GeisteskrankheitKurz

Der Hi-De-Ho-Mann

“Wenn es draußen dunkel ist,

sieh zu, dass Du nicht töricht bist.

Mach immer, was man dir gesagt

tu niemals etwas ungefragt.”

So brachte es mir Mutter bei

auf das ich Nachts behütet sei.

Auch du kennst sicher die Geschichten,

aus Fabeln, Märchen und Gedichten.

Lutschst Du am Daumen, kommt Schnipp Schnapp,

der Scherenmann und nimmt ihn ab.

Und die Moral von der Geschicht:

“Als Kind tu Kinderdinge nicht!”

Ist doch so, oder? Wenn wir irgendetwas tun, was gegen Moral, Werte, Sitten und Normen verstößt oder sie verhindern wollen, dass wir überhaupt so etwas in Erwägung ziehen, dann setzen sie sich an unser Bett wenn es draußen dunkel ist und erzählen uns Schauermärchen von Monstern, die immer dann kommen und uns holen, wenn wir nicht brav waren. Survival of the honest. Als ob alle Menschen, die da draußen rumlaufen, nie etwas falsch gemacht hätten und die ganze Welt nur aus den braven Kindern besteht, die immer ihr Gemüse aufgegessen haben und darum erwachsen werden durften.

Jeder von denen hat mal Scheiße gebaut. Ich wette mit euch. Und welches Monster hat sie geholt? Garkeins.

Und die Menschen, die verhungern, gequält und gefoltert werden? Die auf Lastwagen geladen werden und dann im Brausebad vergast werden? Was ist mit denen? Sind das alles Menschen, die am Daumen gelutscht haben oder ihr Gemüse nicht aufgegessen haben?

Ich glaube kaum. Auch bösen Menschen passiert Gutes und guten Menschen passiert Böses. Vielleicht passiert sogar mehr bösen Menschen Gutes als guten Menschen und mehr guten Menschen Böses als Bösen. Aber das müsste man empirisch untersuchen. Es ist nur ein Gefühl.

Kinder lutschen nicht am Daumen, weil sie böse sind oder sie essen nicht ihr Gemüse nicht oder lügen, weil sie psychopathisch veranlagt sind. Sie tun es, weil Ehrlichkeit, Anstand, Kontrolliertheit und Mäßigung kulturelle Errungenschaften sind, die erst einmal gelernt werden müssen. Kinder kommen nicht diszipliniert auf die Welt, sondern bedürfnisorientiert und fordernd. Selbstdisziplin müssen sie sich antrainieren, weil das, was uns als Zivilisation ausmacht, nichts instinktives ist, sondern etwas kreiertes und das unterschiedet uns von Tieren. Menschen bringen einfach weniger Instinkte mit. Sie sind den meisten Tieren hoffnungslos unterlegen. Überlegt mal… Ein Baby braucht etwa 2-3 Jahre um so weit entwickelt zu sein, wie ein neugeborenes Affenbaby. Es könnte in der Natur garnicht überleben und als Mutter wäre man ständig in Gefahr zu verhungern oder von Raubtieren angefallen zu werden. Die Menschheit konnte nur überleben, weil sie den Tieren in einer Sache überlegen waren: Sie konnten ihre Umwelt so verändern, dass sie gefahrlos darin aufwachsen können. Und Geschichten vom Sandmann, der kommt, wenn die Kinder nicht schlafen wollen und ihnen Sand in die Augen streut, so dass sie herausquellen, damit er sie ihnen rausreißen und seinen Kindern im Mond als Essen mitbringen kann…. sie sind Bullshit. Sie dienen nur dazu, uns das Kindliche auszutreiben und uns zu disziplinieren, damit wir innerhalb von gesellschaftlichen Normen funktionieren. Wenn du am Daumen lutschst, kommt kein Monster und schneidet sie ab. Wenn du es nicht glaubst, probier es aus.

Eine bekannte Serie nutzt den Slogan “All Monsters are human.” Und das ist auch der einzige Konsens, dem ich mich anschließen kann. Was wir den Tieren antun und der Natur… das kommt am ehesten dem nahe, was unsere Eltern uns erzählen. Ich kann mir, ehrlichgesagt, gut vorstellen, wie Familie Kaninchen abends in ihrem Bau sitzt und Kevin Kaninchen will nicht schlafen. Darum erzählt Mama Kaninchen Kevin, dass, wenn er nicht schläft, ein Mensch kommt und ihn mit einer großen Schaufel ausgräbt und dann steckt er ihn in einen Sack und nimmt ihn mit nach Hause, wo er ihn in einen Käfig sperrt mit vielen anderen Kaninchen, die nicht schlafen wollten. Und jeden Tag nimmt er sich ein Kaninchen und schlachtet es, zieht ihm die Haut ab und kocht es, um es zu essen.

Und Kevin Kaninchen versteckt sich weinend unter der Decke und bemüht sich, schnell einzuschlafen, weil er weiß, dass Menschen real sind.

Ich weiß aber, dass Monster nicht real sind.

Die Meisten, zumindest.

Naja, nennt mich unverbesserlich.

Die Sache ist die: Meine Mutter erzählte mir eines Abends, dass ich nicht aufstehen soll, wenn ich im Bett liege. Ich soll schlafen und die Augen zu machen. Wer im Dunkeln durchs Zimmer läuft oder noch schlimmer: durchs Haus, der ist eine Zielscheibe für eine ganz besondere Art von Monster.

“Wenns dunkel ist, geh nicht durchs Haus.

sieh niemals aus dem Fenster raus.

Denn vor dem Fenster steht er dann.

Er grinst und schaut dich lächelnd an.

Sagt “Hi-de-Ho.” und winkt zu dir,

dann holt er dich, Kind, glaube mir.

Du wirst nicht deines Lebens froh,

Hörst du des Nachts ein “Hi-de-Ho.”

Ich hatte als Kind immer Angst vor dem Hi-de-Ho-Mann. Ehrlich. Er war irgendwie realer für mich als all die anderen Monster. Monster im Schrank? Wie soll es da reinkommen? Monster unterm Bett? Warum sollte ein Monster unterm Bett liegen? Aber die Welt draußen war doch immer voller gruseliger und gefährlicher Dinge und die Vorstellung, dass jemand durch die Dunkelheit schleicht, während du friedlich im Bett liegst und in dein Fenster grinst….das fand ich schon gruselig. Respekt, Mama.

Und die Moral von der Geschicht? Ja, genau. Wenn du ins Bett gehst, bleib auch im Bett. Mama und Papa wollen auch mal ein bisschen Freizeit haben. Mehr steckt nicht dahinter.

“Sieht er dich, bist du verflucht,

Wirst stets von Unglück heimgesucht.

Alles scheitert, nichts gelingt,

weil “Hi-de-Ho” dir Unglück bringt.

Und irgendwann, holt er dich fort,

drum schlafe sanft und sag kein Wort.

Dem Bruder ging es ebenso…

Er hörte es, das Hi-de-Ho.”

Und die Mutter weinte sehr,

hatte keine Kinder mehr.

Wurd nicht mehr des Lebens froh…

Oh Hi-de, Hi-de, Hi-de-ho.

Mooooment, welcher Bruder? Ich habe doch garkeinen Bruder? “Ja, nicht mehr.”, meinte Mama dann und hat traurig geguckt. Im Ernst….von allen Gruselgeschichten war das die gruseligste.

Die Sache ist die: Ich bin nicht wirklich unartig oder widerspenstig. Eigentlich halte ich mich wirklich gerne an Regeln. Ich mag Regeln und Gesetze, weil sie das Durcheinander des Alltags ordnen. Sie geben ihm Struktur und sind verlässlich. Darum war ich nie besonders aufmüpfig oder rebellisch. Ich war halt nur immer jemand, der Dinge hinterfragt. Ich halte mich an Sachen, wenn sie plausibel und nachvollziehbar sind. Wenn ich die Sinnhaftigkeit von etwas nicht verstehe, fällt es mir schwer, mich daran zu halten und als Mama mir vom Hi-de-Ho-Mann erzählt hat, hat mich das zwar übelst gegruselt aber ich wusste halt. was sie mir damit sagen wollte. Sie wollte einfach, dass wir Kinder tuen, was man uns sagt und dass auch sie einfach mal Feierabend hat.

Bis Mama ein Fehler unterlief. Es stürmte draußen und wir wollten es uns mit Kakao vor dem Kamin gemütlich machen und Fotoalben anschauen. Sie schickte mich in ihr Schlafzimmer, wo in der Kommode welche waren. Und als ich das Fotoalbum aus der untersten Schublade nahm, fiel ein Bild heraus. Ich hob es auf und schaute es an und, ja ganz ehrlich, ich hatte eine Gänsehaut. Denn auf dem Bild waren Mama und Papa. Sie hielten mich als Baby auf dem Arm und auf dem Schaukelpferd, dass heute bei mir im Zimmer steht…. da saß ein kleiner Junge und lachte in die Kamera.

Ich war natürlich verwirrt und fragte mich, wer das war? Darum nahm ich das Foto mit ins Wohnzimmer und zeigte es Mama. Als sie es sah, wurde ihr Blick ganz traurig und sie weinte. “Ach Robert.”, sagte sie immer wieder. “Ach Robert. Warum nur?” Ich fragte sie, wer Robert war und sie sagte mir, es war mein Bruder.

Mein Bruder? Warum wusste ich denn davon nichts? Vor allem: Wo ist er denn jetzt? Mama sagte dazu nichts. Sie weinte nur noch und war vor Tränen ganz aufgelöst.

Und ich ging in mein Zimmer und war ziemlich aufgewühlt. Ich hatte gerade etwas erfahren, was vielleicht mein ganzes Leben verändern konnte. Ich hatte einen Bruder? Was war mit ihm geschehen? Wo war er?

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich an diesem Tag ziemlich neben der Spur war.

Als es Abend wurde und ich ins Bett gehen sollte, sagte Papa mir gute Nacht und Mama ging wie immer mit mir ins Zimmer. Sie deckte mich zu und streichelte mir über den Kopf, so wie immer. Doch heute sah sie ganz traurig aus und man sah, dass sie geweint hatte. Ich fragte sie nochmal, was mit meinem Bruder passiert war.

“Erinnerst du dich, was ich dir über den Hi-de-Ho-Mann erzählt habe?”, fragte sie und Tränen standen in ihren Augen. Ich nickte.

“Nicht alles ist Unfug, weißt du?”. Der Satz jagte mir kalte Schauer über den Rücken.

“Mama.”, entgegnete ich. “Ich bin nicht dumm. Das sind Gruselgeschichten, damit wir tun, was ihr von uns wollt.”

“Ach mein armer, kleiner, süßer Junge.”, sagte sie und küsste mich auf die Stirn. “Die Welt ist so groß und es gibt so viel Unbekanntes darin. Schlaf jetzt, wir reden morgen.”

Mit so einem Satz wollte sie mich ins Bett schicken und glaubte echt, dass ich noch ruhig schlafen würde? Irgendwas war doch faul an der Sache. Meine Gedanken drehten sich im Kreis und irgendwann dämmerte ich weg.

Meine Uhr sagte mir, es war 1:21 Uhr in der Nacht. Alles war dunkel und draußen heulte der Wind ums Haus. Erinnert ihr euch als Kinder an die Nächte, wo ihr im Bett lagt und euch fürchterlichst gegruselt habt? Wo die Welt euch dunkel und grausam vorkam und sich in jedem Schatten Monster verbargen? Es war genau so eine Nacht. Vermutlich wegen dem, was den Tag über alles passiert war.

Ich wachte also aus keinem bestimmten Grund auf und lag im Bett und gruselte mich fürchterlich. Da ich nicht wieder einschlafen konnte, machte ich meine Nachttischlampe an und ging zur Toilette. Ja, ihr glaubt jetzt sicherlich, dass der Flur dunkel und gruselig war und komisch knarrte, oder?

Nein, ich lebe in einer Welt voller Lichtschalter und ich bin jetzt auch nicht so doof und grusel mich mehr als ich muss. Darum machte ich natürlich das Licht an und ging zur Toilette. Aber auch im Hellen kann man sich vorzüglich fürchten. Wenn das helle Licht alles so bizarr deutlich und stofflich hervorhebt….das ganze Haus ist still und du gehst ganz alleine über den hellen Flur…mitten in der Nacht. Ich gruselte mich. Egal, ob das Licht nun an war oder nicht und im Stillen verfluchte ich meine Mutter für die Geschichte vom Hi-de-Ho-Mann.

Ich ging auf Toilette und schnell wieder in mein Zimmer. Es war ganz still. Nur der Wind pfiff ums Haus. Ich sah zum Fenster. Natürlich war meine Gardine zu. Wie jede Nacht. Aber meine ganze Angst in dieser Nacht hing mit dieser doofen Gruselgeschichte zusammen. Und ich wusste, dass ich vermutlich immer Angst vor der Dunkelheit haben würde, wenn ich mich dem heute nicht stellen würde. Je mehr man Sachen aus Angst vermeidet, desto tiefer wird die Angst.

Ich machte meine Nachttischlampe aus und ging leise durch das Zimmer aufs Fenster zu. Sollte ich? Oder sollte man das Schicksal besser nicht herausfordern?

Mein Bruder war vermutlich krank gewesen oder so. Und meine Mutter hat diese Tragödie sicher nur für eine makabere Lehrstunde genutzt. Monster gibt es nicht. Im Kleiderschrank nicht und unterm Bett nicht und nicht draußen vor dem Fenster.

Ich zog die Gardine zurück und sah… nichts. Es stand niemand vor dem Fenster. Die Nacht war zwar stürmig aber ruhig und auch die Nachbarschaft war ruhig. Mutter hatte gelogen. Es war mir aber schon klar gewesen. Bis sich dann auf einmal hinter dem Rhododendron im Vorgarten etwas bewegte.

Ich hatte Angst. So eine Art Angst, die im Magen rumort und ganz langsam euren Körper hinaufkriecht. Hinter dem Rhododendron trat eine Gestalt hervor. Ich sah sie nur als Schatten. Ich war mir nicht sicher, ob sie mich gesehen hatte. So leise und unauffällig wie ich konnte, wich ich ins Zimmer zurück. Ich stellte mich in eine dunkle Ecke des Zimmers und sah ganz deutlich, wie die Gestalt immer näher zum Fenster kam. Ein Gesicht zeichnete sich bleich im Dunkel ab. Dann stand sie direkt vor meinem Fenster. Sie legte die Hände an die Scheibe und sah herein. Ich war von purem Grauen erfüllt. Die Gestalt sah durchs Zimmer und dann blieb ihr Blick an mir hängen. Sie hatte mich gesehen. Sie wandte sich mir zu und ein Leuchten ging durch ihre Augen, als sie mich anlächelte und mir zuwinkte. Und dann hörte ich es und es erschauderte mich durch Mark und Bein. Die Haare standen mir zu Berge als die Gestalt am Fenster beinahe freundlich: “Hi-de-Hooooo” machte.

Ich schrie und rannte aus dem Zimmer zu meinen Eltern und versteckte mich. Ich war kaum zu beruhigen. Ich erzählte ihnen was geschehen war und Papa fragte Mama, ob sie mir die Geschichte erzählt hatte? Mama sagte “Ja.” und Papa meinte, ich hätte nur schlecht geträumt. Ich war mir da nicht so sicher und blieb die Nacht über bei ihnen.

Am nächsten Tag ging irgendwie alles schief. Ich trat morgens mit dem kleinen Zeh gegen die Kommode. Dann zerriss ich beim Anziehen einen Socken. Der Hund hatte meinen neuen Sneaker als Spielzeug benutzt und mein Zahn fiel aus, als ich beim Frühstück einen ziemlich harten Fruit-Loop in der Schüssel hatte. Es regnete, ich verpasste den Schulbus, hatte mein Hausaufgabenheft vergessen und ganz ehrlich… es ging alles schief, was schief gehen konnte.

Aber war es nicht genau das, was Mama gesagt hatte? Wenn du den Hi-de-Ho Mann siehst, dann hast du nur noch Pech bis er dich holt. Und ich hatte Pech. Meine Lehrerin meinte, manchmal muss man einfach Pechtage haben, damit man die guten Tage mehr wertschätzen kann. Ich dachte darüber nach, als ich im Regen nach Hause ging und neben mir ein Auto durch eine Pfütze fuhr und mich völlig durchnässte.

Die Pechsträhne hielt an. Mir gelang garnichts mehr. Der Hund starb an einer Magenverschlingung. Ich schrieb eine 5 in Mathe….gerade in Mathe…wo ich doch so gut darin war. Ich verstauchte mir beim Sport die Hand und bekam Windpocken.

Irgendwann sprach ich Mama darauf an. Sie meinte, das geht vorbei. Ich nahm sie an der Hand und sah ihr in die Augen und erzählte ihr, was in der Nacht geschehen war. Sie nahm mich in die Arme und weinte und erzählte mir, dass mein Bruder vor ein Auto gelaufen war und dabei gestorben war. Der Hi-de-Ho-Mann hatte ihn natürlich nicht geholt. Es war, wie ich es vermutet hatte. Es war nur eine geschmacklose Erziehungsmethode und ehrlichgesagt, war ich etwas sauer auf Mama.

Wie konnte sie nur den Tod ihres Kindes so missbrauchen, nur um ihrem anderen damit eine Gruselgeschichte aufzutischen?

Ich war wirklich wütend, riss mich von ihr los und ging in mein Zimmer. Ich schrieb die ganze Geschichte in meinem Tagebuch auf, damit ich sie nicht mehr vergessen würde. Wie konnte sie nur? Das war wirklich ein Vertrauensbruch. Im Wohnzimmer hörte ich am Abend Papa und Mama streiten.

Als Mama mir später gute Nacht wünschte, drehte ich mich weg. Nach einer Weile ging sie. Ich lag im Bett und war traurig und wütend zugleich.

Trotzdem riss meine Pechsträhne nicht ab. Und meine Eltern waren tagelang bedrückt.

Eines Abends saßen wir beim Essen, als es an der Tür klopfte. Es war schon dunkel draußen. Papa sah Mama an und in seinen Augen stand der pure Horror. Er wollte aufstehen und an die Tür gehen, doch Mama sah in an und schüttelte den Kopf. Es klopfte erneut. Papa stand auf und ging an die Tür.

Mama weinte. “Warum? Warum konntest du nicht darauf hören, was ich dir erzählt habe?”

Das Licht ging aus.

“Warum hast du trotzdem aus dem Fenster geschaut?”

Ich erstarrte.

“Ich hatte es dir gesagt.”

Schritte kamen ins Esszimmer. Eine Gestalt stand im Türrahmen. Sie lächelte und winkte mir zu.

“Hi-de-Ho, mein Junge.”

Grauen kroch in mir hoch. Er war es? Es war doch kein Traum gewesen?

“Papa…” Das war das einzige, was ich noch herausbekam.

Papa kam im halbdunklen Esszimmer auf mich zu und nahm mich in den Arm. In seiner Stimme lag Traurigkeit. “Geh, mein Junge. Pack deine Schulsachen und deine Tasche.”

Ich stolperte in eine Ecke, in der Hoffnung, mich dort zu verbergen. “Ruf doch die Polizei oder so!”, schrie ich ihm zu.

“Wir können nichts tun, mein Kleiner. Es tut mir leid. Du hättest auf deine Mutter hören sollen. Du sollst nicht Nachts aus dem Fenster schauen. Mehr war es doch garnicht. Wir können nichts mehr für dich tun. Geh mit ihm….wenn du dich nicht wehrst, geschieht dir vielleicht nichts.”

Fassungslos beobachtete ich, wie mein Vater zur Seite ging, als der Hi-de-Ho-Mann auf mich zukam und mir zulächelte. “Komm.”, sagte er.

“Wenn du deinen Bruder siehst, sag ihm, wir haben ihn lieb.”, schluchzte Mama.

Dann gingen wir.

Ich bin immer noch in seinem Gefängnis. Zusammen mit anderen Kindern. Jeden Tag holt er eins. Ich frage mich, wann ich an der Reihe bin.

Wer immer dieses Tagebuch findet…. hört auf eure Eltern.


 

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