
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
//Bei dieser CP handelt es sich um eine Überarbeitung der CP Split Face.
Ein Mann stand in der Mitte der dunklen, vernebelten und vom Regen nassen Gasse. Er hatte eine Kapuze auf dem Kopf und schien sich nicht an dem Regen zu stören, der seine Kleidung fast vollständig durchnässt hatte. Ein wilder Bart umrahmte sein Gesicht und seine unnatürlich dunklen Augen waren zu schmalen Schlitzen
verengt. Niemand sonst war zu sehen.
Da horchte der bärtige Mann auf. Durch das Prasseln des Regens hindurch nahm er ein weiteres Geräusch war. Das von
Schritten auf dem nassen Pflaster. Ein zweiter Mann schritt um die Ecke. Er hatte einen langen gelben Regenmantel an, der so überhaupt nicht in die Umgebung passte.
„Hast du die Karte?“, fragte er. „Hast du das Geld?“, antwortete der Zweite mit einer rauen Stimme. „Natürlich“, meinte der andere wieder, zog einen Beutel aus der
Tasche, trat hervor und überreichte ihn dem Bärtigen, welcher ihn öffnete und
hineinblickte. Gebündelte Geldscheine lagen in ihm. Ohne ein weiteres Wort gab der Bärtige dem anderen
einen Umschlag und Schritt durch die verregnete Nacht davon.
Erst jetzt
erkannte der andere, dass die rechte Gesichtshälfte von dem bärtigen Mann fast
vollkommen verdeckt war. Vermutlich irgendwelche Verletzungen. Aber es konnte ihm egal sein, woher dieser Kerl sie hatte. Hauptsache, er bekam endlich das, was er wollte. Er blickte auf den Umschlag herunter, auf dem in krakeliger Handschrift „Karte zur Königin des Todes“ geschrieben war. Der Mund des Mannes verzog sich zu einem breiten Grinsen.
10 Jahre Später…
Mike öffnete die kleine, verrostete Tür, die in
seinen verwahrlosten Garten führte. Sie hätte längst ersetzt werden müssen,
doch niemand hatte die Energie dazu aufgebracht. Mike ließ seinen Blick
schweifen. Die alte Scheune hatte ein undichtes Dach, aus der Brücke des halbleeren
Teichs waren einige Planken herausgebrochen, und Efeu überrankte die Mauer, die
Mikes Grundstück von dem Grund des Bauerns abgrenzte, der nebenan sein
Weizenfeld hatte. Mike hatte keine Motivation gehabt den Garten in Stand zu
halten. Seit genau 10 Jahren lebte er nur noch vor sich hin. Denn vor genau 10
Jahren war sein Vater auf einer Expedition im Urwald verschollen.
Mikes
Mutter war bei Mikes Geburt gestorben und er war mit dem Gefühl aufgewachsen,
sie umgebracht zu haben. Mit 14 geriet er in eine tiefe Depressionsphase. Sein
Vater brachte ihn wieder auf den richtigen Weg und half ihm, wieder ein
glückliches Leben führen zu können. Doch
10 Tage vor seinem 16. Geburtstag verschwand sein Vater auf einmal. Danach ging
wieder alles den Bach hinunter. Mike wurde in ein Heim aufgenommen, da er sonst
auch keine Verwandten hatte, und brach die Schule ab. Seine Lebensfreude
war schlagartig verschwunden.
Mike schüttelte die Gedanken an damals ab. Sein
Vater würde zurückkommen. Er wusste es einfach. Fest entschlossen nicht mehr an
seine Jugend zu denken, schritt er auf seinen Briefkasten zu. Ein großer und
ziemlich dicker Umschlag war darin. Nichts stand darauf. Interessiert riss Mike
den Umschlag auf. Ein Ring fiel heraus. Mike hob ihn auf und er erkannte
sofort, welcher Ring es war. Der Ehering seines Vaters. Er hätte ihn niemals
freiwillig abgenommen. Mike fand in dem mysteriösen Brief noch einen Zettel und
eine Karte, und er begann in plötzlicher Euphorie den Zettel zu lesen: „Hallo
Mike. Ich halte mich kurz; ich bin noch am Leben. Doch ich sitze fest und
brauche jetzt unbedingt deine Hilfe. Du musst mich suchen! Den Ehering habe ich
als Beweis dazugelegt, dass du mir glaubst, und er wird dich immer an mich erinnern.“ Mike stockte und hörte auf zu lesen. Sein Kopf wurde binnen Sekunden
von Gedanken überflutet. Er war es! Er war noch am Leben! Eine Freudenträne
rann ihm übers Gesicht. Sein Vater war am Leben und er brauchte sofort seine Hilfe!
Ein Handy vibrierte. Mike sprang von der Couch auf,
auf welcher er gerade noch die Karte gelesen hatte, die dem Umschlag enthalten
war. Mike blickte auf das Display. Er war es. Sein Bruder. Mit einem schnellen
wischen über das Display war der Anruf angenommen. Eine Stimme fragte verärgert: „Was ist mit dir los? Nach Vaters Verschwinden hast du mich in große
Schwierigkeiten gebracht, und jetzt schreibst du mir plötzlich, dass er noch
lebt? Nach zehn Jahren? Bitte sag nicht, dass du jetzt Drogen nimmst!“ „Komm
unbedingt her, Pete!“ „Was willst du von mir, ich wohne in Atlanta? Und du in
New York!“, rief Peter verärgert in sein Handy. Keine Antwort. Mike hatte
aufgelegt.
Peter stöhnte auf. Er war immer noch
dasselbe Arschloch wie damals. „So ein verdammter Hund!“, fluchte er laut und
warf sein Handy neben sich auf die Couch. Sollte er zu ihm fliegen? Mike hatte
doch seine Neugierde geweckt und Peter vermisste seinen Vater natürlich genauso
wie Mike. Er hatte nur eingesehen, dass sein Vater tot sein musste. Oder doch
nicht? Da fasste er einen Entschluss. Er würde Mike besuchen.
„Mike, diese Nachricht hat doch nichts zu
bedeuten! Das ist sicher nur ein dummer Streich der Nachbarskinder! Die mochten
uns doch noch nie wirklich!“ „Das glaub ich nicht, Pete! Der Brief ist von Vater!“ „Und jetzt willst
du in irgend so eine Ruine im Urwald gehen, weil unser vor ZEHN Jahren
gestorbener Vater, uns einen beschissenen Brief mit einer Karte geschickt hat, in dem steht, dass
wir bei den beigelegten Koordinaten die Königin des Todes finden und der
Schlüssel zu Anachram von ihr bewacht wird? Und wir nicht mal wissen wer oder
was die Königin des Todes oder dieses Anachram Dings ist? Du bist nur immer
noch nicht über den Tod unseres Vaters hinweg!“ „Und wenn er doch noch lebt?
Und dort auf uns wartet?“ „Mike! Vater ist tot! Verschollen auf dieser Scheiß
Expedition in diese Ruine! Du willst doch nicht gleich sterben wie er, oder?“ „Ich werde gehen!“ „Tu was du nicht lassen kannst! Ich jedenfalls
gehe nicht mit!“, Peters Stimme überschlug sich fast und er stürmte
wutentbrannt aus dem Zimmer. Mike lehnte sich erschöpft zurück und fuhr mit
seiner Hand durch seine blonden Haare. Auf die Hilfe seines Bruders konnte er
also nicht zählen. Er blickte in den Spiegel. Er war seinem Vater doch sehr ähnlich.
„Ich komme, Dad“, sagte er zu seinem Spiegelbild: „Ich komme zu
dir!“
Peter hatte schnell seine Sachen gepackt und
saß schon wieder im Auto und fuhr in Richtung Flughafen. Er hätte sich doch
denken können, dass das alles Schwachsinn und eine unglaubliche Geld- und
Zeitverschwendung war. Ein Brief und der Ring. Das hätte jeder in Mikes
Briefkasten werfen können. Auf den Bildern in Mikes Haus sah man wie der Ring
aussah, und jeder hätte ihn fälschen lassen können. Mike hatte sich noch nicht
einmal die Mühe gegeben,
den Ring auf seine Echtheit prüfen zu lassen. „Er wird sowas von draufgehen!“,
murmelte Peter zu sich selbst und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit auf den
Parkplatz des Flughafens.
„Guten Tag!
Ich würde gerne mit Mr. Nolton sprechen“, fragte Mike die junge Frau an dem
Schalter des Notariats. „Sehr wohl. Er wird gleich für sie da sein. Nehmen sie
doch schon mal dort hinten Platz.“, antwortete die Frau und zeigte mit
einladender Geste auf eine Ledercouch, die in der Ecke des Eingangsraums des
Gebäudes stand. Mike bedankte sich und setzte sich wie geheißen hin.
Kaum drei Minuten später, kam der Notar auf ihn
zu und führte ihn in sein Büro. Dort bot ihm Mr. Nolton einen Sessel an und
fragte: „Was führt sie zu uns? Nach Zehn Jahren?“ „Ich möchte meine Erbschaft
doch annehmen“, meinte Mike. Mr. Nolton war überrascht: „Weshalb erst nach 10 Jahren?“ „Es ist etwas passiert, wofür ich Geld brauche.“, meinte
Mike: „Wie viel ist es?“ „200 000 Euro“, meinte der Notar etwas verwundert.
„Perfekt, wann kann ich es bekommen?“ „Jetzt“, meinte der Notar, kramte einen
dicken Umschlag an Geld aus einer Schublade und übergab ihm Mike. „Vielen Dank
Mr. Nolton! Und Auf Wiedersehen!“, meinte Mike und war bereits an der Tür. Mr.
Nolten blieb verdutzt zurück.
Ein süßlicher Duft stieg Mike in die
Nase. Er erinnerte ihn an die Zimtsterne, die sein Vater immer
an Weihnachten gebacken hatte. Doch der Geruch kam wohl von den seltsamen
Sträuchern mit den glänzend goldenen Früchten, die überall in diesem seltsamen
Wald wuchsen, in dem Mike sich befand. Seit 3 Jahren war er jetzt schon
unterwegs. Mit seinem Bruder hatte er in diesen 3 Jahren keinen Kontakt mehr
gehabt. „Wie lange willst du noch hier rumstehen?“, fragte Robert. Er war sein
Fremdenführer hier im Urwald von Mexiko und hatte sich dazu bereiterklärt, ihn
bis zum Dorf der Choctaw, ein Stamm der Eingeborenen in diesem Urwald, welches
sich nur noch einige Stunden von der Ruine entfernt befinden sollte, zu
begleiten. Robert war nach den drei Jahren des gemeinsamen Reisens zu etwas
geworden, dass Mike schon seit Jahren nicht mehr hatte. Er war zu einem Freund
geworden. „Keine Sorge. Ich komm ja schon.“, meinte Mike mit einem Lächeln im
Gesicht. Auch etwas, dass ihn erst Robert wieder gelehrt hatte. „Laut dem Plan
sind wir bald da. Noch ein zwei Tage oder so.“, schätzte Robert und die beiden
setzen sich wieder in Bewegung.
Zwei Tage
später waren sie an dem Dorf der Choctaw angelangt. Die Einwohner waren
überrascht über den Besuch, und waren den Neuankömmlingen nicht abgeneigt. Im
Gegenteil, denn sie waren ausgesprochen freundlich, beschenkten beide
reichlich, und machten Mike und Robert mit dem Häuptling und Schamanen des
Dorfes Fala bekannt, der sie in sein Zelt einlud, um sie etwas besser
kennenzulernen.
„Warum seid
ihr hier?“, fragte Fala mit einer tiefen, rauchigen Stimme. „Ich möchte zum
Tempel der Xuqovana.” „Ich erinnere mich. Vor Jahren war ein Mann hier. Er sah
ihnen sogar ähnlich. Er wollte auch zum Tempel. Doch er ist nie wiedergekommen.
Weißt du, was sich dort befindet?“ „Nicht genau.“ „Du solltest nicht
dorthin gehen. Denn dort wurde
vor hunderten von Jahren die Königin des Todes eingesperrt. Ein Fluch umgibt
sie, dass sie niemals aus Ihrem Gefängnis ausbrechen kann und für alle
Ewigkeiten dort bleiben muss. Aber wenn man ihr den richtigen Körper bringt,
kann sie von diesem Besitz ergreifen, und aus ihrem Gefängnis ausbrechen. Und
dann würde das größte Unheil, das die Welt jemals gesehen hat, über uns kommen.
Geht nicht, wenn ihr die Welt und euch selbst retten wollt! Es ist nicht
sicher!“ „Den Mann, den du vorher erwähnt hast, welcher hier vor Jahren war, war mein Vater. Ich bin gekommen, um ihn zu retten.“ „Junge, dein Vater
ist tot.“, meinte der Schamane leise. „Ich werde trotzdem gehen.“, sagte Mike genauso leise, stand auf und
ging zielstrebig aus dem Zelt. Robert folgte ihm und der Schamane blieb allein
zurück. Er schaute ihnen mit einen traurigen Gesichtsausdruck nach. „Wir werden
alle Sterben.“, murmelte er und blickte auf den Zeltausgang.
Mike saß auf einem Fell, das auf dem Boden
lag. Er würde dort nur auf seinen Vater treffen und ihn wieder nach Hause
bringen. Fala hatte wohl nur irgendeinen Scheiß gelabert. Er konnte jetzt nicht
aufgeben. Er hatte all sein Geld für diese Reise verbraucht. Er hatte alles in
diese Reise investiert. Sein Haus zurückgelassen und sogar seinen Bruder.
„Robert, bitte komm mit.“ „Ich kann nicht, Mike.“ „Bitte, ich möchte nicht
schon wieder jemanden zurücklassen.“ „Ich werde hier auf dich warten. Wenn du
wiederkommst, helfe ich dir, dein Leben
wiederaufzubauen.“ „Danke“, Mike stand auf und drehte sich zu Robert, der auf
einem kleinen Holzblock saß und ihn ansah. „Viel Glück“, meinte er und Mike
ging aus dem Zelt. Er musste noch jemanden zurücklassen. Nach all diesen Jahren
war ihm jetzt klar, dass absolut nichts sicher war. Würde er überhaupt
wiederkommen? Tränen füllten seine Augen, als er das letzte Mal zurückblickte.
Robert stand am Zelteingang und sah ihn an. Nach einiger Zeit schaffte es Mike
dann doch, sich loszulösen und weiterzugehen. Weiter in die unbekannte Zukunft.
Zwei Stunden
später erreichte er das riesige Gebäude aus Stein. Der Tempel musste prächtig
gewesen sein, doch davon war nicht mehr viel zu sehen. Er war fast komplett von
Dornen und Ranken überwachsen, und an vielen Stellen waren die uralten
Steinmauern bröselig geworden und eingebrochen. Aber ein Teil des Tempels
schien noch vollkommen intakt zu sein. Eine alte und halb zerfallene Treppe
führte an die Spitze des riesigen Tempels.
Zum ersten
Mal seit seiner Abreise verspürte Mike das dumpfe Gefühl von Angst. Würde er
endlich seinen Vater wiedersehen? Würde er überhaupt zurückkehren? Wahrscheinlich musste er wohl zu dem intakten Teil der Ruine. Anderswo hätte er
sowieso nicht hingehen können. Und so schritt er langsam auf das gigantische
Eingangsportal zu.
Grabesstille
und Dunkelheit umfingen ihn, als er hineinschritt. Seine Hände begannen
unweigerlich zu Zittern und ein eiskalter Schauer fuhr ihm durch die Glieder.
Er blickte in einen schier endlosen, dunklen Gang. Dornenranken bedeckten die
Wände fast vollständig und ein seltsamer Geruch, der wohl vom Moder in den
Ritzen des Steines herrührte, durchzog den Gang. Mike nahm all seinen Mut
zusammen und Schritt in den Gang hinein. Und dann immer weiter.
Nachdem
Mike ungefähr die Hälfte des endlosen Ganges abgeschritten hatte, mischte sich
ein starker Geruch nach Verwesung über den Modergeruch, und auf einmal blitzte
ein Licht in dem sonst hellen Gang auf. Mikes Haut glich nun einem Reibeisen
und er hatte endgültig genug. Er wollte wieder zurück ins Dorf, um Robert wiederzusehen,
sich bei seinem Bruder entschuldigen und vielleicht eine Frau treffen und
heiraten. Er hatte die falsche Entscheidung getroffen. Sofort drehte Mike um
und rannte so schnell er konnte, auf den Ausgang zu.
Als er nur noch eine Armeslänge von
dem Eingangsportal entfernt war, fiel die riesige Steintür
zu. Auf einmal war es Stockfinster im Gang. Panisch drückte Mike gegen die
Steintür und wider Erwarten, ging sie ohne Probleme auf. Erleichtert, aber
immer noch zitternd, schritt Mike ins Freie und wollte loslaufen, als plötzlich
der Boden unter ihm nachgab. Mike spürte wie er fiel. Seine Wahrnehmung fing
an, verrückt zu spielen. Nichts schien mehr einen Sinn zu ergeben, und ihm
wurde schwarz vor Augen.
Es blitzte. Mike öffnete die Augen. Es blitzte wieder und Mike konnte riesige Statuen erkennen, Frauen mit Kronen auf Ihren Köpfen, die allesamt prunkvolle Gewänder trugen. Er war nun in einer riesigen Höhle. Das Spiel einer Orgel und von
Geigen waren zu hören, und Blitze durchzuckten im Takt der Musik die Höhle.
Mike stand auf, machte einen Schritt vorwärts und ging dann vorsichtig weiter.
Sein Körper zitterte und Schauer über Schauer lief ihm über den Rücken. Wo war
er hier? Mike wollte einfach weglaufen, doch so oft er sich auch umsah, er fand
keinen Ausgang.
Auf einmal
fand er sich auf einem zerklüfteten Felsvorsprung, er hatte gar nicht bemerkt,
wo er hingegangen war. Ein blendend heller Blitz beleuchtete den Boden unter
dem Vorsprung. Halb verblasste antike Malereien waren dort zu sehen. Eine Frau
mit einem geteilten Gesicht war auf jedem der Bilder. Ein weiterer Schauer lief
Mike über den Rücken. Wo war er hier gelandet? Was hatte das zu bedeuten?
„Hallo, ich habe lange auf dich gewartet.“,
hauchte eine Stimme hinter Mike. Dieser fuhr herum und blickte in ein Gesicht.
Das Gesicht einer Frau, das geteilt war. Die Rechte Hälfte war das Gesicht
Frau, die Linke Hälfte war das von IHM.
Seinem Vater. Vor was für einer Kreatur stand er da? Mike blickte mit einem
unbeschreiblichen Gesichtsausdruck in diesen beängstigenden Gesichtsteil
seines Vaters. „Warum so verstört?“, fragte die Frau. „Dein Vater war mir ein
treuer Diener! Doch sein Körper war zu schwach geworden! Mit ihm komme ich
nicht hier raus! Aber du! Du bist stark! Ich wusste, das Warten würde sich
lohnen! Du wirst jetzt deine Pflicht als mein neuer Diener antreten!“
Mike hatte seinen Vater wieder getroffen. Doch
nun war er der Diener eines Geschöpfes, über das niemand genau Bescheid wusste.
Sein Vater war tot. Und er hatte jeden verloren, dem er je nahegestanden hatte.
Seine Mutter, seinen Bruder, Robert und nun auch endgültig seinen Vater. Er
würde Robert nie mehr wiedersehen, und seinen Bruder ebenfalls nicht. Und er
hatte sich noch nicht einmal bei ihm entschuldigt. Und wenn der Schamane recht
hatte, würden auch sie bald sterben. Und er war daran schuld. Tränen traten in
Mikes Augen, und er sank auf den Boden. Sein Bruder hatte recht. Der Schamane
hatte recht. Robert hatte recht. Er hatte alle enttäuscht.
„Keine Angst, es tut nicht weh.“, hauchte die Frau in sein Ohr.
Ein Blitz und die Frau verließ den
Körper von Mikes Vater, der sofort zu Staub zerfiel. Dann spürte Mike einen
Luftzug, und ein weiteres Bewusstsein schob sich in seinen Geist. Alle
Antworten auf seine Fragen strömten in seinen Geist und Bilder eines Bärtigen
Mannes, der im Regen
eine Gasse entlang schritt, blitzten vor seinem geistigen Auge auf, eine
Gesichtshälfte, die der Frau.
Dann
übernahm sie die Kontrolle. Sein Gesicht verformte sich, als wäre es aus Wachs,
welches gerade schmelzen würde. Als sich das Gesicht der Frau in seinem eigenen
eingenistet hatte, schritt sie zielsicher in die Mitte Höhle und zischte in
einem grausigen Tonfall: „Ich bin frei!“
Die Frau
begann über den Boden zu schweben und immer höher, bis sie die Höhlendecke mit
Ihren Händen berühren konnte. „Exitium“, hauchte sie und der komplette Tempel brach über ihr zusammen.
Robert
stand am Rande des Dorfes und sah wie der Tempel in sich zusammenbrach. Er sank
mit einem schockierten Ausdruck auf den Boden. „Es ist passiert.“, Fala stand
hinter ihm und musterte die nun endgültig zerstörte Ruine. Er setzte sich zu
Robert auf den Boden. „Gut so! Diese beiden wissen offensichtlich, dass sie dem
Schicksal nicht entkommen können!“, hauchte plötzlich eine grausige Stimme vor
ihnen. Sie war da. Im nächsten Moment fuhr ein gigantischer Blitz auf das Dorf
nieder und hinterließ einen riesigen Krater. Das letzte, was Robert sah, bevor
er ausgelöscht wurde, war ihr Gesicht. Die rechte Gesichtshälfte war die einer
Frau, welche das alles mit einem dämonischen Gesichtsausdruck verfolgte. Und
die linke Gesichtshälfte war die eines Freundes.
Geschrieben von: Jan Wimmer