KreaturenMittelMord

Deine Seele

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Ich sah in deine Seele.
Der unsterbliche Part des menschlichen Daseins. Ungesehen von allem, was
lebenden Sinnen unterworfen war. Und so sah ich dies, frei von allem
Leben, in dir. Nicht nur in dir. In allen Menschen. Es war ein langer,
unaussprechlicher Prozess, ehe ich mich dazu in der Lage sah. Mein
Wissensdurst, angetrieben von dem innigen Wunsch, die pure Quintessenz
menschlicher Emotionen zu erforschen, sah sich bis vor kurzem an einer
Einbahnstraße. Doch dann sah ich dich. Erkannte mit einem Mal, dass das
Herz mitnichten zu dem Ziel meiner Forschungsarbeiten gehören sollte.
Hier in diesem, von allmählich eintretender Abenddämmerung ins Orange
getauchten Spielplatz, ein Stück entfernt von der eigentlichen Ortschaft
hieltest du dich auf. Du warst nicht alleine. Zwei junge Frauen waren
schon seit einer ganzen Weile deine Begleiterinnen. Man hätte meinen
können, dass sie lediglich aus freundschaftlicher Absicht ihre Zeit mit
dir verbrachten. Doch als ihr dort in dieser runden Hängeschaukel zu
dritt begonnen hattet, Körperflüssigkeiten per Kontakt eurer Münder
auszutauschen, wurde ich eines besseren belehrt.

Es war zutiefst seltsam.
Eigentlich definierte sich der Mensch zwar als Rudeltier, doch
zeichnete er sich doch als monogames Säugetier aus. Eine der vielen
Dinge, die ich an deiner Rasse noch nie verstand. Vor langer Zeit war
ich zwar selbst einmal ein solches Individuum gewesen, doch dies ist nun
schon länger her, als ich es zu benennen vermochte. Es war mir nicht
möglich zu definieren, zu was für einem Wesen ich wurde. Ich existierte
einfach. Doch du. Du warst ein Mensch. Und was für einer. Dort auf
dieser runden Schaukel mit deinen beiden Gespielinnen. Eure Küsse ließen
gerade deine Aura pulsieren. Die Essenz deiner Seele. Geformt als
körperumfassenden, rauchähnlichen Schleier, verschiedenster Farben. Die
Auren deiner beiden Konkubinen flackerten schwach rötlich. Hatten
keinerlei Intensität inne. Wirkten auf mich wie in Abhängigkeit niederer
Triebe und Rauschmittel hervorgerufene Gefühlszustände. Sie waren nicht
echt. Doch dein Schleier. So viele Farben. Blau. Grün. Gelb. Rot. Diese
vier mischten sich nicht. Sie schienen eher um den Vorsitz zu streiten,
indem sie versuchten, die jeweils anderen Farben in ihrer Stärke zu
übertreffen und zu verdrängen. Selten hatte mich etwas derart in seinen
Bann gezogen. Ich musste dich einfach untersuchen. Den Ursprung deiner
Seele erforschen. Ich sah deine Seele.

Gerade, als ich mich zu
fragen begann, wann ihr euer präkoitales Geplänkel an einen
gemütlicheren Ort verlagert, kam von einer deiner Lustdamen, ob ihr
nicht lieber zu ihr wollen würdet. Ihre roten Haare passten zu der
rötlich, beinahe armselig pulsierenden Aura. Die Seele dieser Gespielin
war nicht einmal im Ansatz meines Interesses würdig. Ebenso wie die der
Brünetten. Du lächeltest die Rote an. Stimmtest ihr wollüstig zu. Ich
fragte mich, weshalb deine Seele so intensiv pulsierte, obgleich du
selbigen unverständlichen Trieben verfallen warst. Im selben
Gedankengang stieg etwas, dass sich ganz nach Vorfreude anfühlte, in mir
hoch. Du und deine Gespielinnen erhobt euch von der Schaukel und
schrittet gemächlich verschlungen in meine Richtung. War es schon Zeit,
mich dir zu zeigen, mein wertes Forschungssuubjekt? Wahrscheinlich
schon. Niemand erkannte mich, wenn ich es nicht so wollte. Es war stets
so amüsant zu beobachten, wie schnell die Gesichtsfarbe aus euch
Menschen verschwand, wenn ihr mich erblicktet. So auch bei dir. Wie
angewurzelt bliebt ihr direkt vor mir stehen. Starrtet mich entsetzt an.
Eure Auren veränderten sich. Vorallem deine. Nun hatte ein Farbgemisch
Vorsitz in deinem Körper. Es war braun. Ich konnte nicht deuten, was das
zu bedeuten hatte. Es faszinierte mich nur noch mehr. Deine Konkubienen
wurden blass violett. Interessant, doch kam diese Veränderung niemals
an die deinige heran.
Und obgleich du eine
tief in dir verankerte Angst verspürtest, gelang es dir, sie
zurückzuschieben und dich mir entgegenzustellen. Mein Anblick war wohl
doch nicht Grund genug, dass du Rückzug erwogst, nicht wahr? Dabei hing
mir mein fauliges Fleisch stellenweise vom bereits gelblich aussehenden
Körper. Dazu die gräuliche Totenverfärbung, welche sich wie eine
Grundierung unter das gelbliche legte. Noch nie konnte mich ein Mensch
länger als einige Sekunden betrachten, ohne sein Essen peroral wieder
abzusondern. Dazu meine hölzerne Keule, in welche rostige Nägel
eingearbeitet waren, die Spuren getrockneten Blutes aufwiesen.

Mein
Anblick war wahrlich kein sonderlich angenehmer und doch hieltest du ihm
stand. Du ahntest ja nicht, wie du für mich mit jeder Sekunde
interessanter wurdest.
„Was für ein geiles Kostüm du hast, Alter.“,
sagtest du zu mir und umrundetest mich, wie ein Schaulustiger, der sich
ein neuartiges Tier zu Gemüte führen wollte. Ich schwieg. Meine Stimme
wäre sicherlich noch um einiges beunruhigender gewesen, vorallem für
deine Konkubinen, die noch immer ängstlich dreinblickten. Du beendetest
deine Umrundung und standst wieder direkt vor mir. Ich legte meinen Kopf
schief.
„Kein Grund zur Sorge
Mädels. Bald findet doch dieses Kostümevent statt. Ich glaube, unser
Freund hier, trägt seines schon mal ein, nicht wahr?“, fügtest du deinem
Versuch der rationalen Erklärung hinzu. Interessant. Scheinbar
glaubtest du dir das sogar selbst. Auch deine potentiellen
Lustpartnerinnen schienen sich ebenfalls allmählich zu beruhigen. Ich
musste zugeben, dass ich den baldig aufkommenden Schreckensmoment
genießen würde. Ihr drei machtet anstalten, an mir vorbei, in euer
Lustschlösschen zu wandern. Nun war der Moment gekommen. Die Rothaarige
ging gerade an mir vorbei, als die Nagelkeule mit voller Gewalt
Freundschaft mit ihrem zur Perfektion zurecht geschminkten Gesicht
schloss.

Die Brünette und du realisiertet zu spät, was gerade geschah.
Da zertrümmerte meine Waffe skrupellos den Rest von dem, was deine
Gespielin noch vor wenigen Sekunden „Gesicht“ nennen konnte. Die Aura
der Rothaarigen erlosch erstaunlich schnell. Ob das mit der Brünetten
auch geschah? Das Geschrei eben jener riss mich aus meiner
wissenschaftlichen Beobachtung. Du wurdest von deinem menschlichen
Instinkt des Kampfes übermannt. Mutig stelltest du dich mir entgegen.
Obgleich dir dieses Stück Koitusfleisch nichts bedeutete, wolltest du
dich rächen? Ihr Menschen. So absolut Anti-rational.
Ein Fausthieb traf mich
sogar ins Gesicht. Hätte ich noch ein intaktes Nervensystem, hätte ich
sicherlich Schmerz empfunden. Doch dadurch, dass ich schon des Längeren
nicht mehr unter den Lebenden weilte, hatte sich auch dies erledigt.
„Du
wirst ein wunderbares Forschungsobjekt abgeben.“, sagte ich mit
kratziger, tiefer Stimme. Hatte meine Stimme schon so lange nicht mehr
benutzt. Deine Aura. Sie wandelte sich. Wurde dunkler. Ich war selten so
fasziniert. Nicht einmal zu Lebzeiten, hatte mich etwas derart
fasziniert. Meine Stimme ließ dich so stark zurückschrecken, dass du
beinahe über die Leiche deiner Ex-Gespielin stolpertest.
„Renn,
Maria!“, schriest du zu der Brünetten. Sie verstand sofort. Nahm die
Beine in die Hand. Ich könnte sie verfolgen, aber damit riskierte ich,
dass du mir entkamst. Das konnte ich mitnichten zulassen.
„Mein
Interesse gilt nur dir.“, sagte ich und formte meinen Mund, der
lediglich in letzten Fetzen hing zu einem deformierten Grinsen. Deine
Augen weiteten sich schockiert.
„Warum?“, hauchtest du, scheinbar vor
Angst.

Und wieder verfärbte sich die Aura deine Seele. Flackerte wild,
wie eine Flamme, die panisch die lebensrettende Luft zu verschlingen
versuchte.
Ich antwortete nicht.
Ließ stattdessen Taten sprechen. Meine Nagelkeule vereinigte sich mit
deiner überraschend weichen Bauchdecke. Dein gellender Schmerzensschrei
ließ einige Vögel in der unmittelbaren Umgebung von den Bäumen fliehen.
Die langweilige Brünette konnte ich guten Gewissens fliehen lassen. Ehe
es ihr gelang, Hilfe zu rufen, war ich schon drei mal mit dir fertig. Du
versuchtest wegzukriechen. Das Geräusch zerberstender Knochen, die
durch meinen Hieb der Keule gegen deinen Arm hervorgerufen wurde, ließ
mich wissen, dass dein Versuch von keinem sonderlichen Erfolg gekrönt
war.
„Dein Geschrei behindert mich beim Nachdenken.“, knurrte ich und
schlug immer und immer wieder auf deinen Oberkörper ein. Solange, bis
dein ehemaliger Torso nunmehr eine zerstörte Formation aus
Knochenteilen, matschigem Fleisch und Blut war. Immerhin war dein Kopf
intakt. Deine Aura begann zu erlischen. Es wurde Zeit, mir das Innere
deines Kopfes zu Gemüte zu ziehen. Die Nagelkeule knackte deinen Schädel
leichter, als eine Walnuss. Dein Denkzentrum war leider nur noch ein
matschiges rosa Etwas.
Mir war, als würde die
Gesamtheit aller Farben vor meinen Augen explodieren. Alles, was dich je
ausmachte, wurde mir gewahr. Wut. Angst. Trauer. Glück. Liebe. Deine
Vergangenheit und potentielle Zukunft zwängte sich in meine noch
halbwegs intakten Synapsen. Die Essenz der Emotionen. Endlich hatte ich
sie erkannt. Ich sah in deine Seele. Nein. Ich nahm sie in mir auf.
Etwas in mir veränderte sich. War mir nur nicht sicher, was genau
passierte. Und so wandelte ich fasziniert von dem unerklärlichen
Aufschwung menschlicher Emotionen durch die Straßen des Ortes, den ihr
euer Zuhause nanntet. Bis ich ohne Vorwarnung hinterrücks umarmt wurde.
Dann kam die Brünette vor mein Sichtfeld. Sie umarmte mich? Warum!? Ich
verstand euch Menschen absolut nicht. Aber gut, dass ich sie nun nicht
mehr suchen brauchte.
„Oh mein Gott, Jimmy. Ich bin ja so froh, dass
dir nichts passiert ist? Wie bist du dieses….Vieh losgeworden?“,
fragt mich die seltsame Gespielin, dessen Namen ich wunderlicherweise im
Gedächtnis hatte. Maria. Ich…verstand nicht… Dann fiel mir etwas in
der Spiegelung der Fensterscheiben zu meiner linken auf. Nun wurde mir
alles klar. Ich begann breit zu lächeln. Ich nahm also nicht nur deine
Seele auf. Nein, ich wurde du. Jedenfalls im Äußeren. Das veränderte
einiges. Sogesehen waren meine Forschungen noch lange nicht
abgeschlossen, denn ich sah nun in deine Seele, Maria.

Autor: Lord Maverik

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