
Derselbe Trott
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Tag um Tag derselbe Trott
Wer kennt es nicht? Man quält sich morgens aus dem Bett, geht ins Bad, wäscht sich. Wenn man die Zeit hat und beim Wecker nicht gefühlte zwanzig Mal die Schlummerfunktion betätigt, würgt man einen tiefschwarzen Kaffee herunter und vertilgt ein Brot. Immer das gleiche Brot. Mal mit Aufstrich, mal mit Aufschnitt. Doch es bleibt immer das gleiche Brot.
Jeden Tag derselbe Trott
Anschließend sagt man seinen Lieben auf Wiedersehen, steigt in das Auto, die Bahn, den Bus und nimmt eine lange Fahrt zur Arbeit in Kauf.
Immer wieder derselbe Trott
Die Arbeit. Man wirft sich in dieselbe Arbeitskleidung wie am Vortag, trifft dieselben Kollegen, sucht denselben Arbeitsplatz auf. Man bekommt Aufgaben zugeteilt. Die gleichen wie vorgestern und wahrscheinlich wie morgen. Der Chef hat die gleiche Laune wie immer und lässt sie an seinen Mitarbeitern aus. Die Kollegen sind gestresst und demotiviert, genau wie man selbst. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in einer Fabrik, im Büro, in einer Fleischerei oder am Flughafen arbeitet. Ob man Facharbeiter oder in einer Führungsposition ist. Die Aufgaben sind anders, doch es ist immer dasselbe.
Immer wieder derselbe Trott
Nach Feierabend, falls man keine Überstunden machen musste, steigt man in das Transportmittel der Wahl und macht sich auf den Heimweg. Dieselbe Heimat. Man begrüßt seinen Partner, den Hund oder wer sonst auf einen wartet, schält sich müde aus seiner Kleidung, geht duschen, isst eine Kleinigkeit und versucht, den Rest des Tages angenehm zu gestalten. Vielleicht sieht man einen Film mit seiner Frau oder seinem Mann, trifft Freunde oder vertreibt sich die Zeit mit Videospielen. Nichts, was man in den vergangenen Tagen nicht schon gemacht hätte. Erschöpft fällt man am Abend ins Bett, schläft unruhig und schlecht, wie fast jede Nacht. Nur um am nächsten Tag mies gelaunt aufzustehen, und alles beginnt von vorn. Der ewige Kreislauf.
Immer derselbe Trott
Doch gibt es Menschen, die sich diesem Trott augenscheinlich entziehen können. Der Eine ist arbeitslos, der Andere eröffnet eine Musikschule, der Nächste macht sich selbstständig. Doch verfallen diese Menschen nicht auch in einen Trott?
Der Arbeitslose ist frustriert, da er arbeiten möchte, aber keinen Job findet. Vielleicht ist er alt, krank oder beides. Er fühlt sich von der Gesellschaft isoliert. Es ist unfair, das Geld reicht vorne und hinten nicht, und so durchforstet er Tag für Tag das Internet und die Zeitungen auf der Suche nach Jobangeboten. Dreißig Bewerbungen schrieb er in den vergangenen Wochen, doch nie kam etwas dabei rum.
Immer derselbe Trott
Der Musiklehrer, der seinen Job anfangs sehr mochte, muss den immer gleichen kleinen Kindern die Anfänge beibringen. Noten lesen, die Saiten der Gitarre stimmen. Wie oft haben diese Kinder schon eines seiner teuren Instrumente beschädigt? Es macht ihn wütend, und er ist froh, wenn sich mal ein Mensch gehobenen Alters in seine Schule verirrt, der auf seine alten Tage ein Instrument erlernen möchte. Doch auch hier dasselbe Notenlesen, dasselbe Stimmen der Instrumente.
Immer derselbe Trott
Der Selbstständige hat sich verkalkuliert und kommt mit dem Geld nicht hin. Er muss immer mehr arbeiten, um seine Unternehmung zu finanzieren, bis er es irgendwann aufgibt und sich einen normalen Job sucht. Anfangs kommt er gut damit klar, doch nach einiger Zeit verfällt auch er in…
Denselben Trott
Ausnahmen bestätigen die Regel. So gibt es Leute, die ihre Arbeit lieben, ihre Selbstständigkeit meistern und einfach glücklich sind. Ist das, was ich schreibe, bloß Schwarzmalerei und ist alles nicht so schlimm? Wer weiß? Hinterfrage dich einmal selbst. Bist du glücklich mit deinem Leben, deiner Arbeit, den allgemeinen Umständen? Oder quälst auch du dich jeden Morgen aus dem Bett und verfällst in denselben Trott?
Natürlich kann eine solch frustrierende Spirale nicht ohne Folgen bleiben. Man hört es fast täglich in den Nachrichten oder liest es in der Zeitung: „Mann vom Dach eines Hauses gesprungen“, „Geistig verwirrter Täter ermordet Person“. Ja, diese Spirale wirkt sich nicht gut auf die Psyche der Menschen aus. Wo einige damit umgehen können und sich in den eigenen vier Wänden in Fantasiewelten oder mehr oder weniger sinnvolle Hobbys flüchten, um ihrem Stress entgegenzuwirken, halten manche Leute diesem Druck nicht stand. Er macht sie langsam kaputt, zerfrisst sie, bis sie zu einer dieser armen Gestalten werden, von denen man in den Medien hört.
Doch warum erzähle ich euch das alles? Nun, es gibt eine Geschichte, die eng mit diesem Trott verwoben ist. Sie dreht sich um einen jungen Mann namens Dennis. Dennis hatte es nie leicht, und auch er ist ein armes Opfer der unglücklichen Umstände, die das Leben manchmal mit sich bringt.
Dennis stand in der Blüte seiner Zeit. 20 Jahre jung, dynamisch und fit. Man könnte ihn als den typischen Siegertypen ansehen. Doch heißt dies nicht, dass Dennis einer dieser schmierigen Menschen war, denen alles in den Schoß zu fallen scheint und die eine gewisse Arroganz an den Tag legen. Im Gegenteil. Bereits mit sieben Jahren meinte es das Schicksal nicht gut mit unserem Protagonisten.
Dieser Ausflug in den örtlichen Tierpark sollte etwas ganz Besonderes werden. Schließlich hatte Dennis Geburtstag, und er freute sich seit geraumer Zeit auf dieses Unterfangen, welches seine Mutter ihm so lange versprochen hatte.
Leider konnte Papa nicht dabei sein – Leberzirrhose. Er hat dem Druck auf seiner Arbeit nicht standhalten können und flüchtete sich in den Alkohol. Versteht mich nicht falsch, Dennis‘ Vater war ein guter Mann. Er war immer engagiert, zielstrebig und hat auch im Rausch seiner Familie nie etwas Schlechtes getan. Er hielt nur dem ewigen Druck nicht stand, der Alkohol war sein Ventil. Sein Segen und sein Fluch. So forderte dieser, wie alles im Leben, seinen Tribut und entriss ihn seiner Familie, als Dennis gerade einmal fünf Jahre alt war. Es war eine harte Zeit, Dennis konnte kaum verstehen, wieso Papa nicht mehr wiederkam und warum Mama nun immer öfter weg war. Sie muss Geld verdienen, sagte sie. Dennis konnte das in seinem zarten Alter nicht verarbeiten. Doch dies war nun nebensächlich, denn es war sein großer Tag und diesen wollte er sich auf keinen Fall vermiesen lassen. Auch die heftigen Regenfälle, die über die Autobahn peitschten und sie in einem nassen Glanz erstrahlen ließen, konnten ihm die Laune nicht verderben. Seine Mutter wollte ihm den Ausflug wegen des Wetters erst ausreden, doch brachte sie es ob der harten Zeit, die ihre Familie hinter sich hatte, nicht übers Herz.
Umso trauriger könnte es den Leser dieser Geschichte stimmen, dass das Auto aufgrund der nassen Fahrbahn ins Schleudern geriet und ungebremst in eine Baustelle krachte. Das Leben meinte es nicht gut mit Dennis. Er selbst kam mit ein paar Knochenbrüchen und kleineren Wunden davon, doch seine Mama… nun, überspringen wir das Kapitel, in dem Dennis versuchte, seine Mutter aufzuwecken.
Dennis kam nach ihrem Tod bei seinen Großeltern unter. Er mochte ihr großes Haus sehr. Der Garten weckte viele Erinnerungen an all die Ballspiele mit seinem Vater, als er noch klein war. Selbst das Baumhaus, das Papa und er notdürftig aus alten Brettern, die sie im Wald gefunden hatten, gebaut hatten, stand noch. Und im großen Gästezimmer hatte Dennis schon immer gerne geschlafen. Seine Großeltern nahmen den Jungen auf und behandelten ihn liebevoll, doch gerade Großvater war streng mit ihm. Er wollte, dass Dennis einst ein angesehener Teil der Gesellschaft wird, und so brachte er ihm schon im Kindesalter bei, wie man Reifen an einem Auto wechselt, Schränke aufbaut, Laminat verlegt, und meldete ihn frühzeitig im Kampfsportverein an. Ja, von Dennis wurde viel verlangt, schon als Kind. Doch war er immer bestrebt, das Beste aus sich zu machen, damit Mama und Papa stolz auf ihn sein können. Denn er war sich sicher, dass sie, auch wenn sie tot waren, immer über ihn wachten. Faulenzen, sich hängen lassen oder „chillen“ gab es für Dennis nie.
So begab es sich, dass unser junger Mann, zehn Jahre nach dem verhängnisvollen Ereignis auf der Autobahn, zu einem stattlichen Knaben herangewachsen war. Mit siebzehn Jahren hatte er durch außerordentlich gute schulische Leistungen bereits sein Abitur in der Tasche. Er freute sich auf die in wenigen Wochen startende Ausbildung, welche er durch seine guten Noten und seinen starken Charakter ohne großen Aufwand erringen konnte. Er war sich sicher, dass er sie, motiviert wie er war, schnell und problemlos über die Bühne bringen würde. Und er sollte Recht behalten. Nach dreieinhalb Jahren war Dennis mit der Ausbildung fertig. Er konnte sie durch seinen Fleiß um ein Jahr verkürzen und wurde anschließend in seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. Großvater wäre stolz auf ihn gewesen. Leider war der Krebs vor eineinhalb Jahren zurückgekehrt, und dieses Mal schaffte Opa es nicht, ihn zu besiegen. Das Leben meinte es nicht gut mit Dennis.
Auch wenn das Schicksal ihm bereits im frühen Alter zugesetzt hatte, schaffte er es, sich trotz der Verluste immer weiter hochzuarbeiten. Bis zu einem Punkt jedenfalls. Nachdem Dennis die Ausbildung beendet hatte und in seinem Ausbildungbetrieb anfing, musste er erkennen, dass nichts von dem, was er die vergangenen Jahre während seiner Schul- und Ausbildungslaufbahn erlebt hatte, das richtige Leben widerspiegelt. Dieses, musste Dennis erkennen, war hart und grausam.
Die ersten Monate im neuen Job waren eine schöne Zeit für den jungen Mann. Er arbeitete fleißig und verdiente viel Geld, mit dem er sich nach wenigen Monaten bereits eine eigene Wohnung leisten konnte. Er freute sich, dass er nun auf eigenen Beinen stehen konnte, hatte allerdings nicht erwartet, dass eine eigene Wohnung so viele Kosten verursacht. Es war zwar nicht wenig, was Dennis verdiente, doch es reichte kaum, um gut zu leben. Ein Auto konnte er sich nicht leisten, und so fuhr er Tag für Tag mit der Bahn zur Arbeit. Ein Graus, denn durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten, die Dennis hatte, musste er lange Umsteige- und Wartezeiten in Kauf nehmen. So verbrachte der junge Mann neben seiner Arbeitszeit viele Stunden auf den Bahnhöfen dieser Welt. Für seinen Kampfsportverein hatte er keine Zeit mehr. Auch seine Freunde sah er kaum noch. Den vielen Überstunden, die er leisten musste, seit es dem Unternehmen so schlecht ging, sei Dank.
Dennis schlief immer weniger. Er wollte die wenige Freizeit, die er noch hatte, nicht mit Schlafen vergeuden. Zwei bis drei Stunden Schlaf in der Nacht wurden zur Regel statt zur Ausnahme. Auch die Arbeit machte Dennis keinen Spaß mehr. Erst einige Monate nach der Ausbildung erkannte er, dass er in einem Betrieb arbeitete, der ihn nie erfüllen würde. Bei seinen Kollegen hatte er als ehemaliger Azubi einen schweren Stand. Er wurde nicht ernst genommen, immer als der „Jungspund“, der „Grünschnabel“ betitelt.
Dennis ließ es sich nicht anmerken, doch belastete ihn dies sehr. Er hatte abends schon Bauchschmerzen, wenn er an den nächsten Arbeitstag dachte, was seine viel zu kurzen Nächte zu einem ständigen Wechsel von unruhigem Schlaf und dem Hin- und Herwälzen im Bett machte.
Natürlich ging dies nicht spurlos an Dennis vorbei. Nachdem er all dies einige Zeit lang mitgemacht hatte, fing unser übermüdeter, junger Mann an, morgens am Bahnhof Farben zu sehen. Doch nicht nur das. Er hörte ein ständiges Rauschen aus den Lautsprechern des Bahnhofs. Als er nach Feierabend einen Mitarbeiter darauf ansprach, schaute ihn dieser nur verdutzt an und beteuerte, kein Rauschen zu hören. Dennis kam dies zwar seltsam vor, doch dachte er sich nichts weiter dabei und schob es auf den vielen Stress.
Auf der Arbeit wurde er direkt in einen Konflikt mit einem neuen Mitarbeiter verwickelt. Die beiden stritten lautstark, bis Dennis‘ Chef ihn nach Hause schickte und ihm sagte, er solle sich einmal richtig ausschlafen. Das kam Dennis zwar komisch vor, denn sein Chef schickte normalerweise niemanden heim, der nicht ernsthaft krank war, doch dachte er gar nicht daran, nach Hause zu fahren. Seine plötzlich gewonnene Freizeit nutzte er für einen ausgiebigen Einkaufsbummel in der Stadt und einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher. Dies wiederum resultierte in einer erneut kurzen, schlaflosen Nacht, in welcher sich ihm viele Fragen stellten. Er musste an den Konflikt auf der Arbeit denken. Daran, wie aggressiv der neue Kollege auf ihn reagiert hatte und wie seltsam die anderen Mitarbeiter Dennis während des Streits ansahen. Auf den streitenden Kollegen reagierten sie nicht, auch der Chef würdigte ihn keines Blickes. Dennis war unwohl, und nach weiteren fruchtlosen Versuchen, wenigstens ein paar Stunden Ruhe zu finden, stand er auf, machte sich einen Kaffee, biss in ein lieblos zubereitetes Brot und brach alsbald zur Arbeit auf.
Dennis wurde vor dem Tor zur Fabrik bereits von dem neuen Mitarbeiter erwartet. Dieser ging sogleich auf unseren gestressten Protagonisten los. Sie würden noch eine offene Rechnung haben, rief er. Dennis wehrte sich natürlich und schlug in blinder Panik auf den Mitarbeiter ein, bis dieser sich nicht mehr bewegte. Dumm nur, dass die Überwachungskameras aufzeichneten, wie Dennis diesem unschuldigen Passanten, der nichts weiter tat, als am Straßenrand zu stehen und eine Zigarette zu rauchen, das Leben nahm.
Dennis versuchte der Polizei die Situation zu erklären. Doch das ständige nervöse Umherblicken, das Gerede über Farben, rauschende Geräusche und Personen, die ihn unvermittelt angriffen, trugen nicht zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Die Kollegen, die berichteten, dass Dennis am Tag zuvor auf der Arbeit wild gestikulierend herumgeschrien hatte, aus dem Nichts, als würde er sich mit jemandem streiten, der nicht da war, bestätigten die Polizisten in ihrer Vermutung. So hatte Dennis einen langfristigen Aufenthalt in der geschlossenen Abteilung der örtlichen Psychiatrie gewonnen. Die Einrichtung, in der auch seine Eltern behandelt wurden. Sein Vater aufgrund des Alkoholismus und den damit einhergehenden Wahnvorstellungen, seine Mutter wegen der Psychosen, die die ewigen Vergewaltigungen, welche sie als Prostituierte über sich ergehen lassen musste, ausgelöst hatten. Dennis‘ Mutter hatte keine Qualifikationen vorzuweisen und so schien ihr das der einzige Weg zu sein, um ihren Sohn zu ernähren. Eine tragische Fehlentscheidung, wie die arme Frau feststellen musste.
Dieser Trott, diese nicht enden wollende Spirale macht die Menschen kaputt, kreiert Opfer der Gesellschaft und des Konsums. Die Menschen führen Berufe aus, die sie hassen, müssen sich mit Personen abgeben, die sie nicht leiden können, Arbeiten verrichten, die ihnen keinen Spaß machen. Und all das, um zu konsumieren. Sie sind alle Opfer des Konsums.