
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
— Dieses Tagebuch wurde nach den Geschehnissen gefunden und von unbekannter Quelle geleaked. —
ACHTUNG!
Wir weisen darauf hin, dass einige Textstellen verstörend wirken können, und/oder Szenen von Gewalt beinhalten oder beschreiben.
Tagebuch von Stephan Metzger.
30.05.2017
Dieses Tagebuch ist geheim. Es darf keiner wissen, dass ich es führe und vor allem darf es nicht an die Öffentlichkeit geraten. Warum? Das werde ich im Verlauf erklären. Aber ich bin da an was dran. Was großem. Etwas, worüber ich nicht sprechen darf, weil es mir verboten wurde. Da dieses Tagebuch offline geführt wird, besteht keine Gefahr, dass es jemand zu lesen bekommt.
Ich schreibe es, damit, falls mir was passiert, ihr wisst, was.
Ihr wisst, wer ich bin und was ich tue. Ich führe meinen Mysterykanal bei Youtube jetzt seit gut 8 Jahren. Ich habe mehrere Tausend Abonnenten und Ich habe mich mein Leben lang mit Sachen wie Ufos, dem Dyatlov-Pass, Prä-Astronautik und Co beschäftigt. Zuletzt viel mit den Missing-411-Fällen. Ich habe immer daran geglaubt, dass diese Erde vielfältiger und vielschichtiger ist, als wir es glauben. Hier gibt es mehr, als das, was wir sehen. Das war immer mein Antrieb und immer meine Passion.
Letztlich war es jedoch oft so, dass ich mich immer rechtfertigen musste und immer im Verdacht stand zu der Aluhutfraktion zu gehören. Verschwörungstheorie hier, Verschwörungstheorie da.
Trotzdem habe ich nie daran gezweifelt, dass ich das Richtige tue. Und ich zweifele auch jetzt nicht daran.
Die Sache begann, als ich ein Video zu dem Missing-411-Fällen hochgeladen hatte. Es gab neue Erkenntnisse und Hinweise. Es gab einen Rückkehrer, der Erinnerungen hatte und darum machte ich das Video und stellte es online. Kurze Zeit nach dem Hochladen bekam ich eine Mail
Ich bekomme hunderte Mails die Woche. Ich lese sie oft nicht mal. Dazu fehlt mir auch die Zeit. Ich habe auch noch einen Hauptjob und bei mehreren Tausend Followern kann man nicht jedem antworten. Diese Mail las ich jedoch, weil ich eh gerade am Rechner saß. Sie war von einem Herrn Weber. Er gab sich als Fan meines Kanals aus und als begeisterter 411er. Allerdings sagte er auch gleich dazu, dass er bei der Kripo arbeitet und bat mich, mir einmal 3 Fotos anzuschauen, die er mitgeschickt hatte. Er sagte dazu, dass diese Fotos frei im Internet zugänglich wären und nicht Teil von Ermittlungen.
Ich schaute sie an. Sie waren allesamt schwer erträglich.
– Foto 1: Ein Hinterhof. Ein Haus , dazwischen der Hof, daneben eine Mauer mit Stacheldraht oben. Der Hintere Teil des Bildes liegt etwas im Schatten. Auf dem Hof liegt ein Toter in einer Blutlache. Vor ihm steht ein Mann mit Pistole und zielt auf seinen Kopf. Das Foto ist von einer Überwachungskamera.
– Foto 2: Schwarzweiss/Sepia. Das Massaker der Japaner in Nanking. Soldaten enthaupten eine Frau auf der Straße. Nahaufnahme. Im Hintergrund einige Leute.
– Foto 3: Eine Hinrichtung in Saudi-Arabien. Eine Menschenmenge umsteht den Henker, der sein Schwert hebt. Auf dem Boden vor ihm kniet ein Mann mit verbundenen Augen.
Fürchterliche Fotos realer Gewalt. Mich schockiert so was.
Ich sah im ersten Moment auf diesen Fotos nichts Besonderes, abgesehen davon, dass sie wiederlich waren. Ich schaute in die Mail. Herr Weber sagte, ich solle auf dem Hinterhoffoto genauer schauen, ob mir was auffiele. Ich sah also nochmal hin und entdeckte hinten im Bild, relativ verpixelt, im Schatten ein Gesicht, dass sich den Mord ansah. Ich schaute dann das Nanking-Foto nochmal an und da bekam ich eine Gänsehaut. Auch dort, im Schatten zwischen zwei Häusern sah ich ein ähnliches Gesicht, dass sich die Enthauptung anschaute. Allerdings auch hier sehr schlechte Qualität. Ich sah mir dann das Saudi-Foto noch einmal genauer an und in der Menschenmenge, die der Hinrichtung beiwohnte, sah ich am rechten Bildrand zwischen den anderen Menschen ein Gesicht, dass ausdruckslos auf das Blutbad schaute. Das Gesicht war mir vorher nicht aufgefallen. Dabei stach es total aus der Masse heraus. Es sah eher europäisch aus. Mittellange, dunkelblonde Haare, kein Bart. Keinerlei Gefühlsregungen im Gesicht. Aber stechende braune Augen, die zum Scharfrichter sahen. Der Mann erinnerte mich etwas an Alex aus Clockwork Orange. Ich sah nur sein Gesicht. Mehr konnte man von ihm nicht erkennen.
Okay, das war merkwürdig. Aber ich bin schon lange in dem Geschäft und weiß natürlich, dass die anderen Bilder relativ verpixelt sind und das nichts bedeutet. Doch in der Mail stand weiter, ich könne mir im Internet beliebige Fotos von Unfällen, Morden und Selbstmorden raus suchen. Die Chance, auf einem dieser Fotos den Beobachter zu finden, seien relativ groß.
Ich bin ehrlich. Wenn das ein Hoax ist, dann ein guter. Ich machte mich auf die Suche und schaute mir weitere Fotos an. Ich fand ein Foto aus dem Balkankrieg, als Soldaten feindliche Soldaten exekutierten. Im Schatten eines Hauses sah ich den Beobachter stehen und ausdruckslos zuschauen. Es war verrückt. Ich erkannte ihn deutlich. Liberia. Ein Mann zerhackt eine Frau mit einer Machete. Wer steht auf der Brücke inmitten von jubelnden Leuten und schaut zu?
Ich fand ungelogen 3 weitere Bilder, auf denen der Beobachter zu sehen war. Immer mit ausdruckslosem Gesicht. Nie irgendeine Emotion. Wie gesagt: Wenn das ein Hoax war, dann ein richtig guter.
Ich habe Herrn Weber geantwortet und ihm gesagt, dass er mich am Haken hat. Ich bin definitiv interessiert. Nun warte ich mal auf Antwort.
Gute Nacht.
31.05.2017 (Nachts)
So viele Schockbilder rächen sich anscheinend. Ich hatte gerade den fiesesten Albtraum aller Zeiten. Ich bin auf Klassenfahrt, aber selbst im Traum kein Kind. Ich bin Erwachsen, wie jetzt auch aber mit Kindern in einem Schlafraum einer Jugendherberge. Es gibt drei Doppelbetten. Ich liege im mittleren unten. Die anderen Kinder sind etwa 12-14 und schlafen. Ich wache aber auf. Keine Ahnung warum. Im Zimmer ist alles ruhig. Der Mond scheint durchs Fenster. Neben der Gardine sehe ich etwas Helles. Ich setze meine Brille auf und mir gefriert das Blut in den Adern.
Der Beobachter steht neben der Gardine im Schatten und starrt mich ohne jede Regung an. Kein Jumpscare. Er ist da. Grauen kriecht an mir empor. Im Nachbarbett setzt sich ein Junge auf. In diesem Moment ertönt ein ekeliges Summen, dass sich einem in die Ohren und Eingeweide frisst. Das Zimmer ist auf einmal in rotes Licht getaucht und aus den Betten springen die Kinder in Zeitlupe mit hasserfüllten und fanatischen Gesichtern aufeinander zu und schlagen und treten aufeinander ein. Ein Junge sticht einem anderen eine Schere immer und immer wieder in den Hals. Ein anderer Junge drückt ein Kind mit dem Kopf gegen den Bettpfosten und schlägt mit seinem Ellenbogen so heftig er kann auf das Gesicht ein. Ein anderer Junge gräbt seine Fingernägel ins Gesicht eines anderen Jungen, während der ihm mit blankem Hass im Gesicht die Faust auf die Nase schlägt, bis das Blut spritzt. Es ist grauenhaft.
Ich schreie und ziehe mir die Decke über den Kopf, doch jemand zieht sie weg. Vor dem Bett stehen die zerschlagenen und blutigen Kinder mit aufgerissenen Augen, grinsend und schreien mir ins Gesicht.
Ich wache völlig geschockt auf. Meine Freundin schafft es kaum mich zu beruhigen. Was für ein Horror. Diese Geschichte vom Beobachter tat mir nicht gut. Ich schreibe dieses Tagebuch, bevor ich wieder schlafen gehe. Um mich zu beruhigen.
31.05.2017
Herr Weber hat geantwortet. Es ist jetzt 11:15 Uhr. Mir steckt die Nacht noch in den Knochen. Ich konnte nicht mehr schlafen nach diesem Traum. Herr Weber schreibt, er hätte sich denken können, dass ich anbeiße und freut sich, dass ich zurück schreibe. Allerdings wäre er nicht ganz aufrichtig zu mir gewesen. Aber das würde er mir gerne bei einem persönlichen Treffen in der Kripo-Zentrale erzählen.
Ich fahre natürlich hin, denn ich muss sagen, dass ich schon sehr interessiert bin.
17.11 Uhr
Herr Weber stellte sich als Herr mittleren Alters heraus, sehr sympathisch, sportlich. Ein Polizist durch und durch. Ich könnte mir schon vorstellen, mit ihm befreundet zu sein. Er führte mich in sein Büro und sagte mir, dass, wenn er mir mehr erzählt, ich ihm unterschreiben muss, Stillschweigen zu bewahren, denn er würde mich in ermittlungsrelevante Sachverhalte einführen. Das bedeutet, dass er mich quasi zu der Ermittlung hinzuzieht. Allerdings sagte er auch, dass diese Ermittlung sich nicht nur auf die Kripo beschränkt. Man arbeite auch mit anderen Behörden zusammen und auch mit ausländischen Informationsdiensten. Wenn ich weitermachen möchte, werde ich offiziell als externer Berater in die Ermittlung aufgenommen, werde von meinem Job freigestellt und muss eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen.
Mir war unwohl und mulmig, aber ich willigte ein.
Herr Weber zeigte mir ein Video einer Überwachungskamera. Gefilmt wurde ein Wohnzimmer. Die Kamera hatten die Bewohner dort selbst angebracht, nachdem bei ihnen eingebrochen wurde. Auf dem Sofa saß ein etwa 30jähriger Mann, fernsehend mit der Fernbedienung in der Hand. Eine Frau betrat das Zimmer. Sie legte ihren Mantel über das Sofa und nestelte an ihrer Handtasche. Sie blickte kurz zur Essecke, widmete sich aber wieder ihrer Handtasche. Dann schien ihr bewusst zu werden, dass sie was gesehen hatte. Langsam hob sie wieder ihren Kopf zur Essecke und erstarrte. ihr Gesicht zeigte Grauen. Neben dem Schrank, im Schatten stand der Beobachter und sah sie an. Ausdruckslos. Sie wich zurück und berührte dabei ihren Mann. Der sah auf, stand auf und fasste mit einer Hand um ihren Hals, drückte zu und schlug mit der Faust der anderen Hand so fest er konnte auf ihr Gesicht ein. Sie versuchte sich zu wehren, war ihm aber nicht gewachsen. Sie verlor schnell das Bewusstsein. Er ließ sie fallen und trat immer wieder auf ihren Kopf ein. Als sie tot war, beugte er sich vor und rannte mit einer derartigen Wucht mit dem Kopf gegen die Wand, dass sein Genick brach.
Der Beobachter war weg. Der Zeitpunkt wann er verschwunden war, konnte nicht mehr festgestellt werden.
Das Video war 2 Wochen alt. Aus Bremerhaven. Niemand war zwischen dem Mord und dem Eintreffen der Polizei im Haus oder hatte die Kamera manipuliert. Das Video war echt. Der Beobachter war real. Er war da.
Herr Weber gab mir eine Akte mit Infos über den Fall und einen USB-Stick voller Videos und Fotos. Ich solle mich reinarbeiten, recherchieren, forschen, all das, was ich seit Jahren in meinem Mysterykanal mache. Montag ist dann ein Briefing auch mit anderen Abteilungen und Beteiligten.
Ich fragte Herrn Weber was er sich erhoffen würde. Er sagte, dass ihm schon Infos reichen. Er glaubt nicht, dass man den Beobachter nächste Woche festnehmen würde.
02.06.2017
Ich frage mich, womit wir es hier zu tun haben. Mit einem Zeitreisenden Snuff-Fan? Ein Dämon? Die Sache ist wirklich merkwürdig und ich kenne mich mit merkwürdig aus. Die Akte ergab nur wenig neues. Viele Fotos, auf denen er war. Fürchterliche Bilder und Videos, die nur schwer zu ertragen waren. Und überall war er. Stand da und sah zu. Er beging nicht mal ein Verbrechen, denn auf den meisten Bildern standen auch andere Leute. Er war einfach da.
Es gab, zumindest nach Aktenlage keine Legenden oder Mythen aus keinem Teil der Welt, die jemanden wie ihn erwähnten. Der Beobachter war ein Phantom. Interessant an der Ermittlung ist allerdings, dass auch das FBI ein Ermittlerpaar in Deutschland für den Fall abgestellt hat. Die Sache scheint heiß zu sein.
Insgesamt gab es derzeit 84 Bilder und Videos, aus der ganzen Welt, aus allen Jahrzehnten, in denen es Foto und Film gab, auf denen er zu sehen ist. Er sieht immer gleich aus. Auf keinem Bild sieht er jünger oder älter aus. Er ist ein völliges Rätsel … und ich gestehe, ich habe Angst. Denn er ist völlig beliebig überall. Sein Auftauchen folgt keinem Muster. Aber da wo er ist, geschehen schlimme Dinge. Ob er sie auslöst, oder nur beobachtet, ist mir völlig schleierhaft.
Meine Freundin fragte, woran ich arbeite. Ich sagte, dass ich ihr das nicht sagen könnte. Ich klinge schon wie die Typen, die ich regelmäßig in meinen Beiträgen auseinandernehme.
05.06.2017
Heute war das Briefing im BKA. Es waren Menschen unterschiedlichster Behörden dort. Von BND, über Verfassungsschutz, Menschen, die sich überhaupt nicht vorstellten. Ausländische Agenten und Beamte aus mehreren Ländern. Anscheinend ist der Beobachter ein Thema, dass hoch gehandelt wird. Mir wurde in dem Moment bewusst, dass all diese Hinterzimmertreffen, die ich bisher immer angenommen hatte, real sind. Es gibt sie…und vor allem: Er ist dort draußen. Jetzt. Der Beobachter, oder „The Watcher“, wie ihn die FBI Agenten nennen, ist real. Das ist so krass. Insgesamt waren etwa 30 Leute da.
Es wurden die neusten Ermittlungsergebnisse vorgestellt. Zumindest übers Wochenende hat er sich nicht gezeigt. Dennoch gab es überall auf der Welt trotzdem Morde, Unfälle und Massaker.
Eine lange Diskussion gab es über die Motive des Beobachters. Was ihn wohl antreiben könnte. Dazu wurde auch ich befragt. Ich sagte, dass man darüber nur spekulieren könnte, solange nicht weiß, womit man es zu tun hat. Wenn er ein Zeitreisender ist, kann es die Gewalt oder das Sterben selbst sein, dass ihn fasziniert. Wenn er ein Dämon ist, kann es sein, dass er sich von den Emotionalen Energiewellen der sterbenden ernährt. An dieser Stelle lachten einige Anwesende. Ich fragte sie, wie sie davon ausgehen könnten, es hier nur mit einem Menschen zu tun zu haben? Denn immerhin ist das, was wir über ihn wissen, abgefahren genug. Das sahen auch die Beamten ein.
Ich schlug vor, in meinem Kanal, ohne Nennung von Einzelheiten, mal zu fragen, ob jemand von Geschichten über Wesen wie dem Beobachter schon einmal etwas gehört hätten. Die breite Masse hat manchmal mehr kulturelles Wissen, als wenn man einzelne befragt. Dem stimmte man zu.
Ich ging aber mit mehr Fragen als Antworten nach Hause und begann meinen Beitrag für meinen Kanal zusammenzustellen.
Meine Freundin fragte mich erneut, woran ich arbeite. Ich musste sie wieder vertrösten. Daraufhin sah sie mich schräg an und meinte, ob ich jetzt einer dieser Geheimniskrämer und Verschwörer werde? Ich sagte ihr, was ich ihr sagen durfte. Dass ich derzeit als externer Berater bei der Kripo angestellt bin und der Fall geheim ist. Sie war trotzdem sauer auf mich. Ich versteh das. Ich war mein Leben lang sauer auf solche Leute und nun war ich einer von ihnen.
07.06.2017
Ich hatte wieder so einen Traum, der diesmal noch quälender und schockierender war, weil er noch realistischer war als der in der Jugendherberge.
Ich lief durch eine menschenleere Stadt. Es fühlte sich an, wie sehr früher Morgen, doch es war schon hell. Niemand war zu sehen. Das Viertel war heruntergekommen. Plattenbauten, Garagen, Müll auf den Straße, Grafittis. Aus einem Hinterhof hörte ich ein Jaulen. Ich ging darauf zu. Ein Mann hatte einen Hund mit einem Seil die Beine zusammengebunden. Der versuchte sich freizustrampeln und bleckte die Zähne, doch das Seil war zu fest. Der Mann sah in den Schatten einer Garage. Dort stand er. Der Beobachter. Ein Gesicht im Schatten. Ausdruckslos mit stechenden, durchdringenden Augen. Der Mann starrte ihn an. Dann nahm er ein Messer und hackte auf den Kopf des Hundes ein. Der jaulte und leckte sich über die Schnauze das Blut von der Nase. Aus dem Jaulen wurden erbärmliche Schreie. Der Mann hackte weiter auf das Tier ein, bis es tot war und der Kopf des Hundes nurmehr ein Klumpen Fleisch und Blut war.
Dann drehte der Mann sich zu mir um. Mir gefror das Blut in den Adern. Entsetzen stieg in mir auf. Der Mann grinste mich an, doch in seinen Augen stand pure Verzweiflung. Er hob das Messer und zerschnitt sich das Gesicht. Immer und immer wieder. Das Messer schnitt durch seine Augen, seine Nase, seine Lippen, seine Wangen und hinterließ Scharten in seinen Zähnen. Er drückte das Messer mit voller Kraft auf seinen Schädel und schnitt. Mit zusammengepressten Zähnen wimmerte er dabei. Dann streckte er den Kopf vor und setzte das Messer an seinem Hals an. Es drang tief hinein. Es klang, als schnitte man Fleisch. Blut quoll mit einem ekelerregenden Klatschen auf die Straße und ein Röcheln, dass ich niemals mehr vergessen kann, kam aus dem Hals des Mannes. Dann endlich starb er und sackte auf dem Hinterhof zusammen. Ich schrie und schrie.
Der Beobachter war längst weg.
Ich erwachte, schrie und übergab mich. Der Traum war derartig realistisch. Meine Freundin war ganz geschockt. Sie sagte, ich solle ihr sagen, was los sei, oder sie wäre weg. Ich sagte erneut, sie solle mir vertrauen, ich dürfe nichts sagen.
09.06.2017
Ich fühle mich schlapp und ausgelaugt und habe das Gefühl, dass dieser Fall an meinen Kräften zehrt. Es ist ein Unterschied, ob man nur vermutet, es gäbe Aliens und Geister und Co, oder ob man auf einmal einem echten Mysterium gegenübersteht und das sich als bedrohlich und sehr real herausstellt.
Ich habe Herrn Weber meine Träume mitgeteilt. Vielleicht ist das wichtig. Vielleicht hat der Beobachter darüber eine Bindung zu mir hergestellt. Vielleicht ist es aber auch nur meine Psyche, die aufgrund dieser Sache durchdreht. Wir tappen immer noch völlig im Dunkeln. Von meinen Followern habe ich bisher noch keine guten Ideen bekommen. Anscheinend gibt es keine Mythen und Legenden über den Beobachter. Er scheint etwas vollkommen neues zu sein. Oder er lief bisher komplett unter dem Radar.
Trotzdem muss es doch möglich sein, ihm irgendwie beizukommen, ihn berechenbar zu machen. Ein Freund sagte im Gespräch einen Satz, der ein AHA-Erlebnis auslöste. Er sagte „Wenn du einen Löwen fangen willst, geh dahin, wo Zebras sind.“
Klar, ein Satz, so einfach, wie logisch. Wir können versuchen, dem Beobachter hinterher zu forschen und die Situationen zu analysieren, in denen er aufgetaucht ist, oder versuchen, ihn im Hier und Jetzt aufzuspüren.
Ich besorgte mir daraufhin ein CB Funkgerät, mit dem man auch Polizei- und Feuerwehrfunk abhören kann und baute es in mein Auto ein.
Meine Freundin rastete daraufhin völlig aus und zog für die nächste Zeit zu ihren Eltern. Vielleicht ist das sogar ganz gut. So habe ich freie Bahn. Ich werde die nächsten Nächte Polizeifunk abhören und zu Orten fahren, an denen es knallt, in der Hoffnung, ihn dort zu sehen. Es ist unwahrscheinlich, denn er taucht überall auf der Welt auf. Ich habe auch Herrn Weber von meinem Plan berichtet und er findet ihn gut und hat einige Beamte angewiesen, ähnliches in verschiedenen Städten Deutschlands zu tun. Mir verschaffte er die Möglichkeit, direkt in Streifenwagen der Polizei mitzufahren um schneller und direkter vor Ort zu sein.
13.06.2017
Das Problem mit Polizeieinsätzen ist, dass man meist erst am Tatort ist, wenn die Leute schon tot am Boden liegen. Und so drastisch das auch klingt: Ich bin darauf angewiesen, so vor Ort zu sein, dass die Gewalt gerade passiert. Oder kurz bevor steht, denn das sind die Momente, in denen der Beobachter auftaucht. Die letzten drei Nächte waren nur Einsätze, wo alles schon gelaufen war, als die Streife eintraf. Aber dennoch… wie kaputt, gewalttätig, dreckig und erbarmungslos ist diese Stadt? Wie elend kann man in ihr verrecken? Ich hatte mich bisher immer wohl, geborgen und sicher hier gefühlt. Aber was ich zu sehen bekomme, seit ich mit auf Streife bin, lässt mich an allem Altruismus und allem positiven Denken zweifeln.
So hart das jetzt auch klingt: Ich brauche eine Gewaltszene, die jetzt gerade stattfindet.
14.06.2017
Es hat geklappt. Es gab eine Geiselnahme an der Moskauer Straße. Wir sind hin. Auf Geheiß von Herrn Weber hatte ich unmittelbaren Zutritt zum Geschehen. Allerdings unter der Auflage, regelmäßige Treffen mit dem Polizeipsychiater zu haben, denn ich bin kein Ausgebildeter Polizist. Mir setzen diese Gewalterfahrungen anders zu und da hat er recht. Ich bin ihm dankbar dafür mich bei dem Psychologen entlasten zu können.
Wir sind angekommen und es schien eine Art Clanfehde zu sein. Fette, getunede Autos standen auf der Straße, halbstarke junge Männer standen umher und gafften. Ein bärtiger, etwa 25jähriger Mann hielt einen anderen jungen Mann im Schwitzkasten und drückte ihm eine Pistole an den Kopf. Vor ihm stand ein ebenso bärtiges Alphatier mit Goldkette und beide schrien sich an. Der Junge im Schwitzkasten sagte kaum etwas. Die Polizisten kamen an, versuchten die Schaulustigen zu vertreiben, sicherten das Geschehen ab und versuchten die Situation zu deeskalieren. Adrenalin lag in der Luft und Blaulicht zuckte über die Szenerie. Es war beinahe Rauschhaft. Ich sah mich um und versuchte in der Menge ein ausdrucksloses Gesicht auszumachen und …. DA…. in einem Pulk aus halbstarken Gaffern und schreienden Polizisten sah ich ihn. Mir wurde heiß und kalt. Ich bekam Panik. Das Gefühl, diesem Wesen gegenüberzustehen, war auf fürchterliche Weise überwältigend. Er wirkte real. Wie ein echter Mensch. Er sah mit ausdruckslosem Gesicht und stechenden Augen auf die Geiselnahme. Er stand einfach nur da und schaute. Das Alphatier, das dem Geiselnehmer gegenüberstand, sah zum Beobachter.
Ich wollte gerade einem Beamten bedeuten, den Beobachter festzunehmen, da geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Die Luft vibrierte auf ein Mal vor purer Aggressivität und peitschte in uns jeden Nervenstrang auf. Das Alphatier zog eine Pistole aus seinem Hosenbund und schoss blind auf den Geiselnehmer. Eine Kugel zerfetzte der Geisel das Gesicht. Andere trafen den Geiselnehmer in den Kopf. Er fiel um und war auf der Stelle tot.
Die Polizisten schossen auf das Alphatier. Der ging zu Boden. Ich schaffte es, den Blick abzuwenden und zum Beobachter zu schauen. Mir fuhr es kalt in die Glieder. Er schaute mich direkt und wortlos an. Dann war er verschwunden. Weg. Als wäre er nie dagewesen.
Ich rief sofort Herrn Weber an und berichtete ihm was passiert war. Er befahl mir, mich künftig zurückzuhalten. Ich teilte ihm meine Einschätzung mit, dass der Beobachter zumindest kein Dämon ist. Aber es war schon auffällig, wie die Gewalt und Agression über die Straße vibrierte.
19,06.2017
Ich musste all das erst mal verdauen. Live einen Mord zu erleben ist eine ganz andere Nummer, als im TV oder noch besser – im Film. Selbst da ist es schon schlimm. Aber den Tod so hautnah zu erleben ist eine traumatische Erfahrung. Dementsprechend oft saß ich beim Polizeipsychiater, der mir darüber hinaus auch angstlösende Mittel gab. Selbst wenn ich jetzt noch aussteigen wollte, ich stecke zu tief drin.
Trotzdem lebe ich mit einer ständigen, nagenden Angst. Ein ganz ekelhaftes, morbides Bedrohungsgefühl. Der Beobachter hatte mich direkt angeschaut. Er wusste, dass es mich gab und dass ich ihn gesehen hatte. Er starrte direkt in meine Augen. Dieses Bild brannte sich in meinen Kopf und je öfter ich es anschaute, desto mehr Absichten und Intentionen interpretierte ich hinein. Er hat mich definitiv auf dem Schirm. Und er kann jeden Moment auftauchen. Ich bin wie ein Schwimmer im Meer, der weiß, dass unter ihm Haie sind. Das Schlimme daran ist: Dieses Bedrohungsgefühl ist nicht irreal. Es ist sehr Real! Es kann jederzeit, immer und überall sein, dass er vor mir steht. Und jeder weiß, was dann geschieht.
Ich werde den Psychiater fragen, wie ich damit umgehen soll. Denn schützen kann mich keiner. Es ist ironisch. Noch vor ein paar Tagen wollte ich unbedingt Beweise und dabei sein. Doch jetzt wo ich dabei bin, ist es plötzlich garnichtmehr so lustig.
22.06.2017
Der Psychiater sagt, ich soll mich davon nicht einschränken lassen in meinem Alltag. Der Tod, ein Unfall, eine Krankheit, ein Lottogewinn, die große Liebe…all das kann einem jederzeit, überall geschehen. Man sollte sich von Eventualitäten nicht den Alltag einschränken lassen. Hätte, würde, könnte sind keine Währungen, in denen man zahlen kann, sagte er. Das war ein schlauer Spruch.
Wenn ich darauf warte, dass er zu mir kommt, bin ich ein Opfer. Ich werde versuchen ihn zu finden. Die Frage ist wie. Klar… Zebras. Aber es hat letztens schon so lange gedauert, bis die Streife den richtigen Einsatz hatte. Das ist zu beliebig. Wenn ich den Beobachter irgendwie stellen will und mit ihm irgendwie in Kontakt kommen will, muss ich zum Löwen werden. Ich muss leider selbst losziehen.
Das bedeutet, ich werde heute in die düsteren Viertel der Stadt gehen und die Gefahr suchen.
25.06.2017
Dieser Blog hier ist offline. Und wenn jemand ihn liest, bedeutet das, dass irgendetwas passiert ist. Solange er offline ist, kann ich hier beichten.
Ich war im Industriegebiet. Da wo die Plattenbauten direkt an die Fabriken grenzen. Ich war dort gegen 4 Uhr Nachts und lief ziellos umher. Da sah ich diese Frau und folgte ihr. Ich war eh schon voller Adrenalin und hin und her gerissen ob ich es tun soll, oder nicht. Ich setzte mir meine Kapuze auf und ging ihr nach. Sie bemerkte mich und ging schneller. Auch ich ging schneller. Sie wusste, dass ich sie verfolgte und begann zu laufen. Ich rannte ihr hinterher, doch bevor ich sie erreichte, verschwand sie in einem Hauseingang und ich rannte weg.
Es ist der einzige Weg, ihn zu finden. Ich muss es tun.
29.06.2017
Heute war es soweit.
Ich war wieder in dem Viertel unterwegs und ging an einer stillgelegten Fabrik vorbei. Vor mir torkelte ein Betrunkener in Richtung der Plattenbauten. Er ging auf das Gelände der verlassenen Fabrik um sich zu erleichtern. Ich folgte ihm…total auf Adrenalin. Er sah mich und ahnte, was ich wollte. Er zog seine Hose an und ging einige Schritte in das Fabrikgebäude hinein in eine große Halle, in die ich ihm folgte. Nur die Straßenlaterne beleuchtete die Halle etwas. Der Betrunkene stand etwa 6 Meter von mir entfernt und sagte, ich solle ihn in Ruhe lassen. Ich war kurz davor zu gehen. Ich bin kein Gewalttäter.
Das war der Moment, wo ich mich fragte, was aus mir geworden ist, wie krass ich mich in diese Sache verrannt hatte. Ich war ein harmloser Mysteryblogger gewesen, der immer nach Beweisen suchte und für diese Beweise kurz davor war, zum Mörder zu werden. Das war der ultimative Zeitpunkt, um auszusteigen. Wieder in mein altes Leben zurückzugehen. Zu Bloggen. Weber zu sagen, dass ich aussteige. Meine Freundin zu heiraten. Nach Ufos im Internet zu suchen. Die Realität ist nicht so kuschelig wie ein Fernsehabend mit Akte X. Der Beobachter war kein harmloser Bigfoot. Er war ein finsteres, bedrohliches Mysterium.
Ich drehte meinen Kopf und da stand er. Im Schatten. Nur sein Gesicht war sichtbar. Den Körper konnte man nur erahnen. Er sah mich an. Mit seinen durchdringenden Augen und seinem Gesicht, in dem nicht die geringste Regung zu sehen war. Ein Gesicht, das mich beobachtete. Grauen kroch in mir hoch und schnürte mir die Kehle zu. Ich pisste mich ein. Er stand da. Und es gab nichts zu reden. Nichts zu sagen. Kein einziges Wort. Der Beobachter schaute mich an und ich wusste, was das hieß. Ich schaute zu dem Betrunkenen der genau in diesem Moment die Fäuste hob und auf mich zurannte. Ich musste Kämpfen und musste ihn töten.
Es war ein wiederlicher Kampf. Ein Prügeln, Kratzen und Beißen, dass nach Angst und Blut stank. Ich schlug ihn tot. Als ich die erste Möglichkeit hatte. Er fiel rückwärts mit dem Kopf gegen eine Metallbank und war benommen. Ich zögerte keinen Moment und trat ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Immer und immer wieder. Bis es aufplatzte und ein matschiger Brei mit halbgeschlossenen Augen war. Eine Leiche.
Ich drehte mich um, der Beobachter war fort.
Und ich floh.
01.07.2017
Das ist mein letzter Eintrag. Ich werde gleich zu meiner Freundin fahren und mich verabschieden. Dann fahre ich zu Weber und stelle mich. Was ich getan habe ist zu krass. Ich kann damit nicht leben.
Ende des Tagebuchs
Der Rest ist Geschichte. Wir alle wissen, wie sie ausging.
Dort ist der Zeitungsartikel verlinkt.
Wir wissen sehr wohl, dass es Videoaufnahmen von dem Mord gibt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Stephan sich umgebracht hat. Es ist viel wahrscheinlicher, dass er beseitigt wurde. Wir wissen auch, aus sicheren Quellen, dass Stephan Metzger seit kurzem von der Polizei verpflichtet wurde, die sein Fachwissen brauchte. Kurze Zeit später war er tot. Was verschweigt die Kripo? Wusste Stephan Metzger zuviel?
Der Watcher ist da draußen. Jetzt. In diesem Moment.
Wir bitten euch alle, uns jegliche Information zu ihm zukommen zu lassen. Fotos, Videos, Tonbandaufnahmen, Texte. Uns hilft alles. Auch wenn ihr eigene Erfahrungen mit ihm machen konntet. Stephan Metzger darf nicht umsonst gestorben sein. Wir werden weiter nach der Wahrheit suchen und sie ans Licht bringen.
Update 08.06.2019
Wir sind weiter am Ball, doch die Recherchen sind nicht ungefährlich. Es gibt anscheinend Leute, die nicht mögen, dass wir in ihrem Dreck wühlen. Wir werden euch hier auf dem Laufenden halten.
[https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/The_Watcher_-_Neue_Ergebnisse Wir werden hier regelmäßig Updates posten.
Schweigt nicht länger, schaut hin!
Update 10.06.2019
Wir hatten es angekündigt und es ist so weit. Die ersten offiziellen Dokumente zum Tod von Stephan sind online. Macht euch selbst ein Bild. Informiert euch. Schweigt nicht länger.
Wir sind das Kollektiv und wir schweigen nicht mehr!
[https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/The_Watcher_-_Unterlagen_zum_Tod_Stephan_Metzgers?venotify=created] Update, offizielle Dokumente, Stephan Metzger.