

Du versuchst, dich umzusehen; irgendetwas anderes zu sehen als die Kreatur, aber der Rest deines Zimmers ist stockdunkel. Du fühlst dich, als hätte dieses Ding deine Augen mit Nadeln und Schnüren durchstochen, an ihnen gezogen und dich gezwungen, zuzusehen, wie es näher kommt und deinen Teppich mit blutigen, unmenschlichen Fußabdrücken befleckt.

Es bahnt sich seinen Weg auf dein Bett, krabbelnd und zuckend wie ein verwundeter Skorpion. Sein Hals knackt und seine Finger lösen sich, um deine Wange zu streicheln. Du spürst eiskalten Atem gegen dein Gesicht; dein Herz schlägt aus deiner Brust in deine Speiseröhre. Es versucht, seine Finger in deinen Mund zu stopfen, schabt an den Seiten deiner Zunge und der Rückseite deiner Kehle. Du ringt nach Atem, während du mit deinen Fingern und Zehen kämpfst, um die Lähmung zu durchbrechen.

Es wird alles schwarz. Es ist still.

Ein paar Minuten vergehen.

Dein Sehvermögen kehrt zu dir zurück. Du bist wieder frei, dich zu bewegen.

Du bist wach. Du bist wieder in deinem Zimmer, sicher und gesund. Keine Kreatur, kein schrecklicher Geruch, kein kalter Atem, keine dämonischen Finger, die in deinem Mund kratzen. Es war alles nur in deinem Kopf.

Du nimmst einen Schluck Wasser und atmest tief durch, bevor du dich hinlegst und versuchst, noch einmal zu schlafen. Dein Herzschlag verlangsamt sich und deine Muskeln entspannen sich. Du bist endlich wieder ruhig.

Du wirfst einen letzten Blick auf deine Tür, um dir zu versichern, dass, egal wie real es sich anfühlte, alles nur ein Albtraum war.

Aber was ist das für ein Geschmack von Blut auf deiner Zunge?

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