
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Der Sturm fährt durch Jonas kurzes,
strohblondes Haar und reißt an der Kapuze seiner Jacke.
Die mannshohen Wellen werfen das kleine
Forschungsschiff wild hin und her, und das Heulen des Windes
verspricht kein Ende zu nehmen. Über den pechschwarzen Himmel jagen
dunkelgraue Wolken, aus denen eiskalte Tropfen prasseln.
Jona friert, doch das wilde Schaukeln
des Schiffes treibt ihn mit einer übermächtigen Übelkeit hinaus an
Deck, sobald er sich in die Sicherheit seiner Kajüte zurückziehen
will.
Seit einer Stunde also steht er nun
allein und durchgefroren, von Übelkeit geplagt, an der Reling und
bereut zutiefst, sich überhaupt für diese Forschungsreise
angemeldet zu haben. Wenn er auf seine Kommilitonen gehört und sich
für eine spätere Exkursion auf See entschieden hätte, stünde er
jetzt nicht in diesem Januarsturm an Deck der Pequod, die tapfer
gegen den Seegang ankämpft.
Wieder reißt der Wind unvermittelt,
dieses Mal zur anderen Richtung, an ihm und Jona stolpert zur Seite,
fällt beinahe. Nur knapp gelingt es ihm, die Reling zu greifen. Er
flucht. Die letzten Mitglieder der Mannschaft haben ihn schon vor
über einer Stunde allein gelassen, als erfahrene Seefahrer ist ihnen
so ein Sturm zwar nicht lieb, aber immerhin überstehen sie ihn
wesentlich leichter als er. Wie sehr er sich wünscht, ihnen unter
Deck Gesellschaft leisten zu können. Doch kaum hatte er sich vor etwas über einer Stunde entschieden, die Schwimmweste abzulegen und es sich selbst unter Deck in seiner warmen, gemütlichen Kabine bequem zu machen, hatte ihn die Übelkeit übermannt. Ihm war nichts anderes mehr übrig geblieben, als an Deck zu sprinten und gegen die aufsteigende Magensäure anzukämpfen.
Kaum hat Jona das Gleichgewicht
wiedergefunden und lehnt sich, bemüht, tief in den Bauch zu atmen,
mit dem Oberkörper an die Holzstreben der Reling, fährt ein
erneuter Ruck durch das Schiff, die Wellen werfen die andere Seite
des Schiffes eine Mannshöhe in die Luft, ehe es mit einem Schwanken
wieder auf die Oberfläche schlägt.
Jona hat weniger Glück – er findet
keinen Halt, als die Pequod wie ein Spielball von den Wellen umhergeworfen wird. Er spürt nur, wie seine Füße den Kontakt zum Deck
verlieren, seine Hände ins Leere greifen und die Schwerkraft ihn
durch den eiskalten Regen und den peitschenden Sturm mit dem Kopf
voran in Richtung der tiefschwarzen See zieht.
Die Kälte des Wassers erreicht Jonas
Verstand erst Sekunden, nachdem er bereits in den schwarzen Wellen
verschwunden ist. Eiskaltes Wasser dringt in seine Stiefel, zieht an
seiner Jacke und spült ihm alles aus den Taschen seiner Jeans, was
er bei sich hat, als er sich orientierungslos durch das stürmische
Wasser dreht.
Kurz ist alles still. Dann durchbricht
sein Kopf die Wasseroberfläche, er reißt den Mund auf und schnappt
nach Luft.
Wieder schreit der Sturm, die Wellen
schlagen ihm gegen den Kopf, und er wird, gleich einem Stück
Treibholz, hin und her geworfen.
Um ihn ist alles dunkel. Der Himmel hat
beinahe die gleiche farblose Nachtschwärze wie das Meer, welches
sich unbändig in alle Richtungen erstreckt.
Wo ist das Schiff?,
fragt sich Jona panisch. Er muss wieder an Deck! Jemand muss ihn hier
herausholen!
Aber er sieht das
Schiff nicht. Die Wellen verdecken ihm immer wieder die Sicht, und
kaum hat er geglaubt, einen Blick auf den schwarzen Rumpf erhascht zu
haben, ist es schon wieder verschwunden.
Er ist allein auf
hoher See, allein in diesem Unwetter gefangen.
Etwas streift Jona
am Bein und er tritt wild um sich, sieht sich panisch um und gerät
unter Wasser, schreit auf und schluckt eiskaltes, salziges
Meerwasser. Hustend durchbricht sein Kopf erneut die Oberfläche.
Was hat ihn da
berührt? Ein Fisch?
Er betet, dass es
nichts anderes ist, dann wird er wieder von der Masse einer Welle
unter Wasser gedrückt. Er hat seine Lider noch vor Schreck weit
aufgerissen, das Salzwasser brennt in Augen und Nase, und vor ihm
steigen kleine Luftblasen auf.
Unter sich meint
Jona, einen dunklen Schatten ausmachen zu können, dann streift ihn
etwas am Rücken. Er schreit auf und fährt herum, so gut es das
Reißen der Elemente zulässt. Aber da ist nichts, nichts als die
schwarze Leere des endlosen Ozeans unter ihm. Er ist allein,
vollkommen allein in diesem Sturm.
Niemand wird ihn
hier herausfischen, wird Jona klar. Es weiß nicht einmal jemand,
dass er hier ist.
Die Panik schnürt
ihm die Kehle zu und er strampelt wild, um wieder an die Oberfläche
zu kommen.
Doch der erhoffte
Atemzug wird von einer erneuten Welle erstickt, welche ihn
herumwirbelt und seine Sicht auf den Schatten lenkt, der sich noch
immer unter ihm befindet.
Luftblasen hüllen
Jona ein, als er panisch versucht, nach oben zu kommen.
Luft
füllt einen Sekundenbruchteil später seine Lunge, und er hustet das
salzige Nass aus. Die Kraft in seinen Armen ist bereits jetzt dabei
zu schwinden, und seine Beine drohen in der Kälte zu verkrampfen. Er
sieht sich wieder um, in der verzweifelten Hoffnung auf Rettung. Doch
die Pequod ist weg, und ihre Mannschaft weiß noch nichts von seinem
Schiffbruch. Selbst wenn sie es jetzt bemerkten, durch die Strömung
konnte er überall sein. Selbst wenn sie ihn suchen würden, würden
sie ihn niemals rechtzeitig finden.
Es donnert und der
Sturm heult zu neuer Stärke auf. Der Applaus der Wellen betäubt
Jonas Ohren.
Wieder streift ihn
etwas am Bein, dieses Mal reißt es seinen linken Stiefel mit fort.
Jona tritt wieder in blinder Panik um sich, versucht verzweifelt
einige Meter weiter zu schwimmen, doch nie war er sich seiner
Verlorenheit bewusster als jetzt. Kilometerweit nur Wasser. Kein
Land, kein Boot, kein Rettungsring, um ihm zu helfen, nichts, woran
er sich festhalten kann – weder physisch, noch für die schwache
Hoffnung, die langsam in ihm stirbt. Seine Muskeln brennen und sein
Körper ist schwach und ausgebrannt von der an ihm zehrenden Kälte
des Wassers.
Da ist der Schatten
wieder, keine zwei Meter vor ihm entfernt, deutlich unter der
Oberfläche auszumachen. Die gigantische Masse des Meeresbewohners
kreist ihn ein, es ist, als würde dieses Tier, was immer es ist, mit
ihm spielen, wie die Katze mit der Maus.
Mit der nächsten
Welle verliert Jona das Wesen wieder aus den Augen. Er wird erneut
unter Wasser gedrückt, schluckt einen Mund voll Wasser, unterdrückt
den Drang zu husten, um zumindest ein wenig Luft in der Lunge zu
behalten, und erstarrt, als er das Auge des Wales direkt vor sich
sieht.
Der riesige,
schwarze Schatten, welcher sich als Körper eines gigantischen, von
Narben überzogenen Wales entpuppt, schwebt keinen halben Meter von
ihm entfernt im endlosen Nichts des schwarzen Meeres.
Jona starrt mit
weit aufgerissenen, brennenden Augen in das monströse Auge des
Wales, welcher ihn mit einem urmächtigen Zorn fixiert.