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Die Stimme

Sven war schon immer ein sehr einsamer Mensch. Freunde gab es kaum in seinem Leben. Dabei wünschte er sich, seit er denken konnte jemanden, dem er alles erzählen könnte. So viele Gedanken waren unausgesprochen und er hatte auch zu vielen Themen etwas zu sagen.

Sven fiel in der Großstadt einfach nicht auf. Auch unter seinen Arbeitskollegen war ein weiterer unbekannter Mitarbeiter in den großen Büroräumen. Er wurde höchstens dann beachtet, wenn er Fehler machte.

Nach einem langen Tag zog es Sven nur noch in sein Bett. In dieser Nacht hatte er sehr merkwürdige, nicht zusammenhängende Träume. Ein Glühen kam immer vor, wie ein kleiner Meteor, der auf der Erde einschlug. Doch es ergab nicht wirklich Sinn für Sven.

Am nächsten Morgen erwachte er mit Kopfschmerzen. Als er aus sein Handy schaute, war er geschockt. Er hatte verschlafen. In fünf Minuten musste er anfangen zu arbeiten. “Scheiße, die werden mich umbringen”, schimpfte er mit sich selbst.

“Nicht, wenn du sie zuerst umbringst”, surrte plötzlich eine fremde Stimme. Sven erstarrte für einen Moment. “Oh, habe ich dich erschreckt?”, fuhr die Stimme fort. Sven musste sich schütteln und schlug sich mit der flachen Hand auf die Wange. “Ganz langsam, Sven, du drehst nicht durch. Die Stimme ist gar nicht da”, redete er sich selbst ein.

“Doch ich bin da. Du drehst nicht durch “, gab die Stimme zurück. “Wenn du wirklich existierst, was bist du dann?”, fragte Sven mehr als verwundert. “Ein winziger Mann, der jetzt in deinem Kopf wohnt.” antwortete die Stimme.

“Das bilde ich mir gerade alles nur ein”, meinte Sven. “So ist es aber wirklich. Ich komme von weit her und dachte, dass ich bei dir ein Zuhause finde.” “Na gut. Dann lass ich dich fürs Erste in meinem Kopf wohnen.”, erwiderte Sven.

In den nächsten Tagen lernten sich die beiden mehr kennen und Sven schien langsam Gefallen an seinen neuen “Mitbewohner” zu finden. Die Stimme war immer sehr ehrlich und direkt. Das schätzte er an der Stimme.

Sven hatte nach langer Zeit wieder Lust nach getaner Arbeit, einen langen Spaziergang in der angenehmen Kühle der Nacht zu machen. “Weißt du, ich bin froh dass ich mit dir einen Gesprächspartner gefunden habe.” “Schmeichelst du mir gerade? Das ist ja widerlich.”, scherzte die Stimme. Die beiden unterhielten sich noch bis tief in die Nacht.

Am nächsten Morgen stand Sven noch völlig verschlafen in dem vollen Zug. Er war völlig in Gedanken verloren, als ein Mann der einstieg, ihn anrempelte. “Hey pass doch auf, du Volltrottel.”, pöbelte er Sven an. Sven schüttelte nur verzweifelt den Kopf.

“Möchtest du diesem Abschaum nichts antun?!”, fragte die Stimme sehr aufgebracht. “Was soll ich denn schon groß dagegen tun. Ich denke mir, der Klügere gibt nach.”, flüsterte Sven leise. “Schwach Sven, wirklich schwach. Du musst ausbrechen. Etwas Extremes tun. Bring ihn um.”, antwortete die Stimme ernst.

“Ich soll was tun?!”, fragte Sven nun etwas lauter und ein paar Menschen drehten sich zu ihm um. “Töten. Ihn kalt machen.” “Nein! Das werde ich nicht!”.

Sven redete an diesem Tag kein weiteres Wort mehr mit der Stimme. Sein Kopf brummte auch immer mehr, da die Stimme immer lauter wurde und ihn anschrie: “Sprich mit mir!” Seine Kollegen waren noch unzufriedener als sonst. Er war nicht mehr konzentriert. Auch die Nacht konnte er nicht schlafen. Die Stimme wurde aggressiv und ausfällig.

Früh am Morgen wandte sich Sven dann an die Stimme: “Es reicht! Ich möchte, dass du mich verlässt. Du bist gehässig und verdunkelst mein Leben!” , brüllte er laut. Er war ganz erstaunt von sich selbst. Die Stimme verstummte plötzlich für einen Moment. Dann flüsterte sie: “Du möchtest nicht wirklich, dass ich gehe.”

“Doch genau das möchte ich. Ich verlange es sogar von dir. Ich dachte Anfangs ich habe einen Freund gefunden, doch da habe ich mich geirrt.”

“Gut. Wenn du es verlangst, dann kann ich nicht verweigern. Das wäre unhöflich. Ich werde dich jetzt verlassen. Es wird dir nicht gefallen.”, gab die Stimme mit einem warnenden Unterton wieder. “Geh einfach.”, sprach Sven knapp.

In diesem Moment begann Svens Körper zu zittern. Er spürte, dass sich etwas bewegte. Ihm wurde plötzlich ganz übel. Auf einmal schoss ein roter Tentakel aus seinem Mund, der sich immer weiter heraus bewegte. Sven verspürte dabei höllische Schmerzen. Ein zweiter größerer Tentakel kam aus dem Mund. Dabei knackte sein Kiefer. Sven lebte noch als der Rest der Kreatur aus ihm heraus kroch. Es war ein glibbriger roter Haufen ohne Augen oder Mund, mit sechs Tentakeln. Sie kam auf ihn zu. “Mit dem kleinen Mann habe ich vielleicht etwas gelogen, das gebe ich zu, Sven. Du warst ein guter erster Wirt. Ich werde noch viele weitere finden.” Sven beobachtete in seinen letzten Atemzügen wie das Wesen aus seiner Wohnung kroch.

Sven war schon immer ein sehr einsamer Mensch. So starb er auch. Einsam.

 

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2 Kommentare

    1. Danke dir. Nach langer Zeit konnte ich endlich mal wieder was schreiben.

      Ich wollte es absichtlich etwas im dunklen lassen, was genau die Kreatur ist.

      Sie kam auf jeden Fall aus den Tiefen des Weltalls und wie in Svens Traum auf die Erde 🙂

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