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Das Mädchen mit der Rose

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Langsam kommt sie auf mich zu. Sie hält immer noch die Rose die ich ihr einst gab in der Hand. Sie ist nicht verblüht nach all der Zeit. Die Rose ist immer noch so frisch wie an dem Tag, an dem ich sie kaufte, um sie meiner kleinen Schwester auf ihr Grab zu legen. Zusammen mit einem Zettel, zusammen mit ihrer Geschichte.

Als meine kleine Schwester geboren wurde, war ich schon 20 Jahre alt. Ich konnte lesen, schreiben, arbeiten. Halt all diese Dinge, die man mit 20 Jahren gelernt hat. Meine kleine Schwester konnte nichts von alldem. Sie hatte nie die Möglichkeit diese Sachen zu lernen. Ich habe viel Zeit mit ihr verbracht, als sie noch lebte. An den Abenden, an denen ich frei hatte, besuchte ich meine Eltern und meine Schwester. Sie liebte die Geschichten, die ich ihr erzählte. Wie fast jedes kleine Mädchen liebte sie Geschichten. Die Geschichten, die ich ihr erzählte waren meist voller Blumen, kleinen Tieren und Rettern in der Not. Alles Dinge mit denen ich nicht viel anfangen konnte, aber sie liebte diese Geschichten und ich liebte den Ausdruck auf ihrem Gesicht, wenn ich kurz nachdem sie ins Bett musste in ihr Zimmer schlich, um sie ihr zu erzählen. Eine Geschichte  mochte sie besonders. Es war eine Geschichte, die wenig Romantik hatte und von dem Leid anderer handelte. Aber die Menschen waren nie lange traurig. Diese Geschichte endete immer mit dem Satz “ Und so wurde sie als das Mädchen mit der Rose bekannt.“.

Es war eigentlich mehr als eine Geschichte. Immer wieder erfand ich neue Orte, neue Leidensgeschichten, aber das Mädchen mit der Rose blieb. Das Mädchen mit der Rose war acht Jahre alt. Sie tauchte immer dort auf, wo die Leute sehr arm waren und Hilfe brauchten. Wenn sie diesen Leuten geholfen hatte, verließ sie die Stadt und alles was von ihr über blieb war eine einzelne rote Rose. Wie gesagt, meine kleine Schwester liebte diese Geschichte.

Als sie sechs wurde, sie hatte im Sommer einige Tage vor Schulbeginn Geburtstag, wollte ich ihr eine Freude machen. Ich hatte ungefähr eine Woche vorher ein Heft gekauft und es mit den Geschichten des Mädchen mit der Rose gefüllt. Weil ich bald wegziehen musste, wollte ich ihr die Geschichte, die sie so liebte hinterlassen. Ich kann mich noch an ihren Gesichtsausdruck erinnern, als unsere Eltern ihr die Worte vorlasen, die auf dem Heft standen. Ich hatte in Schönschrift “ Das Mädchen mit der Rose“ auf den Einband geschrieben. Sie war begeistert. Diese ganzen Geschichten gehörten ihr.

Wenn ich ihr doch nie dieses Heft gegeben hätte. Wenige Tage bevor ich wegzog brannte das Haus meiner Eltern auf die Grundmauern nieder. Es kam nur eine Person ums Leben. Meine kleine Schwester. Es war die Nacht vor ihrem ersten Schultag. Unsere Eltern waren nicht da und sie war zu aufgeregt zum Schlafen. Sie nahm das Heft zur Hand und las es im Schein einer Kerze. Das weiß ich, weil ich ihren Körper neben einem verrußten Wachsklumpen und einem verkohlten Heft fand. Hefte und Bücher brennen nicht gut. Es ist nicht genug Luft zwischen den Seiten. Ich war in die Trümmer gerannt. An den Platz wo das Zimmer meiner Schwester war. Dort lag die zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche meiner Schwester, ein Klumpen Wachs und das Heft. Das Heft nahm ich an mich und schob es unter meine Jacke, bevor man mich wegzog.

Meine kleine Schwester war immer von meiner Schrift fasziniert gewesen. Ich fand sie manchmal über meinen alter Schulheften sitzend. Ihre Finger strichen sanft über die vielen beschriebenen Seiten. Ich kann sie vor mir sehen. Eine Kerze in der Hand, gebannt auf das Heft starrend, als wollte sie, dass die Geschichten sich ihr selbst vorlasen. Wie sie eingeschlafen ist. Mit der brennenden Kerze in der Hand.

Am Tag ihrer Beerdigung brachte ich ihr eine Rose und legte sie auf ihr Grab. Jetzt hält sie diese Rose in der Hand und dreht sie bedächtig. Sie sieht unglaublich schön aus. Ihr Gesicht ist wächsern und sie wirkt seltsam erwachsen, aber ihre Augen, der Ausdruck, den sie hatten. So wie an den Tagen, als ich ihr Geschichten erzählte. Sie stand direkt vor mir. Tränen stiegen mir in die Augen.  Ich flüsterte ein Wort: “ Lucy…“  Dann rammte mir meine kleine, verstorbene Schwester die Rose in meine Brust.

Während ich auf den Boden fiel hörte ich sie mir noch flüsternd antworten:“ Erzähl mir mehr Geschichten.“

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