
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Völlig verschlafen drückte ich meinen Wecker aus. Ich quälte mich langsam aus dem Bett und ging ins Badezimmer. Ich blickte in den Spiegel und sah mein verschlafenes Ich mit dunklen Augenringen.
Ich muss mich unbedingt demnächst früher hinlegen.
Ich kämme meine Haare, welche ich, wie so oft, nicht bändigen kann. Überall stehen einzelne braune Locken von meinem Kopf ab. Also heute ein Zopfgummi und versuchen, etwas halbwegs Anschaubares aus meiner Mähne zu machen. Ich schaue erneut in den Spiegel und nicke mir zu.
Besser geht’s heute nicht.
Schnell noch Zähne geputzt, Klamotten angezogen, eine Kleinigkeit gegessen und mir Brote für die Nachtschicht geschmiert.
Ich war spät dran, hastete die Treppe hinunter und stieg in mein Auto. Dann fuhr ich los, endlich ein wenig Zeit, um zu entspannen. Ich machte das Radio an und sang laut mit. Auch wenn ich keinen Ton treffe, bekomme ich dadurch richtig gute Laune.
Freudig stieg ich aus meinem Auto, schlenderte über den Parkplatz und betrat unsere Zentrale. Meine gute Laune wich, sobald ich meinen Kollegen erblickte. Er sah total gestresst aus.
Na toll. Da wartet viel Arbeit auf mich.
Ich hatte recht. In der Nacht war viel aufzuarbeiten. Ich übernahm also den Dienst, schickte meinen Kollegen in den Feierabend und machte mich an die Arbeit. 12 Stunden alleine Dienst beim Sicherheitsdienst. Zum Glück war unsere Zentrale, in der ich ausschließlich tätig war, mit einer dicken Stahltür gesichert, und das Gelände war videoüberwacht. Ich hatte alles im Blick. Mein Kontakt zur Außenwelt bestand in den Kamerabildern, welche auch nur noch schwarze Bilder anzeigten in der Nacht, und in den Kontrollanrufen bei den Mitarbeitern im Außendienst.
Das Gebäude, in dem ich arbeite, ist alt, und durch die Mieter in den oberen Stockwerken hörte man immer irgendwelche Geräusche. Unser altes Radio ist also mein nächtlicher Begleiter.
Nachdem sich die Kollegen, welche im Außendienst tätig waren (Objektbewachungen – meistens Asylunterkünfte), angemeldet hatten, hatte ich erstmal kurz Ruhe. Ich schaute nochmal die Anwesenheitslisten durch und trug die angemeldeten Personen ein.
Erstmal einen Kaffee.
Kaum war ich in der Küche, klingelte auch schon das Diensthandy. Bitte nicht jetzt schon, das kann um die Zeit nichts Gutes sein. Ich irrte mich, am Handy hörte ich die Stimme von Benjamin, der einfach nur reden wollte. Benjamin war ein Kollege, der an der Pforte einer Männerunterkunft ebenfalls Nachtschicht hatte.
Seit einiger Zeit telefonierten Benjamin und ich immer öfter. Wir verstanden uns auf Anhieb. Mit ihm konnte man über alles sprechen, er nahm sich Zeit zum Zuhören, gab Tipps und war dankbar, wenn ich ihm zugehört habe. Ja, ich gebe es zu, manchmal lästerten wir auch über andere Kollegen. Das Einzige, was bei unserer Freundschaft noch fehlte, war der persönliche Kontakt. Ich habe ihn noch nie gesehen. Wir hatten ausschließlich über Handy Kontakt. Natürlich habe ich sein Passbild in unseren Mitarbeiterakten schonmal gesehen, aber das war halt nicht dasselbe. Mit ihm zu sprechen machte viele Schichten leichter. Er brachte mich immer zum Lachen, egal wie schlecht meine Laune war.
Es dauerte nicht lange, bis wir wieder auf das Thema ’sich treffen‘ kamen. Wir hatten es schon so oft geplant, und nie hatte es geklappt. Wir beschlossen, dass wir uns nach unserer Schicht auf einen Kaffee treffen wollten.
Ich: „Macht es dir auch wirklich nichts aus, nach 12 Stunden nochmal eine halbe Stunde mit dem Auto zu fahren?“
Er: „Nein, das geht schon in Ordnung. Ich will jetzt endlich auch mal die Person persönlich kennenlernen, die meine ganzen Geheimnisse kennt.“
Ich kicherte. Also war es beschlossene Sache. Diesen Mal würde keiner absagen können, da es so kurzfristig war.
Ein eingehender Alarm riss mich wieder in die Wirklichkeit. Ich hatte nicht länger Zeit zum Quatschen, verabschiedete mich und widmete mich dem Alarm.
Schritt für Schritt leitete ich die Maßnahmen ein, protokollierte alles und legte es, zur Kontrolle, auf den Schreibtisch meines Vorgesetzten. Danach arbeitete ich noch an der Liste über alle Überwachungssysteme, welche wir bei uns in der Zentrale nutzen. Die musste ich unbedingt fertig bekommen, ein Auftrag vom Chef höchstpersönlich. Ich hatte nicht mal die Hälfte geschafft, als das Diensthandy wieder klingelte. Die Nummer verriet mir schon, dass Benjamin wieder anruft.
Ich: „Sag jetzt nicht, du willst mir absagen!?!“
Er: „Nein, keine Angst. Allerdings hat es schon was mit ’sich treffen‘ zu tun. Ich habe lange überlegt und … ähm… Überraschung, komm vor die Tür und lass uns zusammen eine rauchen!“
Ich: „Netter Scherz. Erstens kannst du nicht einfach deinen Arbeitsplatz verlassen und zweitens, ich kann dich draußen nirgendwo sehen, keine Kamera hat Bewegungen aufgezeichnet.“
Er: „Okay, warte kurz, ich beweise es dir.“
Nun war ich gespannt, eine gefühlte Ewigkeit hörte ich nichts am Telefon. Ich wollte gerade auflegen und dies als dummen Scherz abtun, da sprach er wieder mit mir.
Er: „Schau auf die Kamera im Vorraum, ich mach jetzt das Licht an“
Ich schaute gespannt auf das Bild der Kamera, welche in unserem Vorraum angebracht war. Nichts passierte. Gerade als ich ihm sagen wollte, er solle solche Scherze unterlassen, ging das Licht im Vorraum tatsächlich an. Ich war verunsichert, weil ich nur noch schemenhaft jemanden den Vorraum verlassen sah.
Ich: „Benjamin, ich bin nicht blöd, und ich denke, du bist auch en schlaues Kerlchen. Du würdest niemals deinen Job aufs Spiel setzen und deinen Arbeitsplatz verlassen. Egal welchen Kumpel du da mit reingezogen hast, sag ihm, er kann nach Hause gehen.“
Er: „Das ist kein Spaß. Da draußen steht auch kein Kumpel. Ich stehe hier. Dass ich meinen Arbeitsplatz verlassen hab, bemerkt doch sowieso niemand um diese Zeit.“
Ich schaute auf die Uhr am Computerbildschirm. Es war schon 3 Uhr, mitten in der Nacht also.
Ich: „Also okay, ich bin gleich da.“
Ich beendete das Gespräch, schnappte meine Zigarettenschachtel und schloss die Stahltür auf. Im Vorraum war das Licht zum Glück noch an, also brauchte ich mir nicht im Dunkeln den Weg mit Händen und Füßen zu suchen. Auf dem Weg durch den Vorraum bekam ich jedoch ein ungutes Gefühl und holte schnell noch die größte und schwerste Taschenlampe aus unserem Büroschrank und ging dann nach draußen.
Nichts, niemand war zu sehen. Ich zündete meine Zigarette an und rief mehrfach seinen Namen. Ich leuchtete sogar das Gelände mit der Taschenlampe ab. So schnell kann er sich nicht versteckt haben. Nichts, niemand war zu sehen, und niemand reagierte auf mein Rufen. Jetzt fühlte ich mich erst recht verarscht. Ich rauchte schnell auf und ging wieder rein, schloss die Stahltür hinter mir ab und wählte die Nummer seines Diensthandys.
Er: „Hey, was gibts denn?“
Ich: „Ähm, willst du mich gerade irgendwie verarschen? Erst soll ich unbedingt gleich rauskommen und mit dir eine rauchen und dann, wo ich draußen bin, bist du weg. Was soll denn das? Das ist nicht lustig.“
Er: „Ich weiß garnicht, was du meinst. Wir wollten uns doch nachher nach Feierabend treffen. Außerdem darf ich doch nicht mitten im Dienst meinen Arbeitsplatz verlassen.
Ich: „Du hast mich doch gebeten, nach draußen zu kommen. Du hast das Licht sogar angemacht… und dann… warst du doch nicht da.“
Er: “ Du und deine Einbildung. Lies weniger Horrorgeschichten. Wenn ich schon zu dir fahren würde, dann würde ich doch auch zu dir rein kommen und nicht bei Minusgraden draußen warten.“
Ich: „Dann bin ich wohl verrückt, keine Ahnung, aber eingebildet hab ich mir das nicht. Naja, wir können ja nachher mal darüber sprechen, wenn wir uns treffen.“
Ich sah nochmal zu den Kameras, welche nun alle nur ein schwarzes Bild hatten. Das Licht hatte ich ausgemacht. Ich redete mir ein, dass ich, wegen Übermüdung, einfach was gesehen und gehört hatte, was garnicht da war.
Er: „Das machen wir auf jeden Fall. Ich freue mich schon darauf, die Geschichte zu hören. Vor allem aber darauf, dich zu sehen.“
Ich: „Super, ich freue mi….
Jemand tippte mir auf die Schulter. Das war keine Einbildung. Aber ich habe die Tür doch hinter mir verschlossen, hier kann niemand sein. Ich drehte mich um. Vor mir stand Benjamin, er sah so aus wie auf dem Passbild, das ich mal gesehen hatte.
„Benjamin, wie kommst du hier rein? Was ist das denn für ein kranker Scherz? Das ist nicht lustig.“
Dann hörte ich Benjamins Stimme, sie kam aus dem Handy, und der Benjamin, der vor mir stand, grinste nur – seine Lippen bewegten sich nicht.
Er rief nach mir, am Telefon. Nun zweifelte ich wirklich an mir. Das konnte alles nicht real sein. Ich hörte ihn immer lauter rufen – er rief immer wieder meinen Namen. Ich hörte nur noch, dass er die Polizei rufen wird, wenn ich nicht sofort mit ihm redete. Danach brach die Verbindung ab. Das Gespräch war beendet.
Ich war verwirrt. Das konnte nicht sein. Ich schloss die Augen und redete mir ein – das ist nicht real, er kann nicht hier sein, du hast eine zu ausgeprägte Fantasie. Wie in Dauerschleife wiederholte ich den Gedanken wieder und wieder in meinem Kopf.
Ich weiß nicht wie lange ich die Augen geschlossen hatte. Anscheinend hat Benjamin tatsächlich die Polizei gerufen, denn irgendwann hörte ich sie, wie sie versuchten, durch die Sicherheitstür zu kommen.
Ich öffnete langsam die Augen….
Er stand immer noch direkt vor mir, und hielt seinen Zeigefinger vor sein breites Grinsen….
Starr vor Panik konnte ich mich nicht bewegen… konnte nichts sagen… nicht schreien oder weglaufen…
… Ich wachte schweißgebadet auf, mein Wecker klingelt… zum Glück, nur ein Traum…
…doch ein mulmiges Gefühl blieb, ich muss gleich zur Nachtschicht