LangMord

“Betreten verboten!”

Flucht

Ruhe. Totenstille. Die Schreie waren verstummt.

Melissa konnte es nicht glauben. Sie stand noch immer vor dem Loch und blickte auf den reglosen Körper von Marcus. Es war erst einige Sekunden her, doch es schien ihr so, als wären schon Stunden vergangen.

Marcus Schreie waren mit der Zeit immer leiser geworden, seine Bewegungen immer ruhiger. Irgendwann hatte er einfach gänzlich aufgehört sich zu rühren.

“Warum bewegt er sich nicht mehr?” Melissa sah zu ihrer Freundin rüber, die nun wieder neben ihr stand und ebenfalls in das Loch hinab blickte. “Mandy…”

“Nein…” flüsterte sie, “sag, dass das nicht wahr ist.” Melissa wollte nach ihrer Freundin greifen, wollte sie in den Arm nehmen, trösten und dann von diesem grässlichen Ort verschwinden. Doch diese war schneller, erneut machte sie kehrt und rannte davon.

“Mandy!”, schrie Melissa ihr hinterher. Sie wollte nicht, dass ihre Freundin dasselbe Schicksal ereilte wie Marcus.

Während sie zu ihm herabgeblickt und versucht hatte ihn zu beruhigen, waren ihr tausende Gedanken durch den Kopf geschossen, doch nur einer davon war wirklich von Relevanz. Es handelte sich um eine einzige Frage: Wer war hierfür verantwortlich?

So unglaublich es auch klang, aber Melissa war sich darüber bewusst, dass jemand diesen Raum vorbereitet hatte. Jemand hatte den Boden sabotiert und die Drähte in dem Kellerraum darunter angebracht und das im vollen Bewusstsein darüber, das irgendwann irgendjemand hierher kommen würde um dort hinein zu fallen. Diese Tatsache bedeutete aber auch, dass die Möglichkeit für weitere Fallen in diesem Gebäude bestand…

Melissa sprintete aus dem Klassenraum hinaus und sah Mandy hinterher. Sie rannte gerade in die entgegengesetzte Richtung, wie die durch die sie gekommen waren. Ihrer Freundin hinterherrennend, fiel der jungen Frau auf, dass Vince verschwunden war. Er hatte nicht mehr vor dem Klassenraum gestanden und war auch sonst nirgends zu sehen gewesen.

Hoffentlich ist ihm nichts passiert…, dachte Melissa, während sie vor sich so gut es ging, den Weg erleuchtete, um nicht in irgendwelche Überraschungen zu treten.

Mandy legte ein schnelles Tempo vor und Melissa spürte schon bald den Unterschied zwischen sich und ihrer Freundin, die im Gegensatz zu ihr als sehr sportlich bzeichnet werden musste.

Das panische Mädchen rannte von einem Gang in den nächsten, bog rasant um die Ecken und scheute auch nicht davor die höheren Stockwerke aufzusuchen. Sie stand offensichtlich unter Schock und war sich nicht darüber klar, was sie tat. Sie wollte einfach nur weg, weg von diesem Ort, weg von diesem Alptraum, weg von Marcus… Melissa wollte nichts anderes, aber wie sollte sie ihrer Freundin das bewusst machen, wenn sie sie nicht einholen konnte?

Plötzlich ertönte vor ihr ein lauter Schrei. Sie sah den Schemen von Mandy zu Boden fallen. Nein!, dachte sie und nahm ihre letzte Kraft zusammen, um zu ihrer Freundin zu kommen. Als der Lichtstrahl der Lampe auf ihren Körper fiel, zuckte Melissa erschrocken zurück.

Mandy’s linkes Bein steckte in einer Bärenfalle fest, welche sich tief darin hineingegraben hatte. Sie selbst versuchte, sich mit Hilfe ihrer Arme weiter zu ziehen. Überraschenderweise schrie sie nicht, sondern keuchte nur laut und versuchte den Schmerz offensichtlich zu ignorieren.

“Mandy, beweg dich nicht, wir müssen dich irgendwie von diesem Ding befreien.” Endlich reagierte ihre Freundin wieder auf Melissa, sie drehte sich um und blickte ihr in die Augen. Tränen rannen ihr die Wange herab.

“Wie konnte das nur passieren? Was ist hier los?!”, schrie sie, ergab sich ihrer Trauer und ihrem Schmerz.

Melissa bückte sich zu ihr herab. “Wir schaffen das ok? Wir kommen hier schon wieder raus. Alles wird wieder gut“, verischerte sie, ohne es wirklich selbst zu glauben.

“Nein, nein das wird es nicht!” Mandy riss erschrocken die Augen auf und hielt den Atem an.

“Was?”, flüsterte die andere, ein eiskalter Schauer jagte ihr den Rücken hoch.

“Hinter dir…”

Nicht lange zögernd, drehte Melissa sich um und wich dabei einen Schritt zurück. Ein Mann stand vor ihr, nur wenige Meter entfernt. Es war jemand, den sie nur zu gut kannte, obgleich sie sein Gesicht in diesem Moment nicht sehen konnte, da ihm die Kapuze seines Pullovers tief ins Gesicht hing.

“Warum?”, flüsterte Melissa, doch Vince antwortete nicht. Stattdessen hob er die Feuerwehraxt in seiner rechten Hand und kam einen Schritt auf sie zu.

Melissa musste sich entscheiden. Sie konnte nun versuchen ihre Freundin zu retten, in dem sie sie hinter sich her zog, oder aber sie rannte einfach weg und versuchte ihr eigenes Leben zu retten. Mit dem zusätzlichen Gewicht von Mandy, würden sie nicht weit kommen, das wusste sie. Insbesondere da ihre Freundin nicht einmal laufen konnte.

Es tut mir leid…, dachte Melissa, drehte sich um und rannte davon. Sie versuchte nicht darauf zu achten, aber durch die Stille die hier herrschte, war es unmöglich, das dumpfe, schlagende Geräusch der Axt nicht zu hören, als sie durch den Körper von Mandy fuhr und ihr Leben aushauchte.

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