KurzTod

Apocalypse

Amerson trieb ein neues Magazin in den Schacht. Mit
kratzigem Schnappen schlug Verschluss in Patronenlager. Fettige Brauen
verengten sich, während glasige Augen einen winzigen Blick über die Brüstung
warfen. Kalte Luft pfiff durch die Nebenhöhlen, bevor bestaubte Lunge sich
krächzend übergab. Blicke formten Schatten gegenüber auf der anderen Seite der
verdreckten Gosse. Dann begann der Drache unaufhörlich Flammen in die finstere
Nacht zu spucken. Kurz und prägnant, wie der Schlag einer Wimper. Und die
freigesetzte Energie jellte schräge Töne, die sich an den Fassaden klammerten,
bevor sie vergingen. Gestalten krochen zu Boden, fielen in Scharen. Bis
schadenfreudiges Klicken Ende verhieß. Und so sprangen müde Beine wie von der Tarantel
gestochen, jagten um die Ecke und das Scharren und Kratzen wurde größer,
lauter.

Zwischen wuchernden Scherben und starren Beinen. In endlich
zeitloser Stille, so sahen müde Augen auf vergangene Tage. Als diese noch hell waren, die Gesichter noch so lebendig, die Gläser noch rein. Schwarze Tinte hatte das Papier an diesen Stellen durchdrungen. Alles für immer
genommen. Trockene Tränen wollten nicht mehr fallen. Sammelten sich wie Ungeheuer
in der faltig altgewordnen Fratze.

Und dann: Noch einmal schlug der Bolzen, noch einmal spie
der Drachen. Noch einmal schreckten die Toten. Und noch einmal färbte das Bild.
Und sein Blut ward dunkler als Tinte.

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