
Verfolgt
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Der Regen prasselte, mal stark und mal in schwachen Tropfen
auf mich herab. Warum konnte die Allee der Bäume nicht durchgängig sein? Ich
stampfte in meinen komplett durchnässten Stiefeln weiter die verlassenen
Straßen Londons entlang ironisch, dass ich grade an den Tagen so viel draußen
zu tun hatte, wo es so häufig regnete. Die Stadt des Nebels? Pah, Stadt des
Regens würde besser passen. Ich nahm meine Hände aus meinen Taschen um mir
meine Kapuze wieder tiefer in mein Gesicht zu ziehen, der Wind blies mir
bereits in die Ohren und es schmerzte. Ich hasste solches Wetter, doch ich
konnte mich kaum an den letzten Tag mit Sonne erinnern, als hätte mich ihr
Licht endgültig verlassen. „Verflucht!“ Ich fluchte, als ich in eine tiefe
Pfütze trat und mir das eiskalte Wasser in die Schuhe spritzte, ich spürte, wie
meine Socken sich mit dem kühlen Nass vollsogen. Die nächste Grippe kommt
bestimmt. Ich horchte auf. Was war das gewesen? Ein Schritt, ein Schritt mitten
in der tiefsten Nacht. Ein schwerer Schritt, der versucht hatte sich zu
verheimlichen.
Ich drehte mich schnell um und tatsächlich, da stand er. Hatte
er sich mir schließlich doch gezeigt, wollte er mich jetzt schnappen? Nachdem
er mich für mehrere Wochen verfolgt und heimlich beobachtet hatte? Ich ließ mir
nichts anmerken und drehte mich wieder um, als ich den ersten Schritt auf dem
nassen Asphalt tätigte hörte ich auch seine Stiefel auf den Boden donnern, ich
hörte das Geräusch ganz klar auch durch den Schleier von Regen und Wind hindurch.
Auf jeden meiner Schritte folgte einer mehrere Meter von mir entfernt, wie von
einem Echo, nur, dass wusste ich, war er um einiges größer als ich. Ich hatte
keine Chance, jedoch war das so oder so egal, ich hatte nicht vor mich ihm zu
stellen. Meine Schritte wurden eiliger, ich versuchte die Kälte, den Wind und
das Wasser, dass meine Kleidung nach und nach durchdrang auszublenden und mich
nur noch auf seine stampfenden Schritte zu konzentrieren. Sie wurden schneller,
er holte auf jeden Fall auf. Ich trat wieder in eine tiefe Pfütze, bemerkt dies
aber kaum, ich achtete nur auf ihn. Dann das platschen seiner Stiefel in der
Pfütze, in die ich eben getreten war, mein Signal. Ich atmete noch einmal tief
durch, mein Atem kam wie eine Wolke aus meinem geöffneten Mund, als ich zum
Sprint ansetzte.
Der Wind, der um meine Ohren Pfiff wurde stärker, er drückte
gegen meinen Körper, während der Regen mich wie duzende Peitschenhiebe im
Gesicht und an meinen Händen traf. Als würde mich alles zu meinem unbekannten
Verfolger ziehen, doch er würde mich nicht bekommen, ich würde nicht stoppen.
Die Kapuze wurde vom Wind und meinen hektischen Bewegungen von meinem Kopf
gerissen, sofort kam das Brennen in meinen Ohren zurück, während der eiskalte
Wind in sie blies. Es hatte auch sein Gutes, ich konnte mehr um mich herum
erkennen und auch konnte ich sehen, dass ich mich immer weiter von ihm
entfernte. Die Abstände unserer Schatten, welche wie ein wahnsinniges
Schattenspiel an den Hohen Fassaden die Häuser entlangtanzten, wenn wir unter
den Laternen entlangliefen, vergrößerten sich. Doch er gab dennoch nicht nach,
auf diesem Weg würde ich ihn nicht abhängen können. Ich atmete gleichmäßig, es
kostete mich nicht viel Mühe das Tempo aufrecht zu erhalten, aber schneller
würde ich auch nicht rennen können. Die Reihen der Häuser lichteten sich, als
wir an einem großen Garten vorbeiliefen, ich sah für einen Moment über meine
Schulter, er war immer noch da, gab einfach nicht auf. Ich musste ihn jetzt
loswerden, er würde mich bekommen. Ich wirbelte schlagartig um meine eigene
Achse, blieb einen Moment stehen und wechselte die Richtung. Mein Mantel
wirbelte um mich, als ich dieses Manöver ausführte, meine Stiefel scharten über
den nassen Boden und ich bemerkte, dass mein Verfolger abbremste, das hatte er
wohl nicht erwartet. Ich griff die eiskalten Stangen des Zauns und sprang ohne
weitere Probleme über die Absperrung, das Gefühl des nassen Grases war zunächst
ungewohnt, als ich meinen Sprint vorsetzte, doch ich gewöhnte mich schnell
daran. Hinter mir konnte ich durch das Geschrei des Windes das Klackern des
Zaunes hören, er folgte mir also immer noch, das hatte ich nicht erwartet.
Ich
sah, wie einige Kerzen in den Häusern entzündet wurden, dieser Kerl hatte auch
noch die Nachbarschaft aufgeweckt, das war nicht unbedingt von Vorteil. Der
Schlamm flog durch die Luft, als ich wieder über den Zaun hechtete und auf eine
große Lagerhalle zu rannte. Ich stieß die alte Holztür auf, meine Schulter
schmerzte, das Holz war bei weitem nicht so morsch gewesen, wie ich erwartet
hatte. Dennoch hatte ich sie beim ersten Versuch aufbrechen können, das Glück
war auf meiner Seite, natürlich war es das. Ich rannte durch die leere Halle
und wirbelte um einige Holzkisten, dann ging ich in die Knie, ich hatte den
Eingang gut im Blick. Ich hörte das Geräusch eines Streichholzes, als er seine
Laterne entzündete und die Kahlen Wände des Lagers ableuchtete, ich ging in
Deckung, als mir der Lichtstrahl näherkam. Er folgte mir sogar in diese Halle
hinein, dann hatte ich nur noch eine Wahl, eine Chance, die würde ich
ergreifen. Ich stand aus meiner Knienden Haltung auf, dann gefror mein Blut,
verflucht. Das Quietschen meiner Sohle klang durch die gesamte, verdammt, ich
hatte mich verraten. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, ich hörte
ein leises Klicken und der Lichtstrahl lenkte wieder in meine Richtung. Ich
blieb wie angewurzelt stehen, dieses Klicken, der Kerl hatte einen Revolver
geladen. Ich war in allerhöchster Gefahr, doch mir blieb nichts übrig als zu
warten. Er kam immer näher, ein Schritt nach dem anderen, das dumpfe Klopfen
seiner Stiefel, ab und zu ein Klackern, als sich einer der Steine aus dem
Garten durch welchen er mich gejagt hatte, aus seiner Schuhsohle fielen. Ich
hörte sein angespanntes Atmen, er kam näher, näher.
Höchstens drei Meter war er
entfernt, ich konnte am Schatten, welcher sich an der Wand hinter mir abmalte
erkennen, dass er seine Waffe in meine Richtung gerichtet hatte. Zwei Meter.
Ich ging einen Schritt zurück und bückte mich leicht. Ein Meter. Ich sah gerade
seinen Arm um die Ecke kommen da sprang ich schon los, packte seinen Arm und
riss an ihm. Ein knacken später war er entwaffnet, dann ein kurzer Schlag mit
dem Ellenbogen in die Magengrube, ich hörte ihn würgen. Ich hörte wie sowohl die
Waffe, als auch die Laterne mit einem lauten Schlag auf den Boden fielen. Ich
traf ihn noch einmal hart am Hals und er ging röchelnd zu Boden, ich rieb mir
meine Hände und sah auf ihn herab. Seine alberne Polizei Mütze war ihm von
seinem halbkahlen Kopf gefallen, er sah mich nur wehrlos an. Ich wusste was ich
tat, durch den schlag in den Magen würde er nicht aufstehen können und durch
den an den Hals nicht Schreien und kaum atmen. „Gut“ Ich hob die Waffe und die
Laterne, deren Docht immer noch schwach glimmte auf. Ich öffnete meinen Mantel
und steckte die Waffe ein, sie stieß mit meinem Messer zusammen, ach ja, ich
wollte heute ja eigentlich jagen gehen. Ich schloss die Knöpfe wieder. Ich
konnte erkennen, wie der Polizist sich quälte aufzustehen, es jedoch nie ganz
schaffte, immer wieder brach er auf seine Knie. Ich ging zu einem der
Schnapsfässer, welche hier gelagert wurden und drehte den Korken heraus. Der
stechende Gestank verbreitete sich schnell, mindestens so schnell wie der
Alkohol selbst auf dem Boden. Ich nahm ein anderes Fass heraus und zog den
Korken mit meinen Zähnen heraus, ich ließ den Flüssigen Brandbeschleuniger
hinter mir aus dem Behältnis fließen, als ich Richtung Ausgang der Halle ging.
„Jack!“ Der Polizist hatte doch noch die Kraft gefunden leise etwas zu röcheln,
ich musste grinsen. Ich warf das Fass durch den Raum und nahm die glühende
Kerze aus dem Metallgehäuse der Laterne. „Ganz richtig Officer, ich bin es.
Aber ihr Fall endet hier…“ Ich ließ das Wachs in die Spur aus Alkohol Fallen. Es
zündete noch bevor die Kerze aufschlug und in Sekundenschnelle hatten die
Flammen den Polizisten erreicht und umzingelt. Ich zog mir die Kapuze ins
Gesicht und wendete meinen Blick ab. Ich atmete die brennende und nach Schnaps
Stinkende Luft in meine Lungen auf, roch ich da einen Hauch von verbranntem
Fleisch? Dann nahm ich den ersten Schritt in die Freiheit, während hinter mir
die Halle komplett Feuer fing, keine Hinweise… „Jack…Jack the Ripper!“ Der
Schrei verhallte im knistern der Flammen und im Getöse der Fallenden
Holzfässer. Ja, ich war entkommen, wieder…