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Der Traumjob

Perspektivlos zu sein ist wirklich kein Spaß, glaubt mir. Diese riesigen Selbstzweifel die an mir genagt hatten, als ich zwei Jahre ohne Job tagtäglich völlig ziellos in den Tag lebte, waren gigantisch. Kann ich überhaupt etwas? Was hat man mir in der Schule beigebracht? War irgendetwas davon für meinen bisherigen Weg nützlich?

Ich weiß, das waren keine optimistischen Gedanken. Die hatten mich schon seit längerem verlassen. Eines Tages öffnete ich den Briefkasten und sortierte die ganze unnötige Werbung aus. Beim durchgehen stieß ich auf eine Stellenanzeige. Wie ein Werbeflyer war sie gestaltet.

“Sie möchten einen Job, wissen aber nicht, ob sie die richtigen Fähigkeiten dazu haben? Dann bewerben sie sich bei uns! Wir finden für jeden Bewerber den passenden Job anhand seiner Fähigkeiten. Wenden sie sich noch heute an DREAM, denn wir geben auch ihnen ihren Traumjob.”

Es klang so unglaublich plakativ und doch war ich von der Vorstellung dort meinen Traumjob zu finden sofort fasziniert. Noch am selben Nachmittag schickte ich DREAM eine Bewerbung mit den Fähigkeiten, von denen ich dachte, dass ich sie besaß. Darunter waren Entscheidungsfreude, Zuverlässigkeit und Computerkenntnisse.

Zwei Tage später erhielt ich eine Mail der Firma. “Hallo Herr Mayer , danke für ihre Bewerbung. Ihnen wurde sehr schnell eine passende Stelle in unserer aufstrebenden Firma gefunden. Kommen sie morgen um neun Uhr morgens zu uns. Sie können direkt anfangen.”

Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Es hatte tatsächlich funktioniert. Ein neuer Job und dass so schnell und einfach.

Es war gar nicht so leicht DREAM zu finden. In der Großstadt ist mir dieser graue Block nie vorher aufgefallen. Ich hatte das Schickste an, was mein Kleiderschrank mir bieten konnte und betrat sehr nervös, das etwas steril wirkende Gebäude.

Auch als ich das Gebäude betrat, erhärtete sich der Eindruck. Graue Wände, schwarzes Holz am Empfang. In silbernem Schriftzug stand überall groß DREAM. Ansonsten suchte man vergeblich Dekoration in der Eingangshalle. “Ich fange heute um neun Uhr an. Herr Mayer.” , sagte ich der freundlichen Dame am Empfang, die einen schicken grauen Anzug trug. “Einen Moment… ja richtig. Bitte einmal in das dritte Stockwerk, da erwartet man sie schon.”, erklärte sie mir.

Ich fuhr mit dem schicken Aufzug in das dritte Stockwerk. Als ich ausstieg wartete dort ein junger Mann mit Hornbrille auf mich. Er hatte wirklich auf mich gewartet. “Herr Mayer. Ich darf sie herzlich bei DREAM begrüßen. Mein Name ist Herr Sommer. Wir haben alle möglichen Abteilungen in unserer Firma, sie werden sie bestimmt auch einmal kennen lernen. Aber heute zeige ich ihnen, den auf sie persönlich zugeschnittenen Arbeitsplatz, bitte folgen sie mir.” ,redete er auf mich ein.

Es ging alles so schnell. Irgendwie wirkte es schon beinahe unwirklich. Herr Sommer führte mich in dem Stockwerk herum. Es saßen dort dutzende von Männer und Frauen, die sehr beschäftigt und eifrig auf Tasten an ihren Computern tippten. Als ich einem Mann etwas genauer über die Schulter schauen konnte, sah ich dass er einen leeren Bildschirm vor sich hatte. Das kam mir sehr seltsam vor. Doch Herr Sommer ließ mir keine Zeit, darüber nachzudenken.

“Hier ist ihr Arbeitsplatz Herr Mayer. Ihr Job ist ganz einfach. Sie entscheiden, wer gefeuert wird und wer bleiben darf. Es werden ihnen Formulare zugeschickt und sie müssen nur ein Kreuz setzten. Es klingt so leicht, aber es ist eine große Verantwortung.”, gab mir Herr Sommer zu verstehen.

Ich wusste nicht was ich dazu sagen sollte, also nickte ich nur. “Gut, ich muss weiter Herr Mayer. Sie schaffen das schon.” Herr Sommer war auf einmal sehr in Eile.

Ich setzte mich an mein Computer, der auch tatsächlich ein Bild hatte. Das musste vorhin wohl nur Einbildung gewesen sein. Also wartete bis ich mein erstes Formular erhielt. Frau Schmidt. Feuern oder nicht? Ich kannte die Frau kein Stück, wusste nicht einmal wie sie aussah. Aber ich wollte einen guten Eindruck machen. Also entschied ich mich sie zu feuern. So füllte ich brav dutzende von Formularen aus. Mal feuerte ich einen Mitarbeiter, einen anderen ließ ich weiter bei DREAM arbeiten. Irgendwann blickte ich von meinem Rechner hoch.

Alle anderen Mitarbeiter waren verschwunden. Keiner arbeitete mehr. Komisch. ich hatte niemanden gehen gehört. War ich so in meiner Arbeit vertieft? Es war auch schon später Nachmittag. Ich nahm meine Jacke und wollte nach Hause gehen. Da sah ich im Flur noch ein leichtes blaues Leuchten eines Computers. Es kam aus dem Büro von Herrn Sommer.

Ich war neugierig und schlich mich vorsichtig hinein. Er war auch nach Hause gegangen. Wie ferngesteuert ging ich auf seinen Computer zu. Ich wusste, dass es nicht richtig war. Ich starrte auf seinen Bildschirm. Er hatte mehrere Fenster offen. Eines zeigte die Überwachungskameras. Ich schaute mir das näher an und klickte auf die Kamera, die mich abfilmte. Die Aufnahme zeigte wie ich vor einem schwarzen Bildschirm saß und wie ein Zombie mit der Maus in die Schwärze klickte.

War alles eine große Lüge? Ein böser Scherz? Verarschte DREAM hunderte von Mitarbeitern einfach so? Doch dann bemerkte ich noch ein anderes Fenster. Es hieß : “Wichtige Formulare. Aufgabe von Herrn Mayer”. Ich öffnete es und betrachtete die Formulare genau. Sie existierten. Aber wie? Dann las ich wofür die Fomulare wirklich waren und mein Herz blieb stehen. “Entscheidung darüber welcher Mitarbeiter sterben muss.”

 

 

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