
Was bleibt, ist nur…
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
„Hefte raus, Bücher auf. Der Unterricht hat angefangen. Und wehe ich sehe einen von euch wieder mit diesen Stöpseln in den Ohren. Musik hören könnt ihr auch in der Pause noch“, mit den letzten Worten drehte sich unsere Lehrerin, Frau Magna, zur Tafel und begann darauf mit blauer Kreide zu schreiben. Fragt nicht, warum ausgerechnet blaue Kreide, das wissen selbst wir nicht. Seit wir sie vor 2 Jahren als Klassenlehrerin bekommen haben und in ihrem Unterricht zu Latein und Musik sitzen, hat sie es so getan. Vielleicht war blau auch einfach ihre Lieblingsfarbe. Ein schrilles Quietschen lässt uns aufschrecken. „Oh entschuldigt.“, die Kreide hatte beim Schreiben dieses unangenehme Geräusch gemacht. Nachhallend. Ekelig…
Der Rest der Stunde verlief ruhig, wie jedes Mal und als es klingelt verlassen wir den Raum und gehen auf den Schulhof.
Kopfhörer raus, einstöpseln, Musik ab. Einatmen, ausatmen und entspannen. Wir lassen uns auf der anderen Seite des Schulhofs an einer Wand nieder. Das Kratzen am Rücken wischt die Gedanken aus dem Kopf und lässt Platz für die Musik. Seit ich denken kann,…die Stimmen… die Musik… das reicht vollkommen. Wer braucht schon Schule wenn man Stimmen im Kopf hat die das Leben leichter machen und von Sorgen befreien.
Es klingelt noch einige Male, dann geht es endlich nach Hause. Endlich. Der Tag wollte einfach nicht zu Ende gehen. Wir verlassen den Schulhof. Wir haben Hausaufgaben auf, aber das kümmert uns recht wenig, wir hatten ja Musik die uns half.
Alles war entspannter mit Musik. Hausaufgaben. Unterricht. Soziales Beisammensein. Das Leben.
Der Kopf wird leicht und weit.
Ein Klopfen auf dem Tisch. Wir schrecken erneut auf. „Entschuldige dass ich dich so langweile, aber das ist noch lange kein Grund einfach in meinem Unterricht einzuschlafen, und-…“, Frau Magna zieht einen Kopfhörer hoch, „ich sagte doch deutlich: Keine Kopfhörer! Was ihr außerhalb meines Klassenzimmers macht, ist mir egal, aber hier wird gelernt!“ Sie war eine gute Lehrerin, das bezweifelten wir nicht, wirklich nicht, nur dass sie sich ständig über unser Musik-hören im Unterricht beschwerte, das war echt nervig.
Vielleicht sollten wir ihr zeigen, wie wichtig Musik ist. Sie als Musik-Lehrerin sollte das doch verstehen.
Es war Abend. Wir standen vor ihrem Haus. Sie würde wahrscheinlich friedlich schlafen. So glücklich, so friedlich, so unschuldig, … so fehlgeleitet.
„Entschuldigt ich habe nicht so gut ge-„, sie unterbrach um zu gähnen, lang, lang zu gähnen“, – geschlafen… Also wo waren wir? … Ach ja. Also der Mythos des „caput votes“. Habt ihr eure Übersetzungen dabei?“
Aber eine Übersetzung brauchten wir nicht, wir hatten doch die Geschichte im Kopf. Wir kannten doch den Mythos. Ein Schüler begann zu lesen:
„Caput votes. Der Stimmenkopf. Ein uraltes Wesen, wenn man dem Mythos Glauben schenkt, das sich im Kopf einer Person festsetzt. Es bleibt dort bis der Körper der Person nicht mehr lebensfähig ist. Es hat die Macht zu verführen und anderen zu – ich hab keine bessere Übersetzung gefunden – schaden. Betroffene Personen machen während der ‚Besessenheit‘ keine unnormalen Anstalten, sie verhalten sich ganz normal und unauffällig. Wenn der caput votes den Wirt verlässt, sammelt er die Stimme ein und zieht weiter. Er kann mit den Stimmen andere verwirren und ihnen schaden. Die Menschen denen geschadet wird, werden meistens wahnsinnig und kommen zu Tode. Auch ihre Stimmen nimmt er gerne auf.“
„Danke Johna. Das war eine gute Überse- Das gibt es doch nicht?! Schon wieder die Stöpsel im Ohr!“
Die Stunde verging sehr langsam. Die Stunde verlief sehr schleppend. So ganz ohne Musik. Der Tag verlief schleppend. Uns gefiel das nicht, aber so war es nun mal.
Abends standen wir wieder vor ihrem Haus.
„Polizeibericht: 3.10.XX in X
Bearbeitender Beamter: XX
Opfer: Elizabeth Magna, Lehrerin einer Mittelstufe, 29
Todesursache: Selbstmord durch Aufschneiden der Kehle
Sonderheit: Stimmbänder fehlen (Indiz zur weiteren Untersuchung)“
Wir mögen Blau.
Blau ist die Farbe der Stimme. Unserer Stimme.
Willkommen neue Stimme. Was immer bleibt, ist nur die Stimme.