
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Im Gleichschritt – Marsch!
Und wir marschieren Richtung Verdun, einhundert Kilometer entfernt der deutsch-französischen Grenze, sechshundert Kilometer entfernt des kleinen Dorfes, das ich meine, wenn ich von „Daheim“ rede. Auch wenn der Regen unerbittlich auf unsere Helme niederprasselt und dabei klingt, als wäre ein schwerer Sturm im Gange, und unsere schweren Stiefel im weichen Schlamm versumpft sind, dass sie das Doppelte ihres Ursprungsgewichtes angenommen haben, wir laufen, bis der Kommandeur uns den Befehl zum Anhalten gibt.
Kompanie – Links schwenken!
Seine Stimme wird langsam müde, genau wie unsere Augen, die es leid sind, auf den gleichen, immergrauen Horizont zu starren, der nur vom fernen Wetterleuchten etwas Farbe erhält. Aus dem Westen sind die Auswirkungen der Grabenkämpfe deutlich zu hören. Man hört nichts als Schreie; die Schreie Verwundeter, die Schreie Sterbender und in manchen Nächten auch die stummen Schreie der längst Verstorbenen.
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Frau und Kinder? Ich glaube, ich hatte einmal eine Frau, oder zumindest hatte ich das Bild einer Frau in meiner Jackentasche, bis der Regen es durchweicht und schließlich komplett zerfressen hat. Auch der Schriftzug meines Namens, der über der Brusttasche meiner Uniform zu lesen war, ist mittlerweile komplett verwaschen und unleserlich. Ich schätze, jetzt bin ich nur noch Soldat.
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Der Wind trägt den Gestank hunderter, einsamer Verstorbener in unsere Nasen. Man kann, wenn man sich konzentriert, den Duft der Kriegstoten von dem der Selbstmörder unterscheiden, denn Chlorgas kann man nicht für einen friedlichen Freitod verwenden.
Der finstere Wald zu unserer Rechten beherbergt Wölfe. Sie lieben den Krieg und hassen alles Lebende. Wer zurückfällt, kann sich selbst davon überzeugen. Oft ist das euphorische Heulen der Wölfe lauter als die qualvollen Hilferufe ihrer Opfer. Man sollte sich nicht von ihnen erwischen lassen; wer einmal gefressen wurde, kann dem forschen Marschtempo nur schwer mithalten.
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Hätten wir gewusst, was sie meinten, als sie „Kadavergehorsam“ von uns forderten, hätten wir uns niemals darauf eingelassen, andererseits hatten wir ohnehin keine Wahl.
Ein Soldat zwei Rotten hinter meiner zum Beispiel hat sich vor etwa zwanzig Minuten in der Maas versenkt. Mittlerweile läuft er wieder in der Reihe, wo der Kommandeur ihn vorgesehen hat. Einen anderen haben die Wölfe erwischt. Zuerst versuchte er, nicht über seinen Darm zu stolpern, der ihm aus der aufgerissenen Bauchhöhle vor die Füße fiel, doch als ihm das zu anstrengend wurde, entdeckte er, dass er sich nur seinen Innereien zu entledigen brauchte, um wieder mithalten zu können. Er ist nun sogar noch viel schneller als zuvor, ohne das unnütze Zusatzgewicht. Mir für meinen Teil fällt es schwer mitzuhalten, seit mir das Fleisch von den Knochen fiel. Die Knochen des Oberschenkels sind sehr zerbrechlich, wenn sie nicht von der Muskulatur gestützt werden. Das hatte ein Soldat in den vorderen Reihen nicht beachtet. Als seine Beine zerbarsten und er in den Schlamm stürzte, musste er erfahren, wie es sich anfühlt, unter den wuchtigen Kampfstiefeln einer halben Kompanie gerüsteter Soldaten zermalmt zu werden. Es war wohl recht schmerzhaft, als sein Schädel unter dem Gewicht seiner Kameraden zerbarst, aber leider ist nun auch seine Uniform schmutzig, was dem Kommandeur sicher sehr missfallen wird.
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Würde der Kommandeur endlich den Geist aufgeben, könnten wir zurück nach Hause, sechshundert Kilometer entfernt von diesem gottverlassenen Ort, doch solange er nicht den Befehl zum Abbruch gibt, müssen wir weiter Richtung Verdun marschieren.
Während der Ausbildung schrie er uns immerzu an: „Seid vorsichtig, passt auf eure Leben auf! Das einzige, was noch nutzloser ist als ihr, seid ihr, wenn ihr tot seid!“
Schwachsinn, ein toter Soldat kann länger marschieren als ein lebender. Das weiß er mittlerweile selbst, und das Einzige, was er noch ruft, ist:
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