EigenartigesExperimenteKreaturenKurzTiere

Der Fuchsmensch

Versuchsobjekt Nr. 002

Einführung: Der unglaubliche Fund

Von der riesigen Forschungseinrichtung blieb nur eine verbrannte Ruine übrig. Mein Team wurde damit beauftragt, alles an übrigen Informationen zu bergen. Wir durchforsteten die komplett abgebrannten Räume der gigantischen Einrichtung. Was war hier wohl alles geschehen, fragte ich mich selbst. In den ersten Tagen war unser mühevolles Suchen vergebens. Wir kletterten über eingefallene Wände und krochen in die kleinsten Zwischenräume der zusammengefallenen Einrichtung.

Am dritten Tag fand ich etwas ganz unscheinbar in einer Ecke liegen. Ein Ordner. Er war voller Schmutz, aber als ich ihn öffnete, staunte ich nicht schlecht. Berichte, dutzende von Erfahrungsberichten. Sie waren alle etwas beschädigt, Zettel lagen wahllos dazwischen. Meinem Team und mir kostete es Wochen, alle Berichte zu lesen, einzuordnen und in unsere Datenbank einzutragen.

Es sind wirklich einige unglaubliche Einträge dabei, die ich gerne mit der Öffentlichkeit teilen möchte. Die Einrichtung hat an sehr vielen Versuchsobjekten geforscht. Leider vermissen wir bis heute die Berichte des ersten Versuchsobjektes. Daher beginne ich mit dem Bericht von Versuchsobjekt Nr. 002:

Versuchsobjekt Nr. 002: Der Fuchsjunge

Bericht von Dr. James Copper:

Es hatte Jahre gedauert, die Einrichtung von meinem Projekt zu überzeugen. Ich arbeitete schon Jahre an einer Möglichkeit, menschliche und tierische DNA miteinander zu kombinieren. Endlich kann ich offiziell daran arbeiten. Ich weiß, dass ich den Bericht fachlich halten muss, doch ich kann meine Begeisterung kaum zurückhalten.

Ich habe überprüft, welche Tier-DNA sich gut mit dem des Menschen kombinieren lässt. In meinem Labor untersuchte ich einige Kombinationen, doch schlussendlich hatte ich es herausgefunden. Es scheint, als ob die Fuchs-DNA gut funktioniert. Ich beginne nun detailliert daran zu forschen.

Tag 01:

Es ist vollbracht! Es lebt. Es lebt! Es ist ein kleiner Junge! Nach Monaten härtester Arbeit habe ich endlich einen Erfolg erzielt. Das Ergebnis ist wundervoll. Das Objekt hat den Kopf eines Fuchses, mit einem schönen rötlichen Fell und großen braunen Augen. Der Körper ist der von einem gesunden Jungen. Ich bin immer noch überwältigt.

Tag 03:

Die Professoren haben den Jungen gesehen, doch aus mir unverständlichen Gründen, können sie meine Begeisterung nicht teilen. Er ist perfekt. Doch sie empfinden das nicht so. Ich werde sie vom Gegenteil überzeugen, dessen bin ich mir sicher.

Tag 15:

Der Junge entwickelt sich prächtig. Er isst am liebsten Hähnchenfleisch. Der Junge trinkt gut. Leider schreit er sehr oft. Der Schrei ist eine Kombination aus Fuchs und Mensch. Sehr interessant, aber in der Nacht auch ein wenig beängstigend. Ich habe dem Fuchsjungen einen Namen gegeben: Walter.

Tag 20:

Der führende Professor Jenkins hat mich heute besucht. Er war nicht erfreut über meine Berichte. Sagte mir, meine Verbindung zu dem Versuchsobjekt wäre viel zu emotional, da ich es benannt habe. Ich sollte mich besser darauf konzentrieren, wie das Objekt sich verhält. Sachlich über es schreiben. Außerdem wäre Jenkins von dem Ergebnis nicht begeistert. Der Junge macht ihm wohl Angst. Ich kann seine Meinung nicht nachvollziehen.

Tag 25:

Der Appetit des kleinen Walter steigt stetig. Doch das ist momentan meine geringste Sorge. Prof. Jenkins kam heute mit ernster Miene in mein Labor und berichtete, dass „das Versuchsobjekt“, wie er es weiterhin nennt, entsorgt werden muss. In diesem Moment konnte ich meine Professionalität nicht länger bewahren. Ich wurde laut und schrie Jenkins an, wie er so etwas Unmenschliches von mir verlangen könnte. Er ging aus meinem Labor mit den Worten: „Morgen ist die Sache erledigt, verstanden?“

Das kann ich nicht zulassen. Ich muss diesen Bericht persönlicher werden lassen, denn, was ich nun tun werde, wird mich sowieso meinen Job kosten.

Es ist mitten in der Nacht und in der Einrichtung ist es ruhig. Der kleine Walter schläft friedlich. Ich nehme ihn vorsichtig und wickle ihn in eine Decke ein. Leise schleiche ich mich aus dem Labor. Ich weiß noch nicht wohin, aber ich werde mit Walter fliehen und ihn aufziehen. Mit einem hatte Prof. Jenkins recht. Ich habe eine emotionale Bindung mit meinem Versuchsobjekt aufgebaut.

6 Jahre später

Es war mir erfolgreich gelungen, mit Walter zu fliehen. Ich konnte eine kleine Hütte ausfindig machen, weit weg von der Forschungseinrichtung. Biologisch hatte sich Walter hervorragend entwickelt. Mit zwei Jahren begann er Sprechen zu lernen. Walter war von seinem Intellekt überdurchschnittlich. Auch das Laufen begann er im selben Alter, wie gewöhnliche Kinder.

Walter war ein fröhlicher kleiner Junge. Ein Problem war sein großer Hunger. Ich räumte regelmäßig immer die Fleischtheke der Supermärkte in der Umgebung aus, doch das war dem Jungen irgendwann nicht mehr genug. „Ich habe so Hunger, Papa“, sagte er und schaute mich mit seinen großen, braunen Augen an.

Ich musste mir etwas überlegen. In der Nähe befand sich ein Bauernhof. Also schlich ich mich dorthin, um eines der Hühner zu stehlen. Es war nicht einfach, doch stolz kehrte ich mit dem Huhn zu unserer kleinen Hütte im Wald zurück. Ich gab Walter das Huhn, das wie wild mit seinen Flügeln flatterte. Er nahm es und biss ihm in einem Happen den Kopf ab.

Als Walter das Huhn komplett gefressen hatte, klagte Walter weiterhin über seinen Hunger.

Ein weiteres Problem war für Walter sein Aussehen. Er konnte nicht verstehen, dass er einzigartig war, egal wie oft ich es ihm weismachen wollte. Walter wollte nie draußen spielen. Ein einziges Mal war er auf einem Spielplatz. Als alle Kinder schreiend vor ihm wegrannten und ihre Eltern ihn nur schockiert ansahen, ging Walter heulend davon.

Ich war mir sicher, dass er es irgendwann verstehen würde, wie besonders er doch war. Die Welt würde mir noch für seine Existenz danken.

1 Jahr später

Walter war stark geworden. Viel stärker als ein normaler Junge in seinem Alter. Er müsste nun stärker sein als ich. Sein Hunger war nicht mehr zu stillen. Alle Hühner des Bauernhofes hatte er verzehrt, ich jagte für ihn Rehe und Wildschweine.

Ein wenig Sorgen machte mir sein Appetit, dass musste ich langsam zugeben. Er schaute mich oft traurig und verloren an. Papa, warum gibt es mich? Es fühlt sich falsch an, dass es mich gibt, sagte er einmal zu mir.

Es machte mich nicht glücklich, ihn so zu sehen.

Gestern Abend war Walter auf einmal verschwunden. Ich war wie immer Essen für ihn jagen. Ich machte mir große Sorgen. Nach Stunden der Warterei kam er endlich. Sein Fuchsmaul war blutverschmiert. Walter, wo warst du?
Ich hatte so Hunger, Papa. Das Kind war alleine. Es sah so lecker aus.

Ich war geschockt. Was sollte ich jetzt tun? Walter konnte ich nicht einschläfern, das würde ich nicht über mein Herz bringen. Ich entschloss mich, ihn einzusperren. Das mit dem Essen, würde ich noch in den Griff bekommen, ganz bestimmt.

Hier bricht der offizielle Bericht von Dr. Copper ab. An dem Bericht klebt ein Zettel, auf dem mit sehr grober Schrift folgende Worte geschrieben stehen: Papa, es tut mir so leid. Ich war so hungrig. Du hast zu gut geschmeckt. Ich konnte nicht mehr aufhören.

Bewertung: 4 / 5. Anzahl Bewertungen: 1

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Ähnliche Artikel

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Überprüfen Sie auch
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"