
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Wir sind nicht alleine
Hallo. Ich erzähle dir jetzt meine Geschichte. Ob du mir glaubst oder nicht, das entscheidest du selbst.
Ich bin 28 Jahre alt, und um zu verstehen, was passiert ist, müssen wir ein paar Jahre zurückgehen.
Damals betrat ich mit einer kleinen Gruppe ein altes Gebäude. Früher war es ein Ort der Ruhe gewesen. Ein Ort für Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet hatten und am Ende dort untergebracht wurden, wenn sie nicht mehr klar denken konnten.
Ein Brand hatte dort stattgefunden. Offiziell ein Unfall. Inoffiziell sprach niemand darüber.
Schon beim Betreten fiel mir auf, wie still es war. Keine Tiere, kein Wind. Unsere Schritte klangen gedämpft, als würde das Gebäude sie nicht zurückgeben. Wir gingen durch lange Flure, vorbei an verrußten Wänden, Zimmern mit leeren Betten und Fenstern, die von innen vernagelt waren. Und dann kam dieses Gefühl. Nicht plötzlich, nicht wie ein Schock, sondern schleichend. Das sichere Wissen, dass wir nicht allein waren.
Am Ende eines schmalen Ganges fanden wir die Kellertreppe. Sie führte steil nach unten, und die Dunkelheit dort wirkte tiefer als überall sonst. Als wir den ersten Schritt machen wollten, blieb ich stehen. Neben mir hörte ich eine Stimme, leise und angespannt: „Bleib stehen.“ Diese Stimme gehörte niemandem aus unserer Gruppe. Keiner lachte, keiner fragte nach. Wir standen einfach da, oben an der Treppe, im Dunkeln. Dann flüsterte Virginia: „Hört ihr das?“ Etwas bewegte sich unten, nicht hastig, nicht laut, als würde etwas warten.
Die Stimme kam wieder, diesmal von unten, ruhig und unmissverständlich: „Wenn ihr weiter runtergeht, gibt es kein Zurück. Er wird euch nicht gehen lassen.“ Niemand antwortete. Wir sahen uns an, jeder zögerte einen kurzen Moment. Dann ignorierten wir die Warnung und gingen weiter nach unten. In genau diesem Moment wusste ich, dass wir eine Entscheidung getroffen hatten, die man nicht rückgängig machen kann.
Der Keller war kein Keller. Vor uns lag ein langer Flur, die Wände aufgerissen, der Beton zerbrochen, und überall hatte sich die Natur zurückgeholt, was man ihr genommen hatte. Moos bedeckte die Wände wie Adern, dicke Wurzeln hingen von der Decke, Wasser tropfte ruhig und regelmäßig. Es roch nach feuchter Erde, nach Wald, als würde hier unten alles schlafen, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Links und rechts standen Betten. Alte Metallbetten, verrostet, teilweise im Boden versunken. Die Matratzen waren zerfallen, aber nicht leer. Man sah die Spuren, Vertiefungen, Abdrücke von Körpern. Wir holten unsere Kameras heraus. Als ich ein Foto machte und auf das Display sah, stockte mir der Atem. Auf einem der Betten lag etwas. Ein Wesen. Ein Mensch. Oder etwas, das einmal eines von beidem gewesen war. Es ruhte dort, still, als würde es schlafen. Ich zeigte das Bild den anderen. Sie sahen nichts, nur ein leeres Bett. Als ich wieder auf meine Kamera sah, lag es immer noch da.
Verwirrt gingen wir weiter, tiefer in die Dunkelheit. Der Flur führte in einen riesigen Raum, einen Speisesaal, groß genug für mindestens zweihundert Menschen. Und er war kalt, so kalt, dass wir unseren Atem sehen konnten. Draußen waren über zwanzig Grad gewesen, an der Temperatur konnte es nicht liegen. Paul zeigte auf einen Nebenraum und sagte, „Ich schau da mal rein“, sagte er. Wir anderen blieben im Speisesaal.
Dann kam der Schrei. Er war falsch, verzerrt, nicht menschlich. Er konnte nicht von Paul stammen. Sekunden später kam Paul zurückgerannt, sein Herz raste, seine Stimme überschlug sich, als würde sie sich selbst verschlucken. Er schrie, „Wir müssen hier weg“, schrie er.
„Da drin… der Raum ist riesig… und dieser Schatten…
es ist unbeschreiblich!“ Wir rannten nach vorne, dorthin, wo die Treppe sein sollte. Aber sie war weg. Stattdessen war dort eine glatte Betonwand.
Wir versteckten uns in den Schlafräumen, krochen unter die Betten und warteten. Wenn Paul recht hatte, hätte es jeden Moment kommen müssen. Aber nichts kam. Kein Schritt, kein Atem, kein Schatten. Nur Stille.
Als klar wurde, dass nichts aus dem Flur kam, krochen wir langsam hervor und schalteten unsere Taschenlampen wieder ein. Paul stand abseits, und man sah ihm an, dass er etwas gesehen hatte, etwas, das nicht natürlich war. Die Angst lag schwer in der Luft. Virginia sagte leise, „Wir müssen hier raus. Die Treppen… sie waren eben noch da.“
Alex schüttelte den Kopf und murmelte, „Ich weiß nicht, wie das möglich ist“, murmelte er.
„Das ist unmöglich.“
Dann sagte Daniela plötzlich: „Hört ihr das?“ Ein leises, aber eindeutiges Geräusch erfüllte den Raum. Ein Telefon. Wir folgten dem Klang, Raum für Raum, bis wir vor einer Tür standen. Auf ihr stand ein einziges Wort: Leitung. Die Tür war verklemmt. Alex und Paul nahmen Anlauf. Beim nächsten Versuch öffnete sie sich von selbst, geräuschlos.
Dahinter lag ein Büro, vollständig eingerichtet, unberührt. Kein Moos, keine Wurzeln, kein Staub. Alles wirkte neu, nur alt im Stil. Und mitten im Raum stand ein schwarzes Telefon mit Drehscheibe. Ich hob den Hörer ab und sagte: „Hallo? Ist da jemand? Wir brauchen Hilfe…“ Einen Moment lang hörte ich nur Rauschen. Dann antwortete eine Stimme, ruhig und sachlich: „Ihr wollt raus.“ Ich schluckte. „Findet uns“, sagte die Stimme. „Und befreit uns. Dann lassen wir euch gehen.“
Der Hörer wurde still. Ich legte ihn langsam auf. In diesem Moment verstand ich, dass der Brand nicht gelegt worden war, um diesen Ort zu zerstören. Er war gelegt worden, um etwas einzuschließen. Und jetzt wusste es, dass wir hier waren.
Der Raum blieb still, nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte.
Wir sahen uns an. Keiner wusste, was er sagen sollte. Jeder fragte sich dasselbe: Wer war das?
Alex brach schließlich das Schweigen. Seine Stimme klang rau.
„Wie kann das möglich sein? Dieses Gebäude steht seit über dreißig Jahren leer. Alle Stromleitungen liegen hier lose herum. Nichts davon funktioniert mehr. Wie kann hier ein Telefon klingeln?“
Paul schüttelte den Kopf.
„Das kann nicht möglich sein“, sagte er immer wieder.
„Das… das ergibt keinen Sinn.“
Niemand widersprach ihm.
Wir verließen das Büro und gingen zurück in den Speisesaal.
Doch etwas hatte sich verändert.
Der Raum war nicht mehr kalt.
Die Luft fühlte sich plötzlich… angenehm an.
Fast warm.
Als würde der Raum atmen.
Es war, als wäre hier Leben eingezogen, genau in dem Moment, in dem wir mit der Stimme gesprochen hatten.
Ich blieb stehen und sah die anderen an.
„Wenn wir jemandem helfen sollen“, sagte ich leise,
„dann müssen wir verstehen, was hier passiert ist.“
Keiner schaute mich an.
„Wer war diese Stimme?“, fuhr ich fort.
„Wer sind sie? Und was ist hier unten passiert?“
Paul schluckte.
Sein Blick wanderte zu dem dunklen Gang, aus dem er gekommen war.
„Und dieser Schatten“, sagte ich schließlich.
„Der, von dem du gesprochen hast…“
Paul hob langsam den Kopf.
Und allein sein Gesichtsausdruck reichte aus, um mir klarzumachen:
Was auch immer er gesehen hatte,
war noch immer hier.
Und es hörte uns zu.
Wir sahen uns an.
Keiner sagte es laut, aber wir wussten alle, was der andere dachte.
Wenn wir Antworten wollten,
mussten wir in den Raum gehen,
aus dem Paul geflohen war.
Vielleicht würden wir dort verstehen,
was hier passiert war.
Oder wer.
Also trafen wir die Entscheidung.
Wir betraten den Raum.
Schon beim ersten Schritt hinein spürte ich es.
Dieses Gefühl, das sich nicht erklären lässt.
Das sichere Wissen,
dass wir nicht allein waren.
Der Raum war größer, als er von außen gewirkt hatte.
Leer.
Bis auf ein einzelnes Bett,
das direkt an der Wand stand.
Es war kein gewöhnliches Bett.
Der Metallrahmen war verbogen,
als hätte jemand mit Gewalt daran gezogen.
An der Wand dahinter
zogen sich tiefe Kratzer entlang.
Nicht wahllos.
Nicht chaotisch.
Sie verliefen parallel.
Als hätte jemand immer wieder
an derselben Stelle versucht,
sich festzuhalten.
Daniela trat näher heran.
Ihre Stimme zitterte leicht.
„Wer… wer hat das gemacht?“
Sie schluckte.
„Und was sollen diese ganzen Zeichen bedeuten?“
Denn erst jetzt sahen wir sie richtig.
Die Wände waren voller Schrift.
Unterschiedliche Größen.
Unterschiedliche Tiefen.
Manche eingeritzt,
manche nur hastig gekratzt.
Es sah nicht aus,
als wären sie alle von derselben Person.
Überall derselbe Satz.
Immer wieder.
ER IST BEI UNS
UND LÄSST UNS NICHT GEHEN
Ich las die Worte lautlos mit.
Und während ich das tat,
hatte ich das unangenehme Gefühl,
dass jemand hinter mir
mitlas.
Ich trat einen Schritt zurück.
Niemand bewegte sich.
Die Luft im Raum fühlte sich schwer an,
als würde sie uns beobachten.
Keiner von uns sagte es laut,
aber wir dachten alle dasselbe:
Diese Worte waren keine Warnung.
Sie waren ein Bericht.
Was auch immer hier gewesen war,
hatte nicht versucht zu fliehen.
Es hatte verstanden.
Paul starrte auf das Bett.
Seine Hände zitterten wieder.
„Das ist der Raum“, flüsterte er.
„Hier habe ich es gesehen.“
Niemand fragte nach Einzelheiten.
Denn wir wussten jetzt,
dass wir nicht die Ersten waren,
die hier standen.
Und wir würden nicht die Letzten sein.
Als wir den Raum wieder verließen,
war mir eines klar:
Der Ort hatte uns gesehen.
Er hatte uns gehört.
Und er hatte entschieden,
dass wir bleiben durften.
Noch.

