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Haus der Gehirne 4 Eldars Leben und Wahnsinn

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Kopenhagen, der 27.01.1876, Notiz von Vilhelm Andersen

Meine liebe Frau.

Ich bedauere meine überstürzte Abreise nach Gardevang, doch die Morde an unserem Sohn und seiner Familie lassen mich nach der Entdeckung seiner Notizen nicht zur Ruhe kommen. Ich muss heute noch zurück nach Gardevang und herausfinden, was dort wirklich geschehen ist. Bitte bete für meine baldige und gesunde Rückkehr.

Dein Mann Vilhelm

Gardevang, der 28. 01. 1876

Notiz: Eldar Mikkelsen

Die Trauer und Bestürzung über den Tod der Familie Andersen sind in Gardevang alle gegenwärtig. Wie mir mein Bruder Ansgar nach seinen Besorgungen im Dorf berichtete, waren fast die Hälfte der Dorfbewohner mit ihren Kutschen nach Kopenhagen gereist, um der Familie die letzte Ehre zu erweisen. Selbst mein Bruder war heimlich zur Beerdigung gereist. Und er dachte, ich hätte es nicht mitbekommen. Ich wusste, ihn bei seiner Rückkehr gebührend zu begrüßen, und die Strafe, die er dafür erhielt, bekam er direkt an der Haustür zu spüren.

Ich habe ihm eine ordentliche Portion Dresche verpasst und der Lederriemen hatte mir wieder einen guten Dienst geleistet. Nun sitzt er in seinem Schlafzimmer und versorgt seine Wunden und zählt seine blauen Flecken. »Wie oft habe ich Ihm schon gesagt, dass er nichts vor mir geheim halten kann?« »Schon viel zu oft.«

Er muss unbedingt lernen, meine Anweisung zu akzeptieren. Sein Widerstand muss endlich gebrochen werden.

Doch nun gibt es Arbeit für ihn.

 

Gardevang, der 29.01.1876, Notiz; Eldar Mikkelsen

Es ist einfach Grandios. Ich habe wieder ein neues Opfer. Gestern Abend zu später Stunde hörte ich, wie das Glöckchen über der Tür im OP-Raum klingelte, und als wir im Keller des alten Holzhauses ankamen, wartete dort eine tolle Überraschung auf uns.

Ein älterer Mann, etwa mein Alter, stand mit verweinten und aufgedunsenen Augen vor dem Regal mit den Gehirnen von Christopher und seiner Familie. In der rechten Hand hielt er ein Bündel Papier. Ansgar hat ihn so gleich überwältigt, betäubt. und in den OP-Raum gebracht. Nun sitzt er unten gefesselt im Rollstuhl und wartet auf uns. Ich habe bereits einen Verdacht, dass es sich um ein Mitglied der Andersen-Familie handeln könnte. Wir werden ihn nach dem Frühstück eingehend befragen. Vielleicht könnte er noch nützlich für meine Experimente sein.

Gardevang, der 28.01.1876, Notizakte zu Familie Andersen. Geschrieben von Doktor Eldar Mikkelsen um 11 Uhr am Morgen.

Wie sich herausstellte, ist der mögliche Proband Nummer 105 der Vater von Christopher. Das Bündel Papier, das er in seiner Hand hielt, als wir ihn im Lagerraum der Gehirne im alten Holzhaus fanden, waren die Notizen seines Sohnes. Ich bin gerade dabei, diese zu studieren, und bin freudig erregt darüber, dass Christopher mich mit diesen Notizen unsterblich machen wird.

Ich überlegte gerade, ob ich Herrn Andersen Senior zu meinem neuesten Zeugen für meine Arbeit machen sollte. Sein Sohn hat sich ja feige seiner Verantwortung durch seinen Suizid entzogen und ich bin noch lange nicht bereit, meine Forschung an den Nagel zu hängen und abzuschließen.

Gardevang, der 28.01.1876, Notizakte zu Familie Andersen. Geschrieben von Doktor Eldar Mikkelsen um 18 Uhr am frühen Abend.

Als ich am Mittag runter in den OP-Raum gegangen bin, saß Herr Andersen Senior wie ein Häufchen Elend in seinem Rollstuhl. Bei der Unterhaltung stellte sich heraus, dass Herr Andersen zu uns gekommen ist, weil er den Mord an seiner Schwiegertochter und Enkelkindern sowie den Selbstmord seines Sohnes geklärt haben wollte. Wir unterhielten uns in etwa 5 Stunden miteinander.

Laut seiner Schilderung war es bereits Nacht, als er Gardevang erreichte und sich auf den Weg zu uns machte. Ich bin überaus davon überrascht, dass er trotz der nicht gerade spezifischen und nur dürftigen Wegbeschreibung, die Christopher in seinen Notizen hinterlassen hatte, den Weg zum alten Holzhaus so schnell fand. Laut seiner Aussage hatte er das Gefühl, im Wald verfolgt zu werden, und dass sich die Äste der Bäume wie Klauen nach ihm ausstrecken.

Sapperlot!“ „Und da sag einer, ich sei wahnsinnig!“ Ansgar war gestern Abend die ganze Zeit hier in unserem Haus und konnte ihn daher nicht verfolgen oder nachstellen.

Wie mir Herr Andersen Senior berichtete, hatte er die Aufzeichnungen seines Sohnes Christopher gefunden, als er und seine Frau die Familie besuchen wollten. Als niemand die Tür öffnete, nahmen sie den 2. Schlüssel, den sie von Brigitte bekommen hatte, und öffneten damit die Tür zum Haus, in dem unser geschätzter Freund Christopher lebte.

Ihm fiel direkt auf, dass das Haus nicht geheizt und keine Seele zu hören oder zu sehen war. Erst dachte er, dass Christopher und die Familie außer Haus seien und vergessen hatten, die beiden davon in Kenntnis zu setzen. Aber nachdem Sie 3 Stunden vergebens auf deren Rückkehr gewartet hatten, entschlossen Sie sich, im Dorf nachzufragen, ob jemand die 4 gesehen hätte. Die Dorfbewohner verneinten dies und die beiden kehrten zurück in das Haus von Christopher.

Da Ihnen das Verhalten nicht bekannt war und Sie sich zunehmend Sorgen machten, beschlossenen Herr und Frau Andersen, die Nacht im Haus unseres werten Freundes und Ihrem Sohn Christopher zu verbringen und dort auf deren Rückkehr zu warten. Laut seiner Aussage fand Frau Andersen zur vorgerückten Stunde, die Leichen von Brigitte und den Kindern im ehelichen Schlafzimmer zu gedeckt bis zum Halse in Bett liegen, als sie für sich und ihren Mann Bettzeug daraus holen wollte.

Ihr Schrei habe ihn so sehr erschreckt, dass ihm fast das Blut in seinen Adern gefroren wäre. Als er in das Schlafzimmer stürmte, um seiner Frau zu Hilfe zu eilen, fand er diese zitternd und weinend vor dem Bett kniend. Wie er selbst die Leichen erblickte, fiel er laut seiner Aussage fast in Ohnmacht. Doch von Ihrem Sohn war im Schlafzimmer keine Spur zu sehen oder zu hören. Sie begannen das Haus abzusuchen, in der Hoffnung, dass Christopher noch am Leben wäre, und fanden ihn schließlich am Strick hängend auf dem Dachboden des Hauses.

Die Seiten mit den Notizen, die Christopher angefertigt hatte, und die, die grausamen Details über den Tod seiner Familie und besten Freunde beschrieben, lagen vor seinem hängenden Leichnam. Diese waren fein und ordentlich nach Datum sortiert. Er nahm die Notizen an sich und las diese.

Doch ich hätte nicht damit gerechnet, dass Herr Andersen Senior sich hierher begeben und uns einen Besuch abstatten würde. Da haben mich meine Menschenkenntnisse wohl doch getäuscht. Wie dem auch sei, nun ist er hier und ich werde ihm alles berichten, was es zu dieser Angelegenheit zu berichten gibt.

Doch nun wollen wir unseren Gast erst einmal etwas zu essen und zu trinken geben. Schließlich sitzt er seit Stunden im OP-Raum. Sollte er Probleme bereiten, wird Ansgar sich um ihn zu kümmern wissen.

Gardevang, der 29.01.1876, Notizakte Familie Andersen. Geschrieben von Doktor Eldar Mikkelsen um 12 Uhr mittags.

Da Herr Andersen sich nicht kooperativ zeigte, als wir ihm gestern Abend das Essen brachten, mussten wir Maßnahmen ergreifen und ihn für sein Benehmen und seine Bauerngossensprache, die er an den Tag legte, bestrafen. „Ich mag es überhaupt nicht in meinem eigenen Haus mit Schimpfworten, die unter aller Würde sind und ich hier nicht aufzählen möchte, beleidigt zu werden.“ Wobei „Bastarde“ noch eines der netten Worte war, die er verwendet hatte. Ansgar musste ihn auf meine Anweisung hin chloroformieren. Ich hoffe, dass Herr Andersen, der nun wieder zu Besinnung gekommen ist, sich kooperativer zeigt als gestern Abend.

Herr Andersen saß bisher ruhig im Rollstuhl und schwieg vor sich hin. Als ich und Ansgar eben den Raum betraten, bat er mich um ein Glas Wasser. Selbstverständlich gab ich es ihm. „Schließlich bin ich ja kein Unmensch!“

Auf seine Bitte hin, den Abort aufsuchen zu dürfen, da er sein Geschäft nicht länger halten könnte, reichte ich ihm ein Glas und eine ausgediente Schüssel, wobei Ansgar seine Fesseln lockerte. Ich warnte ihn. Sollte er was Falsches versuchen, würde es ihm wie seiner Schwiegertochter und den Kindern ergehen. Als er sich erleichtert hatte, band Ansgar ihn wieder fest und ich begann, ihm damit meine Beweggründe für meine Forschung zu erklären.

Nun, mein werter Freund: Sind Sie bereit, meine Geschichte zu erfahren?“ fragte ich ihm. Er jedoch blieb teilnahmslos und gab keinen Muckser von sich.

Ich begann zu sprechen. „Mein Werter, Herr Andersen. Sie sagten, Sie hätten die Notizen Ihres Sohnes bereits eingehend studiert. Von daher brauche ich Ihnen ja nicht zu erklären, was genau geschehen ist.“

Wissen Sie, Ihr Sohn war für mich ein hochgeschätzter und wertvoller Freund. Ich habe ihn zu meinem Zeuge erkoren und ihm die Aufgabe erteilt, dass er der Welt berichten sollte, was für ein genialer sowie brillanter Wissenschaftler und Arzt ich für das Spezialgebiet der Neurologie bin. Wie Sie bereits im Keller des alten Holzhauses sehen konnten, forsche ich am menschlichen Gehirn und versuche das Geheimnis des Denkens zu entschlüsseln.“

Die Gehirne Ihrer Enkel waren für mich sehr aufschlussreich, da diese noch nicht voll entwickelt waren. Sie haben mich ein gutes Stück in meiner Forschung vorangebracht. Das Gehirn Ihrer Schwiegertochter wies allerdings einen Schaden in Form eines Geschwüres von abartiger Natur auf.“

Ich hatte Christopher bereits erklärt, dass sie ohnehin in wenigen Monaten gestorben wäre und ich ihr mit meiner Gnade einen schnellen und humanen Tod ermöglicht habe. Wissen Sie, Brigitte hätte am Ende der Krankheit und kurz vor ihrem eigenen Tod Christopher und die Kinder nicht mehr erkannt und nicht mal mehr gewusst, wer sie selber wäre.“

Dass ich das Gehirn Ihres Sohnes mit in die Sammlung aufgenommen habe, war daher reiner Zufall, da er sich durch seinen Freitod aus seiner Verantwortung gestohlen hatte. Es war nie geplant, dass er durch meine Hand sein Leben verlieren sollte. Dies hat er alleine entschieden.“ „Doch ich muss mir eingestehen, dass ich bei Ihrem Sohn die Wichtigkeit seiner Rolle nicht deutlich genug erklärt habe.“

Was haben sie nur getan?“, fragte Herr Andersen Senior mich, nachdem ich meine Beweggründe erläutert hatte.

Ich fuhr weiter fort. „Alles zu seiner Zeit, mein Freund. Lassen Sie mich Ihnen meine Geschichte erzählen, damit Sie besser verstehen können, was meine Probanden und auch ihr Sohn mit seiner Familie durchleben mussten. Wie wäre es mit einer kleinen Spazierfahrt in den Keller des Holzhauses? Auf dem Weg dorthin werde ich Ihnen Berichte erstatten.“

Im Übrigen dürfen Sie mich Eldar nennen. Wir sind beide, so vermute ich, wohl im selben Alter.“

Der schweigsame Herr hinter Ihnen ist mein Bruder Ansger. Ich musste ihm vor etlichen Jahren leider die Zunge entfernen. Darum kann er nicht sprechen und ist somit nur mein stummer Diener und Handlanger. Würde es Sie stören, wenn ich Sie ebenfalls beim Vornamen nennen würde? Schließlich ist es bei Personen in unserem Alter üblich, und ich fände es ganz bedauerlich, wenn Sie meiner Bitte eine Absage erteilen würden.“ „Wie darf ich Sie nennen, mein werter Freund?“ „

Herr Andersen schaute mich mit traurigen Augen an und nannte mir seinen Vornamen. „Mein Name ist Vilhem Andersen“, sagte er mit heißerer Stimme zu mir und sein Blick haftete dabei am Boden des OP:Raumes. „Aber ich bestehe weiterhin darauf, dass wir beim Förmlichen „Sie“,bleiben.“ „Schließlich haben Sie meine Familie auf dem Gewissen und einen Mörder duze ich nicht!“, sprach er weiter.

Ich ergriff wieder das Wort. „Ok, damit kann ich leben und ich freue mich darüber, Ihre werte Bekanntschaft zu machen, Vilhelm. Ich werde Ihnen nach meiner Geschichte ein Angebot unterbreiten. Und ich hoffe, Sie verstehen meine Bewegründe bis dahin.“

Ansgar, kannst du bitte unserem Gast eine kleine Runde spazieren fahren?“

Ansgar nickte uns nur an und ich öffnete ihm die Tür zum Geheimgang. Die beiden warteten direkt hinter der Tür auf mich. Ich zündete eine Laterne an und stellte diese meinem werten Freund Vilhelm auf den Schoß.

Ich begann zu erzählen: „Ich wurde vor 65 Jahren in diesem Haus geboren und schon als Kind war ich von der Funktionsweise des menschlichen Körpers und des Gehirns fasziniert.“ „Während meiner Schulzeit zeigte sich bereits mein Talent in Naturwissenschaften. Somit entschied ich mich, nach meiner Schulzeit ein Studium als Mediziner an der Universität von Kopenhagen zu beginnen. Schnell war mir klar, dass ich die Neurologie zu meinem Fachgebiet machen wollte.“ „Und Sie sehen, ich habe mit Bravur als Jahrgangsbester mein Studium beendet.“

Doch ich gab mich mit dem Titel Arzt der Neurologie nicht zufrieden und ich erhielt nach meinem Abschluss das Angebot, mein Studium fortzusetzen und den Doktorgrad zu erhalten.“ „Somit zog es mich ins Ausland.“ „Stellen Sie sich vor meinen liebgewordenen Freund. Es war nicht irgendeine Klinik, die mich damals wollte. Es war einer der bekanntesten Kliniken überhaupt, die mir die Möglichkeit bereitete, Doktor zu werden.“

Können Sie bereits erahnen, von welcher Klinik ich spreche?“, fragte ich Ihn. Vilhelm hob den Kopf, schaute mich an und antwortete fast flüsternd: „Nein, das kann ich nicht.“

Aber, aber, mein Lieber, diese Klinik kennen Sie 100 Prozentig.“ Es handelt es sich um die renommierte Charité in Berlin, die auf mich aufmerksam geworden ist. Dank meiner guten Leistungen als Jahrgangsbester erhielt ich durch meine Lehrer und Professoren der Universität von Kopenhagen, die ordentlich von mir schwärmten und lobend erzählten, wie brillant ich doch wäre, die Gelegenheit, unter dem berühmten Neurologen Moritz Heinrich Romberg weiter zu studieren und meinen Doktorgrad zu erhalten.

Ist dies nicht wunderbar?“

Ich hoffe, der Name Romberg sagt Ihnen etwas. Er war schließlich ein Pionier und eine Koryphäe in der Erforschung von neurologischen Nervenkrankheiten, und ich war begierig, von ihm zu lernen. Er führte mich in die Tiefen des menschlichen Nervensystems ein und zeigte mir die Komplexität neurologischer Erkrankungen. Ich muss gestehen, ich war angetan von seiner Arbeit, und so lernte ich die kleinsten und feinsten Nuancen der Neurologie kennen.

Ich unterbrach meine Geschichte kurz und warte auf eine Reaktion von Vilhelm. Doch diese blieb aus. Somit erzählte ich weiter.

Wissen Sie, meine Wertester, die Charité war und ist bis heute ein Ort des Wissens und der Dunkelheit zugleich. Romberg war ein strenger und harter Lehrer und Doktorvater, aber seine Methoden waren und sind noch immer revolutionär. Wir verbrachten unzählige Stunden in der Pathologie, sezierten Gehirne und untersuchten die kleinsten Details. Doch meine wahre Leidenschaft lag in den Experimenten, die ich heimlich durchführte. Meine beiden Jahre an der Charité waren geprägt von intensiver Forschung und den moralischen Abgründen, denen ich mich hingab. Ich entwickelte einen mir unbekannten Ehrgeiz.“ „Mein Wissensdurst nahm ungeahnte Grenzen an und ich beschränkte mein Lernen nicht nur mehr auf die Pathologie, Operationssäle und den Studiensaal ein.“

Mir Eldar Mikkelsen ist es gelungen, einen kleinen geheimen provisorischen Operationssaal tief im Keller der Charité einzurichten.“

Dort führte ich an Leichen und schwerstkranken Personen illegale und unethische Experimente durch. Somit lernte ich nach und nach, wie man das menschliche Gehirn manipuliert, wie man Erinnerungen daraus auslöscht und einen Menschen zum Pflegefall machen kann.“

Meine ersten Versuche, die Gehirne für die Ewigkeit zu konservieren, gingen leider schief und die Gehirne zersetzten sich in kürzester Zeit in den Gläsern.„Doch mit dem Aufkommen von Formaldehyd gelang es mir endlich, meine geliebten Gehirne für die Ewigkeit haltbar zu machen.“

Meine Experimente an den Leichen und den Schwerstkranken waren grausam. Allerdings gab ich mich nach einer gewissen Zeit nicht mehr mit den Leichen und den Schwerstkranken zufrieden. Nachts schlich ich mich aus dem Wohnheim der Ärzte heraus und suchte mir Obdachlose und Kriminelle, die auf den Straßen Berlins hausten und herumlungerten und die niemand vermissen würde. Ihr Zustand war teilweise erbärmlich und sie stanken gefühlt – schlimmer als jede Jauchegrube. Aber was nimmt man nicht alles für seine Studien in Kauf?“

Ich chloroformierte oder schlug sie noch vor Ort und Stelle nieder und entfernte ihre Zungen, so dass sie nicht mehr in der Lage waren, um Hilfe zu schreien.“ „Hätte ich Ihnen die Zunge im wachen Zustand entfernt, wären Sie wohl alle samt in Ohnmacht gefallen.“ „Aber ich bin nun mal kein Unmensch und betäubte Sie vor der Prozedur des Verstummens.“ „Anschließend verschleppte ich sie im Schutz der Dunkelheit und der Nacht in den Keller der Klinik, fesselte sie dort an Rollstühle und den OP-Tisch und führte schreckliche Operationen an ihnen durch. Manchmal sogar ohne jegliche Betäubung, um die Reaktionen des Gehirns in Echtzeit beobachten zu können.“

Ich machte eine kurze Pause und schaute wieder auf Vilhelm herab und erwartete eine Reaktion von ihm. Diese bleibe aber weiterhin aus. Ich fuhr fort….

Gelegentlich, wenn mir da nach war, öffnete ich den Probanden im nicht betäubten Zustand den Brustkorb und befühlte mit meinen Händen ihre inneren Organe ab. Die vor Panik aufgerissenen Augen und stummen Schrei, die sie von sich gaben, waren einfach atemberaubend.“ „Sie wanden sich buchstäblich unter meinen Händen, doch sie waren auf dem Provisorischen OP-Tisch festgeschnallt und die Fesseln schnitten sich in Ihr Fleisch.“

Wissen Sie meinen neuen, liebgewordenen Freund? Der menschliche Körper ist unter Schmerz vollgepumpt mit Adrenalin und in außerordentlichem Zustand. Sie können sich kein Bild davon machen, wie viele dieser „niederen Subjekte von menschlichem Abschaum der Gesellschaft“, zäher sind, als wir normalen Menschen annehmen würden. Noch während einige dieser kriminellen Subjekte chloroformiert waren, öffnete ich ihre Köpfe und legte ihre Gehirne an bestimmten Arealen frei. Als sie wieder aufwachten, strafte ich sie, indem ich ihnen erst die Finger und anschließend die Zehennägel ausriss. Oft schnitt ich ihnen in ihr Fleisch und schaute zu, wie ihre geweiteten Augen mich dabei beobachteten, und sie anfingen, wie kleine Kinder zu weinen. Ihre Gehirne zuckten leicht dabei.

Ich war fasziniert und abgestoßen zugleich, doch mein Wissensdurst überwog jegliche moralische Vorstellung. Einem Schnitt sagte ich sogar während eines Experimentes sein „Sie wissen schon!“, ab und er verblutete in Windeseile daran. Dieses Exponat seines „Zippedäus“ habe ich heute noch in meinem Besitz.“

Sie sind doch krank, Eldar!“, hörte ich leise und kleinlaut Vilhelm zu mir sagen. „Sie sind komplett wahnsinnig und gehören für immer eingesperrt und der Schlüssel weggeworfen!“ Sprach er nun weiter. Ich jedoch schüttelte nur mit dem Kopf und sprach weiter.

Aber nichts erregte meine Aufmerksamkeit und meine Gelüste mehr als das menschliche Gehirn. Sie können sich nicht vorstellen, wie berauschend dieses Gefühl sein kann, ein Gehirn in den Händen zu halten und zu erforschen.“ „Es kommt dem menschlichen Höhepunkt beim Akt der Begierde fast gleich und es befriedigt mich bis heute.“

Selbst das Gehirn Ihrer Schwiegertochter löste in mir dieses Verlangen nach Befriedigung aus.“

Ist das nicht wunderbar, dass Ihre überaus attraktive und hübsche Schwiegertochter Brigitte einem so alten Knacker wie mir noch einmal dieses Gefühl der Ekstase bescheren konnte?“ „Selbst Ansgar war im höchsten Maße von ihr angetan. Stellen Sie sich vor Vilhelm. „Er hat sie im ohnmächtigen Zustand sogar genommen!“, sagte ich zu ihm und lachte hämisch und entzückt zugleich.

Vilhelm drehte seinen Kopf zu mir hoch und schaute mich fassungslos an. Seine Augen weit aufgerissen und mit Tränen gefüllt. Er versuchte etwas zu sagen, doch seine Worte blieben ihm buchstäblich im Halse stecken. Er weinte und wandte seinen Blick von mir ab und schaute in das Licht der Laterne in seinem Schoß.

Ich lächelte zufrieden mit der Gewissheit, dass ich ihn damit fassungslos und sprachlos machen konnte, und redete weiter.

Eines meiner bedeutendsten Experimente, die ich versuchte und durchführte, war die Übertragung von Erinnerungen von einem Gehirn auf ein anderes. Ich entwickelte eine Technik, bei der ich die neuronalen Netzwerke des Gehirns kartierte, um anschließend diese Informationen auf ein anderes Gehirn zu übertragen. Doch die Ergebnisse waren unvorhersehbar und katastrophal. Aber es gab auch kleiner Erfolge, die mich ermutigten, weiterzumachen, und ich versuchte dieses Experiment an mehreren Probanden.“

Diese beiden Jahre formten mich zu dem, was ich später werden sollte und heute bin: Ein Wissenschaftler, getrieben von dem Wunsch, die Geheimnisse des menschlichen Gehirns zu entschlüsseln und seine Erkenntnisse auf die extremste Weise anzuwenden. Die dunklen Korridore der Charité waren meine stummen Zeugen meiner Transformation, vom Arzt zum Doktor, und die Schatten, die dort lauerten, folgten mir bis hier her nach Dänemark, wo ich meine Experimente fortsetzte.“

Wissen Sie, mein Lieber, ich sammele die Gehirne erst, seit ich wieder nach Dänemark zurückkam. Es wäre mir schlicht unmöglich gewesen, die ganzen Exponate hierher zu transportieren. Somit beschränkte ich mich nur auf wenige Stücke, die ich mitnahm. Meine Zeit im Deutschen Kaiserreich in Berlin war ein finsteres, aber auch ein helles Kapitel meiner Lebensgeschichte. Sie war geprägt von wissenschaftlichem Fortschritt und menschlichem Leid. Letztendlich erwarb ich den Doktorgrad innerhalb der beiden Jahre als Jahrgangsbester.“ „Moritz Heinrich Romberg wäre heute sicherlich stolz auf mich, seinen Meisterschüler, den er Formte, gewesen. Doch leider verstarb er bereits vor 3 Jahren.“

Aber eines ist nicht mit in sein kaltes Grab gewandert.“ „Sie können es sicher bereits ahnen, was es ist. Eilig schaute ich wieder auf Vilhelm herab und wartete auf seine Reaktion. Diese bleibt allerdings erneut aus. Ich war erstaunt, dass er so ruhig und gefasst bleiben konnte.

Genau, mein Lieber!“ „Es war sein Gehirn!“… „Ansgar und ich sind extra zu seiner Bestattung nach Berlin gereist, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.“ „Schließlich war ich einst sein bester Schüler und ich wollte meinen alten Freund und meinen Doktorvater noch ein letztes Mal sehen. In der Nacht vor seinem Begräbnis schlichen wir uns heimlich in die Aufbahrungshalle und ich entfernte dort sein Gehirn.“ „Diese Brillianz und Begabung, die darin enthalten ist, sind unverzichtbar für die Welt und sollte nicht in einem modrigen und nassen Grab vor sich hin verrotten.“

Ist das nicht wunderbar, dass ich der Welt dieses Wissen weitergeben werde?“ „

Heute versuche ich weiterhin, das Wissen und Denken des menschlichen Verstandes zu entschlüsseln, um das Bewusstsein und die Erinnerungen, die in den Gehirnen gespeichert sind, zu extrahieren und zu konservieren.“ „Darin sah und sehe ich bis heute noch das Potenzial, das menschliche Leben zu verlängern und das Wissen der Toten zu bewahren.“

Doch nun habe ich genug von meinem Leben und meinem Wirken in Berlin erzählt.“

Nur eines sollten Sie noch wissen: Mein Bester. Nach den beiden Jahren verließ ich Berlin und kehrte wie erwähnt nach Dänemark zurück. Hier begann ich, weitere Experimente durchzuführen, und bald wurde mein Bruder Ansgar mein Helfer.“ „Dieser Jammerlappen von Mann und Bruder ist eigentlich genauso brillant wie ich und er hatte ebenfalls die Chance, in Berlin studieren zu können. Doch ich dulde bis heute keine Konkurrenz neben mir. So musste ich ihm damals, bevor er nach Berlin gehen konnte, seine Stimme und Zunge nehmen. Seitdem ist er mein stummer Handlanger und Gehilfe“

Mit diesen Worten erreichten wir die Tür zum Kellerraum, in dem ich meine wertvollen Gehirne aufbewahre. Ich öffnete die Tür und in diesem Moment bemerkte ich, wie entsetzt Herr Andersen Senior über meine Geschichte war, und er fragte mich abermals:

Was haben Sie mit meinem Sohn gemacht? Doch bevor ich ihm antwortete, wendet ich mich an meinen Bruder.

Ansagar, bist du bitte so freundlich und könntest du unseren geschätzten Gast bitte in den Kellerraum fahren und ihn vor dem neuen Regal abstellen?“ „Ach, und bitte zünde die Laternen aus dem Regal mit an, damit wir genug Licht haben. Ich werde unserem Gast etwas zeigen müssen.“

Ansgar tat, was ich ihm aufgetragen hatte. Ohne dass ich ein Wort sagen musste, öffnete er sogar die Vorhänge zu den anderen Regalen. Ich nahm die Laterne von Vilhelms Schoss und hob sie in den Raum hinein.

Schauen Sie, mein Lieber. Dies sind alle meine Probanden, die Ihr Leben für meine Forschung hingegeben haben.“

Ist es nicht spektakulär, so viele Gehirne auf einmal sehen zu können?“

Herr Andersen hob seinen Kopf und schaute von links nach rechts durch den Raum. Seine Blicke schweiften dabei von einem Glas zum anderen und blieben bei dem neuen Regal mit den Gehirnen seiner Familienangehörigen stehen.

Ich seufzte… „Wissen Sie, mein Lieber, Ihr Sohn Christopher war ein besonders interessanter Fall. Er und seine beiden Freunde kamen uns auf die Spur, und ich überlegte erst, ob Christopher auch eliminiert werden musste. Doch ich sah etwas in seinen Augen, was mich daran hinderte. Er war etwas Besonderes. Diese Kraft, die seine Augen ausstrahlten, obwohl er wie Sie in diesem Rollstuhl gefesselt war, war einfach… Entschuldigen Sie, ich suche nach dem Wort“… „Wie soll man es nennen, dass Sie es auch verstehen?“

AAAAAAHHHHHH, jetzt fällt mir das Wort wieder ein.“ „Der Ausdruck in seinen Augen war einfach „unbeugsam“ und zugleich magisch!“

So entschied ich mich, nur seine beiden Freunde Christian und Holger für meine Experimente zu opfern. Aber keine Sorge, mein Lieber, Sie mussten nicht leiden. Ansgar hat sie, bevor sie ihren letzten Atemzug taten, chloroformiert und ich habe sie dann erstochen. Sie haben nichts gespürt.“ „Schließlich bin ich ja kein Unmensch und lasse niemanden leiden.“

Er und seine Freunde waren einfach zu neugierig, und, wie ich ihnen bereits sagte, sollte Christopher mein Zeuge für meine bahnbrechende Arbeit am menschlichen Gehirn und die Experimente an diesen sein. Schauen Sie, mein Lieber Vilhelm, hier habe ich die Gehirne von Christophers Freunden. Auch die Gehirne von Brigitte und Ihren Enkeln haben hier ihren Platz gefunden.“ „Und schauen Sie, meine Wertester, hier ist das Gehirn Ihres Sohnes, ich habe die Familie somit wieder vereint.“

Mit diesen Worten nahm ich das Glas mit Christophers Gehirn aus dem Regal und stellte es in den Schoß von Vilhelm. Augenblicklich begann er bitterlich zu weinen und dicke Tränen fielen auf das Glas.

Aber, aber, das ist doch ein wunderbarer Trost für Sie als Familienangehöriger und Vater. All seine Freunde und seine Familie sind hier in diesem Regal und er ist nicht alleine. Alle Ihre Erinnerungen und Ihr Wissen sind konserviert für die Ewigkeit.“

Das ist doch absolut großartig!“, meinen Sie nicht auch?

Fahren Sie zur Hölle, Sie Scheusal!“, sagte Vilhelm mit kratzender und trauriger Stimme zu mir und ich bemerkte, wie er begann sich zu regen. Ich musste schnell das wertvolle Glas von seinem Schoß nehmen und zurück in das Regal stellen, bevor es noch zu Boden fallen konnte. Er kämpfte gegen seine Fesseln, doch es war vergebens. Ich trat Näher und ging in die Hocke. Meine alten Knie knackten dabei laut. Ich betrachtete ihn mit einem bedauernden Lächeln und versuchte ihn zu beruhigen.

Beruhigen Sie sich, mein Lieber, denken Sie an Ihr Herz.“ „Nicht dass sie einen Herzinfarkt erleiden. Also bitte beruhigen Sie sich. Sonst muss ich andere Maßnahmen ergreifen und sie leider betäuben. Und das wollen wir beide doch nicht. Kommen Sie, mein werter Freund, wir fahren zurück ins Haus. Ein starker Kaffee würde uns beiden, glaube ich, gut tun.“

Mit diesen Worten löschte Ansgar die anderen Laternen bis auf die auf Vilhelms Schoß, die wir wieder darauf platzierten, und wir machten uns auf den Rückweg zu unserem Haus. Als wir wieder im Operationsraum ankamen, hatte Vilhelm sich wieder beruhigt. Aber sein Puls rastete noch. Ich machte ihm ein Glas Wasser mit Bachblütenextrakt zurecht und gab es ihm zu trinken. Nach 15 Minuten war er dann ruhig und sein Puls konstant.

Ansgar, was meinst du? Sollen wir unserem Gast aus dem Rollstuhl befreien und ihn nach oben in die Wohnstube bringen? Die Wärme des Kamins wird seinen Knochen bestimmt gut tun. Außerdem bin ich mit meiner Erzählung noch nicht fertig und würde dies gerne bei einer Tasse Kaffee vollenden.

Ansgar nickte mich an und ging auf Vilhelm zu. Doch bevor er ihn losband, richtete ich das Wort wieder an ihn. „Mein lieber Freund Vilhem, schauen Sie mich bitte einmal an.“, Er hob den Kopf und schaute mir in meine Augen. „Ich bin eigentlich kein so schlechter Mensch wie Sie annehmen. Sonst hätten Sie schon Ihr Leben ausgehaucht und ich wäre um ein Gehirn in meiner Sammlung reicher. Ich bin nur kein sehr gastfreundlicher Mensch und bevorzuge die Stille und Einsamkeit, wie Sie bereits erfahren mussten. Also bitte ich Sie, dass Sie meine Gastfreundschaft nicht überstrapazieren und machen, was ich Ihnen sage. Ansagar wird sie jetzt losbinden und sie nach oben geleiten.“

Dort bringt er Sie in die Wohnstube und Sie können sich am Feuer wärmen und wir trinken beide zusammen eine Tasse Kaffee. Ich werde Ihnen den Rest meiner Lebensgeschichte erzählen und entscheide dann, was geschehen wird. Bitte bleiben Sie ruhig und regen sich nicht auf. Ich werde Ihnen nichts tun. Versuchen Sie nicht wegzurennen oder etwas Unüberlegtes anzustellen.“

Ansgar ist immer in Rufweite und wird schnell und gnadenlos handeln.“

Sind sie damit einverstanden, dann nicken sie einfach, und so gleich sind sie von den Fesseln befreit.“ Vilhelm hob seinen Kopf und nickte mich stumm an. Seine Augen wirkten ängstlich. „Gut, mein Lieber Ansgar, du kannst unseren Gast jetzt losbinden und nach oben bringen.“ „Ich komme in 5 Minuten nach.“

Als ich die Wohnstube betrat, saß Vilhem im Lehmohrsessel vor dem Kamin und wärmte sich auf. Ansgar ging in die Küche und bereitete uns einen Kaffee zu. Als er zurückkam, stellte er den Kaffee und etwas Gebäck auf den kleinen Beistelltisch und verließ den Raum.

Bedienen Sie sich nur Vilhelm. Keine Sorge, wir haben nichts in den Kaffee oder das Gebäck gemischt. Trinken und essen Sie ruhig.“

Vilhelm nahm sich eine Tasse. Die dampfende Tasse Kaffee in seinen zitternden Händen war wohl der einzige Trost, den ich ihm bereiten konnte. Ich lächelte milde, setzte die Tasse an meine Lippen und nahm einen Schluck, bevor ich wieder sprach. „Wissen Sie, Vilhelm, es gibt doch etwas Befreiendes an einer Tasse Kaffee mit Gebäck und einer guten Geschichte. Lassen Sie mich Ihnen von meiner Rückkehr nach Dänemark erzählen.“ „Wenn Sie noch einen Kaffee möchten, sagen Sie bitte Bescheid, mein Wertester.“

Vilhelms Blick schaute mich verwirrt an, aber doch war eine Neugierde darin zu erkennen. Ich lehnte mich zurück und begann.

Wie ich Ihnen schon erzählte, war ich schon immer neugierig und vom Wissensdurst getrieben. Doch es war ein besonderer Tag, kurz nach meiner Rückkehr nach Gardevang in unser Elternhaus, der mich ein weiteres Mal prägte.“

Es war ein kalter und verregneter Herbstmorgen, als wir die Leichen unserer Nachbarn im alten Holzhaus im Wald fanden. Genau dieses Holzhaus, durch das Sie hierhergekommen sind. Die Familie Hansen, die einst dort lebte, wurde von einem schlimmen Schicksalsschlag getroffen. Die Mutter Sophie gebar ein Kind. Einen kleinen Jungen, den sie Matthias nannten, der allerdings mit Wasserkopfsyndrom zur Welt kam. Der Kleine überlebte nur 3 Tage und verstarb an dem zu großen Hirndruck, der im Inneren seines kleinen Kopfes herrschte. Sophia, die Mutter, verstarb wenige Tage später an Kindbettfieber,“ „Der Vater Magnus brachte daraufhin aus Wut, Trauer und Verzweiflung über den Verlust des Jungen und seiner Frau die 6-jährige Tochter Emma um und erhängte sich anschließend selbst an einem Baum neben dem Haus.“

Vilhelm senkte seine Tasse, aus der er gerade trinken wollte, und bekreuzigte sich selbst. „Das ist echt ein schlimmer Schicksalsschlag!“, sagte er zu mir und ich sah, wie er sich eine Träne aus den Augen wischte.

Ich weiß!“, stimmte ich ihm zu. „Uns tat Ihr Schicksal auch Leid. So ist es ja nicht. Wir sind ja keine Unmenschen und haben keine Herzen aus Stein. Aber es war auch ein Anblick, der Andere abgeschreckt hätte, und er weckte in mir eine morbide Neugier. Wissen Sie, Ansgar und ich fanden ihre Leichen. Kurz entschlossen schnitt Ansgar den Vater vom Baum und brachte ihn in das alte Holzhaus zurück. Dort fanden wir die anderen drei Leichen. Magnus hatte seinen Sohn Matthias in die Arme der Mutter gelegt und seine kleine Tochter zu Ihr ins Bett gepackt.“ „Sie sahen alle aus, als ob Sie schlafen würden.“

Nachts schlichen wir zurück in das Holzhaus und holten die Leichen hierher in den Keller. Allerdings hatte ich damals noch keinen OP-Raum im Keller. Erst nach diesem Erlebnis richtete ich mir diesen ein.“

Ich begann damit, ihre Gehirne zu entnehmen. Angefangen bei dem Säugling bis hin zum Vater. Die Welt um mich herum verschwand, während ich mich auf die Geheimnisse konzentrierte, die in diesen Gehirnen verborgen lagen. Doch ich wurde jäh von unseren Eltern gestört und Sie verursachten ein Riesentheater.“ „Unser Vater war nicht damit einverstanden, dass ich unseren Keller als Labor benutzte, und schon gar nicht damit, dass wir die Leichen dort unten überhaupt aufbewahrten. Er wollte sich auf den Weg nach Gardevang machen, um den Dorfpfarrer und den Dorfvorsteher zu holen, die sich um die Angelegenheit kümmern sollten. Doch wir wussten dies zu verhindern.“

Vilhem schaute mich mit großen Augen an und sein Blick verriet mir, dass er nicht so recht glaubte, was ich gerade am Erzählen war.

Aber wissen Sie, Vilhelm, es ist nicht einfach, die Grenze zu überschreiten, wenn es um die eigenen Eltern geht.“

Ich stellte die Tasse ab und sah ihm direkt in die Augen.

Doch es war notwendig.“ Noch bevor Vater, das Haus verlassen konnte, kümmerte ich mich um ihn. Ich überredete Ansgar in Windeseile dazu, ihn und unsere Mutter zu chloroformieren und einzusperren. Erst war er von der Idee nicht begeistert, aber ich schaffte es, ihn zu überzeugen, dass es notwendig war. Wir brachten Sie in Ihr Schlafzimmer und fesselten Sie in Ihren Betten. Mutter war die Erste, die aufwachte. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, als sie die Situation begriff. Ich setzte mich zu ihr ans Bett, legte eine Hand auf ihre Stirn und flüsterte ihr beruhigende Worte zu, während Ansgar die Instrumente vorbereitete. Väter erwachte ebenfalls, und als er sich seiner Lage bewusst wurde, versuchte er gegen die Fesseln an zu kämpfen, doch er war alt und schwach.“

Sie wollen mir nicht sagen, dass Sie Ihre eigenen Eltern für Ihre Experimente opferten“, fiel Vilhelm mir ins Wort.

Mein Blick richtete sich augenblicklich auf ihn und ich nickte ihn an und hatte dabei ein wohlwollendes Lächeln auf meinen Lippen.

Es tat weh“, sagte ich langsam, „Nicht ihnen, sondern uns.“ „Aber es war ein notwendiger Schmerz, um Größeres zu erreichen. Mutter starb als Erste. Ich nahm ein Kissen und drückte es ihr in das Gesicht, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Anschließend nahm ich meine Instrumente und eröffnete Ihren Kopf, um das Gehirn zu entnehmen. Vater musste alles wehrlos mit anschauen und fiel dabei in eine Art Schockstarre. Als er an der Reihe war, wehrte er sich nicht einmal. Ich chloroformierte ihn ein weiteres Mal und stach ihm seinem eigenen Jagdmesser in die Brust direkt in sein Herz. Anschließend entnahm ich auch sein Gehirn. Die Blutflecken auf dem Boden Ihres alten Schlafzimmers sind heute noch zu sehen.“

Anschließend habe ich ihr Gehirn sorgfältig untersucht und konserviert. Ihre Gehirne boten mir eine perfekte Kontrollgruppe an. Ein Ehepaar, das gemeinsam durch das Leben ging, vereint in der Liebe und doch so verschieden in ihren geistigen Prozessen. Ihre Gehirne befinden sich in den besten Gläsern, die wir haben.“ „Sie ruhen hier im Schrank, geschützt vor neugierigen Blicken, wie die Juwelen einer dunklen Sammlung.“

Mit diesen Worten stand ich auf und öffnete den Schrank, in dem die Gehirne unserer Eltern lagerten. Vilhelm schaute in den Schrank und seine Kinnlade klappte buchstäblich fast bis zu seinem Hals hinab. Ich schloss den Schrank und setzte mich wieder hin.

Jedes Gehirn erzählt seine eigene Geschichte, jedes Stück ist ein Puzzleteil des großen Ganzen““, fügte ich meiner vorherigen Aussage noch hinzu. „Ist das nicht wunderbar, mein lieber Vilhelm?“

Nein! Das ist es nicht!“, antwortet er mir.

Augenblicklich schaute ich auf und stellte meine Tasse ab. Wut begann sich in mir breit zu machen und ich versuchte, mich zu zügeln.

Sie sind ein Monster und der Teufel in Person. Die eigenen Eltern für Ihre Forschung zu opfern, ist das Schlimmste, was Sie tun konnten. Gott wird Sie dafür richten und der Teufel auch.!“ „Sie sind ein wahres Scheusal!“

Augenblicklich sprang ich auf und begann in einem wütenden Tonfall mit Vilhelm zu sprechen: „Ich habe Ihrem Sohn schon groß und breit erklärt, dass es für Religion, Gott und den Teufel in der Wissenschaft keinen Platz gibt. Es zählen Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Jetzt weiß ich, woher Christopher diese absurde Ansicht über Gott und die Welt hatte. Von Ihnen, mein Lieber. Wenn es einen Gott gäbe, würden Sie mein Wertester dann hier sitzen und sich meine Geschichte anhören?“, fragte ich ihn, während ich meine Wut herunterschluckte und mich wieder hinsetzte.

Vilhelm fuhr vor Angst und Strecken zusammen und gab mir keine Antwort.

Wie das auch sei: Ich fuhr mit meiner Erzählung fort.

Ich bin gleich am Ende meiner Geschichte angelangt!“, sagte ich mit noch immer leichter Wut in meiner Stimme. „Lassen Sie mich bitte zu Ende erzählen.“

Wir fingen an, Menschen zu entführen!“, fuhr ich fort. „Es waren die geistig Verwirrten, die Verzweifelten, jene, die die Gesellschaft als unheilbar abstempelt hatte. All diejenigen, die sich in den Wald hinein wagten, gingen uns in die Falle. Im Schutz der Nacht lauerten wir im Wald unsere Opfer auf. Ich bevorzugte jahrelang die Menschen, die an Hysterie und epileptischen Krampfanfällen litten, da Ihre Gehirne ein besonders Maß an Aktivität gewohnt war.“ „Teilweise lockte ich die Epileptiker sogar unter falschem Vorwand in unser Haus und versprach ihnen Heilung und ein Leben ohne Krampfanfälle. Natürlich waren diese Personen, sorgfältig auswählt und ahnten nicht, dass sie meinen OP-Raum nicht mehr lebend verlassen würden. Sie waren so naiv und leichtgläubig.“

Meiner Einschätzung nach wird es selbst in 100 Jahren noch nicht möglich sein, Epilepsie zu heilen. Aber wer weiß, was es bis dahin für Wundermittelchen geben wird, die die Krämpfe mildern oder unterdrücken werden.“

Ansgar ist bis heute meine Augen und Ohren. Er hatte auch die Idee zu der großen Wanne mit den 6 Glasballons darüber, die unten im OP-Raum steht. In den Ballons befindet sich Säure, um die Leichen darin aufzulösen. Sonst hätten wir ja buchstäblich den Keller voller Leichen.“

Er ist auch der denjenigen, der direkt aus erster Hand alles von der gesprächigen Apothekerin in Gardevang erfuhr. Diese alte Tratschbase, „möge Sie in Frieden ruhen und hoffentlich nun Ihr gesprächiges Mundwerk halten, konnte sei einfach nichts für sich behalten“, erzählte immer wer an den Krankheiten litt und somit wussten wir immer, welche Personen wir fangen mussten. Wir legten zuerst Fallen, die wir meisterhaft konstruiert hatten – versteckte Gruben, Netze und raffinierte Schlingen. Wir überwältigten unsere Opfer, chloroformierten und schleppten sie in unser abgelegenes Haus. Dort waren sie meiner Machenschaft hilflos ausgeliefert, und ich konnte, was ich in Berlin begonnen hatte, ungestört fortsetzen. „Für mich war es eine Art Spiel“, sagte ich zu Vilhem und nahm einen weiteren Schluck Kaffee.

Ein tödliches, aber notwendiges Spiel.“ „Wie sollte ich sonst in die Geschichte eingehen? Die Wissenschaft fordert eben nun mal Opfer.“ Da müssen Sie mir doch zustimmen, mein werter neuer Freund. Doch bevor Sie mir antworten, lassen Sie mich bitte noch eines erwähnen.“

Die Folter war ebenso ein Teil des Prozesses wie die Untersuchung. Es war mir nicht genug, die Gehirne nur zu entnehmen; ich musste verstehen, wie Schmerz und Angst den Geist veränderten. Dabei habe ich eine besondere Vorliebe für die psychologischen Folter entwickelt – ich entwarf komplexe Szenarien, um die Psyche unserer Opfer zu brechen. Tagelanges Isolieren, sensorische Deprivation, die Halluzinationen hervorriefen, induzierende Substanzen und zuletzt die direkte physische Pein, wie Schnittwunden, die langsam heilen durften, nur um dann wieder aufgerissen zu werden.“

Solche Qualen und Peinigungen bringen den menschlichen Verstand dazu, zu brechen, und man hat am Ende leichtes Spiel mit ihnen.“, beendete ich meinen Vortrag und nippte nochmals an meiner Tasse Kaffee.

Mit einem durchdringenden Blick schaute ich Vilhelm an. Sein Atem ging schneller. Ich konnte sehen, wie sich seine Gedanken rasten. Angst. Verzweiflung war in seinem Blick zu erkennen, aber auch ein Funken widerwilliger Faszination lag darin. Ich lehnte mich vor und sprach sanft.

Sie fragen sich vielleicht, warum ich Ihnen das alles erzählte. Warum ich Ihnen diese grauenhaften Details offenbare, die ich und Ansgar in unserem Leben begangen hatten und noch begehen werden? Die Forschung endet bekanntlicher Weise nie. Die Antwort ist so simpel und einfach genial: Die Gehirne, Vilhelm“, fuhr ich fort, Sie sind der Schlüssel zu allem. Wir sind besessen von der Idee, den Verstand zu entschlüsseln, zu verstehen, was das Menschsein ausmacht. „Hysterie, Schizophrenie – das waren keine Krankheiten für mich, sondern faszinierende Rätsel, die es zu lösen galt und weiterhin zu lösen gilt.“ „Ist das nicht einfach fantastisch?“ Sie sind das nächste Puzzleteil, Vilhelm. Ihr Geist wird unser Verständnis erweitern, Ihre Angst und Ihr Schmerz werden uns neue Erkenntnisse bringen.“

Ich fürchte, Ihre Reise endet hier, Herr Andersen. Ihre Erinnerungen werden eine wertvolle Ergänzung zu unserer Sammlung sein.“ Es sei, treten an die Stelle Ihres Sohnes und werden mein neuer Zeuge, und setzen das fort, was Christopher begonnen hatte. Sie, mein Lieber, haben die Wahl!“ Doch eines fordere ich von Ihnen. Sollten Sie, mein werter Freund Vilhelm Andersen Senior, mein neuer Zeuge sein, möchte ich ein Opfer von Ihnen. Doch nicht irgendein Opfer. Bringen Sie mir das, was Sie am meisten lieben und unverzichtbar für Sie ist. Ich werde Sie gebührend dafür entlohnen.

 

Fortsetzung folgt.

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