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Der Erfolg der Schweigenden

Der Erfolg der Schweigenden

Inhaltsangabe:

Kapitel 1: Der einsame Wolf

Kapitel 2: Der ungebetene Gast

Kapitel 3: Der Weg ins Ungewisse

Kapitel 1: Der einsame Wolf

 

Er schaute wie jeden Tag auf den Bildschirm. Was hatte doch Max für ein Glück mit seinem Beruf. Maximilian Schröder war Programmierer und konnte jeden Tag im Homeoffice arbeiten. Er musste nicht unter die Leute, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Soziale Interaktion war nie seine Stärke. Wenn es sich vermeiden ließ, sprach er nicht einmal, selbst in der Zeit vor Kollaps war es so. Wie dankbar Max war, gelernt zu haben nicht zu sprechen und andere Menschen zu ignorieren.

Er tat sich schon immer schwer, wenn er mit anderen Menschen zu tun bekam. Früher war er in der Schule immer der Außenseiter und wurde von seinen sogenannten Klassenkameraden regelmäßig gedemütigt. Auch seine Lehrer mochten ihn nicht so sehr, nicht weil er schlecht in der Schule war, aber sonderlich war er schon immer. Selbst in seiner Familie herrschte früh eine gewisse Distanz.

Wenn er sprach, wirkte es oft deplatziert und er eckte häufig an. Ausdrücken was ihn bewegte oder Interessen mitteilen war stets eine Herausforderung für ihn. Ursprünglich wollte er nicht der absolute Eigenbrötler sein, dennoch war er es von Anfang an. Sich zu artikulieren war keine Stärke von ihm, dazu entwickelte er anderen Menschen gegenüber sehr viel Misstrauen. Es ging soweit, dass er schon in der Grundschule anfing überhaupt nur dann zu sprechen, wenn er gar keine andere Wahl hatte. Nur mit seinen Eltern und Lehrern sprach er, bzw. eben mit seinen Arbeitgebern, wenn es sein musste.

Seine Disziplin, ja gar seine Abneigung gegenüber allen Menschen, war wirklich erstaunlich. Man konnte glauben, er wäre taubstumm, so sehr ignorierte Max es, wenn man ihn Ansprach, ihn bedrohte, ihn beschimpfte. Griff man ihn an, schlug er zurück, aber sagte nie etwas. Tief in sich verspürte Max schon lange eine Verbitterung gegenüber der Welt, welche ihm jetzt zugute kam.

Heutzutage war es tödlich mit anderen Menschen zu interagieren, sofern man noch von Menschen sprechen konnte. Zumindest war es das, wenn man dies von Angesicht zu Angesicht tat und mit ihnen sprach. Die Tätigkeit als Programmierer verschaffte ihm hingegen eine gewisse Sicherheit. Max musste nur selten raus und das er im Schweigen so geübt war, war ebenso von Vorteil.

Wie so oft überprüfte er, ob seine Firma gut geschützt war vor Hackern. Hat das eigentlich noch irgendeinen Sinn, wer greift überhaupt noch Firmen online an?, dachte sich Max wie so oft. Trotzdem verdiente er sein Geld auf diese weise. Irgendwie war es komisch, eigentlich war die Gesellschaft bereist kollabiert, dennoch liefen die Räder im Getriebe noch, wenn auch etwas anders.

Plötzlich klingelte es an seiner Tür. Ein wenig verknotete sich sein Magen, aber Max ging an die Tür und öffnete sie. Wie heutzutage üblich, stand dort eine Gestalt, welche mal ein Mensch war. Die Augen waren allerdings absolut rot und überall auf der Haut, waren violette Adern zu erkennen. Die Gestalt trug die Kleidung eines Lieferboten und grunzte unverständlich, sie erwartete wohl eine Antwort, aber Max reagierte nicht darauf. Danach stellte die Gestalt Max eine Tasche mit verschiedenen Einkäufen hin und drehte sich um. Wie üblich war am Nacken ein seltsamer violetter Schwanz zu sehen, von einer Kreatur, die sich in dem Menschen eingenistet hatte.

Max nahm die Einkäufe und schloss die Tür wieder. Zum Glück funktionierten die Abläufe in der Gesellschaft noch, obwohl es diese eigentlich nicht mehr gab. Heutzutage lebten kaum noch Menschen, außer man wollte die von den Parasiten Befallenen hinzuzählen.

Zwei Jahre war es nun her, da waren Forscher auf eine potentiell unerschöpfliche Energiequelle gestoßen. Man nannte sie Dimensionspunktenergie. Es war gelungen, in andere Dimensionsschichten einzudringen. Dies gelang über komplexe subatomare Prozesse, welche Max nicht wirklich verstand. Die Energieausbeute war wirklich fantastisch, bedauerlicherweise lebten aber auch einige Kreaturen innerhalb anderer Dimensionen und ein Parasit konnte sich ausbreiten auf der Erde.

Die parasitären Lebewesen befielen Menschen, welche auf sich aufmerksam machten, indem man sprach oder klar mit jemanden interagierte, auch nonverbal. Auch niesen, husten oder andere Reaktionen machten sie aufmerksam auf nicht befallene Menschen. Allerdings konnte man die Parasiten täuschen, in dem man still war und andere Menschen ob befallen oder nicht, möglichst ignorierte.

Die Parasiten hatten Probleme, einen stillen teilnahmslosen Menschen ausfindig zu machen. In unserer Dimension konnten sie nicht alles wahrnehmen. Zumindest wurde das in verschiedenen online Foren vermutet, welche von Überlebenden weiterhin betrieben wurden. Vermutlich fielen sie auch die Menschen an, um hier überleben zu können. Man hatte gesehen, dass Parasiten, welche keinen Wirt fanden irgendwann starben oder manchmal auch von einem Befallenen aufgenommen wurden.

In unserer Dimension brauchten sie wohl Wirtskörper und Menschen waren perfekt geeignet. Nicht alle Lebewesen waren betroffen, offenbar musste ein Gehirn ziemlich leistungsfähig sein, damit sie sich einnisten konnten. Neben Menschen gab es wohl Fälle, wo einige Affen, Schweine und Delphine und Wale angefallen wurden. Allerdings war bei Meeressäugern nur in Gefangenschaft das Verhalten beobachtet worden., in den Meeres konnten sie vermutlich gut den Parasiten aus dem Weg gehen.

An Land war dies nicht so einfach, man stellte fest, dass viele Wildschweine menschliche Ansiedlungen mieden, instinktiv hatten diese Angst, auch befallen zu werden. Die Menschheit viefielen hingegen sehr schnell den Invasoren zum Opfer, man schaltete zwar schnell die neuen Dimensionskraftwerke ab, dennoch gab es kein entrinnen.

Die Wesen hatten schon viele Menschen befallen und konnten sich vermehren. Es war auch gar nicht so einfach sie töten. Mechanische Einwirkung funktionierte dafür nicht, da sie praktisch einen speziellen Aggregatzustand hatten, Kugeln und Klingen ging durch sie durch, wie durch Wasser und ihre Körper nahmen genauso wenig Schaden, wie es Wasser getan hätte. Mit Elektrizität konnte man sie hingegen töten, dennoch war das immer riskant, da sie schnell waren. Die beste Strategie war einfach nicht bemerkt zu werden.

Man konnte sich unbemerkt unter ihnen aufhalten, da ihre Wahrnehmung offensichtlich nicht gut war und da man ein Verhalten leicht imitieren konnte. Es gab prinzipiell zwei Gruppen von Befallen, die eine Hälfte war kontaktfreudig und versuchte in ihren merkwürdigen Geräuschen, welche kein Mensch erzeugen oder verstehen konnte, mit anderen zu interagieren. Die Anderen waren praktisch willenlose Drohnen, welche wie Roboter ihr Tageswerk verrichteten.

Aus irgendeinem Grund versuchten diese Wesen die befallenen Menschen zu imitieren. Sie machten die Jobs, welche die Menschen früher verrichteten, gingen zur Schule oder betrieben deren Hobbies, zumindest so gut es ging.

Viele Arbeiten wurden nicht wirklich gemacht, weil die Wesen diese nicht verstanden, andere waren hingegen verständlich für sie. So konnten die Parasiten in einigen Fällen lesen und es gelang eine Nahrungsversorgung aufrecht zu erhalten. Der Anbau von Pflanzen, deren Ernte und Verteilung gelangen nach wie vor. Auch bezahlen ging noch irgendwie. Die Versorgung mit Strom und Wasser funktionierte ebenfalls, wenn auch mehr schlecht als recht, da es manchmal Unterbrechungen gab.

Max nutzte das aus. Er bestellte sich online Lebensmittel und Kleidung und was er sonst noch kriegen konnte. Raus ging er selten, war schon so vor dem Kollaps und jetzt blieb er erst recht in den eigenen vier Wänden. Er war zwar ziemlich gut im Ignorieren und Schweigen, aber schon ein Husten konnte ihn verraten, daher war Max sehr vorsichtig. Er war auch glücklich, dass er ein eigenes Haus besaß. Hätte er eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus, wüsste er nicht, ob seine befallenen Nachbarn aufmerksam wurden, falls er ein Geräusch dort von sich gab.

Max brachte gerade seine Einkäufe in die Küche, da wurde er durch ein schrilles Kreischen aufgeschreckt. Er kannte es, dies gaben Befallene von sich, wenn sie einen normalen Menschen fanden. Kurz hatte Max Angst, sie wären auf ihn aufmerksam geworden, dann beruhigte er sich aber gleich wieder. Die Geräusche kamen aus einiger Entfernung. Ein Passant war offenbar mal wieder aufgeflogen, weil seine Reaktionen ihn verrieten.

Für Max war es mittlerweile Routine. Ein oder zwei Mal die Woche viel ein Mensch auf, der sich vorher verbergen konnte. Er hoffte inständig keiner von ihnen zu werden. Wenn man entdeckt wurde, lag das einzige Heil in der Flucht. Es gab zu viele Befallene, als das es Sinn ergab einen von ihnen töten zu wollen, zumal die Parasiten in ihnen wirklich zäh waren.

Einmal sah Max sogar, wie jemand erfolgreich floh, er blieb unbeteiligt, um ja nicht als nächstes ins Visier zu geraten, dennoch war es beeindruckend. Der Mann kletterte über Palisaden und floh durch mehrere Gärten. Max hatte nicht die ganze Flucht gesehen, nur wie er über eine Holzpalisade stieg und weglief, aber er sah ihn ein paar Tage später wieder, ohne das er befallen war. Offenbar konnte man es sich auch leisten, wieder unter die Parasiten zu gehen, wenn man sie abgeschüttelt hatte, sie erkannten einen nicht wieder, wenn sie einmal die Spur verloren hatten.

Max hatte sich nach den Schreien wieder beruhigt und machte sich nur daran, sein Mittagessen zu kochen. Es war schon erstaunlich, wie gut er mit der Lage klar kam, aber tatsächlich war der Überlebensmodus gar nicht neu für ihn.

Max ging schon so lange Menschen aus dem Weg und misstraute ihnen, dass er sich fragte, ob es nicht schon immer so war für ihn. Die Menschen waren fast nie gut zu Max, Sonderlinge wie er wurden verhöhnt, gedemütigt, geschlagen oder eben von den Anderen gemieden. Er fühlte sich alleine schon immer besser, sich durch andere Menschen zu bewegen fand er immer bedrohlich. Er war schon im Überlebensmodus, bevor es ums Überleben ging. Deswegen war er so gut darin und das verschaffte ihm eine gewisse Genugtuung, vor allem weil wahrscheinlich frühere Peiniger längst erledigt waren.

Es war doch etwas merkwürdig, manchmal fühlte er sich den Befallenen doch näher, als gewöhnlichen Menschen, er musste sie nur gut genug ignorieren und still sein, dann ignorierten sie ihn ebenfalls.

Max kochte gerade als er neue Schreie hörte, dieses wurden wohl mehrere Leute enttarnt. Da müssen sich aber so einige herausgewagt haben. Selbst Schuld so ein Risiko einzugehen, dachte sich Max und wollte sich gerade sein Essen auffüllen, als es klopfte. Max vernahm das klopfen von der Tür zum Garten, welche in seiner Küche war. Dort war eine junge Frau, welche gegen die Glasscheibe an der Tür klopfte und verzweifelt rief: „Bitte lassen Sie mich rein, bitte sonst haben die mich bald.“

Max war wie erstarrt, die Frau konnte die Parasiten geradewegs zu ihm führen. Sie klopfte weiter und flehte. Max schüttelte den Kopf und wies in Richtung des Gartentors, sie sollte gefälligst flüchten, statt ihn in Gefahr zu bringen.

Ich kann nirgendwo mehr hin, wenn Sie nicht aufmachen, schlage ich das Fenster ein, dann riskieren Sie mehr.“

Max war wütend, sie wollte ihn nicht in Ruhe lassen. Die Schreie kamen näher, aber er sah noch keinen Befallenen in seinem Garten, also öffnete er die Tür schnell, holte die Frau rein und schloss sie wieder. Danach packte er die Frau am arm und rannte mit ihr zum Keller, die Wesen sollten niemanden durch das Fenster sehen können. Kurz nachdem sie im Keller verschwunden waren, hörte Max, dass die Parasiten im Garten und vor dem Haus waren. Sie kreischten und schienen alles zu mustern.

Max und die Frau schwiegen, das Kreischen ging ihnen durch Mark und Bein, doch die Wesen drangen nicht in sein Haus ein, offenbar waren sie überzeugt, die Frau wäre woandershin geflohen, nach einiger Zeit war nichts mehr zu hören. Sie gingen vorsichtig nach oben und spähten aus durch die Fenster. Nichts und niemand war zu sehen, die Gefahr war gebannt.

Kapitel 2: Der ungebetene Gast

Puh, ging gerade noch mal gut. Ich dachte ich wäre geliefert. Ich bin übrigens Lea und du?, entfuhr es plötzlich der Frau.

Max sah sie nur entgeistert an, er wies auf die Haustür, um ihr unmissverständlich zu zeigen, dass sie nicht willkommen war.

Ach komm, ich bin den Scheißviechern gerade erst entkommen, lass mich doch kurz verschnaufen.“

Max stierte sie finster an, aber nach kurzer Zeit wies auf einem Platz am Küchentisch, sie sollte sich setzen und sich kurz erholen. Max mochte sie nicht, immerhin hatte sie sein Leben riskiert, aber er verstand ihre Angst. Als sie sich an den Küchentisch setzte, füllte er ihr etwas von dem auf, was er gekocht hatte, bevor sie an seine Tür klopfte. Beide aßen und sie sprach ihn wieder an.

Du bist ein ganz Stiller, was? Oder bist du sogar stumm, nicht die schlechteste Eigenschaft heutzutage.“

Still, vielleicht hört dich draußen ein Parasit.“

Er kann also sprechen“, flüsterte sie nun. „Keine Sorge die sind wir erstmal los. Du hast mir übrigens immer noch nicht deinen Namen gesagt.“

Max aß einfach weiter, als hätte Lea gar nichts gesagt.

Du bist wirklich nicht gesprächig, was. Ist heutzutage wohl besser so, wer viel spricht stirbt schnell.“

Max nickte und sah Lea vielsagend an.

Ich verstehe, du siehst mich als Problem, meinst dass ich zu viel quatsche.

Max nickte wieder.

Hey, ich habe auch zwei Jahre in dieser Scheiße überlebt.“

Manchmal geschehen halt doch noch Wunder, antwortete Max in seinen Gedanken und aß seinen Teller leer. Auch Lea war mit dem Essen fertig.

Sag mal, du kriegst das hier gut hin, wie machst du das?“

Max sah sie wieder nur vielsagend an.

Ach ja, du schweigst einfach und ignorierst alles.“

Erneut nickte er.

Aber wie verdienst du in so eine Welt dein Geld und kaufst ein.“

Bin Informatiker und nutze Lieferdienste.“

Das ist alles?“

Max nickte wieder.

Sag mal, kann ich bleiben? Sicher du bist eher zurückhaltend, aber zu zweit könnte einiges einfacher sein und ich denke so leicht kommst du auch nicht mehr an eine Frau in dieser Welt.“

Max schüttelte den Kopf.

Was ist dein Problem, bin ich etwa nicht dein Typ.“

Nein.“

Nein ich bin nicht dein Typ oder bist du etwa schwul?“, forderte ihn Lea jetzt heraus.

Du machst Ärger. Ich habe dir zu essen gegeben, du kannst gern noch etwas Proviant kriegen, aber dann gehst du wieder. Ich will überleben, mit einem Klotz am Bein wird das schwer“, kam es deutlich und entschieden von Max.

Mehr siehst du nicht in mir? Ich bin doch immer noch ein Mensch.“

Menschen machen Probleme.“

Du bist doch auch ein Mensch, machst du nicht genauso Probleme?“

Ein Mensch macht weniger Probleme als zwei.“

Du bist echt knallhart. Nur bitte ich dich, kann ich wenigstens so lange bleiben, bis ich weiß, wo ich hin kann. Früher habe ich mit zwei weiteren in einer Waldhütte gelebt. Wir sind hierher gekommen, weil wir neue Vorräte brauchten, aber das ging diesmal nicht gut, wir flogen auf und nur ich bin entkommen.“

Max schwieg nur, er war des Redens überdrüssig. Lea war für ihn eine Belastung, welche er schnell loswerden wollte.

Ich weiß schon, du siehst in mir nur einen Klotz am Bein. Ich weiß, so gut wegducken wie du kann sich nicht jeder, aber auch ich habe was drauf. Ich kann Dinge reparieren und anfertigen, ich habe sogar ein paar Molotow Cocktails gemacht für meine Truppe, damit wir uns im Notfall wehren können.“

Und das hat euch wohin geführt?“

Ich weiß schon, ja nur ich bin noch von meiner Gruppe übrig, dennoch habe ich zwei Jahre überlebt. Bitte, ich will doch nur so lange bleiben können, bis ich etwas Anderes habe. In der alten Waldhütte sind keine Vorräte mehr und der Weg dorthin ist gefährlich.“

Bleiben kannst du nicht, aber vielleicht kenne ich ein Ziel für dich.“

Du kennst ein Ziel für mich.“

Max nickte, er holte seinen Laptop und ging in ein Internet Forum, welches von Überlebenden betrieben wurde. Dort wurde eine Zuflucht für Überlebende in einem vor Jahren aufgegeben Bergwerksstollen angegeben. Max hatte sich nie wirklich dafür interessiert, er blieb lieber allein. Er gab eine Route über Maps ein, die man zu Fuß gehen konnte und erstellte einen Ausdruck der Route. Er drückte Lea den Ausdruck in die Hand und bedeutete ihr zu gehen.

Das ist alles? Der Weg dorthin ist zu Fuß echt weit. Durch das gefährliche Gebiet, die Bestien kriegen mich doch.“

Du kannst etwas Proviant haben, ansonsten verhalte dich einfach ruhig dann schaffst du es auch.“

Ich will da nicht schon wieder raus, bitte lass mir nur eine Nacht hier schlafen.“

Max platzte nun der Kragen, er nahm vom Esstisch eine Gabel und hielt sie ihr an die Kehle, während er mit der anderen Hand ihren Nacken packte.

Du kommst ungefragt in mein Zuhause, bringst mich in Gefahr und stellst auch noch Forderungen? Es wird langsam Zeit, dass du lernst für dich selbst zu sorgen.“

Ich gehe ja schon, du Irrer. Ich hoffe du erlebst es auch mal, wirklich verzweifelt zu sein und das dir keiner hilft.“

Wenn du wüsstest, wie oft das schon der Fall war“, antwortete ihr Max, packte sie am Arm und zerrte sie zur Haustür, dann schmiss er sie raus.

Bevor er die Tür schloss sagte sie noch: „Danke für nichts, Arschloch.“

Dann war die Tür zu und sie ging wieder. Max musste sich erstmal beruhigen. Ihre Anwesenheit empfand er die ganze Zeit als bedrohlich, nicht nur weil sie Parasiten anlocken konnte, auch ihr Verhalten störte ihn. Er konnte sowieso nicht gut mit Menschen, aber er hatte einen Instinkt für Leute, welche alles für sich beanspruchten. An solche Menschen war er oft geraten. Diese Frau versuchte alles um zu bleiben und wäre er nicht hart geblieben, wäre er sie nie losgeworden, da war sich Max sicher.

Er arbeitete noch den ganzen Tag und bereitete sich danach vor zu Bett zu gehen. Er schaute noch in seinen Laptop nach, was er morgen angehen wollte, als er auf einmal ein Fenster bersten hörte. Das Geräusch kam aus der Stube, also rannte er dorthin und sah, dass das Fenster mit einem Stein eingeworfen wurde. Draußen in der Dunkelheit stand Lea mit einem Molotow Cocktail in der Hand.

Da bist du ja. Du Arschloch wolltest mir keinen Unterschlupf gewähren, nun schauen wir doch mal, was du ohne ein Zuhause machst“, rief sie und warf den Molotow Cocktail in die Stube. Sofort fingen die Möbel an zu brennen. Draußen erklang ein vielstimmiges kreischen und Max hörte wie Lea fluchte und weglief. Ihm blieb auch nicht viel Zeit. Die Flammen breiteten sich schnell aus, er musste das Haus verlassen.

Schnell zog er sich Schuhe über, nahm seinen Laptop und verließ das Haus über den Garten. Vor seinem Haus hatten sich einige Parasiten versammelt und kreischten durcheinander. Kurz war Max erstarrt, dann fasste er sich ans Herz und ging langsam durch die Gartenpforte. Er ignorierte die Befallenen und sprach kein Wort, als er die Straße entlang ging.

Max machte sich nun selbst auf dem Weg zum verlassenen Bergwerksstollen. Eigentlich wollte er lieber zuhause bleiben, aber dass konnte er jetzt nicht mehr, Lea hatte ihn aus seinem Heim vertrieben. Nun musste er selbst eine neue Unterkunft suchen. geistesgegenwärtig hatte er seinen Laptop geschnappt, dort hatte er den Weg zum Stollen eingespeichert. Zwar hatte er sich für den Fall der Fälle die Route mehrfach angeschaut und vermutlich fand er sie auch so, aber sicher war sicher.

Kapitel 3: Der Weg ins Ungewisse

Max kam gut voran, gerade Abends waren die Straßen ziemlich leer. Die Befallenen hatten relativ gut den Tagesrhythmus normaler Menschen kopiert. Gelegentlich sah er Parasiten. Manchmal musterten sie ihn, er ignorierte sie einfach. Max schwieg, wie er es gewohnt war und vermied auch andere Arten der Interaktion mit den Befallenen.

Lange Zeit kam er so gut voran. Allerdings wurde es bald Tag. Die Straßen würden sich mit potentiellen Bedrohungen füllen. Diese Kreaturen gingen genauso wie echte Menschen zur Arbeit, gingen einkaufen und imitierten andere Dinge, die noch vor Kurzem normal waren für die Menschen.

Max war wütend. Diese verfluchte Lea hat ihm einfach sein Zuhause, seine Zuflucht genommen. Sicher, er war auch harsch zu ihr, aber sie hatte schon zuvor sein Leben in Gefahr gebracht und sie war auch ziemlich fordernd. Letzten Endes war Lea nicht gemacht, um inmitten der Parasiten zu leben, wirklich still konnte sie nicht sein.

Max hatte schon im Gefühl gehabt, dass Lea wohl normalerweise bekam, was sie wollte. Ein Nein konnte sie nicht akzeptieren. Sie war ziemlich hübsch und hatte etwas Prinzessinnenhaftes an sich. Das hatte er ganz schnell im Urin. Für gewöhnlich sagte wohl keiner nein zu ihr. Das war wohl auch der Grund, warum sie seine Haus abfackelte, statt sich einfach nur um ihr überleben zu kümmern.

Scheiße der Weg ist echt weit, ging es Max durch den Kopf. Er hatte sich in der Vergangenheit Notfallpläne zurechtgerückt. Der stillgelegte Bergstollen, welcher nun von Überlebenden genutzt und im Internet präsentiert wurde, war Option Nr. 1. Zwar wollte er lieber für sich sein und irgendwie seine Programmierarbeit von zuhause aus nutzen, um Geld zu verdienen und weiterhin Lieferservices für seinen Bedarf zu nutzen, aber das viel flach.

Einfach ein neues Zuhause mieten oder kaufen war zu riskant, das waren Tätigkeiten, bei dem es wohl unweigerlich zu Interaktionen gekommen wäre. Hätte er versucht sich einfach auf dem Wohnungsmarkt umzuschauen, hätte er sich genauso gut auf den Marktplatz stellen und hier bin ich schreien können.

Max bekam langsam Hunger und er war auch etwas erschöpft. Er hatte bei seiner Flucht keinen Proviant mitgenommen, die Zeit war knapp, er wollte nicht auf dem Präsentierteller für die Kreaturen sein. Er hatte nur den Laptop dabei, weil er die Routen darin eingespeichert hatte und dieser auch gleich parat lag.

Zu allem Überfluss ging auch noch die Sonne auf und die Befallen strömten auf die Straßen. Max hielt nun kurz inne, konzentrierte sich nochmal und dann ging er wie in Trance weiter. Er ignorierte alle diese Monster, vermied Augenkontakt sprach kein Wort und außer das er weiterging und einigen der Viecher dann und wann auswich auf seinem Weg, reagierte er nicht weiter auf seine Umgebung.

Einige der Monstrositäten stierten ihn kurz an, aber er ging ungerührt weiter. Wieder war seine enorme Übung im ausblenden der Umgebung und dem ignorieren aller Anderen von immensen Vorteil. Alle Wesen wendeten wieder nach kurzer Zeit ihren Blick ab von ihm. Sie nahmen nicht war, dass ein normaler Mensch durch sie schritt.

Max nahm gewissermaßen auch nichts wirklich war. Er wusste wo er sich befand und das er in Gefahr war, dennoch war er im Überlebensmodus fähig alles um sich abzuschalten und aufs Nötigste zu reduzieren. Er erinnerte sich an die ganzen erniedrigen Beschimpfungen und Drohungen, welche ihm schon in der Kindheit an den Kopf geworfen wurden. Er hatte sich exzellent darin geübt, aller zu ignorieren. Wer konnte schon ahnen, dass ihn seine Mitmenschen seit seiner Kindheit perfekt vorbereitet hatten für diese üble Welt. Wieder empfand Max tief im seinem Inneren Genugtuung. Seine Peinige waren nicht in der Lage, sich so gut zu verbergen zwischen den Ungeheuern. Dessen war er sich sicher und auch, dass vermutlich alle von ihnen tot waren.

Plötzlich rissen ihn Schreie ein wenig aus seinen Gedanken. Die Monster hatten wieder einen Menschen ausfindig gemacht und die Befallenen um ihn herum stimmten in das Gekreische ein. Sie wandten sich in die Richtung wo das Gekreische herkam. Aus einer Nebenstraße kam eine Frau gelaufen. Max erkannte sie, es war Lea.

Lea wurde nun umzingelt von kreischenden Parasiten. Die Befallenen näherten sich Schrittweise, sie konnte nicht mehr entkommen. Lea entdeckte Max und rief um Hilfe.

Bitte hilf mir. Ich weiß in Schuld das du aus deinem Haus raus musstest, aber ich mache es wieder gut. Bitte es tut mir leid, du siehst doch wie aufgeschmissen ich hier draußen bin. Du kannst mich haben, du kannst mich nehmen so oft du willst, nur hilf mir bitte.“

Einige der Parasiten wandten sich nun Max zu. Er ließ sich nichts anmerken, aber dass sie sich an ihn wandte in ihrer Not, fiel den Wesen doch auf. Jetzt wurde es brenzlig, einige der Monster näherten sich ihm, er blieb stehen und ignorierte alles um ihn herum. Max schaute einfach auf den Boden.

Er sah nicht, wie Lea gepackt und zu Boden gerissen wurde. Sie schrie wie am Spieß. Einige der Befallenen fixierten sie und schauten, wer sie infizieren konnte. Nicht jeder Infizierte hatte weitere Parasiten in sich, um einen neuen Wirt zu infizieren. Nach kurzem Umschauen fand sich ein Befallener, der mehrere Parasiten in sich trug und sie infizieren konnte. Lea wurde so fixiert, dass ihr Nacken gleich parat war. Aus dem Mund des Befallenen kam ein Parasit, welcher sich auf Lea zubewegte.

Max bekam doch etwas kurz mit, als er einmal die Augen kurz in Richtung Lea bewegte, bevor er wieder nach unten schaute. Der Parasit hatte einen gallertartigen violetten Körper, mit einem langen Schwanz. Er drang in ihren Nacken ein und ihr Schreien erstarb augenblicklich. Ein großes Zittern ging durch ihren Körper und es traten violette Adern hervor. Sie stand auf und blickte sich kurz verwirrt um. Der neue Parasit musste sich erstmal zurechtfinden.

Nun näherten sich langsam alle Parasiten Max, auch er war umzingelt, aber noch kam nicht das ihm vertraute Schreien, wenn sie jemanden ausfindig gemacht haben. Sie drängten sich um ihn, musterten ihn und achteten auf irgendeine Reaktion.

Max war absolut angespannt. Zwar konnten die Parasiten in unserer Dimension nicht so gut wahrnehmen, was um sie herum war, wie es Menschen konnten. Allerdings hatte Leas Verhalten die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet. Noch waren sie unschlüssig, ob er zu den teilnahmslosen Parasiten gehörte oder ob ein Mensch war. Vielleicht war ihnen auch aufgefallen, dass er nicht mit gekreischt hatte. Auch teilnahmslose Parasiten wurden aktiv, wenn ein Mensch entdeckt wurde.

Max hatte abgeschlossen, dieses Mal gingen die Wesen zu akribisch vor. Sie wollten genau prüfen, ob ein Parasit in ihm war. Er sah das Gedränge um ihn herum, wie sie ihn beobachteten und auch abtasteten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch wegen ihm kreischen würden. Ein unmenschliches Gestöhne und Keuchen vernahm er bereits um sich aus vielen Kehlen.

Plötzlich hörte aus einiger Entfernung eine menschliche Stimme, die schrie: „Hey ihr Scheißviecher, hier bin ich!“

Jetzt erklang ein ohrenbetäubendes Gekreische um ihn herum. Max wollte sich am liebsten die Ohren zuhalten, aber seine Angst und seine Instinkte hielten ihn davon ab. Sie sollten ihn nicht auch noch entdecken. Die männliche Stimme, welche er und die Monster gehört hatten, lenkte die Ungeheuer ab. Sie liefen nun los und Max stand eine Weile einfach nur da. Er hatte immer noch Angst, doch nach einiger Zeit blickte er auf und sah, er war ganz allein.

Max fasste sich ans Herz und ging nun seinen Weg weiter. Dennoch saß der Schock immer noch tief. Der Schock saß so tief, dass er jetzt mehr denn je wie in Trance war. Er schaute nur auf den Weg, den er nehmen musste, um zum Stollen zu gelangen. Alles um ihn herum war ausgeblendet, er sagte nichts, Max lief auf Autopilot.

Mittlerweile hatte er die Stadt verlassen, um ihn waren die Wälder, welche seine Gemeinde umgaben. Während er weiterging, hörte er wieder die männliche Stimme rufen.

Das war haarscharf nicht war.“

Max ging weiter, er hatte alles ausgeblendet. Da hörte er jemanden heraneilen und spürte eine Hand an seiner Schulter.

Bleib doch mal stehen.“

Max blieb nun stehen, langsam und zögerlich wandte er sich um. Er sah den Mann nun genau. Es war tatsächlich der Mann, den er einmal beobachtet hatte, wie er vor den Parasiten floh und der später auch einmal wieder zu sehen. Es war der Mann, welcher Max gezeigt hatte, eine Flucht konnte durchaus klappen.

Du bist noch unter Schock, was. Kann ich verstehen. Die haben dich beinahe gehabt, die Frau haben die ja schon gekriegt, dich konnte ich noch retten. Ich glaube ich habe dich schon mal gesehen, bist du nicht dieser Eigenbrötler, der nur selten aus dem Haus geht?“

Max blickte ihn nur an. Offenbar war er ihm auch aufgefallen.

Hätte nicht gedacht, dass du deine Komfortzone verlässt. Ich wollte dich schon fragen, ob du zu uns in den Stollen kommst, aber ich hatte den Eindruck du meisterst dein Leben ganz gut.“

Max sah ihn immer noch nur an. Er war also ein Teil der Gemeinschaft, die er suchte.

Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass du ein ganz Stiller bist, oder du unter Schock stehst. Das Antworten scheint dir aber schwer zu fallen. Wie dem auch sei, ich bin Hendrik, ich bringe dich zu unserer Gemeinscheinschaft, man kann auch später noch reden.“

Max nickte und folgte Hendrik. Es war für ihn ein seltsames Gefühl. Irgendwie war er erleichtert und gleichzeitig besorgt. Unter Menschen war er nie klar gekommen, deswegen wusste er nicht, ob er sich dort nicht sogar unwohler fühlte als unter den Bestien. Wer wusste das schon, er konnte es nur darauf ankommen lassen.

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